Der dritte Streich - Doctor Who und der Tod der Science Fiction
Der Tod der Science Fiction. Ich hätte nicht erwartet schon wieder mit diesem Thema konfrontiert zu werden, einmal in der eigenen Lebenszeit reicht aus, würde man meinen, vor allem, weil es angesichts der Entwicklungen rund um die Raumfahrt im wahren Leben und dem Erfolg von "Project Hail Mary" überhaupt keinen Sinn macht, dass die Science Fiction im Sterben liegt, doch offenbar ist es so.
2026 bringt nämlich eine große Franchise nach der anderen unter die Erde. Begonnen haben sie mit "Star Trek", wo wir immerhin noch zwei ungesendete Staffeln nach diesem Jahr zu Verfügung haben werden, aber defacto ist zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt wieder keine Serie mehr in Produktion, und alle Filmprojekte sind im Grunde nur Filmgerüchte. An diesen Punkt waren wir schon mal vor zwanzig Jahren, und es hat nicht allzulange gedauert bis die Abrams-Filme diese Phase beendet haben, also ja, das wäre für sich genommen kein Grund zur Panik, aber es war nur der Beginn.
Diesen Monat wurde bekannt, dass ein halbes Jahr Hype um eine neue "Stargate"-Serie für nichts war, da eben genau diese neue "Stargate"-Serie von Amazon doch nicht kommen wird, da Amazon schnell mal den Stecker gezogen hat, bevor sie beginnen konnten zu drehen. Martin Gero soll zwar noch an weiteren "Stargate"-Projekten für den Streaming-Giganten arbeiten, doch warum sollte aus denen mehr werden als aus dem ersten bereits genehmigten und in Pre-Production gewesenen Projekt, was dann erst nicht kam?
Und als wäre das noch nicht ärgerlich genug, nahm die BBC das Pride Month zum Anlass um alle Gerüchte rund um "Doctor Who" zu bestätigen (genau genommen wurden sie erst jetzt wahr) und das Christmas Special zu cancelln und sich von RTD und Bad Wolf als Produktionspartner zu trennen, was übersetzt so viel heißt wie, dass "Doctor Who" bis aus weiteres gecanncelt wurde. Zwar wird nach einem neuen Showrunner gesucht, aber das kann dauern, und Lippenbekenntnisse, dass die Marke weitergehen wird, sind momentan nicht viel wert, da uns das ein Jahr lang versichert wurde, nur um nun die eine Folge, die sicher noch gekommen wäre, zu streichen. Moment, kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? Oh, ja, das ist ungefähr das Selbe wie mit "Stargate". Doch hier fragt man sich außerdem unweigerlich was die alle eigentlich im ganzen letzten Jahr getrieben haben, da das besagte Christmas Special im Gegensatz zur gecanncelten "Stargate"-Serie noch dazu auch nie geschrieben wurde.
Damit sind drei große Franchises in gerade mal sechs Monaten weg vom Fenster. Jetzt mag man denken, aber immerhin gibt es noch "Star Wars". Nur die Frage ist hier: Wie lange noch? Disney weiß mit dieser Franchise nichts mehr anfzufangen. Animierte Serien, die zumindest noch eine weitere Staffel weitergehen werden, gibt es noch, aber von den Real-Serien ist eigentlich nur noch "Ashoka" übrig, deren zweite Staffel auf 2027 verschoben wurde, was schon mal ein schlechtes Zeichen ist, weil es bedeutet, dass das wohl das einzige Live Action-Projekt der Franchise in dem Jahr sein wird. Der aktuelle Film "The Mandalorian and Grogu" hat das schlechteste Einspielergebnis aller "Star Wars"-Filme jemals und erfreut sich auch bei den Kritikern keiner großen Liebe, was für alle, die sich noch an "The Acolyte" und davor "Solo" erinnern können ein Alarmzeichen ist, weil Disney dazu neigt bei "Star Wars" andere Maßstäbe anzulegen als bei anderen ihrerer Produkte und wohl kurz davor steht die Notbremse zu ziehen und alles auf Eis zu legen um irgendwann mit neuer Ausrichtung alles neu zu starten. Die Zukunft von "Star Wars" ist also alles andere als sicher.
