„Q“ wie „Querulant“
Nörgler, Meckerfritze, Meckerziege (ja, wir gendern auch!) oder einfach nur Querulant – als Historiker muss man sich schon einiges anhören können. Immer wieder heißt es von Außenstehenden, dass der Homo historicus nicht nur ein Besserwisser (s. „B“ wie „Besserwisser“) sei, sondern eines Tages an seinem Starrsinn zugrunde gehen werde. Unnötigerweise beschwere und poche er auf sein (vermeintliches) Recht. Viel zu verblendet, ja, gar weltfremd sei er mit seinen bald postapokalyptischen Vorstellungen und Behauptungen! So sehen also die Konsequenzen aus, die seine ständigen Archivbesuchen (s. „A“ wie „Archiv“) auch noch zeitversetzt bei ihm auslösen können.
Ähm... nö! Ein Homo historicus wird von seiner Umwelt einfach falsch verstanden. Er ist leidenschaftlich, unbeirrbar, zäh, rechthaberisch, misstrauisch, eigenbrötlerisch und auch zuweilen unbelehrbar. Ja, dies sind wunderbare Eigenschaften auf die er auch mächtig stolz ist. Meistens garantieren und erhöhen sie sogar die Lebensdauer. Doch werden diese Attribute einfach nur verkannt! Man legt sie böswillig aus. Jemand, der so handelt, muss ein Idiot sein. Eine Nervensäge kurz vorm Gang in die Irrenanstalt, wenn niemand darauf Acht gibt und dem Querschläger Einhalt gebietet.
Wie unglaublich traurig solche Etiketten sein können, lässt sich auch am Beispiel des „Querulanten“ nachvollziehen. Während der NS-Diktatur wurden Personen, die durch vermeintlich uneinsichtigen Starrsinn auffielen gefangengenommen und verschleppt. Nicht wenige fanden sich in Arbeits- und Erziehungslagern oder gar in Konzentrationslagern wieder. Ihr Verhalten wurde ihnen als „gemeinschaftsschädlich“ ausgelegt. Dass sie einfach anderen auf die Nerven gingen oder auch vielleicht das gesagt haben oder taten, was sie nicht hätten tun sollen, fällt dabei völlig unter den Tisch. In diesem Fall rücken die Querulanten doch schon in die deutliche Nähe von Andersdenkenden, Unbeugsamen und Skeptikern.
Wir behaupten nicht, dass der Homo historicus oder andere verwandte Meckerfritzen immer ohne eigene Strapazen auszuhalten sind. Jedoch sollte man beim nächsten Aufeinandertreffen in freier Wildbahn vielleicht darauf achten, ob im Geschimpfe des Querulanten nicht doch ein Fünkchen Wahrheit steckt.










