Deutsche Auslandsanleihen in Schweizer Franken 1924-1937
Eine Regelung über die deutschen Vorkriegsschulden wurde unter Beteiligung von 23 Gläubigerstaaten nach langwierigen Verhandlungen durch den Bankier Hermann Josef Abs im Londoner Abkommen über Deutsche Auslandsschulden im Jahr 1953 erreicht. Mit dem Londoner Abkommen wurden Vor- und Nachkriegsschulden von 14,5 Milliarden D-Mark geregelt. Die wesentlichen Regelungspunkte waren:
Tilgungsstreckung: Hinausschiebung der Fälligkeiten der Schuldverschreibungen (z.B. von 1949 auf 1969 bei der Dawes-Anleihe)
Zinsverbilligung: Ermäßigung der zahlbaren Zinssätze (z.B. von 6 auf 4% bei der Kreuger-Anleihe)
Goldabsicherung: Wegfall bzw. Ersatz der Goldklausel
Fundierung der bis 31.12.1944 rückständigen Zinsen sowie der rückständigen Zinsen von 1945 bis 1952
Abgelöst wurden ausschließlich alle im deutschen Auslandsbondsbereinigungsgesetz von 1952 aufgeführten, zu bereinigenden Anleiheemissionen
Im September 1953, trat das “Gesetz zur Ausführung des Abkommens vom 27. Februar 1953 über deutsche Auslandsschulden” in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Das Abkommen war seinerzeit eine entscheidende Grundlage dafür, dass die junge Bundesrepublik Deutschland im Ausland rasch Vertrauen und Kreditwürdigkeit, als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau, gewann. Alle Schulden aus ab 1953 neu ausgegeben Papieren wurden bis 1980 getilgt.
Die Anlage zum Auslandsbondsbereinigungsgesetz von 1952 enthält 39 Emissionen deutscher Auslandsanleihen ausgegeben von 1924 bis 1937 in Schweizer Franken, die nach den Regelungen des Londoner Schuldenabkommens ab 1953 zurückgezahlt wurden. Drei Emissionen bedurften bei der Rückzahlung keiner Wertpapierbereinigung.
Berliner Städtische Elektrizitätswerke Aktien-Gesellschaft, 7% Schweizer Franken-Anleihe von 1925/1940/1945 über 2.000 Schweizer Franken, ausgestellt am 13. November 1925 in Berlin
Insgesamt sind das 41 Emissionen in Schweizer Franken im Zeitraum von 1924 bis 1937. Im Folgenden werden die Emittenten bzw. Emissionen in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet:
1. Freistaat Baden, 6½% Teilschuldverschreibungen (Obligationen) von 1926/1946
2. Badische Girozentrale, öffentliche Bankanstalt des Badischen Sparkassen-und Giroverbandes in Mannheim (später: Badische Kommunale Landesbank Girozentrale - Mannheim), 6½% Teilschuldverschreibungen von 1928/1953
3. Badische Landeselektrizitätsversorgung Aktiengesellschaft (ab 1938: Badenwerk Aktiengesellschaft) in Karlsruhe, 6% Teilschuldverschreibungen von 1928/1953
4. Badische Landeselektrizitätsversorgung Aktiengesellschaft (ab1938: Badenwerk Aktiengesellschaft) in Karlsruhe, 6% Teilschuldverschreibungen von 1930/1955
5. Berliner Städtische Elektrizitätswerke A.G. (ab 1934: Berliner Kraft- und Licht (Bewag)-Aktiengesellschaft), 7% Teilschuldverschreibungen (Obligationen) von 1925/1940/1945
6. Stadt Bochum, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/ 1936
7. Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank), 6½% Meliorations-Schuldverschreibungen von 1930/1960
8. Deutsche Äußere Anleihe, 7% Schweizer Franken-Anleihe von 1924/1949 (Schweizerische Teilausgabe)
9. Internationale Anleihe des Deutschen Reiches, 5½% Gold-Anleihe von 1930/1965 (Schweizerische Teilausgabe)
10. Stadt Dortmund, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/1936
11. Elektrizitäts-Actien-Gesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co. - Frankfurt am Main, 6% Teilschuldverschreibungen (Obligationen) von 1927
12. Essener Steinkohlenbergwerke AG, 5% Teilschuldverschreibungen von 1934, Schweizer Abschnitt (ohne AuslWBG)
