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In einem früheren Beitrag wurde darauf eingegangen und mit Beispielen gezeigt, dass der Autofokus mit S-Log nicht immer genauso zuverlässig ist wie mit den nicht-logarithmischen Profilen. Eine Teillösung wurde bereits damit angedeutet, auf den älteren Sonys die Touchfähigkeit des Displays zu deaktivieren. Im Folgenden möchte ich eine kleine Auflistung mit weiteren Tipps bringen, die nach meiner Erfahrung hilfreich für bessere Ergebnisse mit dem Autofokus sind, wenn man in S-Log aufnimmt, unabhängig davon, ob es sich um S-Log 2 oder S-Log 3 handelt.
Auf technischer Seite steht hier als 'Testobjekt' wie immer die A7R III. Als Objektiv habe ich sowohl ein Sony-Objektiv (das 24-105 G) als auch drei Drittanbieterobjektive im Einsatz (Tamrons 28-75 G2 und 50-300 sowie Samyangs 35/1.4 P), d.h. die folgenden Ausführungen sind gleichermaßen für native wie auch für Drittanbieterobjektive gültig.
1. Belichtung
Wie im Zusammenhang mit den Farben schon angesprochen und exemplarisch dargestellt, spielt die Belichtung auch für den Autofokus eine wichtige Rolle. Wenn man S-Log unterbelichtet, sieht man, dass sich im Histogramm alle Informationen sehr kompakt am linken Rand knubbeln, weshalb ein allgemeiner Konsens besagt, dass man Log-Material immer etwas heller belichten sollte. Eine solche vorsätzliche Überbelichtung ("ETTR") führt dazu, dass sich unser Histogramm dramatisch verändert: Die Bildinformationen wandern nicht nur nach rechts, sie knubbeln sich nun auch nicht mehr so, sondern erstrecken sich deutlich breiter verteilt. Ich vermute, dass das genau der Punkt ist, der unserem Autofokus auch hilft, besser zu arbeiten und zuverlässiger den Fokuspunkt zu finden und zu halten, denn schließlich basieren die meisten AF-Systeme auf Kontrast; wenn wir ein kontrastarmes Log-Profil unterbelichten, machen wir es dem AF-System damit doppelt schwer. Der Zusammenhang zum Thema 'weniger Bildrauschen' kommt ferner (stark vereinfacht ausgedrückt) dadurch zustande, dass wir die Schatten weg vom sog. Noise floor weiter nach rechts schieben in den Bereich, wo sonst die Mitteltöne beginnen; dort werden ihnen vom Codec anstelle von bspw. "0 - reines Schwarz" mehr Informationen zugewiesen, woraus sich ein saubereres Bild ergibt. Exemplarisch lässt sich das am Histogramm in folgender Aufnahme nachvollziehen:
Wenngleich die Wellenform-Darstellung präziser ist, kann man sinnvolles ETTR auch mit dem Histogramm problemlos umsetzen, und zwar gibt es einen "Trick", den man nutzen kann, bis zu welchem Punkt das Überbelichten noch Sinn macht und ab wo es keinen großen Effekt mehr hat. Dieser Trick ist nicht wissenschaftlich überprüft oder irgendeine Form von Common Sense, er basiert rein auf meiner persönlichen Erfahrung: Wenn man die Belichtung erhöht, achtet man darauf, ab welchem Punkt sich der linke Teil unserer Bildinformationen, d.h. unsere Schatten, im Histogramm nicht mehr weiter auseinanderzieht. Im obigen Video sehen wir, dass zu Beginn am linken Rand ein ganz kleiner Ausschlag nach oben steht, der kaum Abstand zu den höher ausschlagenden Informationen rechts von ihm hat; am Ende der Aufnahme sehen wir, dass zwischen diesen beiden Ausschlägen ein beträchtlicher Abstand entstanden ist. Diese Technik kann man allerdings nur so lange konsequent durchführen, wie man genug Raum für seine Highlights hat. Im Prinzip sollte man als allgemeine Formel anstreben, die Bildinformationen im Histogramm zumindest in die Mitte zu schieben, sodass man (je nach Szene) am linken und rechten Ende des Histogramms Platz hat. Wenn man von dort aus beobachten kann, dass sich in den Schatten noch etwas tut, kann man (wie hier geschehen) auch noch etwas höher belichten.
