Endlich da: Dateleitfaden für Poplinke!
Der Plan für heute Abend steht: du gehst mit einem Genossen_einer Genossin ein paar Bier trinken und über Popmusik plaudern. Und dann mal gucken. Doch wie reüssierst du beim zwanglosen Beisammensein? Wie schaffst du es, das Interesse des Objektes deiner Begierde zu wecken?
Und diese ewigen Selsbtzweifel: ist mein Outfit okay? Sind meine Beiträge interessant? Betone ich oft genug, wie wichtig eine kritische Theorie des Pop ist? Habe ich diesen frühen Kaput Krauts-Song grade richtig zitiert?
Das ist jetzt vorbei! Dank des Dateleitfadens für Poplinke ist dir das Aufwachen neben deinem süßen Musik-Nerd garantiert! Du musst dich nur an die Regeln halten.
Trage das T-Shirt einer möglichst obskuren, nur eingeweihten Kreisen bekannten Band. Achte darauf, dass diese Band nicht erst vor kurzem gespielt hat, das würde arg übereifrig erscheinen.
Tauscht Komplimente über eure T-Shirts aus. Das ist ein sehr wichtiger Moment deines Dates und die erste Möglichkeit, dich mit deinem Popwissen zu profilieren! Auch kann ausgetestet werden, ob man den gleichen Musikgeschmack hat.
Protze mit deinem MP3-Player, beklage dich über die Gigabyte-Anzahl, welche bei weitem nicht ausreichend für deine Bedürfnisse ist, lass deinen dir das staubkornhafte deiner Existenz vergegenwärtigenden Bügelkopfhörer mit der enormen Soundqualität bewundern.
Vergleiche die Playlists. Wenn nicht mindestens 80 Prozent der Musik übereinstimmt, täusche einen Unfall deiner Großmutter vor und verschwinde.
Beeindrucke mit deinem sich in deiner Playlist manifestierenden exquisiten Musikgeschmack. Preise in großen Tönen dein aktuelles Lieblingsalbum.
Zitiere so oft wie möglich Blumfeld und die Smiths. Es sollte allerdings nicht bemüht rüberkommen! Übe am besten vorher.
Vergleicht eure Markenbrillen. Profiliere dich mit deiner Dioptrinzahl. Betone, wie sehr du Fensterglasbrillenträger_innen verabscheust und zitiere aus Adornos "Piperdruck". Damit gewinnst du an Distinktion den ganzen Hipsterschweinen gegenüber, die vermutlich die gleichen Indiekneipen besuchen wie du.
Schon diesen neuen, abwertenden Beatpunk-Artikel über Hipster erwähnt?
Referiere auf Martin Büsser, das kommt immer gut. Poche auf die objektive Wahrheit seiner Aussagen. Erzähle eine witzige Saufgeschichte mit ihn. Wenn du keine hast, erzähle die aus einem Nachruf nach und betone, was für eine krasse Saufnase Martin war.
Betone die Notwendigkeit einer kritischen Theorie des Pop.
Diskutiere die Vorzüge von Vinyl.
Schimpfe über die Spex. Klage darüber, dass die Intro auch immer schlechter wird. Protze mit deiner Sammlung an Musikzeitschriften und Testcard-Ausgaben.
Blumfeld-Referenz!
Ezähle ausführlich von dem letzten Konzert/der letzten Party, die du veranstaltet hast. Glänze mit witzigen Anekdoten aus dem Backstage-Bereich, das signalisiert Scene-Credibility. Finde heraus, ob ihr Konzerte mit den gleichen Bands organisiert habt, das schafft Gemeinsamkeiten.
Diskutiere Texte aus der „Sex“-Ausgabe der Testcard oder dem Missy-Magazin, um dein Gegenüber in Sachen Queerness und sexueller Kompatibilität auszuhorchen.
Inzwischen müsste die Kneipe dicht machen und du wissen, ob du mit deinem Gegenüber noch Platten bei dir hören möchtest – könnte er_sie jetzt noch nein sagen? Vermutlich nicht (aber falls wider Erwarten doch: Nein heißt nein, respektiere das!)!









