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Stop 18: China - Dali - Lijang - Shangri-La (09.03.2015 - 19.03.2015) von Und weg
Alle Fotos zu “Stop 18″ findet ihr hier:
Zum Fotoalbum
Stop 18: China – Dali - Lijang - Shangri-La - Wir verstehen nur Chinesisch!
Der Wecker klingelt früh, 4.45 Uhr um genau zu sein. Wir müssen noch ein wenig packen und zum Busbahnhof außerhalb von Luang Prabang kommen um unseren Überlandbus nach Kunming, China zu erwischen. Pünktlich um 7 Uhr setzt sich das Gefährt in Bewegung. Unglaublich kaputte Stoßdämpfer, jede Menge rauchende und rotzende Chinesen im Bus sowie ekelhaft dreckige Betten - wenn das mal nichts ist. :) Die ersten Stunden vergehen, die Straßen sind staubig und uneben, wir wackeln so dahin und fragen uns, wann wir wohl endlich die erste Pause einlegen werden!? Immerhin muss ja jeder mal pinkeln und was essen – denken wir. Die chinesischen Busfahrer machen nach ein paar Stunden mal einen kurzen Stopp entlang der staubigen Piste auf der jeder einmal hinterm Bus verschwinden kann und dann geht es auch schon weiter. Die Fragen, wann wir denn endlich zu Mittag essen, werden boshaft mit jeder Menge Missachtung ignoriert und so geht der Tag dahin. Als wir gegen 17 Uhr die Grenze erreichen und immer noch nicht zur Mittagspause angehalten haben, werden wir langsam etwas ungeduldig. In der Hoffnung auf Pausen alle 2 bis 3 Stunden wie es bei Ticketkauf angekündigt wurde (immerhin hat der Bus keine Toilette) hatten wir nichts weiter zu essen eingepackt – grober Fehler. Eine nette Chinesin übersetzt für uns und wir werden wieder recht boshaft zu unseren Betten „gebeten“, in weiteren 2-3 Stunden wird es Essen geben. Gegen 21 Uhr hält der Bus dann doch im Dunkel der Nacht und wir dürfen in einem überteuerten chinesischen Lokal einkehren, weit und breit nichts anderes zu sehen… sehr nett! Wir sind dann froh, dass es wenigstens endlich Nacht ist und wir schlafen können. Mitten in der Nacht werden wir noch einmal geweckt, wir machen jetzt eine Pause, mitten im Nichts. „Uns doch egal, macht was ihr wollt.“ Was wir jedoch nicht verstehen können ist, warum der Bus den ganzen versch*ssenen Tag nicht anhält und dann nachts drei Stunden in der Pampa steht und alle Fahrer (3 oder 4) und sonstige chinesischen „Geschäftsleute“ einfach mal verschwunden sind – na wenigstens ist der Bus in diesen Stunden einmal rauchfrei und wackelt nicht. Am nächsten Morgen gegen 9.30 Uhr, der Busfahrer hat bereits seine erste Schachtel Kippen leer, kommen wir letztlich ziemlich gebeutelt in Kunming an. Fazit: Chinesische Reisebusse, insbesondere Nachtbusse sind nichts für schwache Nerven. Aber es war mal wieder eine unvergessliche Erinnerung.
Kunming ist etwa so, wie wir uns eine chinesische Großstadt vorgestellt haben: Chaos pur, 6 Mio. Einwohner, keiner spricht nur ein Wort Englisch. Wir stehen das erste Mal ein wenig ratlos auf dem riesigen Vorplatz des Busbahnhofes, der wie ein Flughafen wirkt. Irgendwann finden wir doch den richtigen Weg zur Metro und können uns auf in die Stadt zu unseren Couchsurfing-Hosts Rémi und Corinna machen. Die Italienerin und der Franzose leben schon länger in China und verdienen ihr Brot als Englisch- bzw. Französischlehrer (wie jeder Ausländer in China) und sprechen beide nahezu perfekt Chinesisch. Die Beiden leben in einem typisch chinesischen Wohnviertel. Insgesamt sind wir sechs Leute in der kleinen Wohnung, die vorgenannten Personen sowie Corinnas Bruder Egon und eine finnische Freundin Lisa, mit der wir uns ein 8 qm Zimmer teilen. Wohnraum in China ist eben begrenzt.
Bevor wir am nächsten Morgen mit dem Sightseeing starten können, steht noch etwas anderes auf dem Plan: Als Ausländer muss man in China jederzeit bei der örtlichen Polizeibehörde angemeldet sein. Im Normalfall übernehmen dies die Hotels in denen man nächtigt, da wir jedoch couchsurfen, bleibt diese Aufgabe an uns und unserem Gastgeber hängen. Wir stiefeln also allesamt zum Polizeirevier, müssen ein paar Fragen beantworten, Pässe und Mietvertrag der Wohnung vorzeigen und einige Formulare ausfüllen. Ganz schön viel, was die Chinesen da verlangen. Eine gute Stunde später sind wir jedoch registriert und der Tag kann beginnen. Wir besichtigen den Tempel Xuning etwas oberhalb der Stadt und essen zu Mittag bei einem typischen Mönch-Buffet. Man zahlt 10 Yuan und kann sich den Teller so oft vollschlagen wie man will, rein vegetarisch natürlich. Überhaupt ist vegetarisch oftmals die bessere Alternative, wie sich später noch herausstellen soll. Später am Nachmittag entschließen wir uns noch den Art District zu besuchen, Fines Freundin Dani hat vor ca. 5 Jahren ein Praktikum in einer Galerie absolviert und wir wollen es uns nicht nehmen lassen, ebendieser Galerie und ihrer Besitzerin Liu Lifen einmal einen kleinen Besuch abzustatten. Liu Lifen ist überrascht, erinnert sich jedoch noch sehr gut an Daniela und freut sich uns ein wenig ihre Galerie zu zeigen. Und immerhin springt auch noch ein superduper Cappuccino heraus - der beste seit nunja bestimmt einem halben Jahr. :) Am Abend gehen wir mit der versammelten Mannschaft noch etwas im Studentenviertel essen. Es gibt „Jiaozi“ in allen Variationen (gedämpft, gedämpft in Erdnusssoße und frittiert) sehr lecker, aber irgendwie gab es das doch schonmal… achja das sind Momos oder bei uns eine Art Ravioli. So heißen die Teile jedenfalls in Nepal. ;) Den nächsten Tag verbringen wir mit dem Besuch des Flower- und Birdmarket einem Stadtbummel sowie dem Besuch eines ziemlich grausigen Secondhand Markts auf dem Fine immerhin ein schickes Seidentuch ergattert. :)
Für den nächsten Tag steht die erste Zugfahrt in China an, wir haben Tickets für den Zug nach Dali ergattert, jedoch konnten wir auch hier froh sein, Corinna dabei zu haben, denn ohne chinesische Kenntnisse wären wir aufgeschmissen gewesen. Chinesische Beamte verstehen nicht nur kein Englisch, sie stellen sich zudem auch noch überaus d*mlich an. Immerhin sind wir jetzt zumindest auf den Tickets nach Dali und Lijiang verheiratet, unser beider Familienname lautet: „Deutsch“ :) Die Fahrt an sich ist sehr angenehm, die Bahnhöfe zwar hoffnungslos überfüllt, doch im Zug beruhigt sich alles und wir können die Aussicht auf die Reisterrassen und die wunderschöne Berglandschaft auf dem Weg nach Dali genießen. Das chinesische Liebespärchen neben uns flirtet dezent, schaut verlegen und schickt sich kichernd Handynachrichten zu.
