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Die Dreharbeiten in Köln, Münster und Umgebung laufen noch bis zum 26. März 2026. Ein konkreter Sendetermin im Frühjahr 2027 steht noch nicht fest.
Na nu? Was bringt den WDR dazu, den so eingespielten Rhythmus vom Tatort Münster durcheinanderzubringen und dieses Jahr nur eine Folge zu senden und ein ganzes Jahr bis zum Jubiläum zu warten?
Das würde allerdings erklären, weshalb wir noch keinen Sendetermin für "Maskerade" (AT) haben. Wenn sie nur diese eine Folge ausstrahlen, werden sie sie vermutlich mittiger im Jahr ansetzen ...
Frau Großmann, Sie haben die Rolle der Staatsanwältin Wilhelmine Klemm mehr als zwei Jahrzehnte geprägt. Was wird Ihnen am meisten fehlen?
Also vermissen werde ich, vor Axel Prahl zu stehen und zu sagen: „GUTE ARBEIT, THIEL!“
Immer mal wieder leuchtet auch bei der strengen Staatsanwältin der Mensch dahinter hervor, bei diesem Film mit einer spannenden Erinnerung an schöne Jugendtage. Wieviel Spaß machte es Ihnen, immer mal wieder diese besondere Seite von Frau Klemm zu zeigen?
Über die menschlichen Seiten der „strengen Staatsanwältin“ wurde im Laufe der Jahre viel erzählt: Als Schülerin knutschte sie immer wieder mit einer Klassenkameradin, nach einem Verhältnis mit einem blöden Kommilitonen hatte sie eine Abtreibung, sie lebte jahrelang in einem besetzten Haus und verteidigte es. Dort lernte sie auch den kleinen Frank Thiel kennen, mit dessen „Vadder“ sie etwas hatte. Auch in einer späteren Folge schlief sie mit „Vaddern“, dem Taxifahrer, immer wieder gerne.
Wenn Sie an Ihre erste und an Ihre letzte Szene als Wilhelmine Klemm denken – was hat sich am meisten verändert, was ist gleich geblieben?
Was sich verändert hat? Als ich meine erste Szene im „Tatort“ drehte, war ich 54 Jahre alt. Dieses Jahr drehte ich die letzte Folge und werde im Dezember 77 Jahre alt. Das ist der größte Unterschied.
[Hier ein Cut, weil kleiner Spoiler zur Folge "Die Erfindung des Rades"]
Staatsanwältin Klemm verabschiedet sich nicht wirklich in den Ruhestand sondern beginnt ein privates Abenteuer… Werden Sie mit Ihren anderen kreativen Aufgaben wie Lesungen und Schauspiel-Engagements genauso weitermachen, wie bisher oder diese sogar ausbauen – oder haben Sie einen anderen, großen Plan, den Sie uns verraten könnten?
Nächstes Jahr habe ich sehr schöne Sachen vor: Mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Vladimir Jurowski werde ich „Der Schneesturm“ von Puschkin lesen. Mehrere Auftritte mit der Lautten Compagney, mit fünf wunderbaren Musikern, die spanische Musik aus dem 17. Jahrhundert spielen, und mein Text handelt von Don Quichotte. Mit Gottlieb Wallisch – einem großartigen Pianisten, der Musik der 20er Jahre spielt – zu Texten von Menschen dieser Zeit. In Dresden werde ich Alan Bennett in der Komödie lesen, und, und, und. Ich freue mich auf ganz viel Literatur und Theater. „Das Vermächtnis“ im Schauspielhaus Münster wird es im Februar und März auch geben.
Das Team äußert sich zu Mechthild Großmanns Ausstieg aus dem Tatort Münster. Viele warme Worte, aber Achtung: auch ein paar Spoiler zur Folge ... 👀
Pssst: Alle Posts, die sich mit Klemms Abschied beschäftigen, werden wir entsprechend taggen ("klemms abschied"), damit sie leichter zu finden sind oder ihr sie gegebenenfalls auch filtern könnt.
Wie haben Sie die gemeinsame Arbeit mit Mechthild Großmann über all die Jahre erlebt?
Axel Prahl: Mechthild Großmann ist eine hervorragende Schauspielerin, mit einem hohen Maß an Musikalität und einer atemberaubenden Stimme. Als wir uns seinerzeit, beim Dreh zu unserer ersten Folge „Der dunkle Fleck“ begegneten, hatte es mir wirklich den Atem vorschlagen. Ihre Arbeit war immer eine riesige Bereicherung für unseren „Tatort“ und hat nicht unwesentlich zu dem großartigen Erfolg beigetragen. Inzwischen ist, so würde ich es zumindest behaupten wollen, zwischen Mechthild und mir auch eine herzliche Freundschaft entstanden.
