Li Xiaofei the Sea

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Li Xiaofei the Sea
Die Schattenboxerin im Kölner Dom
AUSSTELLUNG Die Galerie Prettyland zeigt vier Videos von zwei chinesischen Künstlern.
So hat man das Innere des Kölner Doms wahrscheinlich noch nicht gesehen – als Farb- und Lichtspektakel, eingefangen von einer ständig und schnell bewegten Kamera, die sich um oben, unten, rechts, links und einfache Erkennbarkeit der einzelnen Motive nicht zu kümmern scheint. Der ungewohnte Blick ringt dem eigentlich schon längst zu Tode fotografierten Denkmal neue Perspektiven ab, das Video ist in der aktuellen Ausstellung der Galerie Prettyland zu sehen.
„Chen style Tai Chi 83 – Cologne Cathedral“ nennt der in Mainz lebende chinesische Künstler Liu Guangyun sein Kathedralen-Video, die Wörter Tai Chi verweisen auf das Entstehen des Werks. Guangyun hat einer Tai-Chi-Ausübenden, also einer Schattenboxerin, eine Kamera an den rechten Arm gebunden. Die geplant-durchdachten Bewegungen der Sportlerin werden zu willkürlichen Kamerabewegungen, das Resultat fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Die Videoinstallation „“Bullet Channel – New Chinese German Dictionary“ vereint ein Video und eine Kopie des im Video zu sehenden Wörterbuchs als Objekt. Im Video wird auf das Buch geschossen, in der ausgestellten Reproduktion kann man den Weg der Kugeln durchs Buch gewissermaßen Seite für Seite nachschlagen. Der Sinn bleibt dunkel.
Zwei weitere Videos der Ausstellung stammen von Li Xiaofei, der in Shanghai lebt. Xiaofei hat eine Serie mit Videos zur industriellen Produktion erstellt, hier sind nun „A King Crab“ und „A Bar of Choclate“ zu sehen. Der Film zur Königskrabbe ist am nordöstlichen Zipfel von Norwegen entstanden, der Film zur Schokolade auf der Südhalbkugel, in Neuseeland.
Beide Filme haben Dokumentarfilmcharakter, mischen Innenansichten aus Fabrikationsräumen mit Außenaufnahmen, in denen das Meer als Transportweg eine Rolle spielt. So sieht man im Krabbenfilm in einer langen Einstellung ein Frachtschiff von rechts nach links das Bild queren.
Die Bilder aus den Fabriken, einer Krabbenaufzucht und einer industriellen Konditorei, sind nüchtern. In ruhigen Einstellungen werden Arbeitsabläufe dokumentiert. Das industrielle Ambiente steht in beiden Filmen in offenbarem Gegensatz zu den Produkten. Das Fleisch der Königskrabbe und die Schokolade sind Delikatessen, bei deren Genuss man höchst wahrscheinlich nicht an die Produktion denkt. Die Filme erinnern unaufgeregt an die ausgeblendete Arbeit hintern den Luxusartikeln, beinahe diskret ist hier auch Kritik am Umgang mit Ressourcen enthalten.
Info: Galerie Prettyland, Südwall 55. Die Video-Ausstellung ist bis zum 14. Juni zu sehen. Mittwochs bis freitags, 13 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung. Telefon: 0174-5455558.