17. und 18. November 2020
Frische Luft für die Besprechungseule
Ich sitze in einem Prüfungsgremium einer IHK, in dem junge Sachverständige ihre besondere Sachkunde unter Beweis stellen sollen. Während normalerweise am ersten Tag eine Klausur geschrieben werden muss und am zweiten Tag dann mündliche Prüfungen folgen (dazwischen müssen die Prüfer die Klausuren durchsehen), ist in diesem Jahr alles anders. Einer Qualifizierungsinitiative ist es zu verdanken, dass besonders viele Prüflinge antreten (anfangs meldet sich rund die vier- bis fünffache Zahl im Vergleich zu einem normalen Prüfungszyklus an), und Corona ist es zu “verdanken”, dass alles viel komplizierter wird, als anfangs gedacht. Es ist keine gute Idee, Leute aus dem gesamten Bundesgebiet in einen relativ abgelegenen Winkel (Frankfurt/Oder) anreisen zu lassen und alle über Stunden in einen Raum zu pferchen. Es soll alles entzerrt werden. Darum werden die schriftlichen Prüfungen ein paar Wochen vor den mündlichen dezentral vorgezogen, aber zum Showdown müssen diejenigen, die es bis in die Endrunde geschafft haben, eben doch anreisen, da der persönliche Eindruck doch sehr, sehr wichtig ist und es unumgänglich ist, dass in der Prüfung etwas maßstäblich zu Papier gebracht werden muss. Damit die Prüfungen mit einigermaßen vertretbarem Infektionsrisiko abgehalten werden können, steht der größte Seminarraum zur Verfügung. Die Tische werden weit auseinander gezogen, es herrscht ständig Durchzug, und erst, wenn man am Platz angekommen ist, darf man die Maske ablegen. Hinzu kommen ein paar technische Einrichtungen:
- Ein CO2-Messgerät soll mittelbar über eventuelle Virenkonzentration Auskunft geben. Bei gutem Luftaustausch werden auch die von einer Person mutmaßlich in die Luft gebrachten Viren hinweg befördert. Der Wert pendelt immer um 600 ppm. Zum Abend hin wird es allen allerdings nach dem vielen Sitzen dann auch wirklich kalt um die Beine.
- Ein iPad wird an einem Stativ angebracht und mittels Lightning-HDMI-Adapter an einen Beamer angeschlossen. (Lightning heißt der Apple-eigene Stecker am iPad wie auch am iPhone) Im Kamera-Modus “schaut” das iPad senkrecht nach unten. So können die Prüfer beobachten, was der Prüfling zu Papier bringt. Da mein iPad sich alle 15 Minuten selbst sperrt und sich die Zeit auch nicht länger einstellen lässt, muss ich rund drei- bis viermal je Prüfung aufstehen und das iPad wieder entsperren.
- Eine Besprechungseule steht auf dem Tisch relativ zentral im Raum. Wenn die Augen leuchten, ist jemand online zugeschaltet, meistens eine Person aus einer Partner-IHK, die den Prüfling geschickt hat, und kann uns hören. Die Eule fungiert auch als Lautsprecher. Wir können die angeschlossenen Personen gut hören. Im Kopf der Eule sitzen außerdem Kameras, die sich zu der Person ausrichten, die gerade spricht.
Diesen Beitrag schreibe ich am 6. Dezember auf. Ich bin in der Zwischenzeit zum Glück nicht an COVID-19 erkrankt.
(Markus Winninghoff)











