Was glaubst du wie die Beziehungsdynamik zwischen den Jungs und deinem Charakter wäre?
Vale
Da nicht einmal die Hälfte dieser Beziehungen mit Anni abgesprochen ist, hoffe ich jetzt einfach mal, dass alles so klar geht. Inbesondere mit Vale, da Lin und er sich doch schon ein wenig länger und intensiver kennen.
Lin und Vale haben einige Jahre gemeinsam in Aschehain verbracht. Ihre (Zieh-)Väter waren wie Brüder und so lag es nahe, ihren Nachwuchs, der etwa gleichalt zu sein schien, gemeinsam trainieren zu lassen.
Anders, als zwischen ihren Vätern, entwickelte sich zwischen Lin und Vale jedoch keine freundschaftliche Dynamik, sondern eine Rivalität.
Lin ist damit aufgewachsen, dass Frauen das dominante Geschlecht sind und Männern in nichts nachstehen, sondern sie viel eher übertreffen. Auf Vale zu treffen, der sich sehr wohl für etwas besseres hielt - insbesondere bezogen auf seine Kampffähigkeiten - ging ihr gehörig gegen den Strich, weshalb sie begann, nicht nur des Trainings wegen zu trainieren, sondern einzig um allein, um dem Großmaul die Fresse zu stopfen.
Die Dynamik zwischen Lin änderte sich auch nicht, als er ihr Anführer wurde. Nur, weil die anderen auf ihn hörten, galt das nicht für Lin. Sie war an seiner Seite, so wie ihr Vater an der seines gewesen war, aber nicht, um ihn zu unterstützen, sondern um den werten Herren zu humblen, wann immer sie es für nötig hielt. Was verdammt oft der Fall war.
Lin und Vale haben sich in dieser Zeit ausschließlich gezankt. Sie haben sich gegenseitig provoziert, beleidigt und sind meist entweder auf dem Trainingsplatz, oder im Bett gelandet. Gelegentlich auch beides.
Ihre Dynamik wird geprägt durch einen niemals endenden Machtkampf und das Duell darum, wer in ihrer Beziehung zueinander die Hosen an hat.
Gerade dadurch bleibt ihre Beziehung jedoch eine, an der Lin Interesse hat. Menschen, die ihr frei nach der Schnauze reden und sie wie eine Prinzessin behandeln, langweilen sie. Mit Vale ist es anders. Hier kann sie sein, wer sie ist und herauslassen, was sie wirklich fühlt. Und wenn das gerade bedeutet, dass sie ihm ungebremst eine reinhauen will, dann tut sie das. Weil es nun mal einfach nur Vale ist, der da vor ihr steht.
Verbunden durch ein blutrotes Band, welches sich über Schlachtfelder, Bettdecken und durch Bars hindurch zieht, kommen Lin und Vale immer wieder zueinander zurück. Sie würden niemals zugeben, dass es so ist, doch sie können kaum ohne einander. Mit niemandem kann man besser Druck abbauen. Mit niemandem macht der Kampf mehr Spaß.
Dabei haben Lin und Vale sich häufig miteinander gemessen, jede Eigenheit des jeweils anderen kennengelernt, dass sie sich mittlerweile blind verstehen. Ganz gleich, ob auf dem Schlachtfeld, oder in der Bar. Sie scheinen zu wissen, was der andere denkt und was seine nächste Bewegung sein wird. Etwas, was zwar harmonisch klingt, in der Regel jedoch eher zu Streit führt.
Mortalis
Mortalis, oder auch Morti, wie sie ihn zu seinem Missfallen nennt, ist Lins allererster kleiner Bruder gewesen - und der einzige, den sie als ihren Annan bezeichnet. Lin hat Mort kennengelernt, als dieser gerade 12 Jahre alt war. Im Gegensatz zum Rest der Aschegeborenen, schien er so offen und aufgeschlossen, dass es selbst für Lin, die nie zuvor Kontakt mit Menschen gehabt hatte, ein einfaches war, sich nicht nur an ihn zu gewöhnen, sondern ihn in ihr Herz zu schließen.
Wann immer Lin mit Vale trainierte, wusste sie, dass Mort auf sie warten und sie mit seinen leuchtenden, viel zu jungen Augen, ausfragen würde. Er wollte von ihr lernen, sich mit ihr beschäftigen und Lin ging in der Anerkennung, die der jüngere ihr entgegenbrachte, vollkommen auf.
Die Unschuld, die der ‘kleine’ Mort damals verkörperte, weckte in ihr einen Beschützerinstinkt, den sie zuvor nicht gekannt hatte. Lin liebt Mort. Er ist nicht nur ein Freund. Er ist ihre Familie.
