Weg mit Trek? - Star Trek ist mal wieder tot, wie und warum und was das bedeutet
Diese Woche ist - vorsichtig ausgedrückt - eine Menge in der Entertainment Industrie passiert, und es gäbe mehr als genug Neuigkeiten zu besprechen, aber letztlich müssen wir uns dem bestimmensten Thema der Woche zuwenden: Paramount hat sich - wenig überraschend - dazu entschlossen uns mitzuteilen, dass sie "Star Trek" killen. Natürlich klingt das jetzt mal schlimmer als es sich im Endeffekt anfühlen wird, denn wie wir alle wissen gibt es drei noch-nicht-ausgestrahlte Staffeln aus zwei verschiedenen Serien, die noch nicht veröffentlicht wurden, und nur eine davon ist noch für dieses Jahr angekündigt, das heißt wir werden nicht einfach von heute auf morgen Trek-los dastehen, aber spätestens in ein paar Jahren wird es nach aktuellen Stand der Dinge kein neuen "Star Trek" auf den kleinen Bildschirmen mehr geben.
Denn anders als im Fall von "School Spirits", das für eine vierte Staffel verlängert wurde, hat sich Paramount entschlossen "Star Trek: Starfleet Academy" nach der kürzlich abgedrehten 2. Staffel zu beenden. Da die erste Staffel ja erst veröffentlicht wurde, hätten die Macher ähnlich wie vor ein paar Jahren im Fall von "Discovery" genug Zeit zurückzugehen und ein neues Ende zu drehen, falls das notwendig sein sollte, aber fest steht, dass die Serie mit Staffel 2 enden soll und der angekündigte Vierjahresplan damit nicht nur um die Hälfte verkürzt wird, sondern damit auch die letzte noch laufende Trek-Serie gecanncelt wurde, da "Strange New Worlds" zwar noch zwei ungesendete Staffeln hat, aber schon länger für mit Staffel 5 endend erklärt wurde. Schlimmer wird alles dadurch, dass es keine neue Trek-Serie gibt, die den aktuell noch nicht fertig ausgestrahlten aber beendeten Serien nachfolgen soll, und diverse Pitches für neue Serien alle mehr oder wenige konsequent von Paramount ignoriert wurden. Tatsächlich hat Paramount in den letzten drei Jahren "Star Trek: Discovery", "Star Trek: Picard", "Star Trek: Prodigy", "Star Trek: Lower Decks", "Star Trek: Strange New Worlds" und nun eben auch "Star Trek: Starfleet Academy" - also insgesamt 6[!!] Serien - eingestellt. Das sind genauso viele Serien wie es vor dem Start von "Star Trek: Discovery" überhaupt insgesamt gegeben hat. (Heute gibt es 13, sprich fast die Hälfte aller existierenden Serien wurde innerhalb der letzten drei Jahre beendet).
Das sind schockierende Zahlen aus mehreren Gründen. Ich meine, ja, die ersten fünf Jahrzehnte seiner Existenz bestand die Franchise aus halb so vielen Serien wie im letzten Jahrzehnt danach. Haben wir es also mit einem quantitativen Problem zu tun? Sprich, kam zu viel Neues auf einmal nach, und haben es die Leute einfach nicht mehr angesehen? Immerhin wurde dieses Argument schon zur Jahrtausendwende gebracht um zu rechtfertigen, dass es zuerst nur noch eine "Star Trek"-Serie und dann ein Jahrzehnt lang gar keine mehr gab. Damals war die offzielle Behauptung, dass die Leute einfach genug von Trek haben, weil sie fast zwei Jahrzehnte lang wöchentlich ein bis zwei "Star Trek"-Serien vorgesetzt bekommen haben, und ihnen das einfach langweilig geworden war bzw. es immer das Selbe für sie war, da sie das ganze außerdem auch noch in abgwandelter Form in diversen anderen Science Fiction-Serien ebenfalls zu sehen bekamen. Und nicht zu vergessen, wurden wir damals belehrt, wollen die Leute für die "Star Trek" wie ein Orgasmus ist ja nur einmal pro Woche einen haben (das ist kein Scherz, das hat eine gewisse Person wirklich genau so gesagt, googelt es nach, wenn ihr es nicht glauben wollt).