Jan Josef Liefers: Immer auf Augenhöhe, immer auf der Suche nach einem schönen, unerwarteten Kniff. Wir haben früher alle am Theater angefangen, Mechthild und die große Tanztheater-Prinzipalin Pina Bausch waren ohne einander nicht vorstellbar. Sie war einer der Gründe, warum ich nach den vielen Jahren immer wieder gerne zum „Tatort“-Dreh gefahren bin.
Was wird Ihnen persönlich am meisten fehlen?
Axel Prahl: Das, was ich mir in dieser für sie letzten Folge am Ende auch als Hauptkommissar Thiel gewünscht habe:
„Können Sie es noch einmal sagen, Frau Klemm?“
Klemm: „Was denn ?“
Thiel: „Na was sie jetzt sonst immer sagen.“
Ihre Antwort werden wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Am meisten fehlen wird mir der Mensch Mechthild Großmann. Denn ich habe sie schon sehr in mein Herz geschlossen. Aber dann müssen wir uns jetzt eben öfter gegenseitig besuchen.
Gibt es eine Lieblingsszene mit Frau Großmann, an die Sie sich besonders gerne erinnern?
Jan Josef Liefers: Ganz klar! Der Tango zwischen Prof. Boerne und Frau Klemm in „Ein Fuß kommt selten allein“. Das war eine Sternstunde für Boerne und mich.
Axel Prahl: Da gibt es einige Szenen, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Beispielsweise, als Frau Klemm auf der Damentoilette heimlich rauchte und damit im gesamten Gebäudekomplex die Sprinkler-Anlage auslöste. Alle Personen flohen panisch aus dem Gebäude und erst einige Sekunden später, als die Luft rein war, schlich Frau Klemm genervt und nass, wie ein begossener Pudel, durch die Tür der Damentoilette. Das war ein Bild für die Götter! Auch nicht zu vergessen, als sie voll Inbrunst und mit vollem körperlichem Einsatz auf dem Konzert von „Roman König“ das Lied „Egoist“ mitgeschmettert hat. Zum Niederknien.
Wie haben Sie die Atmosphäre beim Dreh erlebt, wissend, dass es ihr Abschied sein wird?
Jan Josef Liefers: Es war ein würdiger, professioneller und herzlicher Abschied. Nach über 20 Jahren auch ein sentimentaler, natürlich.
Axel Prahl: Tut mir leid, aber ich würde es keinen Abschied nennen. Es ist ihr Ausstieg, aber sie hat ja auch angeboten, dass sie sich unter gewissen Umständen auch vorstellen könnte, mal als Überraschungsgast wieder dabei zu sein. Das fänd ich zum Beispiel großartig! Also drücken wir mal die Daumen. Ansonsten möchte ich mich an dieser Stelle noch mal ganz herzlich bei ihr bedanken, für die tolle gemeinsame Zeit und die schöne gemeinsame Arbeit.
Christine Urspruch: Mechthild Grossmann habe ich schon viele Jahre vor unserer gemeinsamen Arbeit im „Tatort“ Münster kennengelernt. Ich habe sie oft auf der Bühne des Tanztheaters Wuppertal bei Pina Bausch gesehen und bewundert. Uns verbinden viele Begegnungen und Geschichten vom Theater, und daher hatten wir zu Beginn der Dreharbeiten gleich einen Draht zueinander.
Zu meinen Lieblingsszenen gehört eine gemeinsame Observierung in „Lang lebe der König“: wir machen 'undercover' gemeinsame Sache in einem Van vor einem Wasserschloss. Das war ein schöner, inspirierender Drehtag mit Mechthild. Ihre Liebenswürdigkeit, ihre humorvolle Art und ihre unverwechselbare Stimme werden mir fehlen. Oft muss ich über ihre schalkhafte Art schmunzeln und manchmal blitzt in ihrem schönen Gesicht etwas ganz Mädchenhaftes auf.
Leben, sei es auch fiktional, bedeutet Veränderung, und so wird mit Mechthilds Ausscheiden etwas Neues angestoßen, das nur spannend werden kann. Mechthild ist und bleibt eine Grande Dame unserer Zeit, die privat gerne Kartoffelsuppe kocht... Für sie soll es rote Rosen regnen! Liebe Mechthild, es war wunderschön mit Dir und vielleicht tauchst Du ja mal wieder auf...!"