Dabei benimmt Lin sich ihm gegenüber jedoch ganz genau so, wie es sich für eine ältere Schwester gehört. Sie zieht ihn auf, nimmt ihn nicht ernst und auch jetzt, wo Mort nicht nur größer, sondern auch deutlich dunkler geworden ist, tut Lin weiter so, als würde der kleine Junge von damals vor ihr stehen.
Es gibt niemanden in Lins Leben, für den sie sich schneller in eine Klinge werfen würde, niemanden, den sie mehr beschützen möchte. Dass das einmal zu einem Problem in ihrer Beziehung werden könnte, darüber hat Lin nie nachgedacht. Doch Mort ist nicht mehr der kleine Junge von damals. Er ist ein erwachsener Mann und Anführer der Phönixflamme. Etwas, was Lin nur schwer akzeptieren kann.
Obwohl die Beziehung zwischen Lin und Mort, nachdem sie sich wiedergetroffen haben, einen durchaus seltsamen Charakter besitzt, sieht sie in ihm noch immer ihren Annan. Für sie ist er die gleiche Person wie damals und Lin wird immer so mit ihm umgehen, wie sie es für richtig hält
Sie ist ihm gegenüber bedingungslos loyal, auch, wenn das nicht bedeutet, dass sie immer seiner Meinung ist. Ihn zu schützen ist ihre oberste Priorität - und wenn sie ihm in diesem Zuge Konter geben muss, dann tut sie das.
Lin hofft nach wie vor darauf, dass Mort irgendwann wieder der gleiche Junge wie damals wird. Der Junge, der über ihre Witze gelacht und sich ohne Widerwille von ihr hat mitreißen lassen. Der Junge, der eher zu viel als zu wenig Emotionen gezeigt hat. Der Junge, der ihre dieselbe Art von Liebe, die sie ihm gegeben hat, zurückgibt.
Dieser Junge ist unter Schichten der Wut, der Rache und des Schmerzens versteckt. Doch Lin ist viel zu starrköpfig, um die Suche nach ihm aufzugeben. Und solange sie ihn nicht gefunden hat, tut sie einfach weiter so, als wäre alles wie immer. Getreu dem Motto ‘Fake it until you make it’.
Lysander
Lys ist Lins Zwillingsbruder. Zumindest, wenn man nach ihr geht. Dass sie zu unterschiedlichen Rassen gehören, spielt keine Rolle, immerhin haben sie Am GlEiChEn TaG gEbUrTsTaG!
Ab dem Zeitpunkt, an dem Lin das erfährt - was dank Mort sehr früh der Fall ist - gibt es für sie absolut kein Halten mehr. Sie sind verbunden. Durch die Welt. Durch das Schicksal. Genau so, wie es sich für Zwillinge nun mal gehört.
Dass Lys und Lin, abgesehen vom gleichen Geburtsdatum, absolut keine Gemeinsamkeiten zu haben scheinen, stellt für Lin dabei absolut kein Hindernis dar. Es interessiert sie kein Stück, wie genervt Lys davon ist, dass sie ihm immer wieder ungefragt ihren Arm um die Schulter wirft oder wie oft er ihr sagt, dass sie verdammt nochmal damit aufhören muss, ihn ihren Bruder zu nennen, da er das Nicht. Ist.
Lin hat viel zu viel Spaß daran, Lys zu ärgern, als dass sie auch nur daran denken würde, aufzuhören. Die Erfahrung, einen Mann kennengelernt zu haben, der weder in die Kategorie älter, noch in die Kategorie jünger fällt, gibt ihr eine Gewisse Lockerheit im Umgang mit Lys.
Es fällt ihr deutlich einfacher, sich nicht ständig Sorgen um ihn zu machen, gleichzeitig kann sie Lys gegenüber jedoch auch keine sexuellen Gefühle entwickeln - immerhin könnte sie prinzipiell auch vor ihm geboren worden sein.
Und auch, wenn Lys nicht anders kann, als sich über Lin aufzuregen, die ihn in einer Tour von seiner Arbeit ablenkt und ihn, wenn sie in der Nähe ist, nicht mal einen Satz in seinem Sachbuch lesen lässt, ohne ihm auf die Nerven zu gehen - er ist ein Prinz, wer zur Hölle gibt ihr das Recht, sich einfach auf ihn zu setzen, wenn er gerade auf dem Sofa liegt? - irgendwie ist diese unakzeptable Nähe, die sie vollkommen einseitig zu ihm aufbaut, auch ganz amüsant.
