Was danach folgte war... nicht sehr viel anders als das, was zuvor geschah. Eine Gewinnsträhne sorgte für eine längere Wartezeit...
Wahrscheinlich waren es gezinkte Herausforderungen, aber nun ja... dafür ließ er ihn einige Male gewinnen, einfach weil es ZU offensichtlich war, dass es gegen ihn ausgelotet war.
Die freiwillige Fairness des Engelskönigs war ein wenig... ansteckend. Vielleicht war es die Anwesenheit der kleinen Engel. Eines bemerkte die Polarität der Herausforderungen und wurde... traurig.
Es war die schnellste Aufgabe des gesamten Labyrinthes.
Aber... ja. Mehr Schlaf, mehr Wortspiele, weitere Kämpfe, einige Gesellschaftsspiele und viele Spielpausen für die kleinen Engel.
Am Ende des Labyrinthes waren es 23 Tage.
Sein Notebook war grfüllt mit Aufzeichnungen und die Engel waren vollzählig. Das letzte Tor führte zu einem Fahrstuhl.
Alle kleinne Engel hatten sich mittlerweile an ihren König gewöhnt und hatten kein Problem damit ihm zu folgen. Trotzdem verabschiedeten sie sich von ihrem 'Pflegedämon' mit tränenreichen Umarmungen.
Jener Pflegedämon hatte allerdings mittlerweile doch mächtige Kopfschmerzen. Trotzdem hielt er sie fest und versprach zu versuchen sie zu treffen, wenn es denn möglich wäre. Vielleicht auf der Erde.
Er ließ sie ungern gehen, aber vielleicht wurde es Zeit.
Zum Abschied bot er dem König zumindest einen Handschlag an. Es schien... vertraut genug, aber nicht übermäßig intim.
Nun, dann verschwanden alle im Fahrstuhl und die Tür schloss.
Erst im letzten Moment griff Levil nach den Türen und schob wie noch einmal einen spaltbreit auf: „Ich... bin froh Euch getroffen zu haben. Wir... sehen uns eventuell in einem Millenium wieder. In einem höheren Rang“, er runzelte kurz die Stirn, „... bis dann!“
Er würde wohl nie erfahren, ob oder was der erwachsene Engel dazu z sagen hatte, denn die Tür schlos sich in diesem Moment und Levil teleportierte in sein designiertes Arbeitszimmer um seinen offiziellen Report auszufüllen.
Er war sich nicht sicher, wie schlecht er abgeschnitten hatte. 23 Tage schienen ihm wie eine recht kurze Zeit, aber... es war immerhin der erste Versuch.
Trotzdem füllte er alles gewissenhaft aus und gab ihn schließlich ab.
Als er später zu hören bekam, dass er die Rekordzeit um etwa das zehnfache geschlagen hatte, wollte er beinahe lauthals lachen.
Die Frage nach dem warum wurde allerdings auch sehr bald beantwortet: Die Aura des Engels brannte schlimmer als jede Flamme der Hölle. Niemand konnte dieser entkommen, auch wenn er sie aufs nötigste herabsetzte um fair zu bleiben. Der erklärende Dämon äußerte sich in diesem Atemzug positiv über Levil's Schhmerzresistenz aus.
Das Problem war nur: Er hatte keine Schmerzen verspürt. Nicht wirklich. Erst zwei Wochen nach Beginn des Labyrinthes. Und auch dann nur als pochender Kopfschmerz.
Und das... hatte ihn in seine eigenen Privatkammern geführt. Und zur Meditation. Um seinen Geist zu befreien. Und den Ursachen auf den Grund zu gehen.
Wie sich herausstellte, wurde nicht nur sein Geist befreit.
Versuchsweise schlug er noch einmal mit den Flügeln...
… kraftvolle, überaus gut gebaute Schwingen. Vier an der Zahl.
Nichts gegen die 72 des Metatron, aber...
…
Dieses Labyrinth hatte ihm definitiv einige Abgründe seiner Selbst aufgezeigt.
