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Pop10 @ Melt 2013 - Psychotest mit Sizarr
Melt! Wir müssen reden...
Ich möchte heute über das Melt! Festival am vergangenen Wochenende berichten und ein paar grundsätzliche Dinge raushauen.
Vorab zum Hintergrund: Ich war von 2004 – 2007 selbst Mitarbeiter bei Intro, saß selbst zweimal im Produktionsbüro, betreute die erste Generation der Volunteers und durfte auch selbst viel Musik als Pausen-DJ beisteuern. Daran habe ich viele sehr schöne Erinnerungen. Für mich ist dieser Text daher schwierig, da ich hier Personen angreifen muss, die mir im persönlichen Umgang immer sehr sympathisch waren und sind. Ich hoffe, dass sie es als konstruktive Kritik begreifen.
Liebes Melt! Lieber, alter Arbeitgeber!
Das Festival war wieder ein Erfolg, ausverkauft, super Wetter, super Line-Up, ein Licht-Spektakel und perfekte Sponsoren-Einbindung. Nur, wieder einmal habt Ihr den Künstlern und Sponsoren rote Teppiche ausgerollt und auf dem Gelände Perfektion gezeigt, aber für die Bedürfnisse der zahlenden Besucher kaum Gespür bewiesen.
Wir hatten drei Tage Sonne und Hitze satt, dabei kaum Schatten auf dem gesamten Gelände, und dann kostet der halbe Liter Trinkwasser drei Euro zuzüglich Pfand (also sechs Euro für einen Liter)?! Geht’s noch?! So ein Reibach auf Kosten der Gesundheit der Besucher?!
Auf den allermeisten Festivals in dieser Größenordnung gibt es eine kostenlose Trinkwasserversorgung auf den Campingplätzen, warum nicht auch bei diesem Vorzeige-Festival Melt? Für mich sind die gewonnenen LEA-Awards hinfällig, wenn ich sowas mitbekomme!
Ihr verwendet so viel Energie auf Billing, Professional-Area und Licht-Design, aber vergesst die menschlichen Primärbedürfnisse. Ich glaube, ich weiß auch warum: Kaum einer von Euch war selber einfach nur zahlender Besucher in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren. Ihr musstet zwar auch mal für den Festivalguide campen gehen, aber dank Freiware gab’s nie einen Mangel an irgendwas. Man muss auch einfach begreifen, wie sich diese Kundenorientierung entwickelt hat: Intro ist ein Umsonstblatt, das sich zu fast 100% aus Anzeigenschaltungen finanziert. Zwar gibt es eine gute Redaktion, deren musikalische Empfehlungen ehrlich sind, jedoch ist nicht der Leser Kunde, sondern all diejenigen Firmen, Konzerne, Veranstaltungsagenturen und Locations, die die Reichweite der Intro für ihre Produkte nutzen wollen. Wenn so ein Magazin bzw. ein aus diesem Verlag hervorgegangener Konzern aus Magazinen, Event- und Booking-Agenturen als Festivalveranstalter auftritt, dann kennt es als Kunden nur die Werbepartner, sieht aber die Ticketkäufer nicht als Kunden sondern lediglich als Konsumenten an. Dies ist die Ursache für sowas. Mein Empfinden bezüglich der Verhältnisse ist drastisch ausgedrückt: Der Fürst hält Hof, und der Pöbel darbt im Durst auf dem Sleepless Floor dahin.
Ich sollte still halten, weil ich ja selbst diverse Bändchen und durch den Engtanz-Container eine verdammt gute Zeit beim Festival hatte. Aber so verfährt das Melt! schon lange - alle irgendwie einbinden, damit keine Kritik oder gar Konkurrenz entsteht. Ich bin nur nicht so - wenn ich so eine Ungerechtigkeit sehe, dann spreche ich sie aus, auch wenn ich nun vielleicht zur persona non grata bei dieser sogenannten „Gemeinsamen Sache“ werden sollte.
Ich könnte jetzt auch noch auf anderen Themen wie diese neuen Chip-Karten-Bänder für die VIPs herumreiten, mit denen die Bewegungsdaten und das Konsumvehalten der VIPs und Pros an diversen Punkten abgegriffen wurde (angesichts von Prism und co ein totales Fail!), oder organisatorische Mängel ankreiden, die wir beim Engtanz-Container erleben mussten - aber das sind Peanuts verglichen mit der pervertierten Kundenorientierung, die dieses Wochenende mal wieder offenbar wurde.
Klar könnte ich einfach den Mittelfinger zeigen und in Zukunft einfach auf die Fusion oder die Nation fahren und dort direkt mit Auto auf dem Gelände campen. Aber ich fühle mich dem Melt! verbunden und daher kotzt es mich schlichtweg an (copyright Olli Schulz), dass all die Kritik, die es schon seit Jahren gab, immer noch so ignoriert wird.
Ich möchte, dass Ihr Euch für die zahlenden Besucher genauso viel Mühe gebt, wie beim Booking. Ich möchte beim Melt! eine gute Festival-Freizeit und nicht Neo-Feudalismus mit einer straffen Klassengesellschaft erleben!
Mit freundlichen Grüßen,
Hendrik