Die nächsten beiden Tage verbringen wir damit diesen wunderschönen historischen Ort zu erkunden. Es gibt erstes Sichuan-Essen (sehr scharf und mit Sichuanpfeffer gewürzt, der die Zunge oder besser den ganzen Mund taub werden lässt) und überhaupt jede Menge Neues zu entdecken. Was uns allerdings ein wenig die Stimmung vermiest sind die unzähligen chinesischen Touristengruppen, die lautstark durch die Altstadt geführt werden. Wir entziehen uns dieser Tortur und starten eine Wanderung zum so genannten „Cloud-Forrest“. Wir wandern den Berg nach oben zu einem Wanderweg, der hoch oben über der Stadt in den Bergketten des Cangshan-Gebirges verläuft. Die 40 Yuan Eintritt wurden hier jedenfalls wenigstens für etwas genutzt. Der Weg ist sauber gepflastert, über den Nutzen eines gepflasterten Wanderweges lässt sich streiten, jedoch sieht man, dass das Geld investiert wird. Überhaupt merkt man in China, dass die z.T. recht üppigen Eintrittsgelder zumindest zu einem großen Teil für den Erhalt und den Ausbau der jeweiligen Sehenswürdigkeit eingesetzt wird. Als wir am späten Nachmittag ca. 10 km weiter südlich wieder von den Bergen herunter und an der großen Fernstraße stehen, beschließen wir den Rückweg einmal auf andere Weise zu bestreiten. Zwar denken wir, dass das Konzept „Hitchhiking“ oder „Autostop“ in China eher unbekannt ist und wahrscheinlich eh nur private Taxis anhalten werden, aber einen Versuch ist es wert! Daumen raus und siehe da, keine Minute später stoppt ein Auto neben uns und eine Gruppe lustiger Chinesen guckt uns an. Der Fahrer fragt in gutem Englisch wohin wir denn wollen? „Dali“ ist unsere Antwort. „Kommt rein“! Da lassen wir uns nicht lange bitten. Der Fahrer bringt uns zurück in die Stadt und wir sind doch etwas überrascht, dass das so gut geklappt hat. Unser erster „Autostop“ und das in China - sollten wir öfter mal probieren. Unsere Zeit in China ist knapp und so steht für den nächsten Morgen auch schon die nächste Zugfahrt an. Dieses Mal geht es nach Lijiang, Couchsurfing mit Terry ist angesagt. Terry ist ein netter junger Chinese und darüber hinaus Angestellter der Regierung. Er meint seine Arbeitskollegen sollten lieber nicht wissen, dass er in seiner Arbeitswohnung Ausländer beherbergt. Na das geht ja gut los. :) Terry zeigt uns den Black Dragon Pool und die zauberhafte historische Altstadt von Lijiang, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt und lädt uns obendrein zum Hot-Pot Essen ein. Alles in allem eine wunderbare Erfahrung! Chinesen sind zwar sehr eklig, unnahbar, rücksichtslos und egoistisch wenn man ihnen auf der Straße begegnet, wenn man sie jedoch näher kennenlernt, sind sie sehr herzlich, zuvorkommend und nett! Die Essensrituale, die wir beim Hot-Pot mit Terry erfahren, sind sehr anstrengend, da jeder jedem ständig gegenseitig den Teller befüllt und so gut wie vor jedem kleinen Schluck Tee ein Toast gesprochen wird. In Lijiang ist es auch mal wieder Zeit Bus- und Zugtickets zu besorgen. Ersteres funktioniert noch recht gut, bei den Zugtickets für die spätere Weiterreise von Chengdu nach Xi’an sind wir jedenfalls mal wieder aufgeschmissen. Wir versuchen einen Zug in ca. einer Woche zu buchen, an diesem Tag fahren 11 Züge diese Verbindung, leider sind alle angenehmen Schlafmöglichkeiten in allen Zügen ausgebucht und überhaupt gäbe es nur noch Stehplätze. STEHPLÄTZE??? Wer um alles in der Welt stellt sich freiwillig 15 Stunden lang in einen Zug? Am späten Abend bemühen wir Terry doch noch einmal mit uns zu einer Zugagentur zu gehen, dank der chinesischen Sprache und etwas verhandeln scheint es plötzlich doch möglich uns noch zwei Sitzplätze (Hard-Seats, also die unbequemsten ohne Verstellmöglichkeit) zu reservieren. Immerhin etwas denken wir uns und kaufen die Sitze. Wer hätte gedacht, dass es so schwer sein kann Zugtickets zu organisieren und wer hätte gedacht, dass es dieses Mal nicht an unzähligen westlichen Touristen liegt, von denen sieht man hier nämlich so gut wie nichts. Überhaupt werden wir ständig von oben bis unten gemustert und ungläubig angestarrt.
Der Bus am nächsten Morgen bringt uns nach Shangri-La, die Stadt die eigentlich Zhongdian heißt und nur aufgrund des Romanes „Lost Horizon“ von James Hilton umbenannt wurde. Die Chinesen lassen sich eben etwas einfallen um ihre Touristenorte zu promoten. Der Name jedenfalls spricht für einen magischen Ort. Am Busbahnhof angekommen sieht die Stadt aus wie jede andere mittelgroße chinesische Stadt: hässlich! In der Altstadt angekommen stellen wir fest, dass das Feuer im letzten Jahr scheinbar doch nicht nur 20 % sondern so gut wie alles der Altstadt erwischt hat. Jedenfalls befindet sich nahezu die komplette Altstadt im Wiederaufbau. Zum Glück hat das Feuer den zentralen Tempel und die größte Gebetsmühle der Welt nicht erwischt. Echt beeindruckend dieses Riesenteil. Es braucht mindestens sechs Menschen um die Mühle in Gang zu bringen.
Am nächsten Morgen planen wir einen kleinen Ausflug inkl. längerem Fußmarsch zum Kloster Ganden Songtsenling, welches dem tibetischen Buddhismus zuzuschreiben ist und für Leute die nicht nach Lhasa in Tibet reisen eine kleine Alternative zum dortigen Kloster darstellt. Doch zunächst einmal trifft uns der Schlag als wir losmarschieren wollen. Zwar hatten wir schon gemerkt, dass es sehr kalt war die Nacht (die Heizdecken in den Betten glühten auf Höchstleistung) aber dass es draußen schneit hatten wir nicht geahnt. Fine also nochmal rein, in die wasserdichten Schuhe geschlüpft und ab geht die Luzi in diesem Sauwetter. Natürlich umgehen wir wie immer wenn möglich die Eingangsbereiche und in China sind sie mal wieder echt unverschämt was Eintrittspreise angeht. Wir gehen zu Fuß statt den Bus zu nehmen, das reicht in diesem Fall schon. Einmal um den See marschiert (der im Übrigen den besten Blick auf das riesige Kloster gewährt) und schwupps zum Seiteneingang rein. Das ist das erste Mal auf unserer Reise, dass uns ein wenig mulmig ist beim reinschleichen, denn die Tore sind von richtigen Wachmännern bewacht. Wir erwischen den Wachmann jedoch mit dem Rücken zu uns – zisch...nun aber schnell. Herzklopfen! Und immer im Hinterkopf „Scheiße, wenn die uns erwischen landen wir im chinesischen Knast...und bekommen die Todesstrafe! Ahhh!“ Zack: Verdrängt...und drin. Puhhhh! Check – check. Es ist schon sehr beeindruckend was die Buddhisten hier hingeflanscht haben. Monströse Bauwerke inkl. riesiger Buddhafiguren säumen das Feld. Dieser magische Ort ist definitiv eine Reise wert befinden wir, 20 Euronen Eintritt pro Person allerdings nicht. :)
Gegen frühen Nachmittag sind wir vom Ausflug wieder zurück im Hotel und warten gespannt auf den Abend, denn wir haben einen Flug gebucht um uns einen kompletten Reisetag zu sparen. Das Ziel vom Miniflughafen auf 3.200 m Höhe heißt Chengdu in der Sichuan-Provinz. Bevor es in den Flieger geht, setzen wir und nochmal in den „Nichtraucherbereich“, neben einen Raucher…Fine zeigt dem Chinesen genervt das riesige „Nichtraucher-Schild“, der Chinese zuckt mit den Schultern, der chinesische Sicherheitsmann auch, beide lachen sich an...uuuund weg!
Bin wohl der einzige der an einem Dienstag fliegt...
That was Nepal before the earthquake!
The emotional video from Jonah M. Kessel shows you Kathmandu’s ancient sites before the earthquake. Made of brick and timber, many of these iconic buildings were destroyed.