Die 'Verführung' in seiner Berufsbeschreibung war weniger einfach. Natürlich waren einige Gericht besser geeignet ihn zur 'Völlerei' zu verführen als andere. Sobald man wusste, das er aus einem Wüstengebiet kam und nicht viel von Neuentdeckungen hielt, wurde es etwas einfacher.
Noch einfacher, da die Englein halfen. Die Herausforderungen waren ebenfalls darauf abgestimmt, Wettessen und ähnliches. Natürlich kann man die Erfüllung einer Aufgabe schlecht als Sünde bezeichnen. Und so war diese Herangehensweise ein Eigentor. Levil rieb sich die Nasenwurzel. Natürlich lehnte er nach einem Wettessen weitere Nahrung ab. Und fütterte die Kleinen. Leider... kein Sündenmaterial.
Trägheit konnte man gegen Ende anführen... er ergab sich den Ruhepausen sehr viel einfacher, aber... leider waren dies notwendige Pausen. Und qualifizierten ebenfalls nur bedingt.
Wut? Mh. Mit genug Provokation in verwundbaren Stellen war sie... erkennbar, aber noch immer unter Kontrolle. Leider. Definitiv keine seiner Sünden. Er wäre sicherlich in der Lage Wut aufzubauen, aber mehr auf Befehl.
… vielleicht eine Möglichkeit, aber... dann wäre jede Art der Persönlichkeitsanalyse verbaut. Nicht empfehlenswert.
Habgier? Er war ein König ohne das Bedürfnis zu expandieren... abgesehen von Engeln gab es nichts, was er tatsächlich wollte.
Neid oder Eifersucht...? Heh. Manchmal, für Sekunden, gegenüber ihm selbst oder Rayne. Allerdings nicht lange genug um wirklich zählen zu können. Es war nur... ein Keim. Er überwandte diesen leider sehr schnell.
Stolz war noch die passendste Sünde. Ironischerweise, da es gleichzeitig die schlimmste aller Sünden war. Demut war definitiv nicht seine Haupt-Tugend.
Was noch blieb war...
… Lust.
Was wiederum nicht SEINE Sünde war. Levil besaß keine Inklinationen in diese Richtung und hatte sich nie darum bemüht weitere Dinge in Erfahrung zu bringen.
Also... war seine erste und einzige Handlung in diese Richtung ein festnageln des Königs an einem felsigen Teil der Arenawände... und einem Kuss.
Einem einzigen.
Es war... seltsam.
Nicht... grauenerregend oder Panik heraufbeschwörend, wie es sonst der fall war, aber... auch nicht... sonderlich interessant.
Als der Dämon seinem Gegenüber wieder in die Augen sah, fragte er ihn nur, warum er das denn bitte getan hatte. Er trug einen äußerst irritierten Gesichtsausdruck, ließ sich allerdings sonst nichts weiter anmerken.
„Einen Versuch war es Wert, nichts für ungut“
Die Irritation wuchs daraufhin für einige Sekunden... und dann schüttelte er einfach den Kopf, zuckte die Schultern und lief weiter.
Es war vielleicht die beste Reaktion die man sich erhoffen konnte.
Von daher... er notierte sämtliche Sündenmöglichkeiten, aber... Traurigkeit war keine Süne mehr und sarkastische Antworten waren - trotz des Lügenverbotes – erlaubt.
Von daher...
Schlechte Karten, aber immerhin wurde sein Profil weiterhin ausgeschmückt.
Während der Herausforderungen und Schlafenszeiten des Engels wechselte der Dämon wieder zu den höflicheren Pronomen. Er konzentrierte sich genug um es tatsächlich immer aufrecht zu erhalten. Die Reaktion war es tatsächlich wert.
Der Engelskönig war tatsächlich ein wenig stolz. Nicht sehr. Aber genug um ihn damit aufzuziehen.
