Bitte sag mir/uns wie du es schaffst durchzuhalten? Ich bin momentan so kurz davor aufzugeben und ich weiß einfach nicht mehr was ich tun soll!
Wie ich es schaffe durchzuhalten…
Nun, ich denke, ich vereine in meinem Alltag drei Dinge: Natur, soziale Kontakte und Ruhe/Zeit für mich.
Ich bin überzeugt, dass, wenn es einem besser gehen soll, also wenn man das wirklich möchte, dann muss man aktiv werden und sein. Man darf nicht dasitzen und warten, bis sich etwas ändert, das einen gesund und lebensfreudiger macht. Das ist Irrsinn. Ich weiß mittlerweile, dass man es selbst in die Hand nehmen muss und genau deshalb habe ich lange Zeit gesucht, nach den Dingen, die mir gut tun und mich weiter bringen.
Also: ich mache fast täglich Spaziergänge und beschäftige mich viel mit der Natur, genieße es bei mir auf dem Land und denke an meine Zukunft in der Stadt, die nun am 04.09. beginnt. Ich denke immer wieder an diese Inhalte: http://unkaputtbarxo.tumblr.com/post/158677332593/grenzlinie-7
Es tut mir gut, mich mit meiner Kindheit zu beschäftigen und an die schönen Dinge zurück zu denken, die ich erlebt habe, von der einen Stelle zur nächsten. (Steht in dem Text vom oben eingefügten Link.) Ferner schieße ich viele Naturfotos. Es macht mir Spaß, einzuplanen, wann der Sonnenuntergang stattfindet und immer wieder neue Plätzchen zu entdecken, an denen die Sonne wunderschön zu erblicken ist, wenn sie den Himmel rötet. Dazu höre ich Musik, aber keine Songs mehr, die mich mit den Texten zu sehr zum Nachdenken anregen und mich traurig stimmen. Instrumental oder einfach freudigere Songs eben. Dazu tut frische Luft und Bewegung sowie Sonnenlicht und damit Vitamin D dem Körper unglaublich gut. Im Winter fehlt uns das, deshalb kommt es viel häufiger zu Winterdepressionen.
Ferner: soziale Kontakte. Ich versuche, viel zu unternehmen, auch wenn ich nicht unbedingt begeistert von der Menschheit bin und früher eine soziale Phobie hatte. Daher findet man mich öfters in Lokalen beim Essen, denn Essen ist wichtig, um zu überleben und ich trink ab und zu bei der Hitze mal gern ein Glas Cola Light (weil ohne Kalorien😄). Dazu schau ich gerne herum und bin dann danach froh, dass ich mal wieder unter Leuten war und so hören kann, was bei denen so los ist und wie sich das Leben um einen herum gestaltet und verändert hat. Dazu schau ich bei der Fahrt aufmerksam die Wahlplakate an, da ich total im Bundestagswahlfieber bin, haha. Ich fühle mich dann einfach nicht so einsam und verlassen. Auch nicht mehr verloren. Es ist was los, das Leben um mich herum findet statt und das tut mir gut. Bin ich allein zu Hause, ist alles wie ausgestorben. (Als Vergleich) - Dabei muss ich noch untergliedern: Bezugspersonen bzw. Freunde/Familie. Ohne meine Nichte wäre ich schon vor 15 Monaten total aufgeschmissen gewesen. Sie und mein wenige Tage alter Neffe sind meine Sonnenscheine und auch meine Geschwister und mich hat es in der letzten Zeit sehr zusammengeschweißt. Das macht mich stark. Ich habe einen Kreis an Menschen, um mich herum, denen ich nicht egal bin. Auch wenn mir manche weh tun und mich nicht immer verstehen können, bin ich dankbar, schließlich bin ich niemandem egal. Und das alleine ist schon sehr wohltuend. Auch wenn ich in den letzten Jahren immer der Meinung war, dass das nicht so ist, so habe ich bemerkt, dass man mit Depressionen völlig realitätsferne Wahrnehmungen hegt. Heute kann ich ganz anders auf bestimmte Familienmitglieder blicken als noch vor einem halben Jahr. Es dauert einfach, aber das heißt nicht, dass es nicht möglich ist.
Und die dritte Kraft: Ruhe und Zeit für mich selbst. Ich beschäftige mich mit meiner Psyche, notiere alles mögliche und bin in Gedanken mittlerweile so gut darin, mich selbst zu motivieren, beruhen, bestärken, therapieren. Ich bin viel auf Tumblr, lese hier viel, schreibe selbst Gedichte und Prosatexte. Prosa meist dann, wenn ich wichtige Ereignisse verarbeiten muss. Dabei halte ich indirekt auch fest, wie weit ich psychisch eigentlich schon gekommen bin. Mein Prozess erfreut mich selbst auch. Ich bin in einem Lyrikforum im Interner angemeldet, habe dort viele Bekannte, denen ich wichtig bin und mit denen ich regelmäßig kommuniziere und die mir gut zureden. Gemeinsam mit ein paar wenigen, aber ziemlich vertrauten, erfahre ich immer wieder, was sich so alles geändert hat in meiner Denkweise und meinen Emotionen.
Das hört sich bestimmt alles so einfach an und als wär es mir zugeflogen, aber ich kann Dir sagen: es dauert, bis man kapiert, dass man es selbst machen muss, soweit zu kommen. Und auch als ich es merkte, hab ich nicht von heute auf morgen alle möglichen Dinge, wie oben beschrieben begonnen - nein, ich hab mich schon vor 2 ½ Jahren in dem Forum angemeldet, in einem weiteren vor 3. Und ich war auch mit dem Hund ab und zu draußen Gassi gehen oder mal eine Runde Radfahren. Und ebenfalls manchmal was essen irgendwo. Aber so richtig bewusst wurde mir das nie, dass mir diese Taten vielleicht helfen und gut tun würden. Ich hab viel auf Tipps anderer gehört. Meine Lehrerinnen hatten mir zu mehreren Dingen geraten. Eine meinte: geh raus, beschäftige Dich mit der Natur, schreib Gedichte und hör niemals auf mit dem Schreiben! Eine andere sagte: Bewegung und frische Luft ist alles! Wieder eine weitere legte mir nahe, mit meiner Familie ins Klare zu kommen. Immer und immer wieder, bis ich es nicht mehr hören konnte. Aber: ich habs immer im Hinterkopf behalten und mittlerweile komme ich mit allen Mitgliedern super aus, wenn auch nicht immer und wenn es anfangs auch unglaublich schwer war. Und ein anderer Lehrer sagte mir, dass ich und nur ich ganz alleine für mich verantwortlich bin und alles, was ich tue, soll ich mit ganzem Herzen tun. Er hat mich immer dazu gebracht, mich mit meiner Person auseinander zu setzen und mich lieben zu lernen. Aber das ist lange nicht alles! Spontan weiß ich einfach nicht mehr als die paar Dinge.
Vielleicht schreib ich irgendwann einmal ein Buch, in dem ich meinen Prozess schildere und wiedergebe, wie ich es geschafft habe, zufrieden, lebensfreudig und bewusst zu leben. Wäre bestimmt toll. Aber erst mal mache ich weiter, bis ich da bin, wo ich hin will. Und das wird noch eine Weile dauern. Aber die Zeit ist es wert!
Hoffe, Dir ist irgendwie geholfen. ♥















