16.07.–01.08.22 Targasonne
Von Spanien zurück nach Frankreich – die Pyrenäen sollten uns hinsichtlich des Wetters Abkühlung verschaffen. Targasonne ist eines der von Anfang an fest eingeplanten Etappenziele. Freunde hatten uns von ihrem Elternzeit-Aufenthalt in Targasonne erzählt und uns ihren Boulderführer geliehen. Wir fühlten uns gut vorbereitet.
Die erste Überraschung lauerte schon bei der Fahrt von Margalef in die Pyrenäen auf uns. Es war ein unglaublich warmer Tag mit Außentemperaturen von 38°C. Bei den Pausen war es draußen kaum auszuhalten. Als wir vom einigermaßen gemächlichen Bergauffahren in den wirklich steilen Pass wechselten, fiel mir nach kurzer Zeit auf, dass die Kühlwassertemperatur des Hirschi immer weiter stieg. Wir konnten nur 50 – 60 km/h schnell fahren. Das Automatikgetriebe entschied, bei der Steigung im 3. Gang zu bleiben. Die Außentemperatur, das vergleichsweise geringe Tempo und die etwas hochtourige Drehzahl waren dann eine ungünstige Konstellation. 100°C, 110°C, dann fast 120°C. Bei 130°C endet der rote Bereich. Ich begann zu schwitzen und gab Fine Bescheid, dass wir ein Problem haben. Am Straßenrand bei den Temperaturen das Auto langsam abkühlen zu lassen und mit dem Wohnanhänger hier irgendwo zu stranden, wollten wir unbedingt vermeiden. Bevor ich zum Anhalten gezwungen war, kam zu unserem Glück ein Tunnel. Dort drin waren die Temperaturen viel geringer, zwischen 23 und 25°C. Auch die Steigung schien etwas abzunehmen. Man konnte der Temperaturanzeige richtig beim Sinken zugucken. Wir waren echt erleichtert.
Am Campingplatz La Griole, der mitten im Bouldergebiet liegt, wartete die nächste Überraschung auf uns. Alles voll! Wir waren aus Spanien relativ leere Campingplätze gewöhnt, wobei diese an den Wochenenden auch gut voll waren. Eigentlich hatten wir deswegen immer unter der Woche die Plätze gewechselt. Unsere Flucht aus Margalef bedeutete aber, dass wir an einem Samstag in Targasonne ankommen. Die Quittung hatten wir nun. Ich blieb hartnäckig und versuchte ein paar Infos zu bekommen. Als ich sagte, dass wir gern etwa 2 Wochen bleiben wollen, roch die Campingplatzbetreiberin wohl ein Geschäft und entschied sich, aus dem ersten Stock zu mir runter zu kommen. Bisher hatte ich ihr alles zum Fenster hoch rufen müssen, da gerade keine Bürozeiten waren. Ich erklärte ihr unsere Situation und sie fing an, die Buchungen auf andere Platznummern zu schieben, bis sie für uns ein passendes Zeitfenster hatte. Wir schauten den Stellplatz an, den sie für uns vorgesehen hatte. Der lag voll in der Sonne und ich erklärte ihr, dass wir ein kleines Kind dabei haben, das im warmen Anhänger nicht schlafen kann. Auf dem Rückweg kamen wir bei Fine und Theo vorbei. Die zwei lächelten freundlich und im Büro fand sie dann sogar noch einen richtig guten Schattenplatz für uns. Glück gehabt! 😊
Mit diesem Stellplatz waren wir sehr zufrieden. Er lag am Rand des Platzes und genau am Feldweg zum Sektor Chapeau bzw. zur spanischen Exklave Llívia. So waren wir etwas abseits und hatten unsere Ruhe. Wer den Feldweg entlang ging oder fuhr, musste bei uns sprichwörtlich am Vorgarten vorbei. Das war für Theo natürlich Unterhaltung pur: Hunde, Pferde und Traktoren waren seine Favoriten.
Wenn wir im Sektor Chapeau bouldern wollten, sparten wir uns den Umweg zum Tor und stiegen einfach über den Zaun. Vom Vorzelt bis zum ersten Boulderblock waren es keine 50 m. Besser geht’s nicht. Prinzipiell noch näher lag der Sektor Proue, der auf dem Campingplatzgelände beginnt. Vom Stellplatz aus hatten wir da den ersten Block sogar weniger als 50 m entfernt. Der war für uns aber uninteressant, weil direkt hinter anderen Stellplätzen. Wir wollten den dort campenden Leuten nicht direkt hinter dem Zelt herumspringen. Mehr zum Bouldern erfahrt ihr hier.
Der ganze Campingplatz hat uns sehr gut gefallen. Die Stellplätze sind sehr großzügig und durch die Granitblöcke hat man kein Reihenhaussiedlungsgefühl, sondern individuelle Plätze und steht nicht zu nah beieinander. Es gibt einen Spielplatz mit Slackline und Tischtennisplatte und für Theo natürlich eine große Schaukel. Am Boule-Spielfeld steht ein alter Traktor, der die Attraktion für alle kleinen Kinder war. Theo brabbelte immer „Gragor“ sobald er in Sicht kam.
Etwas anderes, was Theo fasziniert hat, waren die vielen Gleitschirmflieger. Sobald er einen am Himmel entdeckt hatte, war er total aufgeregt. Er zeigte in den Himmel und war so lange nicht für etwas anderes zu begeistern, bis er sie nicht mehr sehen konnte.
Was uns etwas überrascht hat, ist die eher zurückhaltende, fast reservierte Art der Franzosen. Mit den Spaniern war es super einfach ins Gespräch zu kommen, auch wenn man die Sprache nicht richtig versteht. Die Franzosen haben sich meist gescheut, Englisch zu sprechen, oder sich mit Händen und Füßen zu unterhalten. Ein anderes Beispiel ist das Vorbeilaufen am Stellplatz anderer. In Spanien wurde immer hochgeschaut, wer da vorbeiläuft und man hat sich freundlich gegrüßt. In Targasonne gab es viele, die nicht hochschauen, oder die beim Vorbeilaufen am Platz anderer demonstrativ wegschauen. Das schafft eine Distanz, die wir so vom „Campingmiteinander“ nicht kannten. Da wir beispielsweise beim Bouldern auch immer wieder auf Spanier aller Altersklassen getroffen sind, war dieser Unterschied noch deutlicher erlebbar. Natürlich heißt das nicht, dass alle Franzosen so sind. Es war halt ein Unterschied spürbar, den wir so nicht erwartet hatten.
Die unheimliche Trockenheit dieses Sommers konnten wir auch in Targasonne erleben. Als wir ankamen, war vieles noch einigermaßen grün. Bei Abreise war der ganze Rasen verbrannt und die Birke neben unserem Stellplatz hatte fast alle Blätter verloren. Im Unterschied zu Spanien, wurde hier nicht so exzessiv bewässert. In Spanien liegen meist entlang der Bäume und Grünanlagen Bewässerungsleitungen. Da habe ich mich besonders in Albarracín gefragt, wo das Wasser dafür herkommt.
Wie immer verging die Zeit viel zu schnell. Nach 16 Tagen war es Zeit für den nächsten Wechsel. Das Treffen mit Fines Eltern im Burgund steht an. Bald werden wir nicht mehr zu dritt, sondern zu fünft unterwegs sein. Wir freuten uns riesig bei Abreise.