Our Blog from January 2014 reports about our experiences of Nepal before the desaster happened:
http://undweg.tumblr.com/post/74064193160/stop-2-nepal-kathmandu-16-01-20-01-2014
http://undweg.tumblr.com/post/74943858858/stopp-2-nepal-pokhara-ein-album-auf-flickr
http://undweg.tumblr.com/post/74943858858/stopp-2-nepal-pokhara-ein-album-auf-flickr Our heart goes out to all the poor victims affected by the #NepalEarthquake Such a wonderful country & such devastation! Only memories will stay forever…
Undweg goes China - Undweg 去中國
Wir verabschieden uns für 4 Wochen nach China. Unsere Stationen werden so grob sein:
Kunming
Dali
Lijiang
Shangri-La (Zhongdian)
Chengdu
Leshan
Xi'an
Pingyao
Detong
Peking (Beijing)
China wird die letzte Destination auf unserer Reise um den Globus bevor es am 7. April zurück nach Deutschland zu Familie und Freunden geht! Als alte Backpacker-Profis freuen wir uns auf unseren letzten Monat on the road im "Großen Land der Gegensätze".
Konfuzius hat gesagt: "Das Leben meistert man lächelnd, oder überhaupt nicht."
Wenn wir nach unserer Reise noch lächeln können, dann haben wir es geschafft! Dann haben wir uns einen Lebenstraum erfüllt :) In diesem Sinne...Uuuund weeeggelächelt :)
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Stop 17: Laos (16.02.2015 - 09.03.2015), ein Album auf Flickr.
Stop 17: Laos – Von den Mekongfällen bis zur Grenze Chinas
Nachdem im Osten von Thailand nun sämtliche Akkus wieder aufgeladen worden sind, geht es für uns von Ubon Ratchathani über die Grenze nach Pakse in Laos. Wir überqueren den Mekong, der an dieser Stelle geschätzt einen Kilometer breit ist und sind schon das erste Mal schwer beeindruckt! Natürlich hält der Bus einmal mehr nicht an der vereinbarten Stelle, sondern an irgendeinem Busterminal weit weg vom eigentlichen Geschehen, aber das ist man ja mittlerweile irgendwie gewohnt. Pakse, eine nach europäischem Standard mittelgroße Stadt im Süden von Laos hat an sich rein gar nichts zu bieten. Wir buchen für den nächsten Tag direkt den Bus nach Si Phan Don den 4000 Inseln im Mekong an der Grenze zu Kambodscha. Müde steigen wir in den Van, der uns nach ca. zwei Stunden Fahrt in einem kleinen Küstendorf absetzt, von hier geht es weiter mit einem kleinen wackligen Boot, auch Fähre genannt :) , rüber auf die Insel Don Khong. Die größte der Inseln im Mekong ist sehr ruhig und idyllisch, hier gibt es kaum Autos, wenig Mopeds und die meisten Leute sind tatsächlich mit dem Rad unterwegs. Wir haben uns ein paar Nächte in ein nettes Homestay direkt am Ufer des Mekongs eingebucht, denn schließlich gibt es ja auch etwas zu feiern. Richtigggggg… Die Fine hat ja Geburtstag! Pünktlich um Mitternacht wird standesgemäß mit einem im Reisegepäck geschmuggeltem Sekt und Gummibärchen angestoßen, so etwas auf der Insel zu finden ist unmöglich und Fines Freude riesig. :)
Am nächsten Morgen dann mal wieder ausgiebig gefrühstückt und dann heißt es auch schon, Fahrrad ausleihen und einmal um die Insel fahren! Enno will Fine unbedingt einen Geburtstags-Stunt zeigen (eigentlich hat er nur das Rad von Tante Fine genommen, weil die Kette dauernd abspringt) und legt sich nach ca. 15 km mitten im nirgendwo erstmal kräftig hin, weil die Kette in nem Schlagloch mal wieder nicht drauf bleiben will. Das Bein und der Arm sind natürlich offen und bluten ganz schön heftig. Schöne Schei… erinnert uns irgendwie an… naja hatten wir schon mal :)
Das Rad im Arsch, die linke Seite offen und weit und breit kein Mensch in Sicht. Super! Wir tauschen die Räder. Fine schiebt das kaputte Fahrrad, das blockiert ist, mit aller Kraft die 6 km ins nächste Dorf und Enno schwingt sich blutend und dreckig auf das halbwegs funktionierende Rad um schon mal vorzufahren und die Wunden säubern zu lassen. Unterwegs trifft man immer Leute, die einen zwar dämlich anglotzen, helfen will jedoch keiner. Überall wo man anhält und nach Hilfe fragt, wird nur der Kopf geschüttelt, nicht einmal Leitungswasser will man herausrücken, damit der grobe Schmutz von den Wunden gespült werden kann. So ne Assi-Art! Eine gefühlte Stunde später kommt Enno dann doch irgendwie im Dorf an. Auf die Frage in der Apotheke/Erste-Hilfe-Station, ob man ihm vielleicht helfen kann, passiert erstmal gar nichts – die Frau glotzt nur blöd und schüttelt mit dem Kopf. Das kann doch nicht wahr sein! „Hallo, ist das hier eine Pharmacy?“ „Können Sie mir bitte helfen, ich muss diese Wunden reinigen!?!?“ Gaffen… Kopfschütteln „HALLO??? DAS HIER IST DER EINZIGE ORT WEIT UND BREIT, HELFEN SIE MIR BITTE DIE WUNDEN ZU REINIGEN UND ZU VERSORGEN!“ Na bitte, manchmal hilft schreien eben doch! Die Dame bequemt sich von ihrem Stuhl zu Enno herüber und weist ihm einen Platz zu. Zwanzig Minuten später ist alles erledigt: Wunden gereinigt, Steine und festsitzender Schmutz entfernt, desinfiziert und grob verbunden. Mehr wollten wir doch gar nicht und so schwer war es jetzt auch nicht. Die Dame bekommt ihren Obolus, Fine ist mittlerweile auch eingetroffen, ein netter Einheimischer hat ihr das Rad wieder in Stand gesetzt und so können wir mit etwas angeschlagener Stimmung Fines Geburtstags-Ausritt fortsetzen. In der Unterkunft angekommen, stellen wir fest, dass Fines Geburtstag in diesem Jahr zusammen mit Chinese-New-Year fällt. Perfekt! Die Familie lädt sämtliche Gäste des Hotels kurzerhand zu einem schicken Essen und Drinks for free ein. Es gibt einheimische Köstlichkeiten: Eine Hühnersuppe mit komplettem Huhn (von der Fine zur Feier des Tages gleich mal den Kopf erwischt), Pad Thai, Schwein süß/sauer, Spanferkel, Schweineinnereien und frittierte Schweinehaut. Nun ja, ganz schön schweinelastig begrüßt man das neue Jahr des Schafes bzw. der Ziege. Aber wir sehen das eher so: Schwein gehabt! Denn der Tag nimmt am Ende also doch noch eine gute Wende und wir lachen beim abendlichen Bier und Sekt auch schon wieder über das Geschehene. Happy Chinese New Year!
Baden im Mekong fällt für Enno nun aus, dennoch lassen wir es uns nicht nehmen, noch zu den kleinen Superinseln Don Det und Don Khon ganz an der Grenze zu Kambodscha zu fahren. Standesgemäß passiert das hier natürlich im Lang-Boot! Wir erkunden für zwei Tage die Natur, sehen die riesigen Li phi-Fälle (Wasserfälle im Mekong) und schlafen in einem sehr, sehr, sehr einfachen Bungalow, der uns irgendwie an unsere Unterkunft im Amazonas-Gebiet erinnert. Lustiger Weise treffen wir auf der Insel Fines alten Schulfreund Robert, der zurzeit ebenfalls Südostasien bereist. Da wir alle am nächsten Tag nach Pakse zurück fahren und eine kleinen Motorrad-Rundreise durch das Bolaven-Plateau planen, beschließen wir dies zusammen zu tun. Einen weiteren Tag später sind die Motorräder organisiert, Andy und Josh stoßen noch zur Gruppe dazu und ab geht die Luzi! Wir durchfahren sehr ursprüngliche Dörfer, besuchen eine Seidenfarm, eine Kaffeeplantage und sehen die tollsten Wasserfälle, naja einige sind eher so mittel bis schlecht, jedenfalls haben wir insgesamt eine richtig gute Zeit. Achja, wo der Pfeffer wächst wissen wir jetzt auch! :) Geschlafen wird natürlich unterwegs in einfachen Bretterverschlägen, auch Bungalow genannt. Zumindest ein halbwegs intaktes Moskitonetz gibt es überall, das reicht uns schon.
