Stop 16: Thailand (18.01.2015 - 16.02.2015), ein Album auf Flickr.
Stop 16: Thailand die Zweite - Von 1001 Tempeln, Luxus-Mönchen und der Kunst des Abgammelns
Der längste Flug unserer Reise liegt hinter uns: knapp 15 Stunden im Hello Kitty Flieger von LA nach Taipei und von dort weitere vier Stunden nach Bangkok. Wir kommen mitten in der Nacht an und beschließen, die paar Stunden bis es hell wird am Flughafen auszuharren, mitten in der Nacht wollen wir nicht in der Stadt herumirren. Kurzerhand legen wir uns im Ankunftsbereich längs über die Sitzbänke und machen die Augen ein wenig zu. Wir sind nach über einem Jahr reisen geübt im „Irgendwo schlafen“. :)
Da unsere Stammunterkunft nahe der Khaosan Road dieses Mal ausgebucht ist, quartieren wir uns ein wenig entfernt in der Nähe des Bahnhofes Hua Lamphong in eine wirklich räudige Unterkunft ein - aber egal, es ist zum Glück nur für eine Nacht. Die letzten Touristenattraktionen, die wir noch nicht kennen, haben wir schnell in einem Tag abgeklappert und so geht es für uns am nächsten Abend bereits weiter mit dem Nachtzug in den Norden nach Chiang Mai. Im Zug begegnen uns mal wieder zwei buddhistische Mönche, ausgestattet mit schönen Bling Bling Sonnenbrillen und den neuesten Smartphones. Diesen Luxus scheinen sich immer mehr Mönche zu gönnen und wir sind sehr erstaunt darüber, denkt man doch, dass buddhistische Mönche sich hauptsächlich mit Meditation und dem Studium von Buddhas Lehren befassen. Egal wo wir bisher waren – stets begegnen uns Mönche und es dauert nicht lange und sie haben ihre neuen iPhones oder Samsung Geschosse in der Hand. Man knippst Selfies vor dem Tempel oder eben im Zug. Wir haben uns das Leben der Mönche grundsätzlich ein wenig anders vorgestellt.
In Chiang Mai gibt es vor allem eins: jede Menge Tempel, insgesamt etwa 200! Die Stadt ist nicht groß und so leihen wir uns kurzerhand Fahrräder aus und erkunden die Stadt und die wesentlichen Wats. Wir spazieren durch die Tempelanlagen und stellen fest, dass es in manchen Wats mehr Spendenboxen als Buddha-Figuren gibt. In einem befinden sich sogar direkt auf dem Gelände Geldautomaten – damit auch ja niemand die Ausrede hat, er hätte ja kein Geld dabei. Wir sind geschockt! Eine sehr fragwürdige Religion ist das. Doch an einem Nachmittag bietet sich für uns eine unverhoffte Möglichkeit, der Sache doch einmal ein wenig genauer auf den Grund zu gehen. Im Wat Chedi Luang studieren die Mönche nicht nur für sich allein, sie möchten ihre englischen Sprachkenntnisse verbessern und bieten einen so genannten „Monk-Chat“ an. Da sitzen dann ein paar Mönche unterm Baum am Tisch und unterhalten sich möglichst ungezwungen mit Touristen. Jede Frage ist erstmal erlaubt. Ob man eine Antwort darauf bekommt oder der Mönch auf einmal kein Englisch mehr versteht – „Egal, das ist unsere Chance, das müssen wir machen!“ denken wir uns und schwupps sitzen wir am Tisch und sind verabredet zum „Mönch-Chat“. Der Mönch ist 25 Jahre und seit zehn Jahren im Kloster, seinen Namen kann man eh nicht aussprechen, also lassen wir das. Er studiert um einmal Lehrer zu werden. Wir stellen uns vor, lernen wie der Tag eines Mönches so abläuft und kommen nach ein wenig Plauderei jedoch schnell zum interessanten Teil: „Wieso um alles in der Welt, haben Mönche iPhones machen Selfies und verschicken die Bilder an wen auch immer? Und wieso müssen es goldene RayBan-Sonnenbrillen sein?“ will Enno wissen. Der Mönch lacht, er selbst besitze auch ein Smartphone und sogar einen Laptop. Er brauche die Sachen um zu studieren. Damit gibt sich Fine nicht zufrieden „Wir reisen ja nun schon sehr lange, waren in vielen buddhistisch geprägten Regionen. Aber mich macht es traurig und wütend zugleich, was ich zum Beispiel in sehr armen Ländern, wie Kambodscha, beobachten musste. Dort kämpfen so viele Menschen ums tägliche Überleben, haben kaum genügend zu essen für sich selbst und spenden das Wenige, was sie besitzen den Mönchen und Klöstern, nur um dann zu sehen, dass diese mit dem neuesten Technikkram oder anderen Luxusartikeln an ihnen vorbei gehen? Erst neulich saßen zwei Mönche doch tatsächlich bei Starbucks. Das kann doch nicht sein! Das macht mich echt wütend!