Deutschland = Kombiland (und wieder fünf Euro ins Phrasenschwein). Obwohl es stimmt. Nach wie vor bestimmen die praktischen Familienlaster unser Straßenbild und sind als Familienwagen die heimliche Nummer eins.
Die Kinder lassen sich so schön bequem über die dritte und vierte Tür ins Auto setzen. Einkäufe, Spielzeug und anderes über die berühmte, fünfte, Kombitür ins Auto bugsieren und verstauen. Mutti freut sich über den so praktischen und vernünftigen Familienwagen. Aber Vati auch? Oder jammert er seinem sportlich aufgebautem Kompaktwagen früherer Jahre hinterher. Als Mutti die Freundin war und Kinder nur ein Wort der Zukunft, durfte Vati noch einen sportlichen Wagen bewegen. Die Formel zum glücklich werden hieß damals: Viel Sportlichkeit = wenig Vernunft
Früher doch nicht alles besser
Der Ford Focus ST Turnier hebt diese Regel auf. Er ist von seinem Raumangebot ein praktischer Kombi der mal eben zwischen 476 Liter (5-Sitzer bis Laderaumabdeckung beladen) bis hin zu 1.516 L (2-Sitzer bis unter Dach beladen) verpackt. Unser berühmter Referenz Kinderwagen passt ohne weiteres quer dort rein und lässt noch genügend Platz für Einkäufe und Wasserkästen.
Der Innenraum bietet soviel Platz wie das in der Kompaktklasse eben möglich ist. Fahrer und Beifahrer spüren kaum Einschränkungen, auf den Sitzen 3 – 5 wird es dann unter Umständen etwas enger. Macht beim Focus ST EcoBoost aber nix wenn es etwas enger wird. Warum?
Weil jeder Kilometer mit diesem potenten Familiensportler tierisch Laune macht! Der Kölner Kollege hat ordentlich Bumms zwischen den Vorderrädern und liefert dank seines gut abgestimmten, sportlichen Fahrwerks soviel Grip wie möglich.
Hat man erstmal in den sportlich bequemen Recaro Sitzen Platz genommen und ist los gefahren, ist von Kombifeeling nicht mehr viel zu spüren. Beim festen Tritt auf das rechte Pedal konzentriert sich der Blick auf die Straße denn alles was zu sehen ist kommt mehr als schnell auf einen zu. Richtig flott ist er mit seinen 250 PS !! (184 kW) und einem Drehmoment von 360 Nm. Auf der leeren Autobahn ist so eine v/max von knapp 250 km/h ohne weiteres machbar. Dabei ist der 100 km/h Sprint nach gut 6,5 Sekunden erledigt. Mittels 6-Gang Getriebe, von Hand gerissen, versteht sich!
Eine echte Fahrmaschine. Sportlich, ehrlich mit viel Feedback zum Fahrbahnuntergrund. Stellenweise rüttelt der ST die Insassen etwas durch, aber wir reden hier ja schließlich von einem Sportwagen und keinem Weichspüler. Neben der sportlichen Fahrwerksabstimmung sorgen die auf Leichtmetallfelgen montierten 235/35 R19 Michelin für tolle Fahrleistungen. Auch in Sachen Bremsleistung lässt der Focus ST, dank innenbelüfteter Bremsscheiben an der VA ( Ø 320 mm) und einfacher Bremsscheiben an der Hinterachse ( Ø 271 mm), keinen Grund zur Klage aufkommen. So solide sich die Fahreigenschaften aufzeigen, so fällt doch ein echtes Manko umso schwerer ins Gewicht.
Fehlendes Sperrdifferential
Beim kräftigen Sprint oder in engen schnellen Kurven verliert der Saarländer, dort in Saarlouis wird er gebaut, schneller den Grip als sich Sportfahrer wünscht. Treten dann beim Ampelsprint noch Längsrillen auf lässt sich der Focus ST kaum noch gerade fahren. Leider ist der Vortrieb bei Nässe noch schwieriger zu gestalten, sehr zur Freude des freundlichen Reifenhändlers. Ford täte gut daran, hier im nächsten Modellwechsel/Modellupdate ganz schnell ein mechanisches Sperrdifferential einzubauen oder es als Extra anzubieten.
