____ *Siófok*
Der erste Rückweg vom Urlaub ohne Eltern verschwendete, einen größeren Schluck halbtrockenen Rotweines auf das T-Shirt meines Schulfreundes - Uwe. Ungeschickt, auf die weibliche Präsenz reagierend; zum zweiten Mal überhaupt. Aber eigentlich war ich in meinem Element.
Ich merkte dennoch, alleine bin ich mir näher. Also erlog ich das Jahr darauf - keine Ahnung wie, weil ich nun mal alles höchstens bis zum Abend überblickte - einen 14-Tage-Urlaub in Ungarn. Jeder bekam seine Geschichte und ich meine Ruhe.
Das Ergebnis: Nie mehr danach war ich solange ungestört, allein mit einer Schreibmaschine, Wrestling, Faxe und Chips. Woher kam nur die Geduld - keine Langeweile, nicht mal nach Tagen. Das Fernsehprogramm, die Videothek, und keine Ahnung, was mich genau ernährte. Die Tage füllte ich mit dem Tippen verliebter Worte. Beobachtend, durch die Lamellen meiner Zeitzone, sah ich die Begehrte gelegentlich.
Ich wusste es derzeit noch nicht, am Ende der Paarungskette lebt es sich lächerlich. Und Paarung ist genau mein Ding. Für mich ist richtig, beim Sex und der Liebe: Improvisierter Jazztanz geht vor Disco Fox. Ich habe das Talent den Hauptakt zu variieren und hochzuschrauben. Mein Vorspiel ist heutzutage besser, das Nachspiel ein wortloses Versagen.
Die saftigen Jahre verbrachte ich zumeist an mir selbst spielend, gern auch häufiger, ohne die Erkenntnis: Dieser Trieb hält die Welt am Atmen; sie zu riechen und zu wollen, kopflos zu werden wegen dem Verlangen nach einer Frau.
"Wir gehen nach Mexiko, da duftet es nach Rosmarin. Der Schnaps ist hochprozentig. Da wird es Reis und Bohnen geben. Und nichts von der Scheiße hier ist noch von Bedeutung." *
Ich hätte für nen' Fick mein Leben hergegeben. Diese Verzweiflung war meine Aura. Uta lag, samt meiner ungelenken Widersprüche, nackt und meinem harten Schwanz in der Hand, im Bett neben mir, wunderte sich, dass ich mich immer noch zurückhielt, sie nicht zu überreden versuchte, brav und Gentleman blieb. Mutlose Geilheit.
Hätten wir ordentlich gebumst, wäre sie bei mir geblieben und ich hätte mir manche Träne erspart. Sex stays! Es gibt mich bis heute, als Variante allein, und unter Leuten. Variante 1 ist ein freier Mann, der denkt, säuft, fühlt; und wenn das Mischungsverhältnis der elementaren Drei stimmt, auch richtig gut vögelt. In jeder Gegenwart ist davon nichts übrig. Verschiedenen Leuten mit verschiedenen Ansichten zeige ich immer das von mir, was auf möglichst wenig Unverständnis stößt.
Die Rückfahrt von Siófok, als wir nach einem platonischen Urlaub, auf zwei ansehnliche Damen im adäquaten Alter trafen, mit deren Anwesenheit und einer geteilten Rotweinflasche, die Reisezeit auf Minuten eindampfte - und dass Verhältnis denken:saufen:fühlen ungünstig verschob.
Ich hatte in den Tagen ganz sicher nicht dazu beigetragen, dass es ein Urlaub wurde. Uwe war der Entscheider, ich trabte hinterher, planlos, gedankenlos. Er das Gegenteil. Wir hätten beide von einander lernen müssen. Hätte gut getan. Hat gut getan.
So ganz viel passierte also nicht, so ganz viel bleib nicht haften. Wir lasen ein Rambo Taschenbuch, aßen Melone, sahen die Puszta und liebten die Reisebegleiterin gehemmt ehrlich. Und natürlich gemeinsam. Endlich: allein, weit weg von der elterlichen Dauerobhut, hin zum Ohne-Eltern-ohne-Plan-Urlaub, begegnen uns die Hausnachbarn. Und wir grüßen höflich. Das hat mich beruhigt - das ist seltsam - immer noch.
* Quelle: From dusk till dawn










