Die Lebensretter
Die erfolgreiche E-Learning App Math 42 wurde im Familienverbund entwickelt. Der Gründer Maxim Nitsche über die Demokratisierung der Bildung, mathegeplagte Kinder und die Steve Jobs-Philosophie.
Klasse übersprungen, Einser-Abi, internationale Chemie-Wettbewerbe gewonnen, Schachpartien gegen ehemalige Schachweltmeister gespielt, Beherrschung mehrerer Sprachen fließend, Firmengründung mit 15 Jahren und Bestnoten im App-Store! Auch wenn es der mittlerweile 20jährige Maxim Nitsche nicht so richtig zugeben mag, überzeugende Argumente, kein Wunderkind zu sein, kann er nicht wirklich vorbringen. Raphael, seinen Bruder und Geschäftspartner, bezeichnet er sogar immer wieder als Genie.
Und tatsächlich, ihre App „Math 42“, die im Familienverband mit Vater Thomas entwickelt wurde, schafft es nicht nur, alle Matheaufgaben der 5. bis 12. Klasse zu lösen, sondern auch noch Schritt für Schritt zu erklären. Und das findet dann auch Maxim ohne falsche Bescheidenheit bedeutend: „Wir demokratisieren die Bildung! Und das in einem Feld, in dem besonders viele Schüler und Eltern Probleme haben, frustriert und hilflos sind.“
Richtig stolz machen Maxim und seinen Bruder daher auch die Rezensionen und Zuschriften der User. Wenn ein Schüler beispielsweise schreibt: „Ihr habt wirklich mein Leben gerettet!“ oder ein Vater, der kein Geld für Nachhilfe hat, jetzt selber mit seinen mathegeplagten Kindern lernen kann und sich dafür von Herzen bedankt. Und spätestens seitdem es Math 42 geschafft hat, sich als einer der ersten Lern-Apps an die Spitze der allgemeinen App-Store-Charts zu setzten, haben die Jungs neben viel Lob und Anerkennung auch die Gewissheit, ihr übergeordnetes Ziel erreicht zu haben:
„Wir wollten ein wirkliches Problem für die Allgemeinheit lösen.“ Diesen Anspruch wünscht sich der junge Unternehmer auch generell als wesentliches Motiv bei Gründungen und merkt in Bezug auf den Start-up-Hype in Berlin an: „Ich habe oft das Gefühl, bei vielen steht vor allem der Wunsch, irgendein hippes Start-up zu sein. Die Geschäftsidee kommt erst an zweiter Stelle. Daher gibt es auch so viele mittelmäßige oder schlechte Produkte.“
Besonders wichtig für Maxim und Raphael ist auch die „Steve Jobs-Philosophie“, nämlich der unbedingte Anspruch, Komplexität so zu vereinfachen, dass sie intuitiv bedienbar wird. „Wir sind dabei absolute Perfektionisten. Wir arbeiten solange, bis wir ein Problem gelöst und das Interface optimiert haben!“ Dass das Streben nach Perfektion aber auch viel Zeit kostet, hat das junge Start-up mittlerweile erkannt: „Unser größter Fehler war von Beginn an, immer zu wenig Zeit einzuplanen. So wurden aus der angesetzten Entwicklungszeit von neun Monaten ganze drei Jahre, bis die App gut genug war, um sie zu veröffentlichen.
Seit der Premiere im App-Store hat sich einiges getan bei den Jungs: Mittlerweile hat das Programm über zwei Millionen-Nutzer weltweit, die größten Märkte sind die USA, China und Deutschland. Nachdem es in „Der Höhle des Löwen“ noch nicht geklappt hatte mit einer Finanzierung, konnte Ende 2015 eine erste Finanzierungsrunde mit dem Klett-Verlag abgeschlossen und Kooperation geschmiedet werden: „Wir haben eine Math 42-API entwickelt, was uns ermöglicht, unsere Technologie an große Bildungsverlage und EdTech Unternehmen zu lizenzieren.“
Und Maxim denkt auch an weitere Adaptionen der Math 42-App: „Wir können uns beispielsweise die Entwicklung einer entsprechenden Chemie-App vorstellen.“ Oder vielleicht doch erst mal eine Mathe-App für die Uni? „Die könnte ich dann selber nutzen, denn im Mathe-Studium komme auch ich immer wieder an meine Grenzen und könnte etwas Hilfe gut gebrauchen.“ < Tim Brandt
Foto © Ivo Götz