Wir kommen alle wieder heil in Pakse an und machen uns einen Tag später auch schon wieder auf den Weg mit dem Nachtbus in die Hauptstadt Vientiane. Ja, ja, wir und unsere tollen Nachtbusfahrten! Diesmal haben wir wieder „Glück“ und unser Bus sieht von allen am „abgefucktesten“ aus und dank der defekten Stoßdämpfer und der durchweg schlechten Straßenverhältnisse werden wir ordentlich durch geschleudert. Die Toilettentür schließt irgendwann nicht mehr richtig und knallt ständig auf und zu und bald stinkt der ganze Bus bestialisch…“Wir freuen uns sie wieder als unseren Fahrgast begrüßen zu dürfen!“ Ähmmm, nee, wir aber bestimmt nicht!
Vientiane ist an sich eine schmucke Stadt, viel weiter entwickelt als der Süden, infrastrukturell gut erschlossen und durch die Mischung der laotischen Bauweise mit der franko-kolonialen Architektur doch mal einen Aufenthalt wert. Der Buddha-Park ca. 25 km außerhalb der Stadt ist ein kleines Unikum. Viel religiöse Bedeutung hat der Park zwar nicht, schön anzusehen sind die z. T. riesigen geschätzt 100 Buddha-Figuren jedenfalls. Unser Hotel in der Hauptstadt entpuppt sich als echter Glücksgriff! Ein nettes, sauberes Zimmer in der obersten Etage, kostenlosen Kaffee und Tee aus dem Bolaven Plateau und ab und an sogar Kuchen zum Nachmittag inklusive. Wenn das mal nichts ist. :)
Nach zwei Tagen in Vientiane wird uns dann aber doch etwas langweilig und so entschließen wir uns, unsere Reise gen Norden fortzusetzen und nach Vang Vieng zu fahren. Der schlechte Ruf eilt dem Ort voraus: Backpacker-Partyhölle… wir sind gespannt! Es soll sich seit einiger Zeit einiges geändert haben, zu viele Unfälle sind beim Tubing (auf LKW-Reifen durch den Fluss treiben) mit dem zugehörigen Genuss berauschender Substanzen geschehen. Unzählige Tote und Verletzte jedes Jahr… Die Regierung scheint heutzutage jedenfalls rigoros dagegen vorzugehen: die meisten Bars entlang des Flusses sind geschlossen und wer mit Drogen erwischt wird, hat heftige Geldstrafen zu befürchten. Alles in Allem empfinden wir den Ort als gar nicht so schlimm, dies liegt aber sicherlich auch daran, dass wir ein wenig außerhalb der Touristenmeile Lager bezogen haben und somit zumindest ruhig schlafen können. Die Umgebung Vang Viengs hat viel zu bieten: der Turnaround von einer versifften Backpacker-Enklave zum Outdoor-Erlebnis-Mekka ist noch nicht ganz gelungen, auf dem Weg dahin befindet man sich allerdings. Eine ganze Latte Fun-Sportarten werden geboten: Kanufahren, Abseiling, Buggytouren, Klettern, Caving, Heißluftballonfliegen und sicher vieles mehr. Wir für unseren Teil begnügen uns, auch aufgrund der langsam verheilenden Wunden an Ennos Bein, mit ein paar kleineren Tagesausflügen, z. B. auf einen der wunderschön anzusehenden Karstberge um Vang Vieng. Der Ausblick ist grandios, wenngleich die Jahreszeit auch ein wenig zu diesig ist. In der Trockenzeit werden täglich Feuer gelegt und abends stinkt es überall verkohlt und die Sicht ist vernebelt. Der zweite Ausflug führt uns zur „Blauen Lagune“, einem wunderbaren blauen, kleinen Wasserloch im Boden. Mehr als ein Wasserloch ist es leider nicht, die asiatischen Gruppentouristen haben jede Menge Spaß beim „Vom-Baum-ins-Wasser-hüpfen-und-krietschen“ oder an dem Seil im Wasser. Nett, mehr aber auch nicht. In die Höhlen um Vang Vieng kommen wir nicht, man muss bei den meisten durchs Wasser waten und alles was mit Wasser zu tun hat, ist grad nicht so in Ennos Sinn. ;)
Unser letzter Halt, bevor wir uns auf ins Reich der Mitte machen, heißt Luang Prabang. Die alte Königsstadt am Mekong beeindruckt mit unzähligen buddhistischen Tempeln, Märkten und restaurierten Kolonialhäusern. So hat sich die Weltkulturerbe-Stadt in den letzten Jahren weit über die Grenzen Südostasiens einen Namen gemacht. Doch die größte Sehenswürdigkeit, so scheint es, sind nicht Tempel oder Wats, sondern die Mönche. Jeden Morgen um 6 Uhr verlassen hunderte Mönche ihre Tempelanlagen, um die gesammelten Almosen der laotischen Bevölkerung entgegen zu nehmen. Eine der heiligsten buddhistischen Traditionen von Laos, die hier in Luang Prabang allerdings etwas aus dem Ruder geraten ist. Unser Hotelbesitzer erzählt uns, wie ganze Reisebusse vorfahren und die eigentlich andächte Prozession stören. Rücksichtlose (vorwiegend chinesische) Touristen halten den Mönchen ihre Kamera direkt vors Gesicht oder Frauen (denen die Berührung der Mönche untersagt ist) versuchen für ein Foto sogar den Mönchen den Arm einfach um den Hals zu legen. Wir sind schockiert, aber zugleich auch interessiert an diesem Spektakel. So macht sich Fine (alleine :)) eines Morgens noch vor Sonnenaufgang auf den Weg, um sich selbst ein Bild von dem Spektakel zu machen. Und tatsächlich, umso näher man der Hauptstraße, wo die Mönche entlang schreiten, kommt, desto mehr Touristen befinden sich wartend und dicht gedrängt mit Kamera bepackt auf den Gehwegen. Allerdings sind weniger europäische Touristen, sondern erstaunlich viele asiatische Touristen aus China und Korea hier, für die die Mönchsprozession wohl genauso außergewöhnlich ist wie für uns. Pünktlich 6 Uhr verlassen die orangefarbig gekleideten Mönche nach Rang hintereinander aufgestellt ihre Tempel. Während Fine die Prozession mit ehrfürchtigem Abstand betrachtet, sind dutzende Touristen gekommen, die nicht nur zusehen, sondern an diesem besonderen Brauch selbst teilnehmen wollen. Immerhin heißt es, dass die Buddhisten, die Almosen überreichen, mit besonderem Glück und gutem Karma belohnt werden. So lassen sich die Touristen von gewitzten Straßenhändlern Almosenschalen gefüllt mit Reis und Obst für Geld aufschwatzen. Dann knien sie sich auf ausgebreitete Decken am Gehwegrand und mischen sich unter die Einheimischen, die von den Touristen sichtlich genervt sind. Und kaum nähern sich die Mönche, um die Almosen entgegen zu nehmen, geht das Spektakel los: Blitzlicht wie zur besten Kinopremiere. Ein koreanischer Amateurfotograf hält den Mönchen seine Kamera fast direkt ins Gesicht. Ein thailändischer Transvestit nimmt ein Selfie nach dem anderen von sich, kniend mit Opferschale auf. Schnell noch bei Twitter hochladen… Es ist deutlich erkennbar, wie unangenehm den Mönchen dieser Rummel ist, aber sie halten tapfer durch und bahnen sich ihren Weg durch die Massen. Man kann ihren inneren Zwiespalt nachvollziehen: Einerseits ist der Trubel zu viel, andererseits garantiert er ihnen immer einen vollen Magen. Fine beobachtet den Trubel eine Weile, fühlt sich angesichts des zum Teil respektlosen Verhaltens jedoch immer unwohler in ihrer Haut als Voyeur. Aber man muss auch hier erneut wieder feststellen: Da stößt eine Tradition an ihre Grenzen und wird überlagert von der Moderne. Und auch im traditionellen Laos ist sie angekommen, die Moderne. Nichts bleibt, wie es ist. Manchmal ist das sehr schade. Aber warum soll es nicht gelingen, für Probleme Lösungen zu finden?! Und es beruhigt, dass viele kluge Köpfe damit beschäftigt sind, Luang Prabang als das zu erhalten, was es ist: eine liebenswerte Stadt. Buddha, der der Legende nach hier auf seiner Reise vorbeigekommen ist, soll hier gerastet und gelächelt haben. Und wir wünschen uns, dass es so noch vielen Reisenden ergehen wird, die hier her kommen.