Wenn wir uns die vielen Tutorials für S-Log 2 bei YouTube anschauen, wird dort ja oft von einer pauschalen Überbelichtung von +1,3 oder +1,7EV (basierend auf der Multimeter-Messung) gesprochen. Das ist für Outdoor-Settings, in denen wir die typischen harten Kontraste und somit weniger ETTR-Spielraum haben, ein durchaus realistischer Wert. Für Indoor-Szenarien oder alle Szenen, die weniger harte Kontraste und maximale Dynamik erfordern, kann (und sollte) man z.T. durchaus höher belichten und das ETTR-Potential so weit ausreizen, wie es sinnvoll ist. Man sollte hier nicht vergessen, dass eine sinnvolle Belichtung auch mit davon abhängt, mit welcher Conversion-LUT wir später arbeiten wollen: Da ich S-Log 2 in Cine 2 übertrage, habe ich festgestellt, dass ich hier etwas heller belichten muss, als ich das etwa für s709 tun würde, da ich sonst später die Belichtung anheben muss – was wir ja gerade nicht tun wollen (s. Rauschproblematik). Es sollte also immer möglichst hell belichtet werden, um gute Farben und ein rauscharmes ("cleanes") Bild zu erhalten; die Feinheiten ergeben sich aus der Praxis der Nachbearbeitung und dem Verhalten der jeweiligen LUT.
Die primäre Aufgabe der Nachbearbeitung liegt zunächst immer darin, die Belichtung zu normalisieren, d.h. die bewusste Überbelichtung muss in eine für die Szene passende Belichtung rückübersetzt werden. Diese Normalisierung kann technisch auf unterschiedlichen Wegen erfolgen: Man kann dazu eine Kurve nutzen, man kann aber auch mit den Farbrädern, der Farbtafel oder den Farbanpassungen (simpler Belichtungsregler) arbeiten. Die Variante, die für mich am besten funktioniert, ist, dass ich mir eine LUT mit LUTCalc baue, die ich in verschiedenen Belichtungsintervallen erstelle, damit sie automatisch die Belichtung mitkorrigiert. Das sieht so aus, dass ich einen Ordner habe, in dem 17-mal dieselbe LUT mit unterschiedlichen EV-Korrekturwerten hinterlegt ist: Die Schritte sind dann -0,0EV, -0,3EV, -0,5EV, -0,7EV und -1,0EV bis zu einer Höhe von -4,0EV mit immer denselben Schritten, sodass ich für die Umwandlung des Materials nur den richtigen Wert finden und auswählen muss. Diese Methode hat den Nachteil, dass man keinen globalen Adjustment Layer über alle Clips legen und die Belichtung einzeln pro Clip anpassen kann, sondern dass stattdessen jeder einzelne Clip ein vordefiniertes Set an Anpassungen erhält. Da ich die Belichtung so aber effizienter normalisieren kann und zu besseren Ergebnissen komme, empfinde ich dieses Vorgehen nicht als unmittelbaren Nachteil. Nutzt man bspw. das globale Farbrad oder den globalen Slider in der Farbtafel, tritt mit S-Log 2 öfter das Problem auf, dass die Schatten zu schnell zu dunkel werden; durch die integrierte Korrektur der LUT, die sich mathematisch an der Kurve von S-Log 2 orientiert und diese ausgleicht, kommt man rein rechnerisch zu einer besseren Normalisierung, die auch weniger manuelles Feintuning erfordert. Die Normalisierung des Materials ist in jedem Fall immer die Grundlage für jede kreative Weiterverarbeitung.
2. Autofokus
Zurück zur Aufnahme. Wenn wir unsere Szene vernünftig belichtet haben, stellt sich noch die kritische Frage nach dem Fokus. Hier haben wir unterschiedliche Einstellungen und Szenarien zu bedenken: Einmal gibt es die Einstellungen für das Verhalten des Autofokus', darunter die Geschwindigkeit der Fokusübergänge (AF Speed) und das Verhalten, wie schnell der Fokus sich anpasst bzw. ein neues Ziel sucht (Empfindlichkeit). Daneben stehen die verschiedenen Fokusfelder. Auch die Einstellung, ob der Autofokus Gesichter und Augen bevorzugen soll, hat je nach Setting sichtbare Auswirkungen.
Die wesentliche Erkenntnis muss immer sein: Der Autofokus weiß ohne unsere Vorgaben nicht, worauf wir fokussieren wollen, denn er ist nicht allwissend. Deshalb braucht er je nach Situation gewisse Vorgaben, um uns die Ergebnisse zu liefern, die wir erwarten. Ein klassisches Beispiel ist etwa eine Person auf einem Feld, auf dem im Vordergrund viele hohe Grashalme zu sehen sind; wollen wir auf die Person im Hintergrund fokussieren, werden wir hier mit Fokusfeld weit buchstäblich nicht weit kommen, da die Kamera dann höchstwahrscheinlich den Vordergrund scharf stellt und nicht unser Motiv im Hintergrund. Bewusstes Arbeiten mit den Fokuseinstellungen ist daher unumgänglich.
