„Wer im ALTER seine JUGENDSÜNDEN bereut, wollte sich mit dem Gedanken trösten, dass seine kaputte KINDHEIT daran schuld ist, dass er sie überhaupt begangen hat.“
(Altersweisheit)
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„Wer im ALTER seine JUGENDSÜNDEN bereut, wollte sich mit dem Gedanken trösten, dass seine kaputte KINDHEIT daran schuld ist, dass er sie überhaupt begangen hat.“
(Altersweisheit)
Drakonische Strafen, Misshandlungen, Demütigungen: Millionen Kinder litten nach dem Zweiten Weltkrieg auf »Verschickungskuren«. Drei Betroff
ALPENIDYLLE NACH DEM ALPTRAUM ALS VERSCHICKUNGSKIND
Dieses mutmaßlich vor Ort gemalte Bild der Ötztaler Alpen hat eine Vorgeschichte, die man nach heutigen Maßstäben nur als Alptraum bezeichnen kann. 1964 während der 3. Grundschulklasse wurde ich zehnjährig trotz bester Gesundheit für mindestens vier Wochen in eines der berüchtigten Kindererholungsheime gesteckt. Nicht nur, dass ich vier Wochen Unterricht versäumte, ich erlebte zusammen mit anderen eine Zeit voller Erniedrigungen, Züchtigungen und Pädagogischer Maßnahmen, die man wohl auch in NS-Heimen praktiziert hatte.
Betten, die nicht richtig zusammengelegt waren, wurden in Unteroffiziersmanier wieder auseinandergerissen und zu Boden geworfen. Das Essen war widerwärtig. Wurde es ausgekotzt, bekam man das gleich noch mal vorgesetzt. Es gibt inzwischen sogar eine Art Selbsthilfegruppe für inzwischen betagte Opfer, die versuchen dieses düstere Kapitel deutscher Nachkriegspädagogik aufzuarbeiten. Ich bin also nicht allein. Noch ein Hysteriker und Übertreiber. Viele Kinder bzw. inzwischen 60 bis 70zigjährige berichten von ähnlichen Erlebnissen, die sie bis heute verfolgen.
Drahtzieherin dieses widerwärtigen „Erholungsