Namibia, Botswana, Simbabwe 2024/25 - Tag 14
Herrschaften und Oukies!
Wie jeden Morgen startete nach dem Frühstück für uns der heutige Tag. Heute stand für uns die erste Bootstour auf dem Okavango auf dem Plan.
Wobei dieses Unterfangen etwas holprig begann: bereits gestern, bei unserer Ankunft, hörten wir schon wildes Getrommel und das hohe li-li-li-li Geschrei der Frauen. Die Feierlichkeiten zwischen Weihnachten und Neujahr waren im benachbarten Dorf in full Swing.
Dementsprechend mau sah die Personaldecke hier in der Unterkunft aus. Der Boss/Verwalter, ein junger 30something Weißer und seine rechte (und linke Hand) ein Rehoboth Baster schmeißen den Laden im Wesentlichen.
Dazu kommen noch 3 Teilzeit Girls aus dem Caprivi und 2 Teilzeit Gartenschlauchbeauftragte, die den Auftrag haben den Garten zu wässern und das tun sie auch, egal ob es regnet oder nicht: der Schlauch wird täglich durch den ganzen Garten gezerrt.
Mau war allerdings auch die Auslastung seitens der Gäste. Lediglich ein weiteres Gästepaar, die bereits gestern anreisten, war zusammen mit uns in der Lodge. Das machte insgesamt, nach Adam Riese und Eva Zwerg, genau 5 Gäste.
Das Paar kam aus Berlin und bereiste ganz Namibia in 14 Tagen! Und ich meine wirklich ganz Namibia: von Windhoek in die Kalahari, runter bis nach Aussenkehr an den Oranje, weiter nach Lüderitz, dann bis zum Sossusvlei, über Swakopmund in den Etosha und von dort an den Okavango ...
Tageskilometerleistung jeweils schlappe 500 Km. Respekt! Jedenfalls wussten sie überhaupt nicht mehr, wo sie genau waren oder übernachtet hatten.
Außerdem wussten sie auch nicht, dass man auf dem Okavango Bootstouren machen kann. Deswegen waren sie hocherfreut von uns zu hören, dass wir bereits eine Bootscruise im Vorfeld gebucht hatten.
Der Boss/Verwalter musste die Tour, der sich die Berliner spontan anschlossen, dann auch selbst durchführen. Da unsere neuen Freunde aus Berlin direkt am Vormittag weiter ziehen wollten, beschlossen wir sofort nach dem Frühstück zu starten.
Also, kraxelten wir die Uferböschung herunter, über die von vorherigen Hochwassern teils weggespülten Stufen hinweg, bis zu dem kleinen Boot.
Der Boss/Verwalter/Skipper versprach uns den einen oder anderen Hippopool, wo sich die Tierchen in größeren Gruppen zusammen scharen sollten.
Wir schippern hier auf dem Okavango zwischen den Staaten Namibia und Angola herum.
Mit einer Länge von über 1700 Kilometer zählt der Okavango zwar nicht gerade zu den längsten Flüssen der Erde, doch trägt ein Teil von ihm dazu bei, als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden.
Sein Ursprung findet sich mitten in Angola, das knapp 1800 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Dort wird er als Rio Cubango bezeichnet.
Doch anders als „normale Flüsse, die ihren Weg zum Ozean suchen, fließt er südwärts und bildet dabei auf einer Länge von knapp über 300 Kilometern einen Teil der natürlichen Grenze zwischen Angola und Namibia.
Abgesehen von vielen Lodges, deren Besucher an dem Ufer des Flusses eine unvergessliche Zeit beschert wird, liegen unzählige kleinere Ortschaften und Siedlungen, die vom Wasser und der Fauna und Flora des Okavangos profitieren und ihre Existenz begründen.
Doch das Leben am Fluss ist nicht einfach, da Krokodile oder Flusspferde immer wieder Opfer fordern. Die Mensch-Tier-Konflikte sind nicht zu vermeiden, da alle den gleichen Lebensraum nutzen.
Wir können zwar Flusspferde im Wasser sehen und manchmal auch hören. Doch es scheint, dass sie eher uns, als wir sie beobachten. Und sie tauchen recht schnell ab.