Die Sache ist jetzt aber die, dass selbst wenn das damals gestimmt hat (von der Orgasmus-Sache mal abgesehen), man die Situation nicht wirklich mit der heutigen vergleichen kann. Selbst wenn man behauptet, dass die Welt schnelllebiger geworden ist und man sich deswegen schon nach der Hälfte der Zeit zu langweilen beginnt, kann man die modernen Trek-Serien nicht mit den 90er-Serien vergleichen: Damals kamen 26 Folgen pro Staffel in (fast) jeder Season, und wie bereits erwähnt hieß das in den Hochzeiten, dass in einem Jahr 62 Folgen zu sehen waren - und das in der Syndication, das heißt jeder US-Sender konnte die Serien spielen. Das galt in dieser Form natürlich nur für TNG und DS9 und genau genommen nur für das eine Jahr (1993/94), in dem beide Serien 26-Folgen Staffeln produzierten, die sich überschnitten, da "Voyager" eine sendergebundene Serie war und die Dinge ab dem Debut dieser Serie schon wieder anders lagen, aber der Punkt bleibt bestehen: Es gab bis jahrelang mehr als 50 neue Folgen pro Jahr zum ansehen und das im Fernsehen, sprich für alle, die Empfang hatten. Die 2010er/2020er-Ära Trek-Serien waren aber Streaming-Serien, mit einer durchschnittlichen Staffellänge von zehn Folgen. "Prodigy" war der Ausreißer mit 20 Folgen pro Staffel und die einzige Serien, deren erste Staffel regulär im Fernsehen lief, die erste Staffel von "Discovery" war die längste Realfilm-Serienstaffel mit 15 Folgen, während "Lower Decks" trotz kürzerer Episodenlänge nie mehr als zehn Folgen pro Staffel spendiert bekam, und die finale Staffel von "Strange New Worlds" gar nur sechs Folgen haben wird; und ja, mitunter liefen zwei oder drei Serien in einem Jahr, aber die Anzahl der Folgen insgesamt kommt in der Hochzeit wenn überhaupt auf 40 und das auch nur, wenn man die "Kinderserie" Prodigy mitzählt. Und die war in Staffel 2 gar nicht so leicht zu finden. Nur auf Netflix für kurze Zeit gestreamt und auf BR erhältlich - außerhalb von Frankreich war das die einzige Möglichkeit diese Serie überhaupt fertig zu sehen. Bei uns kamen die neuen Trek-Serien dank Tele5 und Comdey Central immer noch im Fernsehen, weltweit aber musste man sich die Folgen aller Serien aber entweder im Stream oder auf Home Media ansehen.
Für Nicht-Fans gab es also nicht nur viel weniger Trek, sondern auch viel schwieriger zugängliches Trek. Und Paramount machte alles noch schwieriger, indem sie Prime und Netflix ihre Lizenzen entzogen und die neuesten Serien und Staffeln nur noch auf ihrem eigenen kleineren und viel unbeliebteren Streaming Service Paramount+ zur Vefügung stellten. Und dann, keine zwei Wochen nach dem Ende der Ausstrahlung der ersten Staffel von "Starfleet Academy" dort, erklärten die Klickzahlen wären ihnen zu minder um eine dritte Staffel zu rechtfertigen, was verständlich ist, weil Paramount+ keine funktionierende Kosten/Nutzenrechnung bei teuren Prestige-Produktionen hat (siehe "Halo). Aber die haben ja nicht mal die größeren Streaming Services bei 80% ihrer Serien, weil Streaming am Ende vom Tag kein Geld einbringt (weswegen ja auf einmal alle Streaming Services ihren Kunden Werbung aufzwingen wollen). Es ist also klar, dass nicht die Zuseher entschieden haben, dass sie kein Interesse mehr an "Star Trek" haben, sondern Paramount kein Interesse mehr daran hat Geld in die Marke zu stecken, zumindest nicht in der aktuellen Form. Und so verständlich das ist, so frustrierend ist es auch, weil wir es hier mit einer "Acolyte"-Situation zu tun haben. Die Hater haben "Starfleet Academy" als "zu woke" gebrandmarkt und feiern das angekündigte Ende der Serie nun als "go woke go broke"-mäßigen Sieg. Und die Medien haben nichts besseres zu tun als dieses Narrativ auch noch zu unterstützen, indem sie sich zumindest gemüßigt fühlen zu erwähnen, dass es viele Fans geben soll, die die neue Serien nicht mögen, weil sie sie als zu woke empfinden. Trotz Kritiker- und Zuseherscore auf Rotten Tomatoes. Trotz der Tatsache, dass es genauso sinnlos ist darüber zu diskutieren, dass "Star Trek" woke geworden ist wie darüber, dass die "X-Men" woke geworden sind oder "Captain America" politisch geworden ist.
