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Dabei sein ist nicht alles
von Felix Stroppel
„In einem Land, in dem…“. Selten sind es wohl überlegte Sätze die so anfangen. Meistens sind sie nicht zu Ende gedacht und versuchen einen Sachverhalt der nicht so einfach darzustellen ist in einen polarisierenden Zusammenhang zu bringen. So auch bei Markus Deibler, ehemaliger deutscher Weltklasse Schwimmer. Bei ihm ging der Satz so weiter. „…ein Olympiasieger 20.000€ Prämie bekommt und ein Dschungelkönig 150.000€ sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern.“
Klingt erstmal plausibel. Man denkt sich „Verdammt noch mal! Das kann ja wohl nicht wahr sein! Die einen essen Känguru-Hoden im Dschungel und beleidigen sich gegenseitig vor laufender Kamera und die anderen machen Hochleistungssport! Das ist doch nicht fair! Die sollten mehr Geld bekommen. Oder die Insektenfresser aus dem Dschungelcamp weniger! Das ist der erste Gedanke, wenn man so etwas liest. Ganz normal. Aber es empfiehlt sich einmal kurz Inne zu halten und nachzudenken, bevor man die Facebook-Kommentarspalte glühen lässt.
Zu allererst handelt es sich um zwei grundverschiedene Arten von Vergütungen. Einerseits haben wir eine Prämie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die auf freiwilliger Basis an den Sportler bezahlt wird. Zum Beispiel bekommen die britischen Sportler für eine Goldmedaille eine Widmung auf einer Briefmarke. Was ja schön und gut ist. Aber kaufen kann man sich dafür natürlich nichts.
Auf der anderen Seite haben wir eine Gage, die als eine Aufwandsentschädigung für eine zu erbringenden Gegen- bzw. Arbeitsleistung zu bewerten ist. Schon allein deshalb kann man eine Prämie für einen Olympiasieg nicht mit der Gage für die Teilnahme an einer Reality-TV-Show vergleichen. Ob man sie nun liebt oder hasst Gina-Lisa Lohfink hat durch ihre Popularität einen gewissen Marktwert, der hohe Einschaltquoten generiert und somit der RTL Group Werbeeinnahmen beschert.
Über solche Dinge hat Markus Deibler aber nicht nachgedacht als er den Vergleich aufstellte. Er wollte auch nicht, dass einer seiner Leser das Problem der unterbezahlten Randsportler reflektiert betrachtet können. Er wollte schockierende Zahlen um die Unfairness dieser Welt anzuprangern. Und wer will es ihm verübeln?
Die Welt ist verdammt unfair. Fußballer bekommen für einen EM-Titel 300.000 Euro Prämie. Das ist auch nicht fair. Das liegt an der öffentlichen Aufmerksamkeit die Fußball erfährt. Die Einschaltquoten sind selbst für das Supercup-Spiel der Bayern gegen Dortmund, in dem es praktisch um nichts geht, um ein Vielfaches höher als bei Olympiawettbewerben in denen Weltklassesportler um Gold kämpfen.
Wer mit dem Ziel reich zu werden mit Leichtathletik anfängt hat vielleicht eine falsche Vorstellung. Und ist es nicht ein wenig heuchlerisch, in einem Wettbewerb, dem das Motto „Dabei sein ist alles“ zugeschrieben wird nach hohen Siegesprämien zu verlangen? Quasi Gold nur gegen Geld. Geht es nicht um Sportleidenschaft und Völkerverständigung? Sollte es nicht eine Ehre für jeden Teilnehmer sein, das eigene Land bei einem sportlichen Wettkampf zur Völkerverständigung zu repräsentieren? Anscheinend sucht man den Olympischen Gedanken bei den heutigen aufgeblasenen Großsportereignissen vergeblich.
Das soll nicht heißen, dass es toll ist, dass Dschungelcamper absahnen und Olympioniken mit „nur“ 20.000 Euro Goldprämie auskommen müssen. Man muss nur bedenken, dass eine solche Aussage Jammern auf hohem Niveau ist. Dabei sein scheint eben doch nicht alles zu sein.