Er fuhr sich manchmal durch die Haare und vermisste die seltsamen Spikes. Etwas, worauf er offensichtlich Wert legte. Äußerlichkeiten. Ebenfalls amüsant. Auch weil er er ein wenig defensiv reagierte, wann auch immer die Sprache darauf kam.
Die Tatsache, dass er nur jede zweite Herausforderung gewann, schien auch an seinen Nerven zu nagen.
Besonders nach tatsächlich physischen Kämpfen war er immer ein wenig... missgestimmt. Wenigstens die Trainingsstunden mit Rayne waren etwas, was er dann mit gesteigertem Interesse verfolgte.
Als Schreiber war er natürlich kein Kämpfer, somit war es verständlich, dass ein Dämon, der um sein Leben kämpfen musste darin besser geschult war, aber... er hatte ein Problem damit unterlegen zu sein.
Natürlich waren die 'Ruhezeiten', die darauf folgten ebenfalls enervierend, besonders wenn Levil entschied, dass Schlafenszeit für alle Beteiligten der Exkursion galt.
Natürlich bedeutete das nicht zwingend, dass die Involvierten sich aneinanderkuschelten, aber da Levil es vormachte, war der kleine Engel – und alle weiterhin eingesammelten Engel – sofort begeistert und es wäre seltsam gewesen, wenn der Engelskönig'freund' es abgelehnt hätte. Ein kleiner 'Sieg' für die Dämonenseite.
Noch schlimmer war vielleicht, dass er es genoss und sich wahrscheinlich mehr entspannte als er wollte. Seine menschliche Seite spielte dabei eine sehr große Rolle. Sie... brauchten Kontakt. Genossen ihn. Und das wollte er natürlich nicht zugeben. Es schien ein Geheimnis zu sein.
Die meisten Engel hatten ihren König nie zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich war er meist allein. Kein Wunder, dass er sich diesen Kuschel-Haufen so einfach ergab. Jahrhunderte von Vernachlässigung, mh?
…
Aber da dies ein wahrheitsgemäßer Report sein sollte, muss erwähnt werden, dass diese Engelsaura tatsächlich einen mehr als beruhigenden Einfluss hatte. Es war... eine Art der Entspannung, die der Dämon bisher noch nie gefühlt hatte. Tatsächlich schlief er ebenfalls besser, mit diesem wirklich auraintensiven Engel um sich. Tatsächlich wurde seine Aura stärker, je mehr Engel sich ihnen anschlossen. Die Zeit, die benötigt wurde um von einer Herausforderung zur nächsten zu gelangen wurde länger und länger. Junge Wesen hatten diese seltsame Eigenschaft davonzulaufen. Und sich nicht darum zu kümmern, wenn sie gerufen wurden.
Und sie wurden schnell müde. Und spielten. Es gab viele nicht ganz freiwillige Pausen.
Tatsächlich war der Knuddelhaufen nun nahezu koordiniert und die erwachsenen Entitäten ergaben sich schneller, einfach weil die jungen Engel einfach zu überzeugend waren. Der König konnte nicht nein sagen.
Levil tat nichts um sie davon abzubringen.
Es war... seltsam. Normalerweise schlief der Dämon überhaupt nicht. Aber so... mmh.
Das Aufeinandertreffen des 'kleinen' Engels und seines Königs war ein... Erlebnis.
Nachdem er endlich den Schlüssel und auch die Koordinaten des Schlüssellochs gewonnen hatte, verneigte sich der 'gastgebende' Dämon und bot an: „Nach Ihnen, König der Engel, Euer Untertan wartet“
Der Angesprochene nickte und trat ein, vom Dämon in gebührendem Abstand gefolgt.
Gerade rechtzeitig um zu beobachten wie sich der König näherte... und das kleine Wesen sich vor seinem Vorgesetzten versteckte. Und es versuchte sich zitternderweise zu verbergen.
Schließlich tat es das hinter Levil, als es die Chance dazu sah.
