Wie die Geier. Immer suchen alle nach irgendeinem nützlichen Zusammenhang. Zwischen einer Gewalttat und irgendeinem mehr oder weniger willkürlichen Merkmal, dass sich für die persönlichen Interessen gut instrumentalisieren ließe. Wenn jemand öffentlichkeitswirksam ein paar Menschen ermordet, dann hoffen die Leute auf bestimmte Hintergründe. War der Täter links, rechts, schwarz, weiß, bunt, krank, gesund, jung, alt, berufstätig, arbeitslos, arm, reich, türkisch, deutsch, arabisch, afrikanisch, sesshaft, flüchtig, Moslem, Hindu oder Christ? Je nachdem was sich rausfinden lässt, jubeln dann die entsprechenden Lobbyleute. Gleichzeitig bekommen es auch alle irgendwie mit der Angst zu tun. Bitte, lass den Täter kein Videospieler, Veganer, Metalhead oder was auch immer gewesen sein. Denn jeder weiß; wenn irgendeiner erstmal anfängt einen Zusammenhang zwischen einer Bluttat und einer persönlichen Vorliebe breitzutreten, dann gibt es kein zurück. Im Falle des Amoklaufs in München lässt sich das mal wieder fein beobachten. Die Rechtspopulisten waren schon in Jubelstimmung, wegen der iranischen Staatsbürgerschaft in Händen des Täters. Aber zu blöd, war doch kein Terroranschlag. Lässt sich nicht so toll politisch nutzen. Ganz blöd wird’s, wenn sich herausstellt, dass der Täter vielleicht selbst eher rechtsnationaler Gesinnung war. Dann widerum freuen sich ein paar Linke. Am Ende ist es wohl egal, was noch an Wissen über den Täter veröffentlicht wird, denn am Ende wird irgeindein Arschloch das für seine Interessen einsetzen wollen.
Ich selbst gehöre wohl eher zu der Gruppe von Leuten, die jetzt ein wenig um ihr Ansehen zittern müssen. Ok, mache ich nicht wirklich. Aber man versucht schonmal medial einen Zusammenhang zwischen einer psychischen Erkrankung (Depression) und der Bluttat herzustellen. Weil is klar. Depression - Amoklauf. Amoklauf - Depression. Depression - Amoklauf. Und so weiter. Wer das hier liest, der kann das schon mal einüben. Dann müssen sich die Medien nich so viel Mühe geben, um es in unsere Köpfe zu ballern. Also nochmal: Amoklauf - Depression. Depression - Amoklauf. Amoklauf - Depression. Bitte tragen sie das dreimal täglich laut vor dem Spiegel ihrem neuronalen Netzwerk vor. Es wird sich bei passender Gelegenheit daran erinnern. Ich persönlich hoffe ja, der Amokläufer hatte eine Leidenschaft für Panini-Sammelbilder. Vielleicht werden die dann endlich mal verboten. Ansonsten möchte ich alle zukünftigen Amokläufer gerne daran erinnern, dass zum Beispiel RTL, NPD, Heino und Helene Fischer, sowie auch sicherlich Dieter Bohlen Merchandising-Artikel anbieten. Nur falls ihr der irrigen Annahme unterliegt, und davon gehe ich aus, dass man durch das ebenso willkürliche wie brutale Abschlachten und Hinrichten von Menschen etwas “Gutes” bewirken könne. Kann man nicht, klar. Aber bitte zieht demnächst etwas Verzichtbares in den Dreck, ja?
Und nochmal zurück zu den Geiern. Ich finde es unerträglich, dass man die leidtragenden Betroffenen einer solchen Tat noch zusätzlich dadurch entwürdigt, dass sie ohne ausdrückliches Einverständnis politisch instrumentalisiert werden. Immer das gleich Spiel. Die Frage nach dem “Warum?” ist vor allem für die Opfer relevant und sollte vielleicht auch nur diesen vorbehalten bleiben dürfen. Denn seien wir ehrlich, belastbare Erklärungen und Zusammenhänge für das Geschehene kriegt man im journalistischem Rahmen eh nich auf die Kette. Meistens weil es diese gar nicht gibt. Ach doch, einer fällt mir da ein. Das ist vielleicht sogar der einzige richtig evidente und wissenschaftlich belastbare Zusammenhang mit Amokläufen. Was das ist?