Safety Day! Wie sicher kann man beim Freeriden agieren?
Tag 2 bei der snow&safety conference 2013. In Zürs sind über Nacht 10 - 15 cm Neuschnee gefallen. Und es schneit kräftig weiter. Leider mit stürmischem Wind. Kein gutes Omen für einen Tag im Gelände. Mehr dazu später. Kurz nach 0800 treffe ich im Hotel Alpenrose ein. Vor dem Haus herrscht schon reges Treiben. Die Vertreter vieler Hersteller (wenn ich jetzt alle aufzähle, kann es sein, dass ich so manchen vergesse) schlagen ihre Zelte auf. Nicht wirklich Zelte. Sie holen ihre Ski aus den Transporter und stellen diese den Teilnehmern zur Verfügung. Kästle, Rossignol, Völkl und Scott waren auf jedem Fall da. Wer noch? Jetzt muss ich passen. Drinnen in der Expo traf ich wieder Völkl, Salewa, Thule, ABS, Pieps, Scott, evoc, backcountry access (bca), sweet protection (mein Helm, a.d.R.). Dieses Jahr war die Expo einladender. Im Inneren des Hotels. Viel Platz. Ich schnupperte mal durch. Und blieb irgendwie instinkiv am Stand von Rossignol hängen. Der neue Soul 7 stach mir sofort ins Auge. Ein Ski, der fast nichst wiegt. Ganze 3,8 kg. Morgen wird er getestet! Draußen wartete schon professional fresskier Lorraine Huber. Sie wurde mir zugeteilt - nein, natürlich wurde ich ihr zugeteilt. Ihre Aufgabe: Uns heute viel praktisches zum Thema Sicherheit im Gelände insbesondere Lawinen zu erklären. Zuerst studierten wir mal ganz kurz die Wetterlage und den Lawinenbericht. Lawinenwarnstufe 2. In einer Höhe ab 1800m im Laufe des Tages auf 3 steigend. Wegen des Windes (Baumeister der Lawine!) und des Neuschnees. Also Triebschnee in kammnahen Lagen. Interessiert höre ich den Ausführugnen von Lori zu. Meine Tiroler Landesskilehrerausbildung ist schon ein paar Jahre zurück. Dann endlich Ski anschnallen. Es geht los. Ich habe meinen Kästle MX 88 in 188 mit. Für den Anfang ein All-Mountain Ski. Ideal. Ein paar Schwünge (mein letzer war am 19.1.2013 und endete mit einem Hubschrauberflug) um halbwegs ein Gefühl zu bekommen. Wenig später dann der Pieps Test (es heißt nicht Pieps, aber LVS Gerät). Zuerst der große Check. Wir alle schalten auf suchen. Lori auf senden. Jeder von uns sollte jetzt maximal 1 Gerät angezeigt bekommen. Passt. Dann entfernt sich Lori. Wir fahren anschließend einzeln ca einen Meter an ihr vorbei. Lori prüft, ob Ihr LVS Gerät unseres findet. Wir haben die Grundlagen für eine Fahrt ins Gelände gelegt. Wir fahren ein paar runs. Der Wind ist nach wie vor sehr stark. Und die Schneeverwehungen im Kammlage sind eindeutig zu erkennen. Insgesamt ist die Schneedecke nicht berauschend dick. Freeriden ist derzeit etwas eingeschränkt möglich. Die Pisten aber super. Mit Powder. Vom Winde verwehten. Zu Mittag folgt dann ein etwas längerer theoretische Teil. Thema Kameradenrettung. Wir simulieren den Worst Case. 1 Lawine. 2 Verschüttete. Was tun?
zu allererst gilt es den Überlick zu bekommen. Einer muss zum Chef werden.
Je nach Gruppengröße wird dann ein Notruf abgesetzt. Der erste kurz und bündig. Eventuell später ein weiterer ausführlicher. 140 oder 112. Es gibt auch schon eine Notrufapp. Einfach Knopf drücken. Ortung erfolgt dann automatisch.
jetzt gilt es den Verschwindepunkt zu eruieren. Wo wurden die Verschütteten zuletzt gesehen oder kann man an der Oberfläche der Lawine etwas erkennen? Ragt ein Ski heraus? Ein Körperteil? Der Airbag?
Ein Erster wird zum Suchen geschickt. LVS Gerät auf suchen schalten und so rasch wie möglich den Kegel (mit den Skier) zick-zack absuchen. Suchstreifenabstand ca. 20 m.
Bis zum ersten Signal vom Verschütteten ist Geschwindigkeit oberste Priorität.
Auch bei der Grobsuche muss es schnell gehen. Ab einem Signal von 10 Metern hingegen ist Präszion gefragt. Das Suchen geht im Schrittempo voran.
Bei der Grobsuche wird das LVS Gerät auf Kniehöhe gebracht. Die Hand, welche das LVS Gerät führt gilt jetzt als Gipshand. Sie darf vertikal nicht mehr bewert werden.
Ist man bei einer Distanz von unter 1 Meter sucht man den kleinsten Wert. Ist dieser gefunden markiert man die Stelle. Dann wird links, rechts, oberhalb und unterhalb dieser Stelle weiter gesucht. Wird die Distanz größer kann man die Stelle markieren. So wird ein Bereich (Kreuz) eingegrenzt. Jetzt kann mit der Sonde gearbeitet werden.
Die Sonde wird rechtwinklig zum Schnee gestochen.
Wird was entdeckt kann geschaufelt werden. Auch auf die Schaufeltechnik kommt es an. Wenn mehrere schaufeln, wechseln diese sich ab. Einer schaufelt den Hang frei, der Rester hinter ihm den Schnee auf Seite. Geschauftelt wird von unten nach oben. Wie wenn man einen Hang abtragen würde. Kein Loch. Man will den Verschütteten wie aus einer Schublade herausziehen. Ca. einem Meter unterhalb der Sonde beginnen. Im Flachen ca. zwei Meter.
Wird der Verschüttete gefunden und ausgegraben, dann gilt es seine vitalen Funktionen zu überprüfen. Atmet er nicht, muss er mittels Herzmassage reanimiert werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt dürfen maximal 15 Minuten vergehen. Das ist die Zeit, die man zum überleben braucht.
Klingt theoretsich leicht. Dass die Praxis anders ausschaut, haben wir dann im Feldvesuch getestet. Denn Übung macht den Meister. LVS Geräte samt Rucksack suchen, schaufeln und sondieren - unsere Betätigung am Nachmittag. Die Lifte hatten teilweise keinen Betrieb mehr. Der Wind war zu stark.
Danke an dieser Stelle an Lorraine Huber für den kurzweiligen Tag und die vielen wertvollen Tipps. Viel mitgenommen. Zusammengefasst. Lawinen kann man im Gelände nie auschließen. Man kann das Risiko aber deutlich minimieren. Sollte es dann doch passieren ist schnelles Handeln gefragt. Erfahrung ist gefragt! Die meisten Unfälle gibt es bei Lawinenwarnstufe 3! Über die Vorträge und Workshops berichte ich dann. Für #twitski Cristian Gemmato.


















