Wille zur Macht
Macht. Ein tiefgreifender Begriff, der in den Köpfen der meisten Menschen klare Bilder hervorruft - alleinherrschender Monarch gekrönt auf einem Thron, adrett gekleideter Konzernchef blickt von der obersten Etage des Commerzbanktowers hinab auf den Verkehr.
Man denkt an Präsidenten, Kriegsherrn, den Pabst, an Bänker und kolumbianische Drogenbosse. Diese Persönlichkeiten haben den Anspruch an Macht, und wir sprechen Sie Ihnen zu. Ihre Gier steigt. Und unsere Unterwerfung zugleich. Sie geben dem Begriff Macht ein Gesicht, sie sind es, die wir als menschliche Verkörperung von Autorität, Größe und Einfluss betrachten.
Ein mangelndes Erfordernis an gegenseitigen Übereinkünften, Kompromisslosigkeit und soziale und religiöse Unterdrückung sind nur wenige Folgen, die auf Grund ungleichmäßig verteilter Machtverhältnisse auftreten, ganz gleich ob innerhalb einer kleinen Gruppe, der Familie, im Arbeitsleben oder im Verhätnis zwischen Staat und Bürger.
Woher kommt dieses übersteigerte Geltungsbedürfnis? Wie drückt sich das Mysterium der Macht im zwischenmenschlichen Zusammentreffen tagtäglich aus und ist wirklich nur der millionenschwere Bankenchef mächtig? Oder kann man dies auch vom Bäcker aus der Nachbarschaft behaupten?
Um die Gier nach Anerkennung, um die Erlangung, den Verlust und den Missbrauch von Macht, wird es im Folgenden gehen.
Der allgemeingültigen sozialwissenschaftlichen Definiton nach, steht Macht für ein Abhängigkeitsverhältnis, welches den Machtinhaber in die Lage vesetzt, ohne Billigung und gegen den Willen anderer das eigene Bestreben durchzusetzen und zu erfüllen.
Diese Definition zeigt ganz deutlich, dass es fürs Mächtig sein nicht nur des Machtinhabers bedarf, es braucht einen Gegenpol, eine Gruppe oder zumindest einen Einzelnen, der sich dieser Macht beugt, sie anerkennt und den Mächtigen erst zu dem macht, wofür er sich hält. Die Unterwerfung vieler, gegenüber den Interessen weniger. Ein Ungleichgewicht. Die Voraussetzungen sind deutlich.
Viel wichtiger ist es zu verstehen, wie es zu unterschiedlichen Machtverhältnissen kommt und ob es prädestiniert ist, wer zu einem Machtinhaber wird und wer nicht.
Es besteht für jeden Menschen vom Kindesalter an das Bedürfnis nach Ansehen und Anerkennung, Wertschätzung, und sozialem Status. Sugerriert von den Medien, gesellschaftlichen Erwartungen, dem Elternhaus und der familiären Erziehung definiert sich Status für jeden Menschen unterschiedlich. Der eine erfüllt dieses Bedürfnis allein mit dem Kauf eines teuren Luxusfahrzeugs, der andere strebt nach einem soliden Beruf und einer angesehenen Stellung während der dritte sein Statusbedürfnis bereits mit der Erfüllung moralisch-ethischer Pflichten, unabhängig von dem Besitz materieller Güter, stillt. Schlägt nun dieses übliche Streben nach Ansehen und Status von einem normalen Geltungsbedürfnis in eine übersteigerte Form um, in eine Geltungssucht die mit dem Hunger nach Ruhm und Macht einhergeht, und nicht selten erfordert, dass der Hungrige nach und nach den Blick für seine Mitmenschen verliert, kann man von einer Machtgier sprechen.
Da es den Rahmen sprengt, wird hier nicht weiter auf negative Auswirkungen dieser Gier eingegangen, wie beispielsweise auf die Entstehung von Kriegen, Ausbeutungen und Diskriminierung von Minoritäten und politischer Unterdrückung.
Auch soll nicht der Eindruck vermittelt werden, dass jeder Mensch, der nach einem höheren Ziel strebt, ein machtbesessenes Ungeheuer ist. Es soll nur deutlich machen, dass bestimmte Menschen einen höheren Anspruch an die Erfüllung Ihrer Bedürfnisse haben und von einer Gier regiert sind, von einem maßlosen Überlegenheitsgefühl, dass sie treibt, dem sie gerecht werden müssen, um sich zu entfalten, sei es aus Größenwahn, Minderwertigkeitsgefühlen oder einfach nur aus der Sucht nach Geld und Reichtum.
Die einen setzen sich durch, die anderen resignieren. Die einen sind die Hirten, die anderen bleiben Schafe.
Doch selbst das Schaf, hat in seiner Herde eine bestimmte Stellung inne. Eine Stellung die es immer behält oder aber auch abgibt. Eine Postion die sich gefestigt hat, oder langsam anfängt zu bröckeln.
Genauso ist es im alltäglichen zwischenmenschlichen Zusammentreffen.
Die Sekretärin, die sich Mittags auf der Arbeit den Anweisungen Ihres Chefs unterordnet und in dieser Rolle scheinbar eine unterlegene Person ist, weist Ihren Mann nach Feierabend an, wichtige Einkäufe zu erledigen oder trifft sich mit Ihrer Freundin um ihr wegen eines unangebrachten Verhaltens die Leviten zu lesen.
Der skrupellose Kokainverkäufer, der auf der Straße in den Genuss von Geld und Macht gekommen ist, verhält sich plötzlich wie ein kleiner Schoßhund, wenn er bei seinen Eltern zu Besuch ist und seine Mutter ihm Salat auftut.
Macht wechselt. Sie pendelt sich ein, verschwindet zeitweise, wächst oder geht über.
Wichtig ist es nur sie zu verstehen, sie in bestimmten Situationen zu entlarven und damit zu untergraben, sie in Frage zu stellen, sich ihr niemals komplett unterzuordnen aber auch niemals vollständig abzulehnen. Ein gesundes Verhältnis zu ihr zu finden. Und das Wesen dahinter zu sehen. Denn....
.......... Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.
Zitat von Abraham Lincoln.