Er tat sein Bestes sein Grinsen zu unterdrücken. Und eine Augenbraue zu heben. Normalerweise sollten Dämonen sich nicht zu gut mit Engeln verstehen, mh? Sein eigener Ruf stand auch auf dem Spiel.
Als der kleine Engel sich einmal rund um ihn herumgehangelt hatte, während sein König diesem folgte, seufzte letzterer und wendete sich dem Dämon zu: „... was genau hat hiermit auf sich?“
'Der Engel war den dämonischen Energien zu lange ausgesetzt und der zu starke Kontrast könnte nun zu Irritation und sogar Angst führen' – DAS... wäre eine würdevolle Art der Erwiderung gewesen. Könnte tatsächlich stimmen.
Aber: Der Engel hatte mittlerweile seine Schultern erklommen und kuschelte sich Wange an Wange an... und er schien tatsächlich Angst zu haben. Er wollte diese Ängste nicht weiter schüren... und so... sagte er: „Mmmmmh, diese gespikten Haare haben sehr große Ähnlichkeit mit Erddämonenhörnern. Meinst du nicht?“, die letzten Worte waren an den Engel gerichtet.
Nach einer angestrengten Pause – es bildete sich tatsächlich eine Denkerfalte – nickte der Engel: „Mmmmhmh! Erddämon!“, und streckte den Zeigefinger aus.
Das Grinsen zu unterdrücken wurde Sekunde um Sekunde schwieriger.
Mit einem... neutralen Ausdruck zuckte er mit den Schultern und blickte wieder in Richtung des Königs: „Nun. Das erklärt's wohl... du bist aber keiner, oder?“
Für eine Sekunde zuckten seine Mund- und Augenwinkel, dann strich er das Festigungsöl aus seinen Haaren und seufzte: „... nein, das bin ich nicht. Ich bin 'Metatron'... und würde dich gern wieder nach Hause bringen“
Engelchen klammerte sich wieder ein wenig fester um Levil's Hals.
„Nun... ich werde mit ihm zusammen weiter gehen... es ist ein Labyrinth und alle paar Schritte werden wir...“, Levil sah kurz zu seinem Weggefährten hinüber, „... spielen. Unterschiedlichste Spiele. Willst du mitkommen?“
Nach einer weiteren Bedenkzeit, nickte der kleine Engel: „Mmmhmh!“
„Na dann... auf geht’s?“
Und so zog der Dämon los, mit einem Engel auf dem Rücken und einem Engelskönig im Schlepptau, die beiden unterhielten sich von Zeit zu Zeit...
Auch andere Informationen wurden vernünftigerweise nicht niedergeschrieben.
Zum Beispiel bedurfte sein derzeitiger Zustand keinerlei Erwähnung.
Levil seufzte und ließ seine Figner durch sein schneeweißes Gefieder gleiten. Es war nicht einfach gewesen die Farbe zu ermitteln, aber nach einigen Thermodynamik-Versuchen blieb nur diese Möglichkeit.
Er strich über die weichen, nachgebenden Flügel - ganz anders als Libellenflügel...
Zwei Flügelpaare. Engelsflügel.
Woher diese Information kam? Nun, sie fühlten sich leichter an, wenn sein Heiligenschein tatsächlich schien.
Ein Ring aus Licht. Und Materie.
Wenn er sich konzentrierte, konnte er ihn wieder verbergen, wahrscheinlich würde es sehr bald einfacher werden, aber... im Moment... war er... ein Verräter seiner eigenen Spezies?
…
Nun, zumindest stellte dies eine Erklärung für einige andere seltsame Gegebenheiten dar.
Aber am Besten war es wohl, mit dem Anfang anzufangen.
Als der König der Engel schließlich am Eingang des Labyrinthes eintraf, verschwand jedwede Nervosität. Was an sich nicht zu ungewöhnlich war. Dass dieses Gefühl nun nicht in Terror umschlug, war allerdings durchaus eine Überraschung. Noch weniger hatte er ein Gefühl inneren Friedens erwartet.