Die gleiche innige Freundschaft wie vom Reifenshop ist auch vom Tankwart zu erwarten. Egal wie ich es angestellt habe, der Durchschnittsverbrauch begann mit einer stattlichen elf vor dem Komma. Soll es dann zum Beispiel auf der Autobahn richtig flott werden pendelt sich der Verbrauch bei tiefen zwölf Liter pro 100 km ein. Ist das schlimm? Nöö, den auch hier macht der Focus ST so verdammt viel Spaß das die Spritrechnung zur Nebensache wird.
Und sonst so
Ehrlich gesagt, hat mich der Ford Focus ST aber auch in vielen anderen Bereichen angenehm überrascht. Hinter dem nach einem schwarzen Loch aussehenden Kühler verbirgt sich ein gut verarbeitetes und mit pfiffigen Details versehenes Auto. Die Zeiten wo ein Ford als eine Klappermühle mit Plastiküberschuß galt sind vorbei. Ein extrem cooles und wertvolles Extra verbirgt sich an allen vier Türen. Werden diese geöffnet huscht blitzschnell eine kleines Kunststoffprofil hervor und legt sich um die Türkanten. In Zeiten immer schmaler werdender Parklücken ist dieses Feature Gold wert.
Wertig wirkendes Interieur, gut ablesbare Analoge Instrumente sowie ergonomisch gut platzierte Schalter- und Bedienelemente erfreuen Fahrer und Beifahrer. Sehr schön, dass Ford im Cockpit ordentlich aufgeräumt hat. Ein Resultat davon ist das Postkartengroße Sync 2 Touch-Display in der Mitte der Armaturentafel. In Viertel aufgeteilt wird hierüber das entweder per Bluetooth oder USB gekoppelte Smartphone, der Mediaplayer bzw. das Radio, das Navi bedient sowie die Heizung und Lüftung visualisiert. Die Bedienung ist per Fingertouch easypeasy erledigt und selbst erklärend. Alle Menüs sind logisch aufeinander abgestimmt und lassen keinen Platz für Irritationen, Wer möchte kann zahlreiche Funktionen per Sprachbefehl abrufen. Unter dem Display befindet sich eine eigene Bedieneinheit für die Heizung, Lüftung und Klimaanlage.
Besonders auffällig ist das Ansauggeräusch welches die Insassen beschallt. Mächtig im Ton aber leider nicht echt. Ein im Ansaugtrakt des Luftfilters verbauter Sound Symposer ist hier für das Konzert verantwortlich. Es klingt wirklich großartig. Stark. Markant, Klasse und einzigartig. Binnen kurzer Zeit wird dieses Grollen zur Selbstverständlichkeit der sportlichen Fortbewegung. Selbst der Filius fand Gefallen an dem Grollen und brüllte aus Leibeskräften mit dem ST um die Wette.
“Wie macht das rote Auto? … rööööhr …”
Kinder sind doch herrlich :D
Fazit
Wer in der Kompaktklasse einen sehr sportlichen Kombi sucht, muß sich den Ford Focus ST EcoBoost unbedingt anschauen und Probe fahren. Er bietet erstklassige Fahreigenschaften lässt aber im Grenzbereich, durch das fehlende Sperrdifferential, etwas Traktion liegen. Die Verarbeitung ist sehr ordentlich und Ford verbaut durch die Bank wertig anmutende Materialien. Die Platzverhältnisse sind typisch für Vertreter der Kompaktklasse ohne dabei zu eng zu wirken. Wem der EcoBoost Benziner zu durstig ist kann zum 185 PS starken Diesel ST greifen.
Wer dann zugriffen hat, darf sich zu Hause rühmen: “Schatz, ich hab uns einen Kombi gekauft!” ;-)
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Ford Focus ST Turnier – Vatis Liebling? Deutschland = Kombiland (und wieder fünf Euro ins Phrasenschwein). Obwohl es stimmt. Nach wie vor bestimmen die praktischen Familienlaster unser Straßenbild und sind als Familienwagen die heimliche Nummer eins.