2.1. Geschwindigkeit und Empfindlichkeit
Die folgenden Aspekte sind an sich selbsterklärend, daher wollen wir hierüber nicht zu viele Worte verlieren. Man bedenke nur, dass die verfügbaren Einstellungen auf neueren Kameramodellen etwas differenzierter sind und sich daher von dem, was meine A7R III anzubieten hat, unterscheiden. Auch die Begriffe können evtl. leicht abweichen.
Will man eine Szene mit statischen Motiven (Häuser, Landschaften ...) aufnehmen, kann man den Autofokus auf Standard-Empfindlichkeit und AF Speed langsam stellen. Der Autofokus sperrt dann auf einem gesetzten Motiv und verändert sich nicht. Ist die Belichtung gut gewählt, pumpt er auch in S-Log nicht, sondern bleibt genau auf dem Motiv. Bei unbewegten oder sehr langsam bewegten Motiven empfehlen sich die Geschwindigkeitseinstellungen normal und langsam, um gleichmäßige, sanfte Fokusübergänge zu erzielen.
Bei bewegten Motiven sieht das natürlich anders aus. Als Extrembeispiel möge hier unsere Katze dienen, die sowieso immer direkt vor das Objektiv läuft und die ganze Zeit in Bewegung ist, sodass der Fokus die ganze Zeit angepasst werden muss. In so einer Situation sollte man die Empfindlichkeit auf reaktionsfähig stellen und je nach Geschwindigkeit der Bewegung zwischen normal und schnell wechseln. Aber Achtung: Nicht nur die Kameraeinstellungen wirken sich darauf aus, auch Objektive mit langsamen Fokusmotoren können dazu beitragen, dass die Ergebnisse nicht wie gewünscht ausfallen. Wenn es um eine Szene geht, die Menschen oder Tiere oder bewegte Objekte wie Autos einschließt, hängt die Auswahl von der Geschwindigkeit der Bewegung ab.
2.2. Fokusfelder
Besonders wichtig ist, dass man das Fehlerpotential für den AF in S-Log möglichst minimiert. Man kann in vielen Szenarien durchaus mit Fokusfeld weit durchkommen, allerdings macht es mehr Sinn, wenn man den Fokusbereich so gut wie möglich eingrenzt und so dem Autofokus möglichst präzise Zusatzinformationen gibt.
Dazu gehört etwa, dass man die Gesichts- und Augenpriorität aktiviert, wenn Menschen oder Tiere beteiligt sind. Ist diese Einstellung deaktiviert, kann es bspw. vorkommen, dass der Fokus auf einem anderen Motiv bleibt, sodass das Gesicht unscharf ist; das kann manchmal erwünscht sein, allerdings sollte das dann intentional so eingestellt werden (s. bei neueren Sonys auch den Product Showcase-Modus). Eine solche Aufnahme ist sonst im Nachhinein unbrauchbar.
Alle statischen Motive jeglicher Art sollten mit einem entsprechend großen Spot-Fokusfeld fokussiert werden, d.h. je nach Größe des Objekts im Bild sollte man zwischen S, M und L bewusst variieren, um so konkret wie möglich anzuzeigen, wo der Fokus sitzen soll. Das ist besonders hilfreich, wenn die Szene viele unterschiedliche Motive beinhaltet und eine klare Anweisung an den Fokus nötig ist. Wenn die Belichtung gut ist, wird das problemlos funktionieren; sollten die Lichtbedingungen schwierig sein und der Fokus deshalb pumpen, empfiehlt es sich, mit dem Autofokus anzufokussieren und ihn danach mittels AF/MF-Umschalter zu sperren und ggf. nachzujustieren.
Bewegte Objekte können je nach Kamera mit AF-Tracking verfolgt werden. Hier sind besonders neuere Modelle sehr leistungsfähig, die z.T. über KI-basierte Bewegungsanalysen verfügen, s. etwa die A7R V und die neue A7 V. Da meine Kamera dafür nur rudimentäre Einstellungen bietet und nicht auf dem neuesten Stand der Technik ist, möchte ich mich hier nicht aus dem Fenster lehnen und von Dingen reden, die ich nicht selbst verifizieren kann.