Tatsächlich war es so schockierend, dass er dieser Gemütsregung instinktiv misstraute und sofort nach mentalen Eingriffen suchte.
Es gab keine.
Niemand versuchte ihn zu beeinflussen (abgesehen von einigen Beobachtern des Beurteilungsvorganges, die Versuche waren allerdings zu dilettantisch um Ernst genommen zu werden).
Auch wenn er Einfluss auf alle vier Elemente nehmen konnte... aus seinen Akten ging hervor, dass er Feuer und Erde bevorzugte, sodass die Wahrscheinlichkeit eines unbemerkten mentalen Angriffes sehr gering war.
Während er nun eine lose weiße Feder zwischen Daumen und Zeigefinger drehte, brauchte er nicht lange nachzudenken, um herauszufinden warum dieses Gefühl auftrat.
Es hatte einfach sein Leben lang gefehlt.
Vielleicht war das der Grund, warum er sich den niederrangigen Engeln annahm, die nicht mehr aus den höllischen Gefilden herausfanden: Ihre himmlische Energie fand bei ihm Resonanz. Vielleicht ein natürlicher Schutzmechanismus seiner selbst.
Hm.
Mit einem Seufzen, musste er gedanklich weiter durch das Labyrinth wandern – oder zunächst einmal hineingehen. Dieser König war... wortgewandt. Es war keine Belastung ihn durch eine Unterhaltung zu führen. Seine Fragen waren intelligent, und er ließ sich auf kleine Provokationen ein. Allerdings nie genug, um ihm eine Sünde anlasten zu können. Es dauerte eine Weile, bis er selbst provozierte und versuchte die Geduld seines 'rivalisierenden Dämons' auf die Probe zu stellen.
Das machte es allerdings noch um einiges unterhaltsamer.
Tatsächlich wäre das Labyrinth eine erfreuliche Angelegenheit gewesen, wenn seine Pflichten nicht im Weg gestanden hätten. Versuchung. 'Verlockung'. Und das erstellen einer Charakterstudie.
…
Für letzteres war es äußerst hilfreich, dass Engel schlichtweg unfähig sind glaubwürdig zu lügen. Natürlich war es möglich die Wahrheit auszusparen... auch geschickte Formulierung konnte zumindest zum Schein eine Lüge sein... und natürlich die berühmte 'implizierte' Tatsache – Gegenfragen, die das Gegenteil implizieren. 'Warum sollte das bitte den Tatsachen entsprechen?' ist sehr beliebt.
Nun, bei einem unaufmerksamen Zuhörer hätte dies durchaus funktioniert. Leider hatte seine eigene Aura einen negierenden Effekt. Und so konnte bestätigt werden, dass er tatsächlich ein menschliches Wesen ist. Enoch. Erster König der Menschen. Zum Himmel aufgefahren um als Metatron die Stimme Gottes zu sein.
Diesen Namen – diesen Titel - auszusprechen war... noch immer eigenartig. Seine Erziehung verbot ihm die Aussprache. Es schmerzte jeden Dämon. Geschätzt ebenso so stark wie es einen Engel schmerzte zu lügen. Und das war erheblich.
Einer der wenigen Vorteile keiner der beiden Spezies anzugehören?
Nun, trotz allem: Der König der Engel... war ein Mensch. Eine weitere Information, die es nicht in den Report schaffte. Aber Levil's weiteres Verhalten erklärte.
Menschen waren hormongesteuerte Wesen, die sehr viel stärker auf ihren Körper angewiesen waren als jeder Engel oder Dämon. Sie waren sogar von ihnen abhängig und ließen sich von ihnen beeinflussen.
Und eine der wichtigsten Informationen war: Menschen starben ohne Zuneigung – und somit ohne physischen Kontakt. Ausgewachsen war diese Schwäche weniger ausgeprägt, aber trotz allem war es immer ein Bedürfnis.
