eigentlich ist das hier ja ein reiner Literaturblog - hier gibt es keine Tagebucheinträge, keine Einblicke in mein Privatleben und keine Kaufempfehlungen für Nagellacke oder Schuhe.
Normalerweise! Ausnahmen find ich gut, deshalb schmiere ich heute einen Liebesbrief auf diese leeren virtuellen Seiten.
Ich glaube eigentlich nicht (mehr) an die Liebe. Eigentlich! Aber etwas gibt es dann doch, das mein Herz packen und so heftig schleudern kann, dass da kein Turbowaschprogramm mithalten könnte. Und es ist (macht ihr auch alle schön den Trommelwirbel auf der Tischplatte?): die Literatur. Das Schreiben.
Es ist natürlich fürchterlich peinlich, dass ich als Hobbyautorin allen Ernstes einen Text über das Schreiben verfasse, man könnte das ja fast als Legitimationsversuch dieser kümmerlichen Schreibarbeit hier auffassen.
Auf die Gefahr hin, dass dem so sei, schreibe ich dieses Loblied trotzdem. Ich habe heute keine Lust auf schmissige Titel und Reime, die euch die Ohren schlackern lassen, habe keine Lust auf zusammengedichtete Coolness oder die ultimative syntaktische Konstruktion.
Ich will einfach nur mal sagen: Worte, ich liebe euch. Ohne euch hätte ich mich schon so oft verloren, dass es unmöglich wäre, mich wieder zusammen zu bauen. Ohne euch wäre der Kloß in meinem Hals irgendwann mein Todesurteil geworden. Danke, dass ihr mir die Möglichkeit gebt, zu kommunizieren. Danke für die Fähigkeit, viel zu fragen und keine Antwort zu benötigen. Danke für die Chance der Flucht. Danke für den Halt, für das Seil, für den Anker. Für den Hafen, für die Weite und die Möglichkeit, zurück zu kommen.
Manchmal bekomme ich Angst. Manchmal frage ich mich, ob dieser Weg wirklich der Richtige für mich ist.
Zweifel sind fiese kleine Zeitgenossen, denn sie können ganz schön piesacken. Und vor allem sind sie ausgefuchst genug, um ziemlichen Schaden anzurichten.
Ich schaffe es immer wieder, sie davon abzuhalten, mehr als die Fassade meiner Pläne zu zerstören. Die Inneneinrichtung haben sie bislang noch nicht zerkratzen können. Und warum? Weil ich die Literatur habe. Weil ich glücklicherweise naiv genug bin, an die Literatur zu glauben. Weil ich sie in mir fühle, weil ich sterbensunglücklich bin, wenn ich nicht schreiben kann. Weil ich schreiben muss, und weil ich weiß, dass das so ein Standardsatz von Schriftstellern ist. Und weil ich nachfühlen kann, warum er immer wieder gesagt wird.
Ganz schmucklos, ganz ohne Schnörkel, ohne doppelten Sinn: Ich liebe dich, Literatur, und ich danke dir für alles.