“ Der Mönch ist erst ruhig, dann lacht er (was daran witzig ist, verstehen wir überhaupt nicht – vielleicht lacht er aus Verlegenheit und ist beschämt). Er sagt, diese Fragen bekommt er nicht das erste Mal gestellt und was uns aufgefallen ist, sei nicht die Regel. Er sagt, jeder Mönch müsse für sich selbst entscheiden was er tut. Es gibt keinen Oberaufseher oder ähnliches. Im Normalfall besitzen Mönche nichts, etwaige Luxusgegenstände seien Geschenke von Gläubigen oder Familie, damit man sich voll und ganz auf das Studium der Lehren Buddhas konzentrieren sowie der Meditation widmen kann. Wir können uns alle drei das Lachen nicht verkneifen, er sieht wohl selbst ein, dass die neue Generation der Mönche wenig für das enthaltsame, spartanische Leben ihrer Vorgänger übrig hat. Eine wirkliche Antwort auf unsere Fragen hat er nicht und so verabschieden wir uns nach etwa einer halben Stunde doch sehr enttäuscht von ihm. Wir haben uns mehr erhofft. Alles in Allem kann man sagen, dass in den südostasiatischen Ländern doch ein gewisser Irrglaube vorherrscht. Die Menschen Spenden und geben ihr letztes Hemd, um von einem Mönch gesegnet zu werden und so möglichst viel gutes Karma zu sammeln, damit sie es im nächsten Leben besser haben. Letztlich finanzieren die Mönche aus unserer Sicht damit jedoch nur ihr zunehmend luxuriöseres Leben. Ein wenig Recherche zum Thema im Internet bringt ein paar ganz passende Artikel hervor, wer möchte kann gern einmal hier nachlesen:
Debatte über buddhistische Mönche: Zu viel Luxus
iPhone passt nicht zum Buddhismus: Vietnamesischer Mönch bekommt Ärger
Nach ein paar schönen Tagen in Chiang Mai machen wir uns, mal wieder mit dem Nachtzug zurück nach Süden. Diesmal machen wir aber Halt in Ayutthaya und Kanchanaburi. In Ayutthaya besichtigen wir auf einer kleinen Radtour atemberaubende Khmer-Tempel im gleichen Baustil von Angkor Wat – nicht minder beeindruckend, nur deutlich geringer im Ticketpreis. Kanchanaburi hat an und für sich nichts zu bieten, außer natürlich die Brücke am River Kwai. Eine alte Eisenbahnbrücke, die zum Ende des 2. Weltkrieges von Kriegsgefangenen der Japaner und asiatischen Zwangsarbeitern gebaut worden ist und deren Namen jeder dank Hollywood zumindest schon mal gehört hat. Sie ist Bestandteil der „Death Railway“, einer Eisenbahnverbindung zwischen dem thailändischen und burmesischen Streckennetz und sollte den Japanern als Nachschublinie für ihre weitere Expansion in den indischen Raum dienen. Beim Bau dieser Trasse wurden rund 200.000 asiatische Zwangsarbeiter und rund 60.000 Kriegsgefangene Briten, Australier etc. eingesetzt. Die Bahnlinie umfasste ca. 415 km und bei ihrem Bau unter extremsten Bedingungen fanden mehr als 94.000 asiatische Zwangsarbeiter und rund 14.000 alliierte Gefangene den Tod. Mehrere große Friedhöfe erinnern an diese dunklen Zeiten des Landes.
Da wir bei unseren vorherigen Thailandaufenthalten bereits den Süden des Landes inklusive ein paar schöner Inseln angeschaut hatten und wir dieses Mal eher im Norden des Landes unterwegs sind, führt uns unsere Weiterreise schließlich in den Osten Thailands. Mit dem Bus fahren wir einen ganzen Tag von Kanchanaburi nach Trat, nahe der Grenze zu Kambodscha. Und in genau diesem Bus erleben wir zum ersten Mal eine Panne. :) Der Gammel-Bus, der vielleicht mal vor 30 Jahren schön war, ist hin und wir warten eine Stunde in sengender Hitze auf den Ersatzbus. Die „neue“ Rostlaube ist dann jedoch nicht wie angekündigt ein Ersatzbus, sondern der ganz normale nächste Bus, der eine Stunde nach unserem gestartet ist. Man braucht jetzt nicht zu erwähnen, dass es Probleme gibt, wenn unser Bus voll war und auch der nächste Bus nicht wirklich leer ist. Wir haben Glück und ergattern noch die zwei letzten Sitzplätze ganz hinten. Der Großteil der Passagiere hatte weniger Glück und muss für den Rest der Fahrt im Gang stehen. Naja sind ja nur noch drei Stunden bis Trat. :) Die „Müllers“ (seit Vietnam unser Codewort für russische Staatsbürger, kurz Russen :)) neben uns, haben den harten Stoff ausgepackt und lassen es sich gutgehen. Im Wechsel gibt es einen GROOßEN Schluck aus der Schnapspulle und einen mini mini Schluck aus der Cola-Flasche. Interessante Art dieses „Im-Mund-Mixen“. „Na sdorówje!” („Wohl bekommt’s!) Na hoffentlich denken wir und schmunzeln in uns rein…
