Gute Nachrichten, aber - Die US-Serienlandschaft ist im Wandel
Ich habe es schon öfter erwähnt, aber aus diversen Gründen befindet sich die US-Unterhaltungsbranche gerade im Umbruch. In den nächsten zwei Jahren werden sehr sehr viele alteingesessene Serien zu Ende gehen. Und Nachfolger sind kaum in Sicht. Schlimmer noch, es neigen sich immer mehr ganze Franchises dem Ende zu. 2022 begann ein Dominio-Effekt, der so nicht vorhergeplant war, da neben vielen Dingen, die aus natürlichen Gründen zu Ende gehen, vieles, was eigentlich noch viele Jahre hätte weiter gehen sollen, auf einmal über Nacht gecannelt wurde.
Überlebende mag es geben, aber es werden nicht viele sein. Das MCU wird weiter gehen, auch über 2025 hinaus, zumindest ist das anzunehmen, “Star Wars” erscheint ebenso unverwüstlich, wenn auch immer mehr Alt-Fans nur noch kopfschüttelnd auf die Franchise blicken, und “Star Trek” erlebt momentan ironischerweise gerade eine zweite Rennaissance, in der wir zwar kürzere Staffeln, aber dafür im Grunde trotzdem eher mehr Trek als in 90ern geliefert bekommen, nur dass die Schwankungsbreite der Intention der Produkte und ihre Qualität breiter ist. Aber abgesehen davon sieht es ziemlich trostlos aus, wenn man ehrlich ist.
In der letzten Woche war gab es gleich zwei “Gute Nachrichten, aber”-Mitteilungen für Serienfans. “Outlander” wird eine 8. Staffel bekommen, doch es wir die letzte der Serie sein. Und Netflix hat nach Monaten der Ungewissheit endlich offziell bekannt gegeben, dass er eine 6. Staffel von “Cobra Kai” geben wird, aber auch das wird die letzte dieser Serie sein. Zwar haben die Produzenten in ihren offenen Brief von Spin-Offs gesprochen, aber angesichts dieses ominösen “Rükkehr zur Original Franchise”-Film, den Sony 2024 bringen will, obwohl niemand, der irgendetwas mit “Cobra Kai” zu tun hat, daran beteiligt ist, sind diese Spin-Offs noch unwahrscheinlicher als sowieso schon. Alle größeren Netflix-Projekte, die in den letzten Jahren zu Ende gegangen sind bzw. dabei sind zu Ende zu gehen, haben Spin-Offs angekündigt, aber materialisiert hat sich bisher nur der von “The Witcher”, der einen Netflix-Serie, die eben nicht zu Ende gehen will, selbst ohne ihren Hauptdarsteller. Und wie unglücklich neue Projekte von Netflix-Lieblingen, die einmal großen Erfolg hatten, sein können, zeigt sich an dem Schicksal von “1899″, das erste Projekt der “Dark”-Macher nach deren großen Erfolg für Netflix, das nach nur sechs Wochen abgesetzt wurde. Das sind also keine guten Voraussetzungen.
Und das nicht nur auf Netflix. Für “Outlander” ist ja eine Spin-Off-Serie in Entwicklung (eine Serie um Jamies Eltern nicht eine Adaption der “Lord John”-Romane und Novellen, weil zu schwul darf es ja auch wieder nicht werden, immerhin reden wir hier von Starz und US-Publikum), aber ob der jemals das Licht der Welt erblicken wird, ist fragwürdig. Und wenn man hinüber zu HBO schielt, dann hat man trotz des Erfolges von “House of the Dragon” bisher noch keinen anderen der unzähligen in Entwicklung befindlichen “Game of Thrones”-Spin-Offs bei der Geburt zu sehen können. Und wie bereits erwähnt, wurde zwar eine zweite Staffel von “House of the Dragon” bestellt, ist diese aber erst dann sicher, wenn sie tatsächlich veröffentlicht wird, da Warner-Discovery fröhlich mit Cancellations und anderen Geldeinsparungsmethoden weiter macht. Und selbst wenn “House of the Dragon” von dem Dunklen Lord der Sith, der jetzt Warner führt, verschont bleiben sollte, ist es fragwürdig wie sinnführend es wäre die Serie nach dem Ende des Tanzes der Drachen fortzuführen. Den Cast vollkommen auszutauschen, obwohl es keine Anthologie-Serie sein soll, wäre seltsam und würde Zuseher verschrecken, insofern stellt sich die Frage, ob die Serie prinzipiell über viel mehr als zwei bis drei Staffeln hinweg konzipiert wurde. Also ist diese Franchise wohl eher auch eine mit ungewisser Zukunft.
Ähnlich steht es um die “Walking Dead”-Franchise. Nachdem “Fear the Walking Dead” mit der kommenden Staffel ebenfalls zu Ende geht, steht die Franchise bald ohne Mutterserie da. Von den drei angekündigten neuen Spin-Offs sind mindestens zwei Mini-Serien und als Anthologie-Serie mit Einzelepisoden ist “Tales of the Walking Dead” jetzt nicht unbedingt ein Kandidat um diese Franchise in die Zukunft zu tragen. Und die Tatsache, dass die “Rick and Michonne”-Serie nach 2024 verschoben würde, könnte bedeuten, dass AMC diese Mini-Serie als tatsächliches Franchise-Ende benutzen will. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte: Großartig weiter gehen wird es nach 2024 wohl eher nicht mit der Franchise. Nach zwei langlebigen Serien mit Erfolg, einer zweistaffeligen Event-Serie ohne Erfolg und vier weiteren Spin-Offs im kleineren Format ist es ja auch kein Wunder, dass man keine Geschichten mehr über das Leben in der Zombie-Apokalpyse übrig hat.
Aber wenn sogar “NCIS: Los Angeles” zu Ende geht, dann merkt man, dass selbst die Dinosaurier unter den Fernsehserien langsam aber sicher “Auf Wiedersehen” sagen. Klar, durch neue Spin-Offs könnte man die NCIS/JAG-Franchise ewig am Leben erhalten, und man könnte die Hauptserie auch solange weiter drehen bis McGee so aussieht wie Gibbs, aber die Frage ist wieviele Zuseher dann noch weiter mit machen wollen und dran bleiben. Und das gilt trotz frischem Blut auch für die “CSI”- und die “Law and Order”-Franchis. Irgendwann geht alles zu Ende, und neue Spin-Offs haben oft weniger Zuseher als alte Serien. Ja, ironischerweise war gerade “NCIS” der Beweis, dass diese These nicht immer stimmt - immerhin war die Serie vor zwanzig Jahren oder so mal ein Spin-Off vom viel weniger erfolgreichen “JAG” - aber im Grunde wissen wir alle, dass sich die Zeiten ändern. Und das ist ja auch einer der Gründe warum sie “Law and Order: Special Victims Unit”, “Grey’s Anatomy” und “NCIS” laufen lassen wollen bis alle Darsteller, die jemals in diesen Serien waren, an Altersschwäche gestorben sind, weil sie nicht wollen, dass sie die großen alten Dinosaurier des US-Fernsehens verlieren, denn dann stünden sie mit auf einmal viel weniger Zusehern als zuvor da. Aber man kann eben nicht ewig weitermachen, und wir befinden uns in einer Phase, in der gerne Nägel mit Köpfen gemacht wird - es könnte also sein, dass die US-Networks bald alle ohne ihr Hauptzugpferd ihrer Haupt-Franchises dastehen.
Aber was dann? Zwanzig oder mehr Jahre Procedural wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die neuen Serien sind - ob Spin-Offs oder Neuland - weniger umfangreich, knackiger und kürzer, weil das billiger ist. Dadurch tun sie sich aber natürich auch schwerer ein treues Publikum zu finden. Jeder kann heutzutage zwischendurch mal im Grey-Sloan-Memorial vorbeischauen, McGee und Co beim Lösen eines Mordes an einem weiteren Soldatne zusehen, oder Benson dabei anfeuern wie sie einen Vergewaltiger zu Strecke bringt. Aber in zwei /drei Jahren? Wenn der Zeitpunkt erreicht ist, an dem “mittelalte” Serie auf Grund von Darsteller-Müdigkeit oder Geldfragen eingestellt sein werden? Wo kann oder will man dann einfach so einschalten und sich trotzdem auskennen? Ja, genau. Und das ist das Problem. Neue Serien dürfen sich nicht mehr entwickeln und werden immer früher beendet oder eingestellt, mittelalte gehen auf natürliche Weise zu Ende, und die Dinosaurier, nun die müssen auch alle langsam aber sicher weichen. Und da helfen auch Revial-Serien nichts, da die meisten von denen eben auf weniger lange Laufzeit ausgelegt sind als die Originale - sowohl innerhalb der Staffeln als auch ingesamt gesehen.
Also ja, uns werden in der nahen Zukunft noch sehr sehr viele “Gute Nachrichten, aber”-Mitteilungen erwarten. Und wenn alle diese Abers erreicht sind, nun ... was dann passiert weiß momentan niemand. Und das ist leider eben keine gute Nachricht.











