Ich will doch nur auf einem halbwegs ebenen Weg Fahrrad fahren (Update: Und es geht)
Ich bin großer Fan von OpenStreetMap, ich arbeite an der Karte mit (im Editor im Browser und mit Hilfe der sehr guten StreetComplete-App) und ich nutze die OsmAnd-App für fast alles. Aber es ist oft schwierig mit ihr.
Auch in diesem Jahr würde ich wieder gern mit dem Fahrrad auf Nebenwegen fahren, aber nicht über Wurzeln und Granitblöcke, denn es ist kein Mountainbike. Deshalb würde ich mir gern vorher den Straßenbelag anzeigen lassen. In der Umgebung meiner Mutter gibt es viele Nebenstraßen durch den Bayerischen Wald, deren Qualität von "exzellent befahrbarer fester ebener Forstweg" über "Forstweg aus grobem Schotter" bis zu "Granitblöcke so groß wie Hunde" variiert.
Am Ende muss ich immer in der Browserversion von OpenStreetMap in den Editiermodus gehen, wenn ich wirklich wissen will, woraus eine Straße besteht. Denn die Daten sind ja da, ich habe sie zum Teil selbst eingetragen. Aber warum kann ich sie mir nicht dort anzeigen lassen, wo ich sie beim Fahrradfahren brauche?
Es gibt Optionen in der Navigationsansicht von OsmAnd, die so tun, als würden sie den Straßenbelag anzeigen. Sie sind nur leider nicht hilfreich:
Was bedeuten diese Farben, OsmAnd? Was? (Die Antwort steht in Update 2 weiter unten.)
Die "Smoothness" im Screenshot ist auf 95% der Strecke undefiniert. Das liegt, soweit ich herausfinden kann, daran, dass sie eine unbeliebte, umstrittene und verkehrsmittelabhängige Eigenschaft ist und deshalb auch von StreetComplete in den Standardeinstellungen nicht abgefragt wird. (In meinem jetzt schon.)
Ich suche lange herum, ob vielleicht eine andere Navigations-App auf der Basis von OpenStreetMap mehr von Straßenbelägen versteht. Aber ich finde keine. Google Maps kann es natürlich sowieso nicht, es ist fürs Autofahren gemacht und für sonst nicht viel.
Ein Zwischenergebnis meiner Suche: Wenn man bei OsmAnd als Kartenquelle "CyclOSM" einstellt (via Dreistrichemenü – "Configure Map" – "Map Source"), kann man die Qualität der Wege etwas besser erkennen, denn für CyclOSM gibt es eine auffindbare und sogar beinahe merkbare Legende, hier https://www.cyclosm.org/legend.html.
Dann finde ich heraus, dass man bei der Fahrradnavigation noch mehr Optionen haben kann als das mitgelieferte "Kopfsteinpflaster vermeiden". Man muss sie nur von Hand in eine xml-Datei namens routing.xml einbauen, die man bei GitHub bekommt. Das ist nicht schwierig, man kopiert halt die Zeilen über Kopfsteinpflaster, schreibt "gravel" und "rock" hinein und gibt der Datei einen neuen, wiedererkennbaren Namen, zum Beispiel kathrin_routing.xml.
Aber dann muss man diese Datei mit der OsmAnd-App öffnen, und über die hier durchreisten steinigen Gegenden möchte ich schweigen. Im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob ich die Datei vielleicht relativ bald erfolgreich geöffnet habe und nur nicht herausgefunden habe, wie man OsmAnd dazu bringt, sie dann auch zu verwenden. Oder ob es wirklich so schwer war, sie an die Stelle im Android-Filesystem zu befördern, an der OsmAnd sie dann auch findet.
Theoretisch hätte es genügt, sie irgendwie aufs Handy zu bringen und dann mit der OsmAnd-App zu öffnen. Praktisch habe ich dazu über mehrere Tage verteilt insgesamt etwa vier Stunden lang mit Claude, Android, dem möglicherweise kaputten USB-Port meines Handys sowie einer veralteten Version von adb diskutiert.
Irgendwann finde ich zufällig heraus, wie der letzte, entscheidende Schritt geht: Man muss in OsmAnd unter Dreistrichemenü - "Settings" – "Cycling" – "Navigation settings" – und jetzt kommt die überraschende Stelle: "Navigation type" zuerst die editierte Routing-Datei auswählen. Danach habe ich bei der Navigation endlich die Möglichkeit, nicht nur Kopfsteinpflaster, sondern auch Schotter und Felsen abzulehnen.
Einerseits finde ich es toll, dass ich meine Navigations-App genau so einrichten kann, wie ich sie gern hätte, ihr also auch ganz neue Optionen beibringen, die es bisher nicht gab. Aber in den Details ist da noch Optimierungspotenzial.
Update 1: Johann Henningsen weist mich per Mail auf gpx.studio hin, ein Dienst auf OpenStreetMap-Basis, der die Wegoberflächen farbig anzeigt. Für mich ist das nichts, weil man damit nur gpx-Dateien erzeugen und exportieren kann, aber sucht ja jemand anders genau so was.
Update 2: Wie ich von Ekki DF4OR bei Mastodon erfahre, bedeutet der Pfeil bei "Details" im Screenshot oben das Gegenteil von dem, was ich dachte. Ich dachte, da ich ja schon "Details" ausgewählt hatte, um in diese Ansicht zu gelangen, sei das der Weg zurück in die unausgeklappte Ansicht. Tatsächlich ist es aber der Weg zu einer zweiten Ausklappstufe und damit der vermissten Legende:
Hier steht also schon sehr viel von dem, was ich wissen wollte. Es ist nur nicht ganz leicht zu verstehen, auf welche Abschnitte des Weges sich die Angaben zum Straßenbelag beziehen, aber dieses Problem wird Update 3 gleich lindern.
Update 3: X-tof weist mich bei Mastodon auf bikerouter.de hin. Es dauert ein paar Minuten, bis ich verstehe, wie man damit eine Route anlegt. Die Einstellung "minimal traffic" führt mich direkt auf die meistbefahrene Straße der Gegend, und erst als ich zusätzlich bei den Präferenzen "safest" angebe, fühle ich mich routentechnisch verstanden. Aber dann ist es fast genau das, was ich mir gewünscht habe:
Beim und nach dem Befahren ergänze ich die oben noch fehlenden "smoothness"-Angaben der Strecke (bis auf ein paar übersehene Stücke). Das Ergebnis in der bikerouter-Ansicht:
Ursprünglich war ich zwar auf der Suche nach einer Karte, auf der sich die Wegoberflächen möglichst direkt an der Farbe der Wege ablesen lassen. Aber die Wartezeit bis zum Eintreten dieser noch besseren Zukunft werde ich mit bikerouter gut überbrücken können.