Als Fazit müssen wir sagen, dass uns Laos sehr gut gefallen hat. Ein kleines Land (gerade mal 6,5 Millionen Einwohner), dass viel zu bieten hat: reich an Natur, Kultur und (trotz einiger Ausnahmen) freundlicher Menschen. Im Gegensatz zu Thailand gehen hier die Uhren jedoch noch ein wenig langsamer. Manchmal gibt es keinen Strom, aber das hilft nur den herrlichen Sternenhimmel in Vang Vieng besser sehen zu können. Manchmal ist das Wandern besonders erschöpfend in dem feucht, schwülen Klima, aber es gibt trotz des fehlenden Zugangs zum Meer genügend Möglichkeiten, um sich zu erfrischen, den Mekong, hunderte Wasserfälle und wunderschöne Lagunen. Manchmal wartet man auf sein Essen wirklich lang, aber dadurch schmeckt es dann, wenn es dampfend aus der Küche kommt, umso besser und die Portionen sind echt groß. Manchmal dauert eine 4-stündige Busfahrt 7 Stunden, aber was ist Zeit? Man kann sich glücklich schätzen, dieses Land noch so zu erleben, wie es sich derzeit präsentiert. Noch gibt es kein einziges Mc Donalds, was wir sehr befürworten. Aber auch in Laos ist der moderne Fortschritt nicht aufzuhalten und die ersten Anzeichen von massentouristischen Erscheinungen hat das Land bereits überstanden (z. B. Tubing in Vang Vieng) und andere muss es wie jedes andere Land auch, selbst zu lösen lernen (z. B. die Störung der Mönchsprozession in Luang Prabang).
Für uns war Laos ein schöner Abschied aus Südostasien, doch so langsam können wir irgendwie keine Wats mehr sehen und haben eigentlich nur noch aufgeregtes Kribbeln im Bauch, denn nach Luang Prabang geht es für uns weiter nach China – unsere letzte Destination vor der Heimkehr im April. Wir planen unsere Routen und Unterkünfte in China und belesen uns zum Thema. Immerhin sollen die Medien ja extrem zensiert sein im Reich der Mitte. Der Bus von Luang Prabang nach Kunming ist gebucht, die 24 bis 30 Stunden werden wir auch noch überstehen, es ist ja nicht das erste Mal. Ausgestattet mit asiatischen Tütensuppen, Keksen, Bonbons und Beruhigungstabletten machen wir uns 5.30 Uhr morgens auf dem Weg zum Busbahnhof in Luang Prabang...Bye, bye Südostasien! Wir kommen bald wieder! Uuuund weeeg!
Stop 16: Thailand (18.01.2015 - 16.02.2015), ein Album auf Flickr.
Stop 16: Thailand die Zweite - Von 1001 Tempeln, Luxus-Mönchen und der Kunst des Abgammelns
Der längste Flug unserer Reise liegt hinter uns: knapp 15 Stunden im Hello Kitty Flieger von LA nach Taipei und von dort weitere vier Stunden nach Bangkok. Wir kommen mitten in der Nacht an und beschließen, die paar Stunden bis es hell wird am Flughafen auszuharren, mitten in der Nacht wollen wir nicht in der Stadt herumirren. Kurzerhand legen wir uns im Ankunftsbereich längs über die Sitzbänke und machen die Augen ein wenig zu. Wir sind nach über einem Jahr reisen geübt im „Irgendwo schlafen“. :)
Da unsere Stammunterkunft nahe der Khaosan Road dieses Mal ausgebucht ist, quartieren wir uns ein wenig entfernt in der Nähe des Bahnhofes Hua Lamphong in eine wirklich räudige Unterkunft ein - aber egal, es ist zum Glück nur für eine Nacht. Die letzten Touristenattraktionen, die wir noch nicht kennen, haben wir schnell in einem Tag abgeklappert und so geht es für uns am nächsten Abend bereits weiter mit dem Nachtzug in den Norden nach Chiang Mai. Im Zug begegnen uns mal wieder zwei buddhistische Mönche, ausgestattet mit schönen Bling Bling Sonnenbrillen und den neuesten Smartphones. Diesen Luxus scheinen sich immer mehr Mönche zu gönnen und wir sind sehr erstaunt darüber, denkt man doch, dass buddhistische Mönche sich hauptsächlich mit Meditation und dem Studium von Buddhas Lehren befassen. Egal wo wir bisher waren – stets begegnen uns Mönche und es dauert nicht lange und sie haben ihre neuen iPhones oder Samsung Geschosse in der Hand. Man knippst Selfies vor dem Tempel oder eben im Zug. Wir haben uns das Leben der Mönche grundsätzlich ein wenig anders vorgestellt.
