2005 bis 2011
Fliegende Augen
Seit ich in der Lage bin, Modellflugzeuge nicht nur in der Luft zu halten, sondern ihnen zu sagen, wohin sie fliegen sollen und insbesondere auch dazu bringe, i. d. R. in einem Stück wieder am Boden zum Stillstand zu kommen, habe ich den Wunsch, mir die Welt von oben anzuschauen. Daher vertiefe ich mich zunächst in Online-Foren. Am besten gefällt mir vor allem anfangs das RCLine-Forum. Der Ton ist (meist) freundlich und die Tipps sind gut, die Verweise auf die Suchfunktion sind selten.
Als Modelle fliege ich entweder einen “Easy Star” (gleichzeitig mein Anfängerflugzeug), eine selbstgebaute kleine Piper Cub aus Depron (Isoliermaterial für Wände) oder einen Toro 300 (Nurflügler aus EPP, einem flexiblen Schaumwerkstoff). Empfohlen werden kleine leichte Kameras von Aiptek, anfangs die dunkle MegaCam, später der silberne Nachfolger. Sie haben den Vorteil, dass man relativ leicht Drähte in Auslösernähe anlöten kann, damit man über die Fernsteuerung Fotos aufnehmen kann. Außerdem ist ihre Bildqualität ganz gut.
Ich habe die Halterung an den Modellen so angebracht, dass ich nach vorn oder auch zur Seite fotografieren kann.
Easy Star
Piper Cub
Toro 300
Damit gelingen mir ziemlich schnell Fotos von für mich befriedigender Qualität:
Ostbevern. Unten rechts in dem Doppelhaus hab ich mal gewohnt.
Teutoburger Wald vom Münsterland aus gesehen
Natürlich nehme ich meine fliegende Fotoausstattung auch mit auf Reisen, wie zum Fiat 500 Treffen am Backsberg bei Bremen:
Auch der Handel erkennt das Potenzial der “fliegenden Augen”, und schon bald werden (vermeintlich) spezielle Kameras angeboten, wie z. B. die FlyCamOne2. Sie hat ein klappbares Objektiv und durchaus ein paar sinnvolle Funktionen wie Serienaufnahmen und so, aber die Bildqualität überzeugt mich leider nie, schon gar nicht im Vergleich zu meinen billigen MegaCams.
FlyCamOne2
Die Fotos waren meistens verwaschen, unscharf und farbstichig:
Rummelsburger Bucht
Bis Ende der Nuller Jahre fliegen meine Kameras nur an Flächenflugzeugen. Dann baue ich mir meinen ersten Quadrocopter, inzwischen gemeinhin als “Drohne” bezeichnet. Es ist ein sog. Mikrokopter, den man durchaus mit etwas größeren Kameras beladen kann.
Das setzt nur meistens ziemlich sperrige und kipplige Landegestelle voraus. Ich habe mich aber für einen gepolsterten Ring entschieden. Also suche ich nach einer flachen Kamera und baue eine Klappvorrichtung an den Copter. Die Kamera ist eine Konica Minolta Dimage X1. Diese kann ich über die Fernsteuerung unten aus dem Copter herausklappen. Vor der Landung klappe ich sie dann wieder ein, damit nichts kaputt geht.
Auch an diese Kamera löte ich wieder Kabel zum Auslösen an. Was man wo anlöten muss, habe ich einfach ausprobiert. Gegrillt habe ich die Kamera dann später erst, als ich sie aus Versehen mit 12 statt 3 Volt betrieben habe. Friede ihrer Asche!
Mit dieser Kamera und dem ziemlich ruhig fliegenden Copter gelingen mir auch bei diesigem Wetter recht schöne Aufnahmen, und zum ersten Mal rückt eine berufliche Nutzung in greifbare Nähe. Ich steige auf rund 70 m Höhe auf und fotografiere eine Kreuzung irgendwo in Brandenburg, die ansonsten nur sehr aufwendig zu vermessen gewesen wäre.
Kreuzung irgendwo in Brandenburg
Aufgrund der schwierigen Rechtslage kommt es aber nicht zu weiteren professionellen Einsätzen der fliegenden Kamera. Ich halte auf einer internationalen Tagung noch einen Vortrag über Luftfotografie mit Multicoptern. Fotografiert habe ich dann erst mal genug in der Luft. Nach 2011 steige ich dann auf Videos um.
Bei allen meinen Experimenten stand und steht immer der Spaß am Basteln, Bauen und Fliegen im Vordergrund. Die benötigten Teile habe ich oft in meinen Bastelvorräten, Kameras gibt es meistens günstig bei ebay. Leistungsfähige fliegende Kamerasysteme, bei denen man sich nicht nur darauf verlassen kann, dass die Bilder alle etwas werden, sondern auch darauf, dass man für das Fliegen praktisch keinerlei Vorkenntnisse haben muss, gibt es schon seit den Nuller Jahren auf dem Markt. Dafür muss man dann eben mehr Zeit für das Geldverdienen aufwenden, anstatt wie ich für das Basteln und Fliegen.
(Markus Winninghoff)