Es nervt Lys, doch an manchen Tagen, wenn er zu tief in seinen wissenschaftlichen Unterlagen vertieft ist und darüber nicht nur die Zeit, sondern alle menschlichen Bedürfnisse vergisst, ist er auch dazu geneigt, Lin einen Vorwurf zu machen, ihn nicht eher aus seinem Fokus gerissen zu haben - schließlich hat sie sich diesen Job ausgesucht. Jetzt soll sie ihn gefälligst auch richtig machen.
Auf eine seltsame Art und Weise wirkt die Dynamik zwischen Lys und Lin wie die eines coolen Kids, welches sich irgendwo eine streunende Katze eingefangen hat, die ihm nun nicht mehr von der Seite weicht. Eine große Katze. Und eine ziemlich aufgedrehte.
Wenn es um Lys geht, scheint Lin vollkommen zu vergessen, dass eigentlich sie die Person ist, die meistens zumindest weitestgehend erwachsen wirkt. Sie ist ein zu großes Kind, dass alles mit seinem Geschwisterkind machen möchte - und dabei nicht einen Hauch Verständnis für das Wörtchen ‘Privatsphäre’ aufbringen kann.
Anfangs hofft Lys auf nichts mehr, als darauf, Lin schnell wieder loszuwerden. Doch der menschliche Verstand ist darauf getrimmt, sich an Dinge zu gewöhnen. Und Lys gewöhnt sich mit jedem Tag mehr an Lin. Denn eigentlich ist sie ja ganz in Ordnung…
Vexar
Vexar ist die Person, mit der Lin zu Beginn wohl am wenigsten anfangen kann. Er ist so anders als alle Personen, mit denen sie bisher näher zu tun hatte. Seine Körpersprache verwirrt sie, seine fehlenden Worte sind für Lin noch irritierender.
Für sie, die Menschen noch immer nicht zu 100% durchschaut, ist er das absolute Gegenteil eines offenen Buchs. Sie versteht seine kreative Seite nicht. Die beinahe naiv anmutende Woge der Unschuld, die ihn umgibt, ist für Lin ein reines Rätsel.
Doch Vexar ist jünger als Lin. Ein Grund, ihn, trotz der ganzen Verwirrung, als kleinen Bruder in ihre selbstgebaute Patchwork-Familie aufzunehmen. Doch anders, als bei Mort und auch bei Lysander, hat Lin Probleme damit, ihm gegenüber aufzutauen.
Vexar passt in ihren Augen nicht in diese Welt. Nicht in ihre Welt.
Niemals würde sie ihn mit Gewalt in Verbindung bringen. Und Lin will es auch nicht soweit kommen lassen.
Ihr Beschützerinstinkt Vexar gegenüber ist weniger ein familiärer, als die Tatsache, dass Lin Vexar zu beginn ihrer Beziehung absolut nichts zutraut. In ihren Augen ist er ein stilles Püppchen mit der weißesten Porzellanhaut, die sie je gesehen hat. Vale und Mort können ihr noch so viel über seine Fähigkeiten erzählen - solange sie es nicht mit eigenen Augen sieht, glaubt sie nicht daran.
Ein Teufelskreis, schließlich würde Lin niemals zulassen, dass Vexar tatsächlich ins Kampfgeschehen verwickelt wird, solange sie ihn davor bewahren kann.
Abseits des Kampfgeschehens, hält Lin vor allem zu Beginn, Abstand zu Vexar. Nicht, weil sie ihn nicht leiden kann, doch es gibt viel mehr Personen, mit denen sie sich gut unterhalten kann. Da bleibt er einfach außen vor. Sofern er dadurch nicht alleine in der Ecke steht.
Lin, die dazu neigt, sich für alles und jeden, der nur zwei Minuten nach ihr das Licht der Welt erblickt hat, verantwortlich zu fühlen, würde niemals zulassen, dass Vexar ihretwegen ausgeschlossen wird. Solange sie weiß, dass es andere Personen gibt, die sich um ihn bemühen, investiert sie jedoch vergleichsweise wenig ihrer kostbaren Zeit darin hinein, eine tiefe Bindung zu ihm aufzubauen.
Über einen längeren Zeitraum wird Lin dennoch beginnen, Vexar besser zu verstehen - insbesondere dadurch, dass sie seine Interaktion mit anderen Personen beobachten kann. Sie wird nach und nach, ebenso wie nahezu alle anderen, einen Soft Spot für seine scheinbar weiche und liebevolle Seite entwickeln. Etwas, was fortan dafür sorgt, dass sie ihn immer im Augenwinkeln im Blick hat. Schließlich kann sie nun erst recht nicht zulassen, dass jemand dem kleinen Pups ein Haar krümmt.

















