Sommerlektüre - ich brauchte dieses Jahr etwas länger dafür. Doch das hat sich gelohnt. Das Buch entspricht dem Zeitgeist, nicht nur was den zu heißen Sommer angeht. Es behandelt gesellschaftliche Fragen des Anthropozäns, vom Leben in der Stadt, über den Umgang mit der Natur bis hin zur Nutzung von Technologien, umklammert von den Folgen der globalen Erwärmung. Markus Schroer öffnet die Soziologie fur Antworten hin zur Biologie und Geographie, blickt gleichermaßen zurück und soweit es geht nach vorn.
Auszüge:
„Es ist […] typisch für unsere Zeit, dass die Materialien, die in den neuesten technologischen Erfindungen der Infosphäre eingehen, hinter der glatten Benutzeroberfläche verborgen und unsichtbar gemacht werden. Damit wird die enge Bindung an die ‘Schätze der Erde’ verleugnet und die Illusion einer sauberen Technologie erzeugt. Die gängigen Informations- und Kommunikationstheorien folgen dieser Illusion insofern, als auch sie sich für die Materialität der Kommunikation zumeist nicht interessieren.” (S. 142)
„Dabei ist es gerade die zunehmend digitale Umgebung, die uns zur Begegnung mit der analogen Welt motiviert, während der ‘Kommunikationslärm’ erst die Sehnsucht nach Stille hervorruft und das Berühren glatter Benutzeroberflächen das Bedürfnis nach lebendiger und widerständiger Materie wie dem Boden verstärkt.” (S. 168)
„Nimmt man hinzu, dass die Automobilität - einst als typisch für das städtische Leben angesehen - auf dem Land voraussichtlich länger halten wird als in den Städten, die, motiviert durch das Ziel der CO2-freien Städte im Sinne der Bekämpfung des Klimawandels, immer mehr umzusteigen versuchen auf emissionsfreie Verkehrsmittel und Freiheit vom Auto, liegt der Gedanke nicht mehr fern, dass der ländliche und der städtische Raum in einem Akt der Inversion jeweils an die Stelle des anderen treten.” (S. 321)
„Insgesamt wird es darum gehen müssen, stärker als bisher nach den Folgen und Nebenfolgen zu fragen, die menschliches Handeln auf dem Planeten, seine menschlichen und nichtmenschlichen Bewohner jeweils hat.” (S. 590)










