Auf zum Goldenen Matriarchat: Der Trauermarsch der Burschenschaft Hysteria
Am Tag wo das Patriarchat starb, starb auch der Feminismus.
—Kommentar einer AugenzeugIn
,,Grrrls, was macht ihr da!”
,,Mann, dein schlimmster Alptraum wird wahr: Das Patriarchat ist Tod!”
Sie trippeln nicht, sie marschieren im Stechschritt die Praterallee zum Lustschloss hoch, am Wiesn-Fest vorbei. Sie schwingen schwarze Banner-Flaggen, die weisse Aufschrift ist ein Aufruf zum ,,goldenen Matriarchat”.
Sie haben Fashion-style und Street-cred. Sie meinen es Ernst, denn sie lächeln nicht für dich. Die Polizei fährt hinter und vor ihnen. Im adretten Anzug wie Women-in-Black mit Sonnenbrille und roten Mützen (statt Lippenstift). Auf den Rücken —wie sonst vertraut auf einer Punk Jeans-Jacke—heult ihr Wappen: die Hysteria-Hyäne. Ein Trauermarsch für den Tod des Patriarchats wurde am 25.9.2016 (angeblich der ehe. Tag des Herren) angemeldet: In Memoriam Maskulinum. Der Dress-code für Männer war: ,,angemessene Kleidung” und ,,Aus Gründen der Pietät werden Männer aufgefordert, nur verschleiert und in Begleitung einer Frau teilzunehmen.” Der Grund für das Requiem? Laut Einladung: “Kurz vor der überflüssigen Neuwahl des mit einem Frauenanteil von 60% bereits bereits gewählten Bundespräsidenten nehmen wir feierlich Abschied vom Patriarchat und fordern die endgültige Einschränkung des Männerwahlrechts auf Bezirksebene.”
Ein Feministischer Look für die Gegenwart und die Zukunft?
Endlich mal ein feministische Strömung mit Gebiss und Schlagring könnte dam jubeln. Doch irgendwie hatte ich mir den Anmarsch der feministischen Utopie anders vorgestellt, weniger auf Ausschluss oder Männerhass/Vernichtung basierend, sondern auf ein miteinander! Irgendwie dachte ich es könnte auch friedlich zu gehen. So: mit Olivenzweig wedeln à la Bertha von Suttner. Weniger in der visuellen Sprache von einer Truppe, weniger mit einem ironischen kollektiven Verständnis mit Anlehnung an Rechts-radikale Gruppen. Vielleicht war das naiv, meinerseits.
Die Burschenschaft Hysteria erinnert an Laibach, die slowenische Avantgarde Musikgruppe oder die Totalste Kunst von Jonathan Meese. Sie berufen sich auf visuelle Codes, wie es gemeint ist, ist nicht total eindeutig. Ist das Neudefinition oder Reproduktion? Sie setzten sich gegen die Identitären ein, das macht sie schonmal gut. Sie wirken radikal, haben schliesslich eine klare Form, nehmen eine klare Stellung ein. Sie haben Polit-Kultur Programm, das an der Schwelle von Realität und Kunst ist. Doch ihr sprachlicher und schriftlichen Duktus liest sich Alt-Deutsch und wie die Inhalte der Töchter Egalias (“Ein Roman über den Kampf der Geschlechter” 1977). Hipster-Chic, der Fashion-Sense verspricht Zugehörigkeit—dabei zu sein—. Hier entsteht etwas. Nur was? Ist das wirklich die Kluft des Matriarchats?
Stefanie Sargnagel alliiert sich mit den roten Deckeln. Sie ist mittlerweile österreichische Kult-figur, ein Zeitgeist der Generation X/Y in Wien. Respekt kann dam eigentlich nur gegenüber ihrem Wortwitz, Schmäh und Faust-aufs Auge Kommentaren aüssern. Auch vor der Kraft, mit der sie gehässigen misogynen Männerkommentaren im Internet, den Medien und Alltag konter gibt. Social-Media-Battle-Rapperin schlechthin, ist sie eigentlich die Begründerin von Post-Internet Kunst/Autorinnenschaft in Wien. Aber nun nimmt ihr weibliches Facebook-Following virtuell und analoge Form an mit der Gruppe: Burschenschaft Hysteria. Nennt man das Politik-, Pop- oder Subkultur? Wo die Rechten heutzutage sich brav striegeln mit Juttentasche und Brille, ziehen die ,,Linken” (?) Feministinnen Uniform an.
Mir ist unbehaglich dabei. Auch wenn sie sich als eine Gegenbewegung gegen her(r)kömmliche Burschenschaften brüsten. Warum erinnert diese visuelle Form, dieses Format der Kollektivierung mich nicht an 1968 sondern 1934?
Mehr dazu: https://broadly.vice.com/de/article/wie-die-feministische-antwort-auf-rechte-maennerbuende-das-patriarchat-beerdigt?utm_source=viceFBalps