Björn Meyer: Die Arbeit mit Mechthild Großmann war für mich immer eine große Freude. Wir haben uns nicht nur am Set gut verstanden, sondern auch privat, wenn wir uns in Hamburg begegnet sind. Da wir beide vom Theater kommen, ging uns der Gesprächsstoff auch nie aus. Ihre wunderbaren Geschichten und ihre Präsenz haben mir einige Drehtage versüßt.
Fehlen wird mir besonders dieses augenzwinkernde „Kräftemessen“ zwischen Klemm und Schrader. Eigentlich haben die Beiden aber immer an einem Strang gezogen – manchmal sogar als verschworene Einheit gegen Thiel.
Mit ihrem Abschied verliert das Münster-Team eine echte Identifikationsfigur. Sie war Respektperson, Gegenpol und starke Frauenfigur zugleich – das hat die Dynamik einzigartig gemacht.
Sehr gerne erinnere ich mich an unser erstes Zusammentreffen in „Spieglein, Spieglein“, als Schrader neu ins Team kam und von Klemm gleich in die Schranken gewiesen wurde. Ein toller Start für Mirko Schrader, dank Klemm. Ich werde Mechthild am Set auf jeden Fall sehr vermissen.
Umso schöner, dass wir uns auch außerhalb der Dreharbeiten in Hamburg über den Weg laufen können. Danke Mechthild, du bist großartig.
Claus D. Clausnitzer: Wilma, also Frau Staatsanwältin, hatte für mich immer den Erotikfaktor im „Tatort“. Diese Mähne, diese Stimme, diese Lippen …
Ok, in Münster sind alle Single, aber aus Wilma und mir hätte etwas werden können. Bis in ihre Dusche hatte ich es ja schon mal geschafft.
Möge Sie mit ihrem „Fahrradfritzen" glücklich werden – ich werde Mechthild vermissen!
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Die Interviews auch hier in der Presselounge noch einmal nachlesen (x)
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Das hört sich ja erst mal vielversprechend an – und vor allem wie ein richtiger, selbstbestimmter Abschied von Frau Klemm. Wir sind auf jeden Fall auf den Dialog von Thiel und Klemm gespannt, der uns hier schon angeteasert wird. Und liegt das nur an uns oder klingt es so, als würde Frau Klemm mit einem Love Interest aus der Serie gehen?
Verpasste Chance mit Herbert natürlich ;)
Ach Mann, da werden wir direkt sentimental ... wie soll das erst im Dezember werden?
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Zusammenfassung des Falls:
Hobrecht & Hobrecht, Münsteraner Fahrradmanufaktur in fünfter Generation, verspricht nicht weniger als eine Sensation. Mit dem „First Bike“, der jüngsten Entwicklung des Traditionsunternehmens, wird die Geschichte des Fahrrads neu geschrieben werden müssen! Ein Ereignis historischen Ausmaßes also. Da darf Professor Boerne selbstredend nicht fehlen. Nur befindet sich in der Kiste, die Kurt Hobrecht Senior (Hannes Hellmann) und sein Sohn Konstantin (Franz Hartwig) vor zahlreichen geladenen Gästen feierlich öffnen, nicht etwa das geniale Fahrrad, sondern eine Kühltruhe. Und darin wiederum ein weiterer Hobrecht. Kurts Bruder Albrecht (Heinrich Giskes). Schockgefroren!
Bei der Frage, wie der Mann in die Truhe kam, trifft Thiel auf etliche weitere Hobrechts, von denen nicht wenige ein Motiv hätten, den ungeliebten Verwandten aus dem Weg zu räumen. Boerne wiederum, der sich zusammen mit Silke Haller (ChrisTine Urspruch) im fachgerechten Auftauen eines menschlichen Körpers versucht, kommt einem geradezu unglaublichen Familiengeheimnis auf die Spur, und Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) zeigt ein ungewöhnlich ausgeprägtes Interesse an diesem Fall…
Das klingt doch immerhin so, als würden wir Frau Klemm zum Abschluss noch mal ein bisschen mehr zu sehen bekommen. Es scheint der letzte Fall mit ihr zu sein :(
"Wenn Ende 2025 der letzte Münster -Tatort' mit mir gesendet wird, werde ich 77 Jahre alt sein, und ich habe nicht vor, aufzuhören zu arbeiten. Ich werde also auch weiter Theater spielen und Lesungen gestalten, möglichst mit Musik."