In Chiang Mai gibt es vor allem eins: jede Menge Tempel, insgesamt etwa 200! Die Stadt ist nicht groß und so leihen wir uns kurzerhand Fahrräder aus und erkunden die Stadt und die wesentlichen Wats. Wir spazieren durch die Tempelanlagen und stellen fest, dass es in manchen Wats mehr Spendenboxen als Buddha-Figuren gibt. In einem befinden sich sogar direkt auf dem Gelände Geldautomaten – damit auch ja niemand die Ausrede hat, er hätte ja kein Geld dabei. Wir sind geschockt! Eine sehr fragwürdige Religion ist das. Doch an einem Nachmittag bietet sich für uns eine unverhoffte Möglichkeit, der Sache doch einmal ein wenig genauer auf den Grund zu gehen. Im Wat Chedi Luang studieren die Mönche nicht nur für sich allein, sie möchten ihre englischen Sprachkenntnisse verbessern und bieten einen so genannten „Monk-Chat“ an. Da sitzen dann ein paar Mönche unterm Baum am Tisch und unterhalten sich möglichst ungezwungen mit Touristen. Jede Frage ist erstmal erlaubt. Ob man eine Antwort darauf bekommt oder der Mönch auf einmal kein Englisch mehr versteht – „Egal, das ist unsere Chance, das müssen wir machen!“ denken wir uns und schwupps sitzen wir am Tisch und sind verabredet zum „Mönch-Chat“. Der Mönch ist 25 Jahre und seit zehn Jahren im Kloster, seinen Namen kann man eh nicht aussprechen, also lassen wir das. Er studiert um einmal Lehrer zu werden. Wir stellen uns vor, lernen wie der Tag eines Mönches so abläuft und kommen nach ein wenig Plauderei jedoch schnell zum interessanten Teil: „Wieso um alles in der Welt, haben Mönche iPhones machen Selfies und verschicken die Bilder an wen auch immer? Und wieso müssen es goldene RayBan-Sonnenbrillen sein?“ will Enno wissen. Der Mönch lacht, er selbst besitze auch ein Smartphone und sogar einen Laptop. Er brauche die Sachen um zu studieren. Damit gibt sich Fine nicht zufrieden „Wir reisen ja nun schon sehr lange, waren in vielen buddhistisch geprägten Regionen. Aber mich macht es traurig und wütend zugleich, was ich zum Beispiel in sehr armen Ländern, wie Kambodscha, beobachten musste. Dort kämpfen so viele Menschen ums tägliche Überleben, haben kaum genügend zu essen für sich selbst und spenden das Wenige, was sie besitzen den Mönchen und Klöstern, nur um dann zu sehen, dass diese mit dem neuesten Technikkram oder anderen Luxusartikeln an ihnen vorbei gehen? Erst neulich saßen zwei Mönche doch tatsächlich bei Starbucks. Das kann doch nicht sein! Das macht mich echt wütend!“ Der Mönch ist erst ruhig, dann lacht er (was daran witzig ist, verstehen wir überhaupt nicht – vielleicht lacht er aus Verlegenheit und ist beschämt). Er sagt, diese Fragen bekommt er nicht das erste Mal gestellt und was uns aufgefallen ist, sei nicht die Regel. Er sagt, jeder Mönch müsse für sich selbst entscheiden was er tut. Es gibt keinen Oberaufseher oder ähnliches. Im Normalfall besitzen Mönche nichts, etwaige Luxusgegenstände seien Geschenke von Gläubigen oder Familie, damit man sich voll und ganz auf das Studium der Lehren Buddhas konzentrieren sowie der Meditation widmen kann. Wir können uns alle drei das Lachen nicht verkneifen, er sieht wohl selbst ein, dass die neue Generation der Mönche wenig für das enthaltsame, spartanische Leben ihrer Vorgänger übrig hat. Eine wirkliche Antwort auf unsere Fragen hat er nicht und so verabschieden wir uns nach etwa einer halben Stunde doch sehr enttäuscht von ihm. Wir haben uns mehr erhofft. Alles in Allem kann man sagen, dass in den südostasiatischen Ländern doch ein gewisser Irrglaube vorherrscht. Die Menschen Spenden und geben ihr letztes Hemd, um von einem Mönch gesegnet zu werden und so möglichst viel gutes Karma zu sammeln, damit sie es im nächsten Leben besser haben. Letztlich finanzieren die Mönche aus unserer Sicht damit jedoch nur ihr zunehmend luxuriöseres Leben. Ein wenig Recherche zum Thema im Internet bringt ein paar ganz passende Artikel hervor, wer möchte kann gern einmal hier nachlesen:
Debatte über buddhistische Mönche: Zu viel Luxus
iPhone passt nicht zum Buddhismus: Vietnamesischer Mönch bekommt Ärger
Nach ein paar schönen Tagen in Chiang Mai machen wir uns, mal wieder mit dem Nachtzug zurück nach Süden. Diesmal machen wir aber Halt in Ayutthaya und Kanchanaburi. In Ayutthaya besichtigen wir auf einer kleinen Radtour atemberaubende Khmer-Tempel im gleichen Baustil von Angkor Wat – nicht minder beeindruckend, nur deutlich geringer im Ticketpreis. Kanchanaburi hat an und für sich nichts zu bieten, außer natürlich die Brücke am River Kwai. Eine alte Eisenbahnbrücke, die zum Ende des 2. Weltkrieges von Kriegsgefangenen der Japaner und asiatischen Zwangsarbeitern gebaut worden ist und deren Namen jeder dank Hollywood zumindest schon mal gehört hat. Sie ist Bestandteil der „Death Railway“, einer Eisenbahnverbindung zwischen dem thailändischen und burmesischen Streckennetz und sollte den Japanern als Nachschublinie für ihre weitere Expansion in den indischen Raum dienen. Beim Bau dieser Trasse wurden rund 200.000 asiatische Zwangsarbeiter und rund 60.000 Kriegsgefangene Briten, Australier etc. eingesetzt. Die Bahnlinie umfasste ca. 415 km und bei ihrem Bau unter extremsten Bedingungen fanden mehr als 94.000 asiatische Zwangsarbeiter und rund 14.000 alliierte Gefangene den Tod. Mehrere große Friedhöfe erinnern an diese dunklen Zeiten des Landes.
Da wir bei unseren vorherigen Thailandaufenthalten bereits den Süden des Landes inklusive ein paar schöner Inseln angeschaut hatten und wir dieses Mal eher im Norden des Landes unterwegs sind, führt uns unsere Weiterreise schließlich in den Osten Thailands. Mit dem Bus fahren wir einen ganzen Tag von Kanchanaburi nach Trat, nahe der Grenze zu Kambodscha. Und in genau diesem Bus erleben wir zum ersten Mal eine Panne. :) Der Gammel-Bus, der vielleicht mal vor 30 Jahren schön war, ist hin und wir warten eine Stunde in sengender Hitze auf den Ersatzbus. Die „neue“ Rostlaube ist dann jedoch nicht wie angekündigt ein Ersatzbus, sondern der ganz normale nächste Bus, der eine Stunde nach unserem gestartet ist. Man braucht jetzt nicht zu erwähnen, dass es Probleme gibt, wenn unser Bus voll war und auch der nächste Bus nicht wirklich leer ist. Wir haben Glück und ergattern noch die zwei letzten Sitzplätze ganz hinten. Der Großteil der Passagiere hatte weniger Glück und muss für den Rest der Fahrt im Gang stehen. Naja sind ja nur noch drei Stunden bis Trat. :) Die „Müllers“ (seit Vietnam unser Codewort für russische Staatsbürger, kurz Russen :)) neben uns, haben den harten Stoff ausgepackt und lassen es sich gutgehen. Im Wechsel gibt es einen GROOßEN Schluck aus der Schnapspulle und einen mini mini Schluck aus der Cola-Flasche. Interessante Art dieses „Im-Mund-Mixen“. „Na sdorówje!” („Wohl bekommt’s!) Na hoffentlich denken wir und schmunzeln in uns rein…
Im Osten des Landes steht für uns noch eine große Sache an, und zwar der Vergleich zwischen den Inseln hier, mit den Inseln im Süden. Wir verbringen ein paar Tage auf Koh Chang und es ist schnell klar, wer hier das Rennen macht. Gegen Koh Samui und Koh Phangan ist das hier ein Witz. Das Wetter täglich diesig, die Strände klein und das Wasser alles andere als türkis, eher milchig-trüb. Insgesamt ist die Insel eher so mittelnett. :) Eine schöne Sache gibt es dennoch zu berichten. Unser norwegischer Nachbar Shell und seine thailändische Frau (Klischee erfüllt, check ;)) haben uns angeboten uns mit ihrem Pickup von Trat mit in ihren Heimatort Ubon Ratchathani zu nehmen, dem letzten größeren Ort vor der laotischen Grenze. Das passt uns sehr gut und die Mitfahrgelegenheit spart uns einen ganzen Reisetag, denn wir müssen nicht mit zwei Bussen zwei Tage durch halb Thailand eiern, sondern können entspannt mit Shell und seiner Frau den direkten Weg für die ca. 800 – 900 km nehmen. Wunderbar! Bis es soweit ist, haben wir noch eine Woche Zeit und kehren wieder aufs Festland nach Trat zurück. Der Ort ist genauso unspektakulär wie Kanchanaburi, nur dass es dort noch die Brücke am Kwai gibt :). Dafür gibt es hier einen großen Tesco-Lotus Supermarkt, der für eine Woche unser tägliches Highlight wird :) Aber auch auf einer Weltreise muss man mal abgammeln und sowas wie unspektakulären Alltag haben. Und den hat man lieber im warmen und günstigen Thailand, als im kalten und teuren Deutschland. Auch wenn wir keinen Fernseher haben (den wir nicht wirklich vermissen!), langweilig wird es auf einer Weltreise selbst im langweiligsten Ort nie. Hier ein paar Anreize, was man an weniger spannenden Orten auf Reisen so machen kann:
Bevor euch langweilig wird könntet ihr…
…auf den Essens-und Nachtmärkten oder hier in Thailand vor einem 7-Eleven-Supermarkt sitzen und einfach nur die Leute beobachten. Was da manchmal so vorbei gekrochen kommt :) Besser als jede Daily-Soap!
