Von alten Verbündeten und neuen Freunden
Der 6. Tag stand im Namen von "Public Health"- ein grosser Bereich unserer Ausbildung zum|r Veterinärmediziner|in und Bestandteil von dem immer wichtiger werdenden "One Health" Ansatz.
Am Morgen trafen wir den Präsidenten der ''Mongolian Veterinary Medical Association'' (MVMA). Die MVMA ist das deutsche Pendant zur Bundestierärztekammer und reguliert das Veterinärwesen in der Mongolei. Sie wurde im Jahr 1990 gegründet und besteht aus 15 Mitgliedern aus dem Fachbereich Tiermedizin. Ein Hauptziel dieser Einrichtung ist die Qualitätsicherung der Tierarztarbeit durch Fortbildungen und Lernkontrollen, um den Bildungsstandard regelmäßig anzupassen und zu erweitern. Eine weitere Aufgabe ist die Koordination von Austauschprogrammen. Derzeit gibt es eine gute Zusammenarbeit mit Japan und Korea. In Zukunft sollen die Kontakte zu Deutschland weiter gepflegt werden und die alte Freundschaften der DDR-Zeit wieder aufleben. Zusätzlich sollen grenzübergreifende Krankheiten wie u.a. die Maul und Klauenseuche (MKS) und die Pest der kleinen Wiederkäuer (PPR) durch Zusammerarbeit mit China und Russland vermehrt bekämpft werden. Eine weitere Zielsetzung ist die Einführung eines englischsprachigen Masterstudienganges um internationale Spezialisten auszubilden. Laut des Presidenten der MVMA muss die internationale Verantwortung verstärkt und ein globaleres Denken erschaffen werden.
Nach der gemeinsamen Mittagspause und eine riesige Ramen-Suppe später, ging es weiter zur Deutschen Botschaft. (hier gehts zum FB Beitrag: https://m.facebook.com/928791877223292/posts/1438521992916942/ )
Dort trafen wir unter anderem auf den Professor für Ökologie und Zoologie der Nationaluniversität der Mongolei. Zuerst wurde von der Zusammenarbeit von Deutschland und der Mongolei berrichtet. Mit 61 Mio Dollar pro Jahr ist die Mongolei das meist geförderte Land der Bundesrepublik (pro Kopf). Es gibt rund 670 monglische Studierende in Deutschland und die Nachfrage die deutsche Sprache zu erlernen wird immer größer. Die engen Kontakte und das große Interesse geht auf die regen Austauschprogramme in DDR-Zeiten zurück. Es gibt 28 Hochschulpartnerschaften mit Deutschland. Neben der FU Berlin gibt es noch sechs weitere aktive. Im Jahr 2013 wurde sogar eine Deutsch-Mongolische Hochschule für Rohstoffe und Technologie gegründet. Alle Vorlesungen finden auf englisch statt um internationale Spezialisten (momentan 120 Studierende) auszubilden. Anschliessend erfuhren wir Details über die geopolitische Bedeutung der Mongolei und den Wirtschaftsboom in den Jahren 2012-2014. Durch den Bergbau (Kohle und Kupfer) werden ca. 25% des Brutoinlandsproduktes erreicht - was nicht unbedingt zu einer nachhaltigen Lebensform führt. Umweltbelastung und gesundheitliche Probleme durch die starke Nutzung der fossilen Brennstoffe sind Folgen. Auch der ständige Zuzug in die Stadt führt zu Problemen: die Stadt, welche nur für ca. 800.000 Menschen geplant wurde, quillt nun mit den 1,6 Mio Menschen aus allen Löchern! Das kann man vor allem anhand des starken Verkehrs und dem ständigen Stauaufkommen sehen. Weitere Einkünfte zum Bruttoinlandsprodukt kommen ausserdem durch den almählich steigenden Tourismus zustande . Derzeit ist dieser allerdings noch zu vernachlässigen da hauptsächlich Backpacker und Abenteuerlustige das Globetrotterland bereisen und kein "Geld da lassen".
Am meisten diskutierten wir über den Landwirtschaftssektor. Die Mongolei hat eine sehr eingeschränkte Lebensmittelproduktion. Das kann auf den fast ständig gefrorenen Boden (frostfrei von Ende Mai bis Mitte September) zurückgeführt werden. Momentan werden zum Einen fast 50% der Lebensmittel importiert - wir konnten sogar deutsche Produkte in den Supermarktregalen entdecken! Zum Anderen gibt es eine große Rate an tierischen Lebensmitteln und massenhaften Fleischverzehr. Folgen davon sind riesige Tierpopulationen. Ein Hirte hat ca. 1000 Tiere was hochgerechnet um die 66 Mio. Tiere im ganzen Land sind. Durch diesen dramatischen Anstieg gibt es widerum Probleme mit der Futterbeschaffung, Gesundheitserhaltung und natürlich der Umweltbelastung. Die kalten mongolischen Winter, auch ''Dsud'' genannt, fordern immer wieder das Leben von unzähligen Tieren. Laut der Botschaft ist der Verlust allerdings mehr Segen als Fluch, da es eine generelle Überversorgung gibt. Zwar wird so der Fleischpreis niedrig gehalten und die Versorgung der Bevölkerung gesichert, allerdings sollte ein Umdenken stattfinden. Kleinere Herden mit weniger Verlusten steht hier im Zentrum der Überlegung. Steigerung des Bruttoinlandproduktes durch Fleischexport wird somit also abgelehnt und sogar als problematisch gesehen. Momentan ist dieses durch die bestehende MKS Problematik sowieso nicht umzusetzen. Ein mehr zu beachtender Sektor ist die Woll- bzw. Kashmirproduktion. Bisher trägt diese nur im geringen Maße dem wirtschaftlichen Wachstum bei. Durch die Etablierung einer zertifizierten Wertschöpfungskette soll die Produktion jedoch gefördert werden. Ausserdem wurde vorgeschlagen in nächster Zeit einen Workshop mit dem Veterinärwesen durchzuführen um eine Zusammenarbeit aufzubauen. Denn im Moment liegt der Fokus der deutschen Förderungen in den Bereichen Berufsbildung/-training, Energieeffizienz, Biodiversität und Rechtssicherung.
Der Tag hat uns einen sehr interessanten Einblick in die Beziehung der Mongolei und Deutschland gegeben. Nicht nur aus tiermedizinischer sondern auch wirtschaftlicher Sicht! Da in der Mongolei Wirtschaft und Tiermedizin sehr eng miteinander verknüpft sind versuchen wir uns für eine vermehrte Zusammenarbeit einzusetzen.