– Zitat Mechthild Großmann von film.at (x)
Drehbuchautor ist Thorsten Wettcke, der an Juwelen wie "Zwischen den Ohren", "Schwanensee" und "Gott ist auch nur ein Mensch" mitgeschrieben hat – allerdings auch den eher, äh, ambivalenten Folgen "Des Teufels langer Atem" und "Der Mann, der in den Dschungel fiel". Regie führt Till Franzen, der ebenfalls für "Der Mann, der in den Dschungel fiel" verantwortlich war.
Man darf also wirklich gespannt sein. Hoffen wir einfach mal, dass sie Mechthild Großmann bzw. Wilhelmine Klemm einen würdigen Abschied bescheren. <3
Interview mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers zum Tatort "Man stirbt nur zweimal" (Achtung: Spoiler)
„Freiheit“ ist ein zentrales Thema in diesem „Tatort“. Was bedeutet Freiheit wohl für Professor Boerne und Hauptkommissar Thiel?
Axel Prahl: Wäre ich ein Drehbuchautor, würde ich Thiel zum Thema „Freiheit" folgenden Satz sagen lassen: „Der Begriff ‚Freiheit‘ ist eine Hure, die sich gerne mit vielen ins Bett legt.“ „Freedom is just another word for nothing left to lose …”
Jan Josef Liefers: Der Professor lässt ausrichten, der Schlüssel zur Freiheit sei Disziplin! Wer keine Disziplin hat, sitzt ewig im Gefängnis!
Boerne und Thiel verbringen während der Ermittlungen mal wieder gezwungenermaßen eine gemeinsame Nacht. Genießen die beiden das inzwischen?
Axel Prahl: Dazu kann ich nur sagen: „Was wäre Ernie ohne Bert?“
Jan Josef Liefers: Oder Waldorf ohne Statler? Oder Musik ohne Tänzer? Oder für Herrn Thiel: Bier ohne Schaum?
Was war das Besondere, in einem Haus zu ermitteln, das einem Museum für exotische Kunst gleicht?
Axel Prahl: Also in der Küche und im Bad, zwei der wichtigsten Räumlichkeiten für Thiel, war alles normal.
Jan Josef Liefers: Herrlich! Arbeiten, wo andere Eintritt für zahlen müssen. Aber, ohne zu viel verraten zu wollen – es ist nicht alles Kunst, was staubt.
In diesem Fall entwickelt Frank Thiel eine Sympathie für die verdächtige Doreen. Könnte es sein, dass Thiel ein Faible für mysteriöse Frauen hat?
Axel Prahl: Der Begriff Sympathie ist in diesem Zusammenhang doch etwas zu kurzgefasst. In diesem Fall war es in erster Linie die aufopfernd, selbstlose Liebe dieser Frau, die Thiel einerseits fasziniert hat, andererseits aber auch bemitleidenswert empfand. Dass Thiel ein Faible für mysteriöse und bisweilen auch anstrengende Menschen hat, belegt ja allein schon seine Beziehung zu Professor Boerne.
Wie steht es in diesem Fall um die berufliche Distanz von Frank Thiel?
Axel Prahl: Ich würde sagen, ganz ausgezeichnet! Er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen!
Silke Haller, Professor Boernes Assistentin, spielt eine entscheidende Rolle bei den Ermittlungen. Wieviel Anteil hat sie an Boernes scharfem Verstand?
Jan Josef Liefers: Sie ist die Medulla oblongata in Boernes Hirn. Vielleicht auch der suprachiasmatische Nukleus. Auf jeden Fall regiert sie in Boernes Stammhirn.
Es gibt eine Szene in der Rechtsmedizin, in der Silke Haller vollen Körpereinsatz zeigt. Würde Thiel gern die Rolle mit ihr tauschen?
Axel Prahl: Wenn ich an Frau Hallers Stelle dieses Experiment durchgeführt hätte, wäre der Herr Prof. nicht so glimpflich davongekommen. Insofern hatte das alles so schon seine Richtigkeit.
Und wie haben Sie die Kampfszene zwischen Silke Haller und Professor Boerne empfunden?
Jan Josef Liefers: Selten hat die Welt einen derart robusten Einsatz zum Nachteil des Alabasterkörpers des Professors in einem sonntäglichen Unterhaltungsfilm gesehen!!
