Top Pop!
Gute Musik ist rarr in diesen Tagen, aber bald kommt wieder etwas mehr auf euch zu, versprochen! Da es aber ohnehin so ungesund warm ist dort draußen, ist es vielleicht ganz gut, dass es diesmal nur zwei neue Albumtipps für euch zu lesen gibt. Also Augen auf, Konzentration bitte und los geht’s!
Ich mag keine deutsche Musik. Die meint es selten gut. Das Debütalbum von ELIF, zum Beispiel, mochte ich sehr. Was ich über ihr neues Album denken soll, weiß ich noch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass mir die Gesten darauf bisher zu groß sind. Deshalb lasse ich es erstmal links liegen und höre Mia Aegerter, die mit Nichts für Feiglinge ein neues Album veröffentlicht hat. Gleich in dem Track, der heißt wie das Album, geht es um eine Freundschaft, die offenkundig mehr ist. Die Erzählerin wirft dem anderen Part vor, feige zu sein und nicht zu dem Mehr an Gefühlen zu stehen. Plötzlich, inmitten einer Aufzählung von Dingen, die längst sein könnten, wenn der andere den notwendigen Mut aufbrächte, kommt da die Zeile „Die Wortgefechte könnten wir mit Küssen verschärfen“. Und damit hat sie mich, so einfach geht das. Küssen und zack! Aegerter ist Schweizerin, hat mal bei GZSZ mitgespielt, aber darüber hinaus schon immer ihrer Liebe zum Musikmachen gepflegt. Aegerter erzählt aktuell mit die klügsten Storys, die man vermutlich in deutscher Sprache an ein halbwegs anspruchsvolles Publikum richten kann. Ob in Superwoman von dem Mann, der einerseits eine starke und erfolgreiche Frau will, dann aber feststellt, dass er nicht in ihrem Schatten stehen kann – was ja eigentlich nur heißt „nicht in ihrem Schatten stehen will“. Ob in Schwarzer Fleck von Enttäuschungen des Lebens, gegen die am Ende eben doch kein Alkohol dieser Welt hilft. Ob in Liebe linear vom heutigen Verständnis von Liebe, das ja oft nur bedeutet, sich so viele Hintertürchen offen zu halten wie es nur geht. Nicht die Erzählerin des Songs, die mag es eben einfach, eindeutig und direkt: „Wir sind hier nicht in Paris, tu nicht so französisch / Gib mir dir Gauloises und verpiss dich“. Nichts für Feiglinge ist ein großartiges Album einer Songwriterin geworden, die Geschichten erzählt, wie wir sie eben nicht schon zig mal erzählt bekommen haben. Das tut gut. So gut, dass ich euch dieses Album – ganz unabhängig von der derzeitigen Hitzewelle – wärmstens empfehlen kann.
Mia Aegerter Nichts für Feiglinge VÖ: 26. Mai 2017
Wenn man am wenigsten damit rechnet, kommt es plötzlich knüppeldicke. So in etwa geht es mir gerade mit der Band Kommando Elefant, von denen ich seit vielen Wochen schon das Album Herz und Anarchie hier rumliegen habe. Warum mich Kommando Elefant so umhauen? Nun, ich habe es mit österreichischen Pop-Importen eigentlich nicht so. Wanda, Bilderbuch – damit kann man mich jagen. Alle überbewertet. Diese Koketterie! Dieses Dideldummdideldei!! Hilfe!!! Dann nehme ich dieses Album vom Stapel der Bemusterungs-CDs, die mir zugeschickt wurden, ohne dass ich darum gebeten hätte. Aber von einer meiner Lieblingsmusikpromoterinnen – die kennt meinen Musikgeschmack eigentlich mittlerweile ganz gut. Also nehme ich die CD, fange an, sie zu hören und nach nicht mal drei Songs dieses 12 Titel langen Albums hat mich die Band. Das ist nicht die eigentliche Überraschung, sondern eben die Tatsache, dass es sich bei Kommando Elefant um Österreicher handelt. Ich weiß gar nicht, welchen Song ich hervorheben soll auf diesem fulminant-launigen Pop-Album, das sich durch gnadenlos gute Texte auszeichnet. Ob Dein letztes Comeback, Bis der Wind sich dreht oder Signale (Lady aus dem Orbit) und der ganze Rest – auf diesem Album, das muss man sagen dürfen, ist jeder Song ein Hit. Dass die Texte dabei nicht im berühmten Wiener Schmäh vorgetragen werden, kommt meinem Hörgenuss unscheinbar zugute. Gitarre, Schlagzeug und Synthies sind die Instrumente, die die Songs beherrschen. Und das ist hervorragend. „Broken-Pop“ nennt die Band das Genre, in dem sie nun wildern. Ich nenne es hingegen Power-Pop. So elektrifizierend wurde man lange nicht mehr bespaßt. Gern mehr von diesen Texten, die mit deutschen Radio-Pop, wie er unlängst und vollkommen zu Recht von Böhmermann verrissen wurde, aber so gar nichts zu tun haben. Ach, ich mag gute Musik. Und weil es sich sonst niemand so simpel zu schreiben traut: Herz und Anarchie ist super.
Kommando Elefant Herz und Anarchie VÖ: 17. März 2017