13. Evangelische Diakonissenanstalt, 4% (7%) Schweizer Franken-Anleihe von 1931/1941 (ohne AuslWBG)
14. Felten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft in Köln-Mülheim, 5½% Teilschuldverschreibungen von 1927/1952
15. Stadt Freiburg im Breisgau, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/1936
16. Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Graf Schwerin zu Castrop-Rauxel, mit dem Verwaltungssitz in Bochum (ab 1938: Bergbau-Aktiengesellschaft Lothringen), 4½% Verpflichtungsscheine von 1930/1949
17. Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Graf Schwerin zu Castrop-Rauxel, mit dem Verwaltungssitz in Bochum (ab 1938: Bergbau-Aktiengesellschaft Lothringen), 4½% Zinstilgungsscheine von 1930
18. Gewerkschaft Diergardt - Mevissen III, 4½% Schweizer Franken-Anleihe von 1913/1938/1943 (ohne AuslWBG)
19. Stadt Heidelberg, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/1936
20. Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft (Heag) in Darmstadt (ab 1941: Hessische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Darmstadt), 6½% Teilschuldverschreibungen von 1929/1954
21. Stadt Karlsruhe, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/1936
22. Stadt Konstanz, 6% Teilschuldverschreibungen (Obligationen) von 1928/1937
23. Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden, 3% Schweizer Franken-Anleihe (Serien IA, IB, IIA, IIB) von 1935 bis 1936
24. Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden, 3% Schweizer Franken-Anleihe (Alte Ausgabe) von 1936
25. Konversionskasse für deutsche Auslandsschulden, 3% Schweizer Franken-Anleihe (Neue Ausgabe) von 1937
26. Kraftübertragungswerke Rheinfelden, 5% Obligationen von 1927/1947
27. Kraftwerk Reckingen Aktiengesellschaft, 4½% Obligationen von 1930/1948
28. Stadt Krefeld, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/1936
29. Lech-Elektrizitätswerke Aktien-Gesellschaft, Augsburg, 7% Obligationen von 1926/1951
30. Lech-Elektrizitätswerke Aktien-Gesellschaft, Augsburg, 7% Obligationen von 1929/1951
31. Stadt Nürnberg, 5% Teilschuldverschreibungen von 1926/1936
32. Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern Aktiengesellschaft, 5½% Obligationen von 1930/1960
33. Schluchseewerk Aktiengesellschaft, 6% Obligationen von 1929/1959
34. „Siemens“ Elektrische Betriebe Aktiengesellschaft (ab 1925: Nordwestdeutsche Kraftwerke Aktiengesellschaft), 4½% Teilschuldverschreibungen von 1908/1936/1941
35. „Siemens“ Elektrische Betriebe Aktiengesellschaft (ab 1925: Nordwestdeutsche Kraftwerke Aktiengesellschaft), 4½% Teilschuldverschreibungen von 1912/1940/1945
36. „Siemens“ Elektrische Betriebe Aktiengesellschaft (ab 1925: Nordwestdeutsche Kraftwerke Aktiengesellschaft), 4½% Teilschuldverschreibungen von 1913/1940/1945
37. Steinkohlenbergwerk Friedrich Heinrich Aktiengesellschaft – Kamp-Lintfort, Kreis Moers, 6% Inhaber-Teilschuldverschreibungen Serie A von 1928/ 1958
38. Tuchfabrik Lörrach Aktiengesellschaft, 5% Teilschuldverschreibungen von 1931
39. Untere Iller Aktiengesellschaft in München, 6½% Obligationen von 1928/1953
40. Wintershall Aktiengesellschaft in Berlin (Anleihe der Kali-Industrie Aktiengesellschaft), 4½% Inhaber-Teilschuldverschreibungen von 1924/1948
41. Freistaat Württemberg, 6½% Teilschuldverschreibungen von 1931/1950
Felten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft, 5½% Teilschuldverschreibung über 1.000 Schweizer Franken, ausgestellt am 30. April 1927 in Köln-Mülheim
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Bilder: HGG (F2/22-12/2017)