Und da es das dritte Siegel auftat, hörte ich das dritte Tier sagen: Komm! Und ich sah […] ein schwarzes Pferd. Und der daraufsaß, hatte eine Waage in seiner Hand. […] Und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, gleichwie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von großem Wind bewegt wird. Und der Himmel entwich wie ein zusammengerolltes Buch, […]. Denn es ist gekommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?
— (Offenbarung 6, 5-17)
Dies ist der entlegenste Ort […]. Hier können die ältesten Dinge noch existieren, mein Freund. Hier herrschen andere Regeln. Hier sind andere Energien vorhanden, verstehst du? […] Diese Energien haben es am Leben gehalten. Es ist wirklich geblieben. […] Da ist etwas, das an das Licht der Welt drängt, […]. Es ist auch in uns. Etwas Schreckliches. Zerstörerisches. Ich kann es auch in dir spüren. Es hat dich hergelockt […]. … dies ist das Herrschaftsgebiet einer Macht, die viel älter und größer ist als wir […].“
— (Adam Nevill)
Hier in diesem Land haben wir keinen Namen. Wir sind die Kadaver, die sich im gelben Auge widerspiegeln. […] Unser ist die Sprache von Imbezilen, das Geschnatter von Idioten. Die Wurzel und die Kletterpflanze haben mehr zu sagen als wir. Ich will Ihnen etwas zeigen. Es gibt keinen Namen dafür; es hat kein menschliches Symbol. Es ist alt und seine Erinnerung ist lang. Es kannte die Welt, bevor wir ihr einen Namen gaben. Es weiß alles. Es kennt mich und es kennt Sie. Und ich werde es Ihnen zeigen.
— (Rick Yancey)
Man geht nicht hin und guckt der Großen Dame unter die Röcke. Man sucht nicht in den Wäldern da oben nach Wesen, die nach einem suchen.
— (Rick Yancey)
Da du heute Nacht nicht schlafen kannst,
lass mich dir von einem Wesen singen,
tausend Jahre älter als die Welt.
Er hat vor dem Feuer keine Angst;
alle schiefen Neigungen entspringen
seinem Hunger, der auf Städte fällt.
Er ist so viel mehr als Menschenwort
dir erklären kann; viel mehr als Bäume
rauschen können. Seine Augen sind
Splitterbildern gleich. Ihn trägt der Mord
auf den weiten Flügeln durch die Träume
aller Unerkannten. Du bist blind
im Vergleich zu ihm; dich gibt es nicht.
Er ist in den Kernen aller Namen.
Er hat die Geburt der Welt gespürt.
Wenn er deinen Namen einmal spricht,
ist es schon vorbei. Denn es entkamen
Seelen nie dem Hunger, der ihn führt.
Er ist Berg und Tal. Er trinkt den Tau
jeden Morgen aus und reißt die Sterne
brüllend von der Himmeldecke ab.
Er ist unberechenbar und rau.
Er genießt das Warten aus der Ferne.
Er fällt mit der Dunkelheit hinab.
Und wenn er dich aussucht – wehe dem,
der dich halten will. Ihn treibt der Wahnsinn
immer weiter, bis der Schnee erneut
alles einhüllt, was nicht ins System
aller deiner Nachbarn passt, die wach sind,
bis man ihnen Blei ins Essen streut.
Alles, was zum Ende kommt, erlöst
ihn für kurze Zeit von seinen Stimmen.
Dann sind seine Augen milchig zart,
bis er sich erneut in Tiefen stößt,
die in seiner kranken Seele schwimmen,
unter all der Menschlichkeit verwahrt.
Ich hab ihn getroffen. Dort, im Wald
hat er meinen Namen ausgesprochen,
doch anstatt mich durchzubrechen, nahm
er mich in den Arm und wusste bald
nicht, wo er begann und seine Knochen
endeten, bevor der Abend kam.
Spiegel, Spiegel, kann es sein, dass ich
selbst das Wesen bin, das an den Haaren
reißt und an den dunklen Ufern schleicht?
Meine Hand verformt den Spiegelstrich,
biegt ihn wie ein Strauchgeäst. Es waren
immer zwei von uns – und einer gleicht
wie ein Stein dem andern: Glatt und schwer
liegen wir im murmelnden Gewässer.
Nur der Hunger treibt uns in das Land.
Meinen Namen brauche ich nicht mehr,
denn mit einem scharfen Klängen-Messer
schnitt ich einen neuen in die Wand.
Flüstre mich. Bring mich dorthin zurück,
wo wir unsre ersten Klagen schrien:
Kinder ahnen früh, wie weh es tut.
Leise taut der Nebel. Stück für Stück
gleiten wir zum Boden. Auf den Knien
machen wir das Übel wieder gut.
Fürchte dich nicht vor dem Hungermann:
Er kann deine Angst am Abend spüren.
Frag dich lieber, ob aus deinem Geist,
der – wie alle andern – ihm entsprang,
nicht die gleichen roten Spuren führen,
wenn du dein Kostüm herunterreißt.
Trau nicht deiner Haut. Der Spiegel lügt.
Trau nicht deinem Namen. Worte irren.
Mach dich auf die Suche nach dem Kern
deiner dunklen Traumgestalten. Fügt
sich das Bild zusammen? Kurz verwirren
dich die neuen Ordnungen. Entfern
alles, was du fühlen solltest, sieh
in die Welt, die dir gehört und lege
deine Spiegel aus, wie’s dir gefällt.
Dinge müssen wachsen: Das Genie
hat es so befohlen. Alte Wege
krümmen sich um deine neue Welt.
Dein Geweih wird stärker, Sterne sind
Tropfen Tau auf ihm. Du fliegst die hohen
Winde, wie es prophezeit war. Kaum
einer weiß noch von dem kleinen Kind,
das du einmal warst. Die Stimmen drohen
jedem, der dich stürzen will. Der Raum
weitet sich: Die Grenzen gelten nur
jenen, die nicht hungern. Doch du weißt es:
Tief in dir war immer dieser Krieg,
lang vor deiner leiblichen Fraktur
waren schon die Brüche deines Geistes,
der aus tiefen Hungersnöten stieg.
Du bist eins mit jenem Gott im Wald.
Du warst infiziert, bevor die Gründe
dich gefunden haben. Lass mich dir
heute Nacht die Zweifel nehmen. Bald
bist auch du so weit, denn ich entzünde
deinen neuen Geist der alten Gier.
Du hast mich gerufen. Jede Nacht
höre ich dich meinen Namen pfeifen,
reitest du den hohen Feuerwind.
Früher hab ich oft daran gedacht,
wie ich aus so vieler Zeiten Schleifen
dorthin kam, wo wir zwei Fremde sind.
Doch dann kamst du endlich aus dem Schnee,
der so lang versuchte, mich zu zähmen,
und ich stach mir Fragen in den Bauch,
bis ich frei war. Tat es einmal weh,
weiß ich nichts davon. Ich soll mich schämen,
aber kann es nicht. Da ist nur Rauch
von dem Kind geblieben, das nie war.
Mein Geweih wird immer leichter, leichter,
wie schon seit der Weltgeburt nicht mehr.
Deine Augen leuchten wieder klar.
Wir zergehn im Flechtenteppich seichter
Wälder wie ein Wellenspiel im Meer.
Doch wir werden kommen – wie die Nacht
schattend, schleudernd ihre Flügel weitet.
Wieder blüht das alte Sternengrab.
Etwas ist in seinem Kern erwacht.
Und auf seinen hohen Winden reitet
Hunger, der uns seinen Namen gab.