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Blog Psychologie, Ratgeber & Lebenshilfe
Von Stefan Svik
Folge 19: Gedanken zum Buy Nothing Day
„Nur der, der kauft, hat wirklich gespart“
Das Lied „Neun99zig“ von Rio Reiser ist ein passender Soundtrack zum Tag nach Thanksgiving, der wahlweise als Black-Friday, als Kauf-nix-Tag oder bei ganz normalen Menschen, die nicht auf jeden Singsang reagieren, schlicht Freitag heißt. Reisers Song bringt auf den Punkt, wer von einem Kaufrausch am meisten profitiert: der Verkäufer. Und brauche ich ein Produkt wirklich, oder lasse ich mir nur von einer, vermeintlichen oder tatsächlichen großen Preisreduzierung etwas aufschwatzen, was ich mit klarem Kopf gar nicht kaufen würde?
Ja, es ist hinlänglich bekannt, wir überstrapazieren den Verbrauch an Rohstoffen, Natur, Mensch und Tier. So geht es nicht weiter. Blöde Konsumschafe sind immer die anderen. Und wir sind eh viel besser und twittern mit unseren iPhones, Made in China, gegen die böse Globalisierung. Deshalb will ich auch kein Wort zum Sonntag verfassen, nicht heucheln und nicht belehren, sondern nur kurz mitteilen, was mir wirklich hilft, um viel Geld zu sparen und fast nur noch die Produkte und Dienstleistungen kaufe, die ich wirklich haben will, und an denen ich auch noch Monate und Jahre später Freude und von denen ich einen echten Nutzen habe.
Das Rad braucht nicht neu erfunden zu werden. YouTube ist voll von Videos mit Spartipps. Gut und wahr sind diese bewährten Tipps:
1. Mit Bargeld zahlen. Das schmerzt beim Ausgeben und im Gegensatz zu Kreditkarten geht der Überblick nicht so leicht verloren.
2. Alle Einnahmen und Ausgaben aufschreiben und am Ende des Monats summieren.
3. Ein festes Budget festlegen. Hartz-4 sieht vor, dass man von gut 130 Euro monatlich sämtliche Getränke und Lebensmittel kaufen soll. Ich schaffe das erfahrungsgemäß nie, wenn ich essen gehe, Wasser in Flaschen kaufe statt Leitungswasser zu trinken, Alkohol, zu viel Fleisch und zu viele Markenprodukte statt Handelsmarken zu kaufen.
4. Nicht hungrig einkaufen gehen, sondern einen Einkaufszettel schreiben und danach richten.
5. Größere Anschaffungen erst 30 Tage in Ruhe überdenken und statt Spontankäufen lieber mindestens 24 Stunden warten. Gedanken kommen und gehen, viele Bedürfnisse verfliegen über Nacht.
6. Kaufen, wenn man etwas wirklich braucht, haben will und dafür nicht in den Dispokredit rutscht. Vermeintliche Schnäppchen sind oft künstlich schön gerechnet und dienen oft nur dazu, die Lager von alter Ware zu befreien, damit die neuen Produkte Platz haben.
7. Mal einen Ausflug zum Wertstoffhof machen, alte Sachen beim Flohmarkt oder online verkaufen, das ernüchternd vortrefflich. Ein Hardcoverbuch, für 25 Euro gekauft, online zum Verkauf für wenige Cent plus 3 Euro Porto zu sehen, beweist eindrucksvoll: letztlich sind Waren immer nur so viel wert, wie jemand anders bereit ist, dafür zu bezahlen. Also: besser erst gar keinen unnützen Plunder anhäufen, dann braucht man später weniger wegwerfen.
8. Mindestens zehn Prozent des Einkommens sparen. Reserven bilden. Ein Notgroschen schützt vor überteuerten Krediten.
9. Lieber Schuhe für 100 Euro kaufen, die drei Jahre halten statt minderwertige Ware vermeintlich preiswert zu ergattern. Es stimmt: Wer billig kauft, der kauft doppelt.
10. Nutzen, was vorhanden ist. Der unfreiwillige Lockdown durch Corona brachte so viel Zeit mit sich. Warum für viel Geld ins Kino gehen, wenn zu Hause noch so viele ungelesene Bücher stehen. Werbung und Handel drängen zum gedankenlosen Überkonsum. Ist es nicht absurd, immer mehr anzuhäufen und dann gar keine Zeit mehr haben, all die Medienfluten anzusehen, zu hören, zu spielen etc.?
Am Kauf-nix-Tag soll es nicht darum gehen, überhaupt nichts mehr zu kaufen. Selbstverständlich müssen die Grundbedürfnisse nach Nahrung, Wohnung, Kleidung etc. befriedigt werden. Es geht auch nicht ums Belehren. Natürlich kann es viel Freude bereiten, sich ein Smartphone zu kaufen, eine Reise zu buchen und ein Konzert zu besuchen. Und diese Freude wird um so größer, wenn man sie wirklich ganz bewusst auskostet. Der Blick zurück in die Kindheit hilft: Was wollte man da nicht alles für einen Mist haben?
Okay, das war nun doch etwas mehr Wort zum Sonntag als gewollt. Nun werden sich manche Leser wohl einen Schreib-nix-Tag herbeisehnen, aber ich gebe mir Mühe, beim nächsten Mal wieder ein unterhaltsames Thema zu präsentieren.
Schöne Weihnachtszeit und bleiben Sie gesund, liebe Leserinnen und Leser!