Natürlich bestand zwischen den beiden keinerlei Vertrauen, sodass es sein Stolz – die einzige Sünde, die er rudimentär besaß – niemals erlauben würde die physische Zuneigung anzunehmen, aber... das Labyrinth war verwinkelt. Und Levil gewann überraschend viele der Herausforderungen.
Frustration half dem Engel... empfänglich für mehr oder weniger freundliche Worte zu werden. Oder ein Lachen nicht als zu negativ zu sehen. Levil hatte keine Erfahrung im Freundschaften schließen. Seine Mitdämonen waren ihm entweder unterstellt, mussten mit ihm zu Recht kommen oder waren ihm feindlich gesinnt. Freundschaften ergaben sich zufälligerweise. Dies hier war... Neuland.
Aber es... war entspannend.
Jede Herausforderung war anders. Und er konnte sich jeder Herausforderung stellen ohne sich zurück zu halten. Seine eigenen Fähigkeiten konnten die des Engels durchaus übertreffen, aber nie mit einem Unterschied, der zu Schäden führen könnte. Auch spielte Respekt keine Rolle. Sie sollten ohnehin keinen voreinander haben. Und so... spielte es zumindest zu Beginn keine Rolle.
Levil hatte mehr Freiheiten im Umgang mit diesen 'Spielen': Ein Gewinn seinerseits war erstrebenswert, aber wenn es taktisch klüger war sein Gegenüber durch Verzicht gewinnen zu lassen, spielte es für ihn keine Rolle, aber konnte das Persönlichkeitsprofil ein wenig erweitern.
Er legte viel Wert auf Fairness. In der Hölle.
Lächerlich.
Aber bewundernswert, wie sehr er daran festhielt. Es tat ihm als Dämon nicht weh, fair zu spielen. Er hielt sich an diese kleinen, zusätzlichen Spielregeln. Es waren 'saubere' Kämpfe. Die kleinen Hintertüren in Formulierungen blieben ungenutzt (es sei denn sie waren zu offensichtlich). Pausen wurden eingehalten. Vor und nach dem Kampf wurde sich die Hand gegeben. Es waren 'ehrenhafte' Verhaltensweisen.
Diese Verhaltsensweisen waren Levil nicht unbekannt, aber sie wurden zum ersten Mal als selbstverständlich erachtet.
Nach und nach wurden kleine Details über den Dämonenalltag fallen gelassen. Seine eigene Geschichte Preis gegeben. Etwas, was einem jeden Dämon äußerst unangenehm war. Jedoch.. .war diese Person ohnehin über jeden Einzelnen informiert. Er musste von einer gewissen Omniszenz ausgehen. Deshalb war es... etwas einfacher. Fakt war: ehrliche, persönliche Information war die Grundlage eines jeden Vertrauensverhältnisses. Es war... äußerst eigenartig, aber in gewisser Hinsicht tat es gut einfach... akzeptiert zu werden.
Das erste Mal, dass eine Umarmung tatsächlich stattfand war am Tor des ersten Engels.
Irgendein Rätsel musste aufgegeben werden. Und so war der Name des Engels gefragt – oder zumindest einer der sechs.
Tatsächlich waren es zehn Namen, die er niederschrieb – ohne den Himmel zu kontaktieren. Verständlicherweise hatte ein Mensch größere robleme jederzeit alle Informationen zur Verfügung zu haben. Menschen waren... eingeschränkt.
Und so – nur zur Hilfe – strich er zwei der Namen: Zwei der Engel fielen. Levil hatte nicht immer Zeit sich um verschollene Engel zu kümmern, sodass sie in... andere Hände fielen.
War die Sicherheit der Engel eine Priorität oder waren sie zufällig an dieses Tor getreten?
Als der König der Engel in diesem Moment seine Fassung verlor und ihm Tränen von den Wangen tropften, umarmte Levil ihn. Und kommentierte die Situation nicht. Nicht diesmal.
Zwei Hände vergruben sich in seiner Uniform.
… er würde die Loyalität des Engelskönigs zu seinen Untertanen kein zweites Mal anzweifeln.