Das Sexistischte was ich heute gelesen habe
Heute wurde ich zufällig auf diesen Blogpost mit dem Titel "Nerdmädchen" aufmerksam, und nachdem ich mehr als genug Kommentare zur angeblichen Romantik lesen konnte, wollte ich kurz eine Meinung dazu abgeben.
Nerdmädchen ist ein schöner Begriff, denn der Autor sich ausgedacht hat um sich selbst die Möglichkeit zu geben, ein Idealbild nach seinen eigenen Vorstellungen zu definieren. Schließlich ist es für ihn eindeutig, dass Menschen nur auf eine einzige Art und Weise identifiziert sein können. Jemand der DSDS anschaut kann nicht intelligent sein, und wer sich die Fingernägel lackiert kein Science Fiction Fan.
Glücklicherweise sucht er, aber auch nicht nach einer Frau, welche nicht einem vordefinierten Stereotyp entspricht. Was er möchte, ist ein Mädchen, dass sich seinen Wünschen anpasst. Nicht nur die Bezeichnung als Mädchen weißt auf die Verkindlichung der Frau hin, auch die ständige Wiederholung des Wortes „klein“. Liest man den Satz „Und hat mein kleines Mädchen einmal einen schlechten Tag“ ohne Kontext, dann ist es schwer zu glauben, dass dies die gleiche Person sein soll, welche ihn zum „vorzeitigen Samenerguss“ bringt.
Den Begriff "Mädchen" als romantisch zu sehen, ist nur möglich, wenn der dazu passenden Partner gleichzeitig ein romantisierter "Junge" ist, eine Abgrenzung, die der Autor aber bewusst von sich weißt wenn er mehr als deutlich seine eigene Männlichkeit propagiert (siehe: "Nicht mal mehr Pornos kann ich gucken – und ja, ich bin ein Mann und Männer brauchen verdammt noch mal Pornos!")
Schließlich soll sein "eigenes kleines Nerdmädchen", dass linguistisch auch in sofort in seinen Besitz übergeht, sich nur für ihn sexualisieren, wie z.b. in ihrer Rolle als Sklaven Leia, für andere (oder gar sich selbst) sollte sie jedoch nicht zu viel Zeit in ihr Aussehen investieren und möglichst unschuldig unterworfen wirken. Eigentlich will er kein Nerdmädchen sondern eine Hausfrau der fünfziger Jahre, wie man sie nur aus Filmen wie Pleasantville kennt.
Die Belohnungen für das Mädchen sind auch verwirrend und ohne Konsequenzen. Anstatt Liebe, Treue, Hingabe oder andere romantisierte Werte zu versprechen, gibt es eine Eisdiele, die gewaltsame Bedrohung fremder Lebensformen, Jar Jar Binks Sex (what the actual fuck?) und Aufnahmen des Titanic Untergangs. Den nichts sagt Romantik so sehr wie ertrinkende Menschen und Teppichmesser.
Jeder Anspruch auf Aktivität wird ihr abgesprochen, da alle Handlungen sich auf die Befriedigung seiner Ansprüche beziehen. Selbst gemeinsame Aktivitäten, wie zusammen Playstation zu spielen, laufen darauf hinaus, dass der Autor seine Dominanz demonstrieren kann, wenn sie passive Zuschauerin über jeden seiner Headshots kichert. Diese Ich-Bezogenheit spiegelt sich in seiner gesamten Sprachwahl wieder (z.b. Ich würde mir ihren Namen am offenen Herzen tätowieren lassen./Ich würde mich von außerirdischen entführen lassen (...)/Ich würde für sie beim Sex sogar eine Jar-Jar-Binks-Maske tragen (...)/Ich würde für sie durch ein Wurmloch zurück in der Zeit reisen (...)/Für sie würde ich den Konjunktiv abschaffen und nur noch verbindliches von mir geben.).
Und während der gesamte Text versucht zu davon zu überzeugen, dass hier nicht nach einen äußerlich attraktiven Mädchen gesucht wird, widerspricht die Schlußfolgerung des Textes allem noch so minimal positiv vorherig gesagtem. Schließlich ist das schlimmste was das „Nerdmädchen“ sein kann immer noch zu dick oder hässlich und ihre ultimative Belohnung die Worte „Du bist schön“ aus dem Munde eines Mannes zu hören.