Schwebender Gesang vor düster funkelnden Gitarrenwänden
Die Band Isaac Vacuum stellt ihr Debut-Album „Lords“ vor.
Nach der Band Pavallion stellte im Mai auch das Quartett Isaac Vacuum mit „Lords“ sein Debut-Album vor. Noch eine Rock-Band? Ja, aber ganz anders. Im Vergleich kann man Pavallion mit seinem psychedelischen Gitarrentrips fast als verspielt bezeichnen, die vier Herren von Isaac Vacuum gehen kompromissloser, düsterer, strukturierter zu Werke und beeindrucken mit handwerklicher Brillanz und Vielschichtigkeit. Bei aller Härte hat ihre Musik eine paradoxe Tiefenschärfe.
„Hybris“ nennt der Bildhauer Gerhard Hahn eine Terrakotta-Skulptur, die wie die Ruine eines Turms aussieht. Auf dem Cover von „Lords“ hat sie Nils Voges fotografisch düster in Szene gesetzt. Die Assoziation zum Turm von Babel liegt nahe, zu menschlicher Selbstüberschätzung, zum Scheitern, zum Leben nach einer Katastrophe. Das passt zur Atmosphäre der Musik.
Hahn ist Professor an der Hochschule Niederrhein, Voges hat hier Design studiert und Gitarrist, Bassist und Sänger Philipp Maike von Isaac Vacuum ist auch ein diplomierter Ehemaliger der Hochschule. Nebenbei erweist sich die Platte der Band also in mehr als einem Aspekt als Krefelder Produkt.
Dan Mueller ist der Hauptsänger, spielt auch Gitarre, Stefan Huth bedient eine sogenannte Touch-Gitarre, einen Synthesizer und singt ebenfalls, Michael Schallenberg sitzt am Schlagzeug. Alle vier Musiker beeindrucken durch instrumentales Können und ausgereiftes Zusammenspiel.
Stefan Huth, Philipp Maike, Dan Mueller und Michael Schallenberg (v.l.) sind Isaac Vacuum. Foto: Nils Voges
Die Band nennt ihren Stil „post. prog. rock“ (in dieser Schreibweise), will also Elemente des Post- und des Progressive Rock verbinden, anders gesagt: die herkömmlichen Rockstrukturen erweitern, hinter sich lassen. Man könnte auch sagen: Heavy Metal hat sich bei Isaac Vacuum eine Art-Rock-Kutte übergeworfen, Noise-Elemente treffen hier auf Fusion-Rhythmik, aber auch das greift zu kurz. Im Grunde ist das Konzept schon mehr als die Summe seiner Teile.
Der Klangkosmos von Isaac Vacuum lebt von der schillernden Vielfalt, die bis zu drei Gitarren nebeneinander erzeugen können. Klare stehen neben verfremdeten, aber nicht nur verzerrten Sounds. Obendrein spielt Huth eine Touch-Gitarre, bei der die Töne durch Fingerdruck beider Hände auf dem Gitarrenhals erzeugt werden, sie wird also nicht gezupft. Das bringt eine seltene Klangfarbe ins Spiel. Mal bedient Maike den Bass, dann aber kann auch Huth mit mäandernden Linien auf seiner Touch-Gitarre die Bassfunktion übernehmen.
Harte Riffs wechseln mit düster funkelnden Gitarrenwänden, die Stücke weisen immer lange Instrumentalstrecken auf. Sänger Müller kann zwar auch die Röhre auspacken, öfter aber schwebt der Gesang in perfekt ausgeführter Mehrstimmigkeit über dem brodelnden Klanggebräu.
Schlagzeuger Schallenberg verschiebt Akzente, streut polyrhythmische Passagen ein, baut Grooves auch schon mal perkussiv auf, dynamisiert sein Spiel mit zahlreichen Breaks. Sein Drumming ist druckvoll, aber es stampft nicht, ist antreibend, aber passt sich ins Spiel der anderen ein. Mit seiner differenzierten Rhythmusarbeit hat Schallenberg entscheidenden Anteil an der erstaunlichen Komplexität und Fülle der musikalischen Architektur.
Isaac Vacuum ist ein tolles Debut gelungen, dem man anhört, dass die Band seit ihrer Gründung 2013 schon viel Auftrittserfahrung gesammelt hat.
Info:
CD „Lords“ von Isaac Vaccuum. Elf Stücke, Länge: 67 Minuten. Bezug: isaacvacuum.bandcamp.com