Professor Boerne hat ein Faible für Extravaganz. Gibt es eine Szene oder ein Requisit aus diesem Film, das perfekt zu seiner Persönlichkeit passt?
Jan Josef Liefers: Wann hätte ein Rechtsmediziner je eine Statue obduziert?
Das Interview in der Presselounge des WDR (x)
Leute, Leute, Leute ... da kommt wieder was Wildes auf uns zu ...
Interview mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl zum neuen Tatort Münster "Fiderallala" (06.04.25)
Wohnungsnot als Mordmotiv unter Studierenden, so stellt sich der Fall im neuen Münster Tatort „Fiderallala“ für Kriminalhauptkommissar Frank Thiel und Professor Karl-Friedrich Boerne zunächst dar. Wer von den beiden kann sich besser in die Situation der jungen Menschen hinein fühlen und so die Ermittlungen vorantreiben?
Axel Prahl: Wer von uns beiden sich besser einfühlen kann? Ist das eine ernst gemeinte Frage? Empathie nennt man das doch, oder? Das ist eins der wenigen Fremdworte, das dem Herrn Professor tatsächlich weitestgehend fremd geblieben ist. Dazu müsste er vermutlich zu wissenschaftlich-statistischen Zwecken aufgefordert werden.
Jan Josef Liefers: Gebildet morden mit Prof. Boerne. Killer unter angehenden Akademikern sind quasi ein Heimspiel für den Professor.
Professor Boerne lockt Hauptkommissar Thiel unter einem Vorwand auf eine Studentenparty. Die allenfalls gut gemeinte Einmischung in Thiels Privatleben geht gehörig schief, zwingt den Professor später gar zum Einsatz von Sprengstoff. Ist Work-Life-Blending als berufliches Konzept also gescheitert?
Jan Josef Liefers: Im Gegenteil! Thiel und Boerne werden hier für einen Moment lang zu Faust und Mephisto!
Axel Prahl: Ich habe zwar keine Ahnung was Work-Life-Blending sein soll... Vom Klang her würde ich annehmen, dass es irgendwas mit Blenden zu tun hat. Ist das jemand der die Arbeit nur vortäuscht? Das war noch nie mein Konzept! Das weise ich weit von mir!
In der Folge wird die Freundschaft von Professor Boerne und Frank Thiel auf eine harte Probe gestellt. Brauchen echte Freundschaften nach Ihrer Erfahrung gelegentlich einen Streit, um ihre Wahrhaftigkeit zu überprüfen?
Axel Prahl: „Schwierigkeiten sind die Treppenstufen des Erfolgs“ hat mal irgend ein kluger Mann behauptet. So gesehen... Ja, ich würde sagen ja.
Jan Josef Liefers: Es sind wohl eher die Egos der beiden, die immer mal einen Streit brauchen. Die Freundschaft setzt sich aber am Ende durch und bindet wieder ihr starkes Band zu einer schönen Schleife.
Professor Boerne brilliert bei der Lösung des neuen Falls mit psychologischen Untersuchungen an lebendigen Probandinnen und Probanden, spricht zahlreiche Sprachen und ist Opern-Experte. Wie viele Talente hat er eigentlich noch und welche nicht?
Jan Josef Liefers: Es könnte sein, dass seine frisch-forsche und unverblümte Art ihn nicht unbedingt für den Job des obersten Diplomaten prädestinieren. Auch nicht unbedingt für den des Paartherapeuten…
Axel Prahl: „Brilliert“! Dass die Presse immer so schamlos übertreiben muss! Unterm Superlativ macht ihr es nicht, was? Aber klar, mein Freund Börnie hat einiges drauf… Ich denke, es gibt kaum etwas, was er nicht kann.
Der neue Fall verlangt Frank Thiel einige Geduld ab, widersprüchliche Aussagen häufen sich, zudem macht ihm der Professor das Leben schwer. Woher nimmt er die Gelassenheit, nicht regelmäßig aus der Haut zu fahren?
Axel Prahl: Sie sollten Thiel mal nach seiner Knirscherschiene fragen, die ihm der Zahnarzt vor drei Wochen verschrieben hat. Von der ist kaum noch was übrig.
Jan Josef Liefers: Was beim Herrn Hauptkommissar nach Gelassenheit aussieht, ist in Wahrheit Lethargie, verbunden mit ununterbrochener Verdauungstätigkeit, denn so eine Pizza Capricciosa bedeutet eine gehörige Kohlenhydrat-Fett-Last!
Hier das Interview noch mal in der Presselounge des WDR (x).