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Wenn die Reihen sich durch Erkrankung und Tod lichten – Einsamkeit mit ME/CFS
Es gibt Tage, an denen ich sehr viel über Einsamkeit nachdenke.
Nicht über das einfache Alleinsein, das manchmal wohltut, sondern über dieses tiefere Gefühl von Getrenntsein.
Einsamkeit bedeutet für mich, nicht mehr wirklich Teil des Lebens draußen zu sein.
Man sieht es weiterlaufen, aber man selbst steht am Rand, unsichtbar, abgetrennt, still.
Alleinsein kann heilsam sein – es kann Raum geben, um nachzudenken oder innerlich zur Ruhe zu kommen.
Aber Einsamkeit ist anders.
Sie entsteht, wenn man verliert, was man liebt.
Wenn Menschen gehen – nicht, weil sie wollen, sondern weil das Leben sie wegnimmt.
Früher war mein Leben voller Begegnungen.
Ich bin viel gereist – in viele Länder, in viele Städte und Dörfer, an viele Küsten und Seen.
Ich habe überall Menschen kennengelernt, mit denen ich lachen, reden, träumen und lernen konnte.
Ich habe in verschiedenen Orten gewohnt, gearbeitet, Neues entdeckt.
Überall entstanden Kontakte, manche flüchtig, manche tief.
Ich liebte dieses Gefühl, spontan und flexibel, wie ein Schmetterling mal hier mal da, auf meine Weise doch beständig und treu unterwegs zu sein, Neues zu sehen, und doch vertraute Menschen immer und überall an meiner Seite dabei zu wissen.
Das war Leben in Bewegung, mit Nähe und Austausch, mit Freundschaften, die wuchsen – über Grenzen hinweg.
Heute ist das alles still geworden. Nicht, weil ich es so will, sondern weil es mit ME/CFS nicht mehr möglich ist.
Mein Radius ist kleiner geworden – mein Körper, meine Kräfte, meine Wege.
Und mit der Zeit sind auch viele Menschen gegangen.
Einige still, andere mit Abschied.
Und viele – zu viele – für immer.
Ich merke, dass mein Herz manchmal voll ist von Stimmen, die nicht mehr antworten können.
Von Menschen, die mich über Jahrzehnte begleitet haben – Freundinnen, Freunde, Familienangehörige.
Menschen, die wussten, wer ich war, bevor die Krankheit kam.
Die wussten, wie ich spreche, lache, denke.
Menschen, mit denen ich Geschichte und Leben geteilt habe.
Zu viele von ihnen leben nicht mehr. Manche sind alt geworden und dann gegangen, andere viel zu früh verstorben.
Einige haben den Tod leise angekündigt, wir haben uns bis zum Schluss sehr eng begleitet, bei anderen kam der Tod plötzlich, ohne jede Vorwarnung. Eine meiner ältesten, liebsten Freundinnen wurde sogar ermordet – ein Satz, der immer noch schwer auszusprechen ist.
So vieles blieb ungesagt, so viele Lebens-Fäden sind abgerissen.
Und ich merke, wie sich die Reihen lichten. Wie es Jahr für Jahr weniger werden, die mich kannten, die mich verstanden haben, die meine Geschichten kannten, ohne dass ich sie erzählen musste, die vertrauensvoll auch mit mir ihr Leben teilten. Und nun bemerke ich, wie durch diese Verstorbenen auch ein Teil somit meiner selbst als Lebensabschnitt verschwindet – weil plötzlich niemand mehr da ist, der sich mit mir an dieselben Dinge erinnert.
Wenn ich an früher denke, sehe ich Gesichter, höre Stimmen, rieche Orte, spüre Hände.
Menschen, mit denen ich an Tischen saß, an Stränden, bei Feten, auf Reisen, bei Kaffee, im Alltag.
Sie sind nicht mehr hier – weder im Haus nebenan noch irgendwo auf der Welt.