…einfach nur durch die Straßen und Gassen latschen – selbst auf den gleichen Wegstrecken entdeckt man jeden Tag irgendwelche neuen Geschäfte oder Stände. Manchmal kann man sich einen halben Tag in diesen Läden aufhalten! Sehr zu empfehlen: Großbäckereien in allen Ländern, Chinesische Krimskramsläden, Buchläden, Antiquariate…
…in einen Stadtbus einsteigen und für einen Appel und nen Ei (in Bangkok ca. 8 Baht, ca. 22 Cent) eine Stadtrundfahrt machen.
…mal im Internet googlen nach „Things-to-do-in…“ oder „Insidertips in…“ – so sind wir schon an viele versteckte Orte gekommen (wie z. B. in Kambodscha: Wir haben nach „Angkor Wat Temples for free“ gegoogelt und sind in einem Geo-Caching-Forum gelandet, wo es um einen versteckten Angkor Tempel ging und sind dann dort einfach hingelaufen und siehe da – wir waren komplett alleine in den einsamen Tempelanlagen).
…einfach ganz alltägliche Dinge erledigen, die aber im Ausland immer etwas anders ausfallen können wie zuhause und unglaublich viel Spaß bringen. Wie in einen Fotoautomaten setzen oder wie hier in Trat passiert: einfach in einem Fotofachgeschäft nach Passfotos fürs Visum verlangen Resultat: „Nicht-biometrische“ und viel zu große Fotos mit typisch thailändisch gebleichter Haut und gänzlich ohne eine Falte im Gesicht dank Photoshop. :) Aber auch ein Friseurbesuch ist immer wieder amüsant und irgendwie kommt man in jedem Land auf der Welt doch immer wieder mit dem gleichen Haarschnitt aus dem Laden :)
Und bevor einem nichts, aber auch wirklich nichts mehr einfällt.. ja daaaaan sind da ja immer noch diese Dinge, die man schon so ewig lange vor sich herschiebt wie: Blogtext schreiben, Fotos sortieren, hochladen und benennen, Postkarten schreiben, Skypen, Backups von allen wichtigen Daten und Bildern machen, überhaupt mal ein Buch lesen (kommt man echt nicht dazu), die nächsten Unterkünfte buchen, Reiserouten recherchieren, Ausgabenliste aktualisieren, Kreditkartengebühren von der Bank wiederholen, Sachen waschen…uuuund spätestens dann ist ja schon wieder Nachtmarkt-Zeit – Zeit zum Leute beobachten und natürlich jedes Mal anderes Essen ausprobieren!
Das alles machen wir nun also eine Woche lang in Trat und schwupps die wupps steht der Norweger Shell mit seinem Pick-up vor der Tür und nimmt uns mit Richtung Laos…uuund weg!
Stop 15: USA - San Francisco - Los Angeles (10.01.2015 - 16.01.2015), ein Album auf Flickr.
Stop 15: Von Frisco nach L.A. - Und wir dachten das mit dem Spanisch hätte sich erledigt Der Nachtbus von Las Vegas nach San Francisco biegt in der Greyhound-Station von San Francisco ein und wir erwachen so allmählich in unseren unbequemen Bussitzen. Draußen wird es auch schon wieder langsam hell. Robert, unser neuer Couchsurfing-Host hat versprochen uns abzuholen und kurze Zeit später sitzen wir auch schon in seinem Auto – wenn das mal nichts ist. :) Für die nächsten Tage wohnen wir in Dolores, einem zentrumsnahen Stadtteil, mit sehr schönem Park. Zu unserer Überraschung wird hier demnächst auch Mark Zuckerberg (der Facebooktyp) wohnen. Wenn sein Haus dann endlich mal fertig ist. Immerhin sind seit mittlerweile fast zwei Jahren Firmen mit umfangreichen Umbauarbeiten betraut. Vor der Baustelle gibt es Securityposten, die Akkreditierungen für die Zutrittsberechtigten ausstellen und überprüfen. Verrückte Welt… Mark Zuckerberg hat angeblich 10,0 Mio. US-$ für dieses Haus bezahlt, der Wert wird auf 3,6 Mio. US-$ geschätzt. Später an diesem Samstag ist Robert mit zwei anderen Couchsurfern aus Russland verabredet, eine Stadtführung steht an, wir sind herzlich eingeladen. Das lassen wir uns trotz des wenigen Schlafes letzte Nacht nicht zweimal sagen und so sind wir gegen 10 Uhr bereits wieder auf den Socken. Robert, Aleksei, Marina und wir beide auf dem Weg durch San Francisco – ohne Blumen im Haar und auch nicht in zerrissenen Jeans. Chinatown, Telegraph Hill, Transamerica Tower, Downtown, Cablecars… leider steckt uns die Nacht doch noch sehr in den Knochen und so schleichen wir mehr schlecht als recht mit. Wir gehen an diesem Abend dann doch lieber früh zu Bett, denn am nächsten Morgen wartet eine der größten Attraktionen auf uns – eine Tour zum legendären „The Rock“ – Alcatraz. Wir hatten Glück und noch die letzten Plätze der „Earlybird“-Tour, der ersten Tour des Tages zu ergattern. Die begehrten Tickets zur Gefängnisinsel sind teilweise monatelang ausgebucht, weil die Nationalparkbehörde den Besucheransturm stark frequentiert hat. So stehen wir sehr früh (5:30 Uhr) auf und Robert, der ein sehr bemühter Gastgeber ist, fährt uns schnell zum Pier, von dem unser Boot nach Alcatraz ablegt. Die Überfahrt dauert keine 20 Minuten und schon bald betreten wir als erste Touristen des Tages zusammen mit ca. 100 weiteren Tourgästen die Insel. Es ist kalt, windig und nebelig. Von San Francisco oder der Golden Gate Bridge sieht man nichts. Zu unserer oder vielmehr Fines Überraschung (kurzes Gekrietsche), ist die Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei, die derzeit auf Alcatraz stattfindet, im normalen Ticketpreis enthalten und wir kommen in den Genuss die Arbeiten zu bestaunen. So freuen wir uns also die umstrittene Ausstellung zu sehen und starten unseren Rundgang durch das Museum, das Gefängnis und die Kunstausstellung. Die Arbeiten Ai Wei Weis makeln die Missstände der modernen Informationsgesellschaft und den Arbeitsmethoden der verschiedenen Geheimdienste und -organisationen der modernen Welt an. Gezielt werden hier die Geschichten von Edward Snowden, Martin Luther King Jr. oder Nelson Mandela erzählt, es gibt jedoch auch jede Menge Input über hunderte Menschen, die zu Unrecht irgendwo in der Welt aus irgendwelchen vorgeschobenen Gründen einsitzen, für Taten, die der jeweiligen Regierung schlichtweg nicht in den Kram passen. Ai Wei Wei selbst ist das beste Beispiel, sitzt er bekanntlich quasi unter Hausarrest in seinem Haus in Peking und muss seine Ausstellungen über Internet und Telefon von seinen Mitarbeitern aufbauen und betreuen lassen. Sein Pass wurde von der chinesischen Regierung eingezogen, weil er dieser mit seiner Meinung einfach nicht passt. Verrückte Welt in der wir leben! Zurück zum Gefängnis: Legendäre Gestalten wie Al Capone saßen hier ein, es gab einen großen Aufstand mit jeder Menge Toten und soweit bekannt, ist nie jemand erfolgreich von der Insel geflüchtet, wobei drei Ex-Insassen spurlos verschwunden sind, auch die Leichen wurden nie gefunden. Entweder sind sie in den kalten Strömungen umgekommen oder waren verdammt schlau und leben heute irgendwo auf der Welt unter falschen Namen. Wir lauschen andächtig den Erzählungen unseres deutschen Audioguides, den es hier ohne zusätzliche Kosten gibt. Alles in Allem ist diese Tour mal wieder eine der besseren, um nicht zu sagen hervorragenden Art. Sehr durchdacht und interessant von den ehemaligen Insassen erzählt. Am Nachmittag