Dann hätten wir da noch "Dune". Film Drei und Staffel 2 von "Prophecy" kommen noch dieses Jahr, doch ob die Franchise eine Zukunft über dieses Jahr hinaus hat steht in den Sternen, da die Zukunft von Warner momentan in den Sternen steht, und alles davon abhängt was mit dem Studio passiert. Wenn Paramount alles schluckt, wonach es momentan aussieht, dann hat "Dune" schlechte Karten, da es teuer ist und wir davon ausgehen können, dass Nicht-Fans kein Interesse an Fortsetzungen über Film 3 hinaus haben werden und die Serie gegen Front Runner Projekte aus Westeros und der Welt von Harry Potter eher abstinken wird, sprich sehr viel schlechtere Chancen auf eine Verlängerung unter neuen Schirmherrschaft haben wird als die Fantasy-Projekte.
Durch den Tod von The CW und dem de-fakto Tod vom SyFyChannel gibt es ja bereits schon seit ein paar Jahren viel weniger Science Fiction-Serien als zuvor. Ohne den stätigen Strom von kanadischen und in Kanada gedrehten billiger produzierten Science Fiction-Serien, werden die nur noch von Streaming Services gemacht, und die setzten momentan auf weniger Projekte mit mehr Breitenwirkung. Nicht von ungefähr warten wir ohne Neuigkeiten seit Jahren auf eine vierte Staffel von "The Orville" auf Hulu, während Netflix, Prime und Paramount alles, wo Science Fiction draufsteht, nach ein bis zwei Staffeln killen oder nach der runden dritten Staffel und dem "geplanten Ende" einstellen, und wenn man darüber nachdenkt eigentlich in den letzten paar Jahren kaum noch Science Fiction-Serien ins Rennen geschickt haben. Abgesehen von "Fallout" und "The Testaments" - und theoretisch "The 3 Body Problem" in verkürzter Form - fällt einem adhoc eigentlich auch keine neuere Serie ein, die momentan noch weitergehen soll. Weswegen das Überleben der Franchises so wichtig wäre, weil die weitere Projekte garantieren würden. Es mag in Zukunft noch das eine oder andere MCU-Projekt geben, das im Weltall spielt, aber im Großen und Ganzen ist Science Fiction momentan seltsam out. Und das trotz des großen Kinojahres der Science Fiction-Blockbuster. Während "Project Hail Mary" Erfolg hat, haben "Masters of the Universe" und "Star Wars" eher gefloppt, "Disclosure Day" hat schlechtere Kritiken als erwartet bekommen, und "Supergirl" schlagen jetzt schon die Hasswellen entgegen, die der Film im heutigen Klima kaum unschiffen können wird. Ist die Science Fiction also auch im Kino gefährdet? Sollten "Dune 3" und der neue "Hunger Games"-Film nicht einschlagen wie Bomben, ist das gut möglich, denn ein Erfolg gegen 4-6 Misserfolge ist für Hollywood ein klares Zeichen.
Und wir waren schon mal an diesem Punkt. Es gab vor ein paar Jahrzehnten den Tod der Science Fiction live mitanzusehen. Und klar, danach gab es eine Rennaissance, aber das Problem ist, dass wir dieses Mal nicht wirklich verstehen warum sie momentan stirbt. Damals war der Weltraum für den normalen Menschen tot, und Konflikte in der realen Welt haben alles andere überschattet. Aber wie gesagt gerade 2026 mit all seinen Weltraumversprechen und einem mega erfolgreichen Film über einen Astronauten und seinen Alien-Freund sollte das Genre anheizen. Immerhin war das Jahr als das große Jahr der Science Fiction geplant. Was, so kann man sich fragen, hat sich in den letzten sechs Monaten so radikal geändert, dass keiner mehr Geld in Science Fiction-Franchises stecken will? Vor allem wenn dem gegenüber all das Geld, das in diverse Fantasy-Projekte fließt, steht.
Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung. Trump und der Erfolg der Rechtsradikalen, nehme ich an. Nur, dass er letztes Jahr schon vorhanden war und den Briten egal sein sollte. Aber offenbar nicht ist.
Offenbar traut sich niemand mehr Geld in offen linke Science Fiction zu stecken. Was für die Franchises auf der Kippe wie "Stars Wars" und "Dune" und sogar "Fallout" schlechte Nachrichten sind und den Tod der Science Fiction im Allgemeinen besiegeln sollte.
Hass gewinnt offenbar wirklich immer. Und tötet all unsere Träume. Die Menschheit sieht ihre eigene Zukunft nicht mehr; kein Wunder, dass es dann keine Science Fiction mehr gibt und sogar die Dystopien aufgehört haben Spaß zu machen, da wir ja selbst bereits in einer leben.
Was bleibt einem dann also noch übrig zu tun?












