"Den Rückstand zur Halbzeit hatten sich die Bayern redlich verdient. Die uninspirierten, tempolosen und erschreckend ungenauen Aktionen in allen Mannschaftsteilen führten dazu, dass lediglich Robben und Costa mit Einzelaktionen für einen Hauch von Gefahr sorgen konnten. Das System in seiner Gesamtheit versagte einmal mehr in einem Bundesligaspiel gegen einen kompakten Gegner. Auch in der zweiten Halbzeit setzte sich das Spiel unverändert fort. Die Hertha formierte sich geschickt, ließ es nie zu einer Unterzahl-Situation auf der Lahm-Robben-Seite kommen und verließ sich darauf, dass den Bayern aus dem Spiel nichts einfallen würde. Weitestgehend war dies der Fall: wann immer sich die Münchner durch einen öffnenden Pass oder eine Einzelaktion ein wenig Freiraum verschaffen konnten, blieb entweder der letzte Pass aus oder der Abschluss zu schwach. [..] Letztendlich wurde das Tor gegeben, die Bayern retteten einen Punkt aus Berlin. Die Leistung jedoch war maßlos enttäuschend, in jederlei Hinsicht. Der Schalter, den die Bayern scheinbar gegen Arsenal umgelegt hatten, der Rückenwind, den sie aus der Champions League mitgenommen hatten – alle Euphorie aus dem Achtelfinal-Hinspiel war am Samstagnachmittag wieder der Realität gewichen: Die Bundesliga ist kein Selbstläufer und weniger als 100 Prozent werden nicht mit drei Punkten und möglicherweise auch nicht mit einer Meisterschale belohnt werden. [..] Wer immer in den letzten Wochen behauptet haben mag, dass die individuelle Klasse dem FC Bayern, zumindest in der Bundesliga, stets reichen würde, wurde heute eines Besseren belehrt. Die spielerische Leistung der Bayern war in Ancelottis System eines Meisters nicht würdig – insofern also keine Änderung zu den Bundesliga-Partien gegen Werder Bremen in der Rück- oder den SC Freiburg in der Hinrunde. Diesmal jedoch scheiterten die Münchner daran, dass die Spieler, die stets die Kohlen aus dem Feuer holten, weit unter (Thiago) oder gerade so auf ihrem Niveau spielten. Selbst Arjen Robben und Philipp Lahm, die einzigen Bayern-Spieler, die auch heute ihr Level erreichten, bekamen zunehmend Probleme – weil nicht einmal das Ancelotti-System, nämlich die Einzelspieler in den Fokus zu setzen, funktionierte. Robben hatte kaum Freiräume, die er bespielen konnte, was zum einen an der guten Hertha-Aufteilung, andererseits aber auch an der fehlenden Power über die andere Angriffsseite der Münchner lag. Dass die Hertha heute über weite Strecken der Partie keine Bayern-Chancen zuließ, lag an der Perfektion ihres gesamtheitlichen Systems. Ob die Münchner dagegen mit dem Systemfußball der letzten Jahre gewonnen hätten, lässt sich nicht sagen. Fest steht jedoch: Gegen eine eingespielte, gut eingestellte und perfekt sortierte Mannschaft wird man allein mit Aktionen von Einzelspielern keinen Erfolg haben."












