Der Kunde ist König - oder eher ein Idiot
Probleme mit grossen Unternehmen in Brasilien zu lösen ist oft eine Zangengeburt. Es dauerte Tage bis ich meine Studentenbuskarte bekam oder mindestens zwei Stunden in der Warteschlaufe bis ich mit meinem Handy wieder aufs Internet zugreifen konnte. Dass ich nun etwas ähnliches mit einem Apple Produkt erlebe, hätte ich nicht gedacht. Von einem Tag auf den anderen fielen die Tasten Q,W,E,R,T,Z auf meinem MacBook Air aus und so suchte ich einen Apple Service Provider in Rio auf. Die Dame bei Planeta Virtual nahm mein Problem auf und notierte sich auch einen kleinen Kratzer direkt neben dem Stromanschluss.
Die Zeit verging und es dauerte 12 Tage bis ich erfuhr, dass die Tastatur wirklich defekt ist. Sagte ich doch gleich. Es dauerte nochmals solange bis mit mitgeteilt wurde, dass ich meinen Mac am Heiligabend vor Mittag im Geschäft abholen kann. Dort angekommen hiess es nein, er währe frühstens um 17 Uhr bereit. So fuhr mit dem Bus zurück nach Hause um meine Badehose zu holen, damit ich die Wartezeit am Strand verbringen kann. Als ich die Türe zur Wohnung öffne erhalte ich eine Mail, mein MacBook sei nun bereit. Ich setze mich also ich den nächsten Bus zurück nach Ipanema, was jeweils eine halbe Stunde beansprucht. Bei Planeta Virtual angekommen öffne ich mein MacBook und stelle erstaunt fest, dass es jetzt eine US-Tastatur besitzt. Das ist total unpraktisch den jedes ü, ö oder ä muss ich somit mühsam einfügen. Total unpraktisch! Doch das ist nicht alles, neben der Schraube auf der Rückseite entdecke ich einen fetten hässlichen Kratzer. Der muss beim öffnen des Gerätes entstanden sein, der Techniker hat wohl einen elektrischen Schraubenzieher verwendet und ist abgerutscht. Als ich den Schaden melde entsteht eine hitzige Diskusion und am Schluss heisst es, die Schraube sei defekt gewesen, ich hätte wohl versucht mit Gewalt das Gerät zu öffnen. Was allerdings absolut keinen Sinn macht, warum investiert jemand 300 Franken in eine Garantieverlängerung? Bestimmt nicht um danach selber etwas am MacBook zu basteln. Am Ende bieten sie mir an mit Apple Kontakt aufzunehmen, eventuell würde diesen Fall Apple übernehmen, ich solle aber auf alle Fälle froh sein das sie mir nicht gleich die Garantieverlängerung storniert hätten, da ich ja alleine an meinem Gerät herumgeschraubt hätte. Ich koche regelrecht, verlasse das Geschäft und mache mit wieder auf den Weg nach Hause.
Jetzt muss ich zuerst unter die kalte Dusche, denn draussen brennt die Sonne und meine T-Shirt ist bereits klatschnass. Eigentlich möchte ich jetzt endlich an den Strand, will aber noch kurz das MacBook starten, doch oh Schreck es startet nur wenn es am Stromkabel hängt. Die Fehlermeldung erscheint prompt: Kein Akku installiert. Ich mache mich nun abermals auf den Weg zum Apple Service Provider. Der Techniker verschwindet gleich mit meinem Computer in einem Hinterzimmer und kommt nach 10 Minuten grinsend zurück und meint er hätte keinen Fehler entdeckt. Aber hallo? Haben heute eigentlich alle das Gefühl ich sei bescheuert? Er hat in diesen 10 Minuten natürlich kurz die Schrauben gelöst, den Akku angeschlossen und mir das MacBook zurück gegeben. Jetzt kann ich mich nicht mehr halten und ich entdecke bisher unbekanntes Latino-Temperament. Es entsteht eine sehr sehr laute Diskussion mit der Managerin, die anderen Kunden verlassen alle das Geschäft, die Techniker versuchen mich zu beruhigen, aber das alles hilft nichts. Gelöst hat sich das Problem damit noch nicht, aber zumindest geht es mir wieder besser und die Chefin verspricht alles zu unternehmen um mich zufrieden zustellen. Daran glauben kann ich allerdings erst, wenn der Kratzer entfernt ist und ich wieder eine Schweizer Tastatur besitze. Den allein in diesem Post hat es 20 Üs, 10 Ös und 20Äs.