Das Fokusfeld Weit kann grundsätzlich immer genutzt werden, sollte sinnvollerweise aber auf Szenarien beschränkt werden, in denen der Bildinhalt überschaubar ist und das gewünschte Motiv relativ mittig im Bildausschnitt oder klar im Vordergrund liegt. Mit 'überschaubar' ist hier gemeint, dass es nicht zu viele unterschiedliche Motive gibt, die es dem Fokus schwer machen, eines davon zu wählen und sicher auf diesem zu bleiben. Wenn wir bspw. eine Vase haben, in deren Hintergrund im Bokeh einer 1.4er Festbrennweite nur Wand und Sofa-Rückenlehne unscharf zu sehen sind, bekommt man das mit dem weiten Fokusfeld auch in S-Log noch gut hin, weil die Szene einfach strukturiert und klar in Vordergrund/Hintergrund gegliedert ist.
Haben wir es mit einer Szene zu tun, die etwas komplexer ist und ggf. sogar Bewegung enthält, ohne dass wir zwingend einer Person folgen wollen, bietet es sich an, auf Feld zurückzugreifen. Hier wird ein größerer Bereich des Sensors priorisiert und der Fokus konzentriert sich auf das, was innerhalb dieses Feldes liegt. Das kann nützlich sein, wenn man einen bestimmten Bereich scharfstellen will, ohne dass man darin dieses eine Motiv definieren kann oder will. Wenn man hierzu die Gesichts- und Augenpriorität deaktiviert, bleibt der Fokus auf dem Feld und Personen und Tiere können durchaus Bild laufen, ohne dass der Fokus sich auf sie verlagert und damit permanent wechselt.
3. Beispiel
Da ich kürzlich ja bereits einige (zunächst nur theoretische) Ausführungen zur Wiederaufnahme von S-Log 2 gemacht und darauf hingewiesen hatte, dass ich mit Cine 2 als Conversion-LUT zu besseren Ergebnissen komme, bringe ich hier nun ein paar Beispielaufnahmen vom Baldeneysee in Essen, wie es im Praxiseinsatz in etwa aussehen kann, wenn man die obigen 'Tipps' berücksichtigt.
Wie oben dargestellt, wurden alle Clips bei der Aufnahme so hell wie möglich überbelichtet; Clipping, also verlorene Daten jenseits der 105 IRE maximalem Input von S-Log 2, wurde überall dort in Kauf genommen, wo sich bspw. die Sonne direkt im Wasser spiegelt, da diese Luma-Werte so hoch liegen, dass sie nur mit massiver Unterbelichtung eingefangen werden können. Das bringt dem Betrachter jedoch keinerlei Mehrwert: Das menschliche Auge kann in diesen Helligkeitsbereichen ohnehin nicht mehr detailreich und differenziert sehen, d.h. es macht keinen Sinn, diese hellen Details irgendwie zu erhalten, während wir durch die massive Unterbelichtung die restliche Szene komplett ruinieren (s. nochmal den letzten Beitrag zu Belichtung und Farben).
Man beachte (wie immer): Die Bearbeitung wird von mir auf einem iMac mit P3-Monitor durchgeführt, d.h. je nach eigenem Display können Farben und Kontraste immer auch abweichen (der sogenannte Gammashift).
4. Zusammenfassung
Die wichtigsten Aspekte der Fokussierung in S-Log sind nach meiner Erfahrung die Belichtung und das intentionale Vorgehen beim Fokus. Eine gute, helle Belichtung sorgt dafür, dass der Fokus griffiger ist und besser die Objektkanten erfassen kann, d.h. eine gute Belichtung wirkt sich positiv auf die Zuverlässigkeit des Autofokus' aus. Ein intentionales Vorgehen, d.h. die Einstellung des Fokus' mit einer klaren Absicht, hilft zudem, sicherer zu den Ergebnissen zu kommen, die man erzielen möchte. Das umfasst die Faktoren Fokusfeld, Empfindlichkeit und Geschwindigkeit. Die obigen Überlegungen gelten zwar grundsätzlich für jede Art von Aufnahme, unabhängig davon, ob sie logarithmisch codiert wird oder nicht; bei der Log-Aufnahme wird jedoch der Zusammenhang zwischen Belichtung und Fokus besonders wichtig, sodass man dabei noch bewusster vorgehen muss, als wir das im Kreativmodus oder bei einer Aufnahme mit einer Rec. 709-Gammakurve tun würden.
Как ПРАВИЛЬНО СНИМАТЬ видео в S-Log 2 | Техника Cody Blue | Буржуториалы #10
Перевел неплохой туториал по съемке в S-Log2 от весьма известного в буржунете фильммейкера Cody Blue. Объясняет все просто и доступно, а также дал свои настройки S-Log2 для камер Sony.