Und doch sind sie da, in mir, ganz tief - nah immer noch.
In Erinnerungen, in Bildern, in der Art, wie ich denke und fühle, auch geprägt sicherlich durch sie ein Stück weit davon.
Vielleicht ist das die Form, in der Liebe bleibt:
Nicht sichtbar, nicht greifbar, aber intensiv spürbar.
Manchmal warm, manchmal schmerzlich, aber immer wieder sehr präsent.
Mit den Schweregraden von ME/CFS ist mein Leben stiller geworden.
Ich kann nicht mehr reisen, keine neuen Freundschaften im Alltag knüpfen, nicht einfach losgehen oder bleiben, bis es spät wird.
Ich kann keine neuen „Zufallsbegegnungen“ mehr erleben, die so oft zu echten Beziehungen wurden.
Jetzt gibt es vor allem Kontakte über das Internet.
Ich bin dankbar dafür – wirklich.
Da sind Menschen, die schreiben, zuhören, verstehen.
Aber es ist anders.
Es fehlt die Nähe des Augenblicks, der Blick, das gemeinsame Schweigen, das Dasein. Und wenn dann doch einmal etwas funktioniert an Laufen, Sitzen, Quatschen, dann ist da gesundheitlich die gesamten Tage danach Stillstand als teure Rechnung spürbar. Das ist es Wert. Aber viel zu teuer und wie lang noch zu leisten?
Ich vermisse das gemeinsame Leben, das Ungeplante, das kleine „Komm, wir machen das einfach“.
Heute bleibt oft nur das Erinnern – oder wie jetzt, das Schreiben darüber.
Und manchmal ist auch das anstrengend, aber eine Form von Nähe mit dem was verbunden mit einem war.
Einsamkeit mit ME/CFS ist nicht nur das Fehlen von Gesellschaft.
Es ist das tägliche Bewusstsein, dass sich die Reihen der Vertrauten immer mehr lichten –
weil Krankheit trennt, Zeit vergeht, Alter kommt,
und weil der Tod einen Menschen nach dem anderen vorausgehend still wegnimmt.
Ich bin dankbar für die, die geblieben sind. Für jedes Lebenszeichen, jede Nachricht, jedes ehrliche „Ich denke an dich“.
Aber ich bin auch um so mehr dann traurig.
Denn die meisten, die mich wirklich kannten, sind fort.
Manche zu weit weg, viele eben für immer einfach aus unserem gemeinsamen Leben gerissen. Und das tut weh – still, beständig, wenn auch ohne Groll, so doch mit Schmerz und Angst und Sehnsucht nach dem, was war. Es gibt kein Wiederholungs-Programm, kein Zurückspulen.
💕Einsamkeit ist nicht das Ende von Verbindung.
Sie ist der Raum, in dem man spürt, wie tief Liebe wirklich reicht. Bei mir bis über den Tod hinaus.
Danke an alle, die ich auf meinem Weg verloren habe –
den Freundinnen, Freunden, Wegbegleitern, Verwandten.
Ihr seid fort, aber ihr seid da – in meinen Erinnerungen, in meinen Gedanken, in allem, was ich geworden bin und noch sein darf.
Ihr fehlt – und gleichzeitig bleibt ihr.
Und vielleicht ist genau das das Schönste, was bleibt:
Die Liebe, die Nähe, die weiterlebt, auch wenn alles andere schon mir voraus gegangen ist. Diese für immer verwebte Verbindung die niemand, noch nicht einmal der Tod als Band zwischen uns trennen kann.
Text am 10.11.2025 von ©️®️CWG verfasst und von KI formatiert für Tumblr.
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Rechtlicher Hinweis:
Dieser Text stellt eine private, nichtkommerzielle Veröffentlichung dar.
Er dient ausschließlich der persönlichen Reflexion und Inspiration.
Rechtsgrundlage:
Artikel 5 Absatz 1 Grundgesetz (GG) – Freiheit der Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild.










