Vielerorts war es Bauern nicht gestattet, zweischneidige Schwerter zu führen. Wie aber sich und die Seinen gegen Überfälle auf Leib und Leben (etwa mit dem Bierhumpen von schräg hinten ...) verteidigen? Die Lösung war: das Lange Messer, eine einhändige und einschneidige (plus kurze Rückenschneide) Hieb- und Stichwaffe.
Bei einer Gesamtlänge von bis zu etwa 1 m bringt ein Messer um 1 kg auf die Waage (länger/kürzer/leichter/schwerer gab es natürlich auch) und ist somit die ideale Waffe für schnelles Fechten gegen nicht oder nur leicht gerüstete Gegner. Aus diesem Grund erfreute sich das Lange Messer auch bald einiger Beliebtheit bei Adeligen, die es zu ihrem Zivil-Outfit trugen.
Ein Messerfechter-Kollege hat mich vor einigen Monaten gebeten, seinem Aluminium-Trainingsmesser (dieses Modell) einen Ledergriff zu verpassen. Der originale Holzgriff war ihm zu glatt und in Kombination mit Schweiß zu wenig griffig. Um einem Abrutschen zusätzlich vorzubeugen, sollte eine Teilung her, und zwar eine gute Handbreit oberhalb der Parierstange.
Das Leder der Wahl war relativ dünn, weshalb ich oben und unten jeweils einen kleinen Überschlag gemacht habe. Trotzdem schmiegt es sich ganz hervorragend an die Daumenmulde an. Auch die Fuge ist kaum sichtbar (und fast nicht fühlbar), da das Leder an den Rändern sorgfältig ausgeschärft (ausgedünnt) ist.
Was auf den Bildern noch ein bisschen fusselig aussieht, sind lediglich Reste der Hanfschnur, mit der der Griff zum Trocknen umwickelt war. Diese wurden dann noch mit der Pinzette und viel Geduld entfernt.
Nach nunmehr vier Monaten und einem Training pro Woche sieht der Griff immer noch aus, wie auf den Bildern. Das freut nicht nur den Besitzer, sondern auch den Lederer. :-)