Tatsache ist, dass der Online-Hass ähnlich wie im Fall von "Doctor Who" nicht geholfen hat. Denn im Endeffekt wären beide Franchises so oder so vorübergehend auf Eis gelegt worden, aber "der negative Eindruck, den sogar die eigenen Fans davon haben" (der in Wahrheit so gar nicht existiert, aber das merkt eben keiner), macht es den dahinter stehenden Kräften leichter den Stecker zu ziehen. In den 80ern hieß es im Fernsehen, dass nicht mal mehr die eigenen Fans "Doctor Who" leiden können, woraufhin "Doctor Who" eingestellt wurde. In den frühen 2000ern hieß es, dass die Leute übersättigt an "Star Trek" sind und die angeblichen Fans, die sich nicht mal die Mühe gemacht haben auch nur zu versuchen "Enterprise" anszuschauen, haben dem nicht widersprochen, woraufhin "Star Trek" im Fernsehen über ein Jahrzehnt lang eingestampft wurde und ins Kino nur für das Mainstream-Publikum von einem ausgewiesenen Nicht-Fan gemacht zurückkehrte und das in einer Reihe, an der dieser Nicht-Fan im Grunde schon nach dem ersten Film das Interesse verlor. Erst, die Tatsache, dass Paramount dieses Streaming-Ding versuchen wollte und Bryan Fuller unbedingt eine "Star Trek"-Serie machen wollte, führten zur Wiedergeburt vor zehn Jahren (und wir wissen was aus diesen beiden Tatsachen wurde). Und jetzt passiert das Selbe wieder, und wieder tragen die angeblichen Fans eine Mitschuld, weil sie sich intstrumentalisieren lassen und denken, wenn der Teil der Franchise weg ist, der ihnen nicht gefällt, würde stattdessen etwas kommen, das ihnen gefällt, und übersehen dabei, weil sie nicht wissen worüber sie da eigentlich jammern, weil sie eben keine wahren Fans sind, die wirklich wissen was gerade Sache ist, dass wenn der letzte Teil einer Franchise, den es gerade noch gibt, eingestellt wird, die ganze Franchise tot ist und gar nichts mehr kommt.
Das alles konnten wir diese Woche in Miniatur-Form beobachten. "Hail Mary" aka "Der Astronaut" stürmt gerade die Kino-Charts, was Andy Weir, dem eigentlich sehr brillianten Autor der Buchvorlage, nicht davon abhielt sich zu entblöden auf das aktuelle "Star Trek" zu schimpfen und zu behaupten es wäre schlecht und abgesetzt worden weil es politisch wäre, während seine Werke das ja nicht sind (ja, jeder der "Der Marsianer" gelesen oder gesehen hat oder "Hail Mary" kennt oder andere Werke von Weir wird jetzt schlucke und sich fragen: "Häh?"; aber es wird noch besser). Einen Tag später kam heraus, dass Weir einen Pitch bei Paramount für eine Trek-Serie eingereicht hatte, der abgelehnt worden war. Ist der Hass auf die Serien, die es gibt, also nur Eifersucht? Ja! Und das obwohl der einen Kino-Film laufen hat, den mehr Leute ansehen als je eine Folge egal von welcher "Star Trek"-Serie jemals gesehen haben! Aber hier ist die Punch-Line: Weir schient zu denken, dass man nun stattdessen doch noch seine "unpolitische"-Serie machen könnte. Nur, dass Paramount wie gesagt mehr als nur einen Pitch für neue Serien bei sich liegen hat und keinen in Serie schicken will, von "Star Trek: Legacy" über "Year One" und der Archer-Comedy-Serie bis hin zu viellleicht doch noch Serien-Versionen von "Section 31" , Weirs Pitch, und wer weiß was noch alles - die können aus dem Vollen schöpfen und mehr als einer dieser Pitches hätte ein gebuchtes Publikum. Sie wollen aber keine "Star Trek"-Serien mehr machen, weil ihnen das zu teuer ist. Sie wollen stattdessen lieber Filme, allerdings eher Kino-Filme machen, weil ihnen das Geld einbringen würde und sie die außerdem nur alle paar Jahre mal machen müssten anstatt staffelweise jährlich. Aber das kapieren weder Andy Weir noch die Leute, die denken irgendein anderer dieser Pitches würde fix kommen. Und deswegen verstehen diese Leute nicht, dass sie, wenn sie den Tod von "Starfleet Academy" feiern, den Tod von "Star Trek" feiern.
