Die üblichen Verdächtigen
"Im neuen Mordprozess gegen die US-Amerikanerin Amanda Knox und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito hat die Verteidigung Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben.
Die beiden Angeklagten seien nach dem Mord an der Austauschstudentin Meredith Kercher beschuldigt worden, um die Öffentlichkeit zu beruhigen, sagte Sollecitos Anwältin Giulia Bongiorno am Donnerstag in ihrem Plädoyer vor dem Berufungsgericht in Florenz. «Perugia wollte nicht glauben, dass ein Unbekannter, ein Monster, in ein Haus eingedrungen sein könnte und eine Studentin ermordet haben könnte», sagte sie."
http://de.nachrichten.yahoo.com/neuer-mordprozess-gegen-amanda-knox-wird-mit-pl-061519487.html
Staatsanwaltschaft und Polizei versagten im Mordfall Kercher vollständig. Da passte die Mordwaffe nicht zu den Wunden, die DNA war kontaminiert, die Aussagen fragwürdig, die Motive, die Staatsanwalt Mignini den Angeklagten unterstellte, ein wenig zu poetisch. Vielleicht waren die "dämonischen Riten und okkulten Sexpraktiken" auch eher für die berlusconische Presse und ihre Leser als für den Richter gedacht.
Ganz schlecht war natürlich auch die Auswahl der Verdächtigen. Eine amerikanische Studentin, deren Familie umgehend bereit ist, eine zweite Hypothek für den Rechtsanwalt aufzunehmen, der Sohn eines Arztes, der Adoptivsohn einer wohlhabenden Familie aus der Region? Sollte es etwa in Perugia an geeigneten Kleinkriminellen gefehlt haben, vaterlandslosen Gesellen von dunkler Hautfarbe, arm und der Sprache unfähig? Das Fehlen von Kreditkarten, Barem und Mobiltelefonen war doch eine so geeignete Vorlage, um der Staatsanwaltschaft und den Medien zwei Einbrecher zu präsentieren.
Der italienischen Sprache im Ansatz mächtig, habe ich keine Vorurteile den Italienern gegenüber. Es sieht ohnehin in den anderen europäischen Ländern inzwischen kaum besser aus, und auch die deutsche Polizei glänzte in den letzten Jahren nicht eben. Es endete die Jagd nach dem "Phantom von Heilbronn" als Peinlichkeit, die Ermittlungen gegen den Nationalsozialistischen Untergrund begannen erst, nachdem sich die meisten Täter schon selbst getötet hatten, der Fall Pascal in Saarbrücken wurde nie wirklich gelöst.
Hinter dem Spektakulären droht das Banale, die Streife etwa, die die Verfolgung abbricht, weil der Etat für Treibstoff fast ausgeschöpft ist, das Handy vom Tatort, das nicht als Beweismittel auswertet wird, weil der Akku leer ist, der Beamte, der die Tatortfotos an die Zeitung verkauft, die Obduktion, die verschoben wird, weil Überstunden zu teuer sind, der Beamte, der überfordert auf meine Papiere schaut, wenn er mich mit meinem Roller anhält. War denn nicht damit zu rechnen, dass ich sie mit mir führen und griffbereit haben würde?














