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do you know the feeling of being the only kid on the playground?
Exspiration
"Everything you can imagine, you can manifest." - Vera A.
Eine aufregende Ergänzung zum Geschichte(n)-Sehen, ist es, Möglichkeiten wahrzunehmen. Das bedeutet, die Perspektive weg von Vergangenheit und hin zur nahen und fernen Zukunft zu richten. Es schliesst sich diese direkt an die Idee an, dass wir täglich unsere eigene und anderer Leute Geschichte mitschreiben.
So ist die Wahrnehmung von dichter Geschichte zwar bereichernd, doch erfüllend wird es wohl erst, wenn wir unsere eigene Rolle, diese zu verändern, ergreifen. Ich schreibe wohl, weil ich meinesteils seit gefühlten sechs (und eigentlich mehr) Jahren in einem Zustand des Konsums lebe. Ich konsumiere Wissen, Reisen, Erlebnisse, Ideen - kurz: Inspiration. Nehme sie auf wie ein täglich Brot, nähre und sättige mich an ihr. Ich muss gestehen, dass es zur Völlerei geworden ist. Auch Inspiration sollte frau in Massen geniessen. Ernsthaft: tagein, tagaus stopfe ich mich voll damit. Ein Kavaliersdelikt? Vielleicht. Doch die Zeit ist reif, zu handeln. Inspiration muss konstruktiv verwertet, muss Exspiration werden. Bei Überdosis, wie ich sie schon seit geraumer Zeit selbstgewählt erleide, bleibt kein Raum zur Verdauung. Ich bin ein übergewichtiges Flugzeug. Ein gefrässiger, bequemer Vogel, der fliegen statt träumen, statt essen, statt warten sollte.
Zurück also zu den Möglichkeiten. - Unendliches Kunst- und Handwerk unserer Vorstellungskraft. Alles könnte anders sein."Eifach mache, susch verluftet's.", teilte heute ein neuer Freund sein Credo mit mir und gelbes Laub genoss an diesem grauen Oktobernachmittag seinen letzten Tanz mit dem verheissungsvollen Wind. Ein weiteres Jahr neigt sich allmählich dem Ende zu. Alles in mir weiss, dass er Recht hat. Worauf warte ich also noch?
(hi)stories
Eine hungrige Neugier treibt mich in diesen Tagen an, hinter das Offensichtliche, das scheinbar Selbstverständliche zu blicken. Besser zu verstehen. Wirklich nachzuvollziehen. Komplexe Kausalitäten zu erkennen hinter Allem und Jedem. Sei dies ein Konsumgut, ein Stadtgesicht, ein Wort, ein Mensch...
Ist es nicht schwindelerregend abenteuerlich, sich vorzustellen, dass man immer weiterforschen, immer tiefer graben könnte? Ineinander verflochtene Makro- und Mikroprozesse. Glokalisierung. Allem, was uns umgibt, was und wie wir täglich sehen, sagen, denken, tun, liegt eine Myriade von Ursachen zu Grunde. Ich stelle mir gerne vor, dass wir beschrieben, bemalt, ja, getränkt sind mit Geschichte(n), die wir täglich mit- und weiterzeichnen. Seinen Sinn für Geschichten zu schärfen, heisst, mehr zu sehen in der Welt. Mehr zu sehen in der Welt heisst, intensiver zu leben.
Ein des Arabischen mächtiger Dozent hat uns heute in grosser Erregung auf die Bedeutung des arabischen Wortes für "Student" aufmerksam (und uns somit die Geschichte oder Etymologie eines Wortes zugänglich) gemacht. Es lautet talib (weibl. taliba) und bezeichnet wörtlich der Fordernde, Fragende, Beanspruchende. Das gefällt mir gut und passt in dieses kleine, spätabendliche Plädoyer. Die arabische Bezeichnung visualisiert Studenten in Aktion. Wir sind nicht passive Empfänger oder Konsumenten von Informationen, sondern wir verlangen nach ihnen, machen Anspruch auf sie geltend. Wir sind nicht Objekt der Bildung, wir sind Subjekt. Und idealerweise nicht nur im sicheren Hafen der Universität, sondern auf Schritt und Tritt.
never stop asking