Von der Vergangenheit inspiriert haben sich andere Fans - dieses mal tatsächlich wahre - gedacht, dass sie die Original Serie nachmachen könnten. Diese wurde bekannterweise nach der zweiten Staffel gecanncelt, wurde aber von einer Fan-Kampagne für eine dritte zurückgebracht. Es gibt bereits die Unterschriften-Liste um das mit "Starfleet Academy" zu wiederholen. Nur, dass das leider nichts bringen wird, außer Paramount wäre bereit Netflix, Prime oder Disney+ die Serie zu überlassen und zumindest eine Abschlussstaffel machen zu lassen - was ich ehrlich gesagt für ziemlich unwahrscheinlich halte. Aber das beweist zumindest, dass dort draußen wahre Fans sind, die "Star Trek" nicht aufgeben wollen. Das war natürlich damals nach dem verkündeten Ende von "Star Trek: Enterprise" auch der Fall, und es wurde sogar Privatvermögen investiert und angeboten, bis Scott Bakula die Fans davon abbrachte das zu tun, weil er wusste, dass das Geld weg wäre und "Enterprise" trotzdem tot bleiben würde. Denn in den 60rn stand Gene Roddenberry persönlich hinter der Kampagne, Rick Berman hatte nach dem Flop von "Nemesis" und dem Quotenkampf von "Enterprise" und der Toxizität der Fans genug von "Star Trek". Nach fast zwei Jahrzehnten und noch um einiges mehr Toxizität wird Alex Kurtzman wohl auch eher genug haben. Und selbst wenn nicht, hat er "Star Trek" einen Look gegeben, der so teuer ist, dass ihn in der heutigen Wirtschaft keiner mehr in Serienform stemmen kann oder will. Also ja, "Kurtz-Trek" hat "Star Trek" letztlich doch ruiniert, aber nicht aus den Gründen, die alle immer behaupten: Es hat "Star Trek" ruiniert, weil es den Mainstream Audience und Schönwetterfans und Spätgebornenen eingeredet hat, dass "Star Trek" teuer aussehen und sein muss um gut zu sein und gemacht werden zu können. Und so lange Paramount und die Leute dort draußen im Internet ebenfalls dieser Meinung sind, solange kann es gar kein neues "Star Trek" in Serienform mehr geben.
"Star Trek" ist (un)tot. An der Stelle waren wir schon mal. Viele in ihrer Lebenszeit. Manche sogar zweimal in ihrer Lebenszeit. Es ist bedauerlich, ärgerlich, und gibt den rechts-radikalen Online-Mob Futter. Aber vielleicht ist es im Endeffekt ganz gut so. Vielleicht brauchen wir eine kleine Pause und einen neuen Kreativen, der "Star Trek" in ein paar Jahren billiger zurückbringt und allen beweisen kann, dass die Franchise nicht teuer sein muss um zu funktionieren. Und selbst wenn das nicht passiert, können wir uns noch mit drei unveröffentlichen Staffeln trösten und all den Folgen und Serien, die wir noch nicht gesehen haben (denn seien wir mal ehrlich, wer hat wirklich alles gesehen?). Und hoffen, dass irgendwann alles besser wird und die Welt vielleicht dahinter kommt, dass eine Alterbeschränkung für Social Media nicht das wahre Problem löst: Nämlich den Hass im Netz. Wenn sie den wegbringen würden, dann könnte es auch wieder Franchises wie "Star Trek" und "Doctor Who" für alle geben.