Bevor der Okavango nach zirka 180 Kilometer hinter Rundu den östlichsten Teil der Kavango-Region durchquert, dem ehemaligen Caprivistreifen, wird ein Teil seines Wassers von einem Turbinen-Wasserkraftwerk bei der Missionsstation Andara genutzt. Dieses Kraftwerk wurde vor 30 Jahren zur Versorgung des dortigen Hospitals errichtet.
Lediglich knapp 40 Kilometer sind es, die der Okavango quer durch Namibia fließt, nachdem er die Landesgrenze zu Angola in südöstlicher Richtung verlässt.
An den Ufern gab es jede Menge Vögel. Besonders gefreut haben wir uns über die wunderschönen Glanzklaffschnabel Störche. Für uns eine Erstsichtung!
Der Glanzklaffschnabel hat ein vollständig schwarzes Gefieder. Namensgebendes Merkmal ist der Spalt, der bei geschlossenem Kiefer zwischen Unterschnabel und Oberschnabel verbleibt.
Daneben gab es jede Menge Reiher und Webervögel hatten ihre Nester direkt über dem Wasser gebaut.
Nur wenige Kilometer, nachdem der Okavango Botswana erreicht hat, fächert er sich im sogenannten Kalaharibecken auf und bildet das einzigartige Okavangodelta. Dieses wurde im Jahr 2014 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.
Der Höhenunterschied zwischen dem Beginn und dem Ende des Deltas in Maun beträgt bei einer Entfernung von rund 250 Kilometer lediglich 60 Meter.
Die Trockenbereiche und Inseln erheben sich nur maximal drei Meter über die Umgebung und haben eine Größe zwischen wenigen Quadratmetern bis hin zu mehreren Quadratkilometern.
Das Besondere des Deltas ist, dass der Wasserstand genau dann seinen Höhepunkt erreicht, wenn im gesamten Umland Trockenzeit herrscht.
Aus diesem Grund hat sich im Umfeld des Okavangodeltas eine extrem vielseitige und dichte Tierwelt angesiedelt hat.
Bisher wurden 71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Arten von Reptilien, 444 Vogelarten und 122 Säugetierarten identifiziert.
Wir fahren eine gute halbe Stunde flussabwärts und kehren dann um, denn der Rückweg gegen den Strom dauert mehr als doppelt so lange.
Als unser Bootsführer eine besonders rasante Kehre fährt und dabei zackig beschleunigt, passiert es: mein Hut wird vom Fahrtwind von meinem Kopf gerissen.
Das gute Stück! Vor 10 Jahren für 5 Euro bei ALDI im Ausverkauf erstanden, hat er mich treu die ganzen Jahre durch Afrika begleitet. Weg ist er!
Falls jemand demnächst im Okavango eine besonders modebewusste Hippo-Lady mit einem Hut auf dem Kopf sieht ... Ihr wisst Bescheid!
Auf der Rückfahrt zur Lodge haben wir dann doch noch ein gut getarntes Krokodil und schließlich noch ein Flusspferd außerhalb des Wassers beim Grasen erspäht.
Kurz vor der Lodge werden wir noch Zeuge des kleinen, unbürokratischen Grenzverkehrs zwischen den Staaten Namibia und Angola.
Da schwimmen die Rinder von Namibia durch den Okavango rüber nach Angola. Ganz ohne Passport, ohne Stempel und ohne Visum. Da macht der ganze Zauber mit den Tierseuchenkontrollen hier überhaupt keinen Sinn.
Dieses Thema wird uns für den nächsten Teil der Reise noch lange begleiten.
Am Ende unserer Bootsfahrt verabschieden wir uns von den Berlinern, die, wie von der Tarantel gestochen, aus dem Boot und zu ihrem Auto hechten. Als wir oben endlich angewackelt kommen, ist von ihnen nichts mehr zu sehen. Das kommt davon, wenn man seinen Zeitplan so eng tacktet.
Am Abend machen wir schon mal eine provisorische Bestandsaufnahme unserer bisherigen Verluste:
Mehrere Schlüpper (versehentlich mit den Kinderkleidern in der Suppenküche abgegeben), 1 kaputte Sonnenbrille, 10 hängen gelassene Drahtkleiderbügel (Fiume) und 1 versenkter Hut.
Respekt! Das kann sich sehen lassen, dafür, dass wir noch keine 2 Wochen hier sind.
Lekker Slaap!
Angie, Micha, Mama und der Hasenbär