Im Osten des Landes steht für uns noch eine große Sache an, und zwar der Vergleich zwischen den Inseln hier, mit den Inseln im Süden. Wir verbringen ein paar Tage auf Koh Chang und es ist schnell klar, wer hier das Rennen macht. Gegen Koh Samui und Koh Phangan ist das hier ein Witz. Das Wetter täglich diesig, die Strände klein und das Wasser alles andere als türkis, eher milchig-trüb. Insgesamt ist die Insel eher so mittelnett. :) Eine schöne Sache gibt es dennoch zu berichten. Unser norwegischer Nachbar Shell und seine thailändische Frau (Klischee erfüllt, check ;)) haben uns angeboten uns mit ihrem Pickup von Trat mit in ihren Heimatort Ubon Ratchathani zu nehmen, dem letzten größeren Ort vor der laotischen Grenze. Das passt uns sehr gut und die Mitfahrgelegenheit spart uns einen ganzen Reisetag, denn wir müssen nicht mit zwei Bussen zwei Tage durch halb Thailand eiern, sondern können entspannt mit Shell und seiner Frau den direkten Weg für die ca. 800 – 900 km nehmen. Wunderbar! Bis es soweit ist, haben wir noch eine Woche Zeit und kehren wieder aufs Festland nach Trat zurück. Der Ort ist genauso unspektakulär wie Kanchanaburi, nur dass es dort noch die Brücke am Kwai gibt :). Dafür gibt es hier einen großen Tesco-Lotus Supermarkt, der für eine Woche unser tägliches Highlight wird :) Aber auch auf einer Weltreise muss man mal abgammeln und sowas wie unspektakulären Alltag haben. Und den hat man lieber im warmen und günstigen Thailand, als im kalten und teuren Deutschland. Auch wenn wir keinen Fernseher haben (den wir nicht wirklich vermissen!), langweilig wird es auf einer Weltreise selbst im langweiligsten Ort nie. Hier ein paar Anreize, was man an weniger spannenden Orten auf Reisen so machen kann:
Bevor euch langweilig wird könntet ihr…
…auf den Essens-und Nachtmärkten oder hier in Thailand vor einem 7-Eleven-Supermarkt sitzen und einfach nur die Leute beobachten. Was da manchmal so vorbei gekrochen kommt :) Besser als jede Daily-Soap!
…einfach nur durch die Straßen und Gassen latschen – selbst auf den gleichen Wegstrecken entdeckt man jeden Tag irgendwelche neuen Geschäfte oder Stände. Manchmal kann man sich einen halben Tag in diesen Läden aufhalten! Sehr zu empfehlen: Großbäckereien in allen Ländern, Chinesische Krimskramsläden, Buchläden, Antiquariate…
…in einen Stadtbus einsteigen und für einen Appel und nen Ei (in Bangkok ca. 8 Baht, ca. 22 Cent) eine Stadtrundfahrt machen.
…mal im Internet googlen nach „Things-to-do-in…“ oder „Insidertips in…“ – so sind wir schon an viele versteckte Orte gekommen (wie z. B. in Kambodscha: Wir haben nach „Angkor Wat Temples for free“ gegoogelt und sind in einem Geo-Caching-Forum gelandet, wo es um einen versteckten Angkor Tempel ging und sind dann dort einfach hingelaufen und siehe da – wir waren komplett alleine in den einsamen Tempelanlagen).
…einfach ganz alltägliche Dinge erledigen, die aber im Ausland immer etwas anders ausfallen können wie zuhause und unglaublich viel Spaß bringen. Wie in einen Fotoautomaten setzen oder wie hier in Trat passiert: einfach in einem Fotofachgeschäft nach Passfotos fürs Visum verlangen Resultat: „Nicht-biometrische“ und viel zu große Fotos mit typisch thailändisch gebleichter Haut und gänzlich ohne eine Falte im Gesicht dank Photoshop. :) Aber auch ein Friseurbesuch ist immer wieder amüsant und irgendwie kommt man in jedem Land auf der Welt doch immer wieder mit dem gleichen Haarschnitt aus dem Laden :)
Und bevor einem nichts, aber auch wirklich nichts mehr einfällt.. ja daaaaan sind da ja immer noch diese Dinge, die man schon so ewig lange vor sich herschiebt wie: Blogtext schreiben, Fotos sortieren, hochladen und benennen, Postkarten schreiben, Skypen, Backups von allen wichtigen Daten und Bildern machen, überhaupt mal ein Buch lesen (kommt man echt nicht dazu), die nächsten Unterkünfte buchen, Reiserouten recherchieren, Ausgabenliste aktualisieren, Kreditkartengebühren von der Bank wiederholen, Sachen waschen…uuuund spätestens dann ist ja schon wieder Nachtmarkt-Zeit – Zeit zum Leute beobachten und natürlich jedes Mal anderes Essen ausprobieren!
Das alles machen wir nun also eine Woche lang in Trat und schwupps die wupps steht der Norweger Shell mit seinem Pick-up vor der Tür und nimmt uns mit Richtung Laos…uuund weg!