scheint wieder die Sonne und wir können tatsächlich noch ein paar Blicke auf die Skyline von San Francisco und die Golden Gate Bridge erhaschen, bevor wir wieder im Boot in Richtung Festland sitzen. Wir entschließen uns noch ein wenig weiter an den Piers spazieren zu gehen und siehe da, plötzlich stehen wir vor einer riesigen Horde Seelöwen. Geilomat, wer hätte das gedacht! Darauf pfeifen wir uns doch direkt mal einen „In-n-Out“ Burger rein, immerhin ist diese Burger-Braterei ein Unikum in Kalifornien und jeder schwärmt davon! Also gesagt getan… uuuund für sehr gut befunden, da können sich Mc Donalds und Co. ne Scheibe abschneiden: lokale, frische Zutaten, kein tiefgefrorenes Fleisch, keine Mayonnaise, wie man uns stolz erklärt, und das zu einem unschlagbaren Preis. Am nächsten Morgen machen wir uns zu Fuß auf den Weg, die Stadt zu erkunden: das Cable-Car-Museum, Street-Art im Mission-District und die Golden-Gate-Bridge stehen an. Das Gute an San Francisco ist, dass man alles zu Fuß erkunden kann, keine stundenlangen Fahrten im Bus oder Auto, sondern einfach los und raus, maximal noch ne Straßenbahn genommen und ruckzuck ist man am Ziel. Die Golden Gate Bridge ist zwar von der Länge her die kleinere Brücke in San Francisco (verglichen zur Oakland Bay Bridge), dank ihrer Farbe und Höhe sieht sie jedoch selbst aus der Ferne sehr imposant aus. Die wenigen Tage in San Francisco vergehen leider wie im Flug und schon bald heißt es für uns einmal mehr Abschied nehmen. Robert lässt es sich natürlich nicht nehmen uns persönlich abends zur Busstation zu bringen und so sitzen wir „mir nichts, dir nichts“ im Bus in Richtung Los Angeles. Im Morgengrauen erreichen wir Los Angeles. Die Nacht im Bus war so mittel, also eher scheiße. :) Die Beinfreiheit konnte man unter „Ulk“ verbuchen. Und da denkt man in einem Land mit so vielen Übergewichtigen hat man genügend Platz zur Verfügung. Pustekuchen! Als wir am Terminal ankommen trauen wir unseren Ohren nicht, das darf doch nicht wahr sein, hört das denn nie auf?! Bevor man sich bemüht englisch zu sprechen, wird erstmal auf Spanisch losgelabert. Und wir dachten, wir hätten Südamerika bereits längst hinter uns gelassen. Das grandiose Metro-System in Los Angeles macht auf jeden Fall schon mal Lust auf mehr: wir müssen drei verschiedene Busse nehmen und es gibt NATÜRLICH kein Transferticket, wir dürfen brav jeden Bus einzeln mit dem vollen Fahrpreis bezahlen… so dämlich kann man ein öffentliches Transportsystem doch nicht gestalten. Unser letzter Couchsurfing-Host heißt Greg und für die letzten beiden Tage gastieren wir relativ zentral zwischen Downtown, Flughafen, Hollywood und dem Strand von Santa Monica. Relativ zentral bedeutet in L.A. leider trotzdem verflucht viele Kilometer und stundenlanges Busfahren. Und natürlich ist diese Gegend überwiegend Schwarz und Mexikanisch geprägt. Im Laden an der Ecke spricht man gebrochenes Englisch mit uns, mit allen anderen Kunden Spanisch. Echt verrückt möchte man meinen. Wir lernen, dass Kalifornien bis 1821 zu Spanien gehörte und danach bis 1848 zu Mexiko, worin auch der Hauptgrund liegt, warum hier auch heute noch nahezu überall Spanisch gesprochen und verstanden wird. Die vielen legalen und illegalen Einwanderer aus Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern tun natürlich ihr Übriges dazu. Für heute haben wir beschlossen Hollywood zu erkunden. Natürlich kann man dort nicht alles sehen, aber zumindest einen groben Überblick wollen wir bekommen. Wir trotten den Walk of Fame entlang, auf dem Hollywood Boulevard sind mittlerweile auf einer Länge von 18 Häuserblocks beidseitig über 2.500 Sterne eingelassen. Jeder der Bekannten Schauspieler, Entertainer, Regisseure, Sänger etc. hat einen. Nach ein paar Minuten ist der Hype verflogen, man schaut schon gar nicht mehr wirklich über wessen Stern man läuft. Vor dem TCL (Chinese Theatre) wartet dann aber doch noch mal ein kleines Highlight: Die Hand- und Fußabdrücke sowie Kritzeleien der Stars. Nach dem wir den Hollywood-Schriftzug in den Bergen, das Dolby Theatre (wo die Oscars verliehen werden) und die ganzen verrückten Fotodoubles gesehen haben, steht für uns fest: Im Fernsehen sieht das alles irgendwie spektakulärer aus. Wir haben uns weit aus mehr von Hollywood erwartet. Aber wer ne kostenlose Freakshow sucht, der ist hier richtig. Einfach mit nem Kaffee irgendwo auf ne Parkbank setzen und genießen. Am nächsten und zudem letzten Tag unseres USA-Aufenthaltes wartet noch einmal ein kleines Highlight auf uns. Der schwerreiche Ölmagnat Jean Paul Getty war ein begeisterter Kunstsammler. Seine gesammelten Schätze gehören heute einer Stiftung, die sie für die Öffentlichkeit kostenlos im Getty-Museum ausstellt. Natürlich wollen wir das sehen und dafür setzen wir uns gern mal zwei Stunden in die öffentlichen Busse. :) Wir genießen eine kostenlose Führung im Museum und bleiben nach ein paar Stunden Rundgang in einer Galerie hängen, die es in sich hat. […] Am Abend treffen wir uns mit Greg, um wenigstens einmal original mexikanische Tacos und Burritos zu futtern. Immerhin haben wir Mexiko aus unserer Reise ausgelassen. Und wo sonst sind die meisten Mexikaner, außerhalb von Mexiko? Richtig, in Kalifornien. So fahren wir stilgemäß oben offen mit „Ingrid“, Greg’s VW Golf I Cabrio. Kuhle Sache das! :) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man für L.A. sicher ein paar mehr Tage braucht, wenn man wirklich alles Sehenswerte anschauen möchte. Wir haben es leider nicht nach Venice Beach, Santa Monica oder Malibu geschafft, sind nicht durch Bel Air oder Beverly Hilly gecruised und haben auch nicht wirklich etwas von Downtown mitbekommen aber eines steht fest: Man braucht dringend ein Auto, um L.A. wirklich kennenzulernen. Das Wichtigste zum Schluss: Definitiv San Francisco!!! Das ist unsere Antwort auf die allgegenwärtige Frage, welche der beiden Städte in Kalifornien sehenswerter ist. Wir verabschieden uns zum Glück ohne weitere Unfälle aus den USA und steuern stilsicher in Richtung unseres Flugzeuges. Es erwartet uns mit fast 20 Stunden der bisher längste Flug auf unserer Reise und wir verlieren dank Zeitverschiebung und Flug über die Datumsgrenze einen Tag unseres Lebens – Pah! Von L.A. geht es über Taiwan in unsere zweite Heimat: Bangkok, Thailand. Hier wollen wir versuchen an ein China-Visum außerhalb von Deutschland zu kommen, um endlich noch einen Haken an die „Länder-die-wir-unbedingt-sehen-wollen“ zu machen. Wir geben aber auch gerne zu: wir haben Asien vermisst und als wir am Gate ankommen und uns ein buntbedrucktes Hello Kitty Flugzeug begrüßt und uns beide auf Anhieb herzlich lachen lässt, wissen wir, dass wir definitiv alles richtig gemacht haben. Die taiwanesischen Stewardessen mit ihren Hello Kitty Schürzen begleiten uns lächelnd an unsere Plätze, wo schon Reiscracker und Hausschuhe bereit liegen…uuuuund weg!