https://weltansichteneinersechzenhnjaehrigen.wordpress.com/2015/10/28/von-zu-kurzen-hosen-und-vom-schoensein/
In letzter Zeit lese ich häufig den Slogan: „A dress is not a yes.“ – Ein Kleid ist kein Ja.
Es ist ein Slogan des Kampfes gegen sexuelle Belästigung wie Missbrauch oder Vergewaltigungen, neben Sätzen wie: „We live in a society that teaches girls/boys not to be raped, instead of teaching girls/boys not to rape.”- Wir leben in einer Gesellschaft die Mädchen/Jungen beibringt nicht vergewaltigt zu werden, anstatt Mädchen/Jungen beizubringen nicht zu vergewaltigen.
Diese Sätze haben mich sehr nachdenklich gemacht, da ich mir nicht sicher war ob ich ihnen zustimmen sollte oder nicht. Ich finde sie auf der einen Seite unbestreitbar und auf der anderen gewagt und ungenau. Doch ich möchte nicht Urteilen sondern meinen Gedankengang teilen, da Menschen es meist sowieso ablehnen überzeugt zu werden, jedoch kann ich vielleicht den einen oder anderen bei seiner Meinungsbildung inspirieren.
Diesen Sommer trugen sie alle Hotpants. Ich selbst gehöre zu diesen Mädchen, die in viel zu kurzen Hosen durch die Straßen liefen, und bei ihren Müttern für Empörung sorgten. Also stelle ich mir jetzt die Frage und ich stelle sie – ausnahmsweise – den Mädchen meiner Generation: Warum ziehen wir uns überhaupt so an? Was wollen wir damit erreichen?
Tun wir es einfach weil wir es können, weil uns niemand daran hindert? Weil die Zeiten sich geändert haben und wir das irgendwem beweisen wollen? Weil wir unsere Eltern ärgern wollen? Weil wir unsere eigene Reflexion in den Schaufenstern bewundern wollen? Weil wir selbstbewusst sind? Weil wir sorglos sind? Weil wir einer Mode folgen? Weil wir einem Gruppenzwang unterliegen? Weil wir dazu gehören wollen?
Oder doch, weil wir wollen, dass uns hinterhergesehen wird? Weil wir Beachtung und Aufmerksamkeit wollen? Weil wir als hübsch, als attraktiv, als anziehend, als sexy empfunden werden wollen?
Und eine andere Frage ist nicht, was wir erreichen wollen, sondern was wir am Ende damit erreichen.
Die Problematik ist: Sicher sollte jeder sich anziehen können wie er es möchte. Jeder sollte so viel Haut entblößen und verhüllen können wie er selbst das möchte. Sollte. Doch ich denke, dass nicht jeder das kann. Das Problem ist, dass Irren menschlich ist und Fehler sind es auch.
Und es ist eben nicht auszuschließen, dass ein zu freizügiges Auftreten Konsequenzen mit sich trägt. Ich sage nicht, dass dann das Mädchen an diesen Schuld ist. Ich sage nicht, dass ein Kleid oder eine Hose als Einladung aufzufassen ist, irgendwen psychisch oder physisch zu verletzen. Doch ich sage, dass es Männer/Frauen gibt, die es aufgeilt ein/-en Mädchen/Jungen in zu knapper Kleidung zu sehen, und die sich nicht beherrschen können. Das halte ich für die traurige Wahrheit. In einigen Kulturen, mag es eine andere und viel komplexere Problematik sein. Ich spreche hier auch nicht von z.B. Teilen Asiens in denen Vergewaltigungen noch viel häufiger auftreten, da andere Rollenbilder existieren. Dort ist es in der Tat die Gesellschaft, die Erziehung, die Auffassung von Mann und Frau, die überarbeitet werden muss.
Ich kann nicht verstehen was im Kopf eines Menschen vorgeht der es über sich bringen kann jemanden so zu verletzen. Ich weiß nicht wie man solche Menschen „verhindern“ kann (nicht den Menschen sondern das Verhalten). Aber ich stelle fest, dass es solche Menschen gibt und ich stelle fest, dass trotz allem Mädchen sich immer freizügiger bekleiden und präsentieren, obwohl es so einfach wäre etwas längere Hosen zu tragen. Also möchte ich mich auf die Frage konzentrieren Warum sie es tun.
Ich vermute es ist ein wenig von allem.
Die wenigsten Mädchen denken vermutlich darüber nach, ob sie nun kurze Hosen tragen oder nicht, sie tun es einfach ohne über jegliche mögliche Konsequenz nachzudenken. Es ist für sie selbstverständlich, sie kämen überhaupt nicht auf die Idee etwas anderes als eine zu kurze Hose anzuziehen, da sie es jeden Tag vorgelebt bekommen, dass „zu kurz“ jetzt Norm ist. Die zu kurze Hose ist das Resultat einer Gruppendynamik. Zudem werden viele Jugendliche stark von Medien beeinflusst, nicht nur ihr Umfeld diktiert ihnen knappe Kleidung, auch Werbungen und Fernsehserien zeigen wenig anderes.
Auf der anderen Seite wird es Mädchen geben, die sehr wohl jeden Morgen darüber nachdenken ob sie sich in die kurze Hose zwängen oder nicht, jene die unzufrieden mit ihren Körper sind oder zu wenig selbstsicher.
Mir kann niemand erzählen, dass er Hotpants anzieht, weil ihm in allen anderen Hosen zu warm ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es kaum etwas Unpraktischeres gibt im Sommer als zu kurze Hosen. Man bekommt Abdrücke auf der Unterseite der Oberschenkel von jeder Oberflächenstruktur auf die man sich setzt. Man schwitzt. Man klebt auf jedem Stuhl. Und zurzeit gibt es als Alternative luftige Stoffhosen, in denen der Sommer durchaus überlebbar ist.
Ich behaupte, dass die kurzen Hosen auf jeden Fall etwas damit zu tun haben, dass man als attraktiv empfunden werden will. Als ich mich mit einem Mann darüber unterhielt, sagte er mir das sei absurd. Mädchen schmeißen sich in sexy Kleidung, ärgern sich dann jedoch wenn sie auf irgendeine Art bestätigt bekommen, dass sie sexy sind und fühlen sich dann auf ihr Aussehen reduziert. Ich sage dass es einfach ist, dieses Verhalten einfach nur absurd zu finden.
Wir leben in einer komplizierten Zeit. Wir leben in einer Zeit in der die Unterschiede zwischen den Geschlechtern langsam ausgeglichen werden. In der die Rollen sich verändern. Doch gerade das, macht es zu einer komplizierten Zeit. Ich behaupte früher hatte man seine Rolle und es war einfacher sie zu spielen. Heute gibt es keine aufgezwungene Rolle. Jahrelang mussten Frauen hübsch sein. Ihre Aufgaben waren der Haushalt, die Aufzucht der Kinder und das Schönsein. Schönsein was essentiell um zu überleben, denn die Frau lebte dank der Familie, dank der Hochzeit und daher dank dem der sie liebt. Und ich behaupte das ist geblieben. Wir sehnen uns doch alle nach Liebe. Mann oder Frau ist egal. Die wenigsten wollen alleine sein, wollen einsam sein. Frauen wollen schön sein, weil sie denken, dass sie sonst nicht geliebt werden. Sie brauchen das als einen Teil ihrer Persönlichkeit, das Schönsein. Und ich denke bei Männern war es lange Zeit so, dass ihr Aussehen keine Rolle spielte. Sie mussten klug sein, oder andere Charakterqualitäten haben, die dafür sorgten Arbeit zu haben, Arbeit sorgte für Geld und Geld sorgte für das Überleben der Familie. Auch das ändert sich zurzeit und ich habe das Gefühl langsam wird es wichtiger für Jungen gut auszusehen, lange war es das aber nicht.
Der Grat zwischen sexy und hübsch ist schmal. Und sicher Nacktheit bedeutet nicht automatisch Sexyness. Doch das wissen viele junge Mädchen nicht mehr. Alles was sie wollen ist Aufmerksamkeit und Liebe. Und das meine ich nicht böse, denn das ist nicht immer etwas Schlechtes. Es ist meistens etwas Menschliches. Der Haken ist sie wollen Aufmerksamkeit und Liebe von „dem Richtigen“ und bekommen die von allen oder von „den Falschen“. Es mag absurd klingen doch ich vermute, dass ist eine mögliche Erklärung für zu kurze Hosen.
Meine Konklusion wäre, dass Mädchen und Jungen lernen müssen sich über andere Dinge als Aussehen zu definieren. Schönheit ist ein Begriff den jeder für sich definieren muss. Sicher gibt es jede Menge oberflächliche Personen. Sicher verliebt sich niemand auf den ersten Blick in innere Werte. Doch jemanden, der erst einmal innere Werte entwickelt hat, wird eine oberflächliche Beziehung die auf einem Aussehen basiert sowieso nicht genügend zufriedenstellen. Es ist vielleicht eine langweilige Konklusion, doch ich halte sie für sehr wahr.
Ich denke ich selbst werde mein Bedürfnis nach Schönheit nie völlig loswerden. Doch es wird mir immer weniger wichtig. Ich fange an für mich Coolness neu zu definieren. Ich finde Intelligenz cool, ich finde Tiefgründigkeit cool, ich finde Humor cool, ich finde Selbstlosigkeit cool. Meine Freunde sind eine nette kleine Ansammlung völliger Irren. Wir werden alle vermutlich nicht allgemein als cool anerkannt, aber wir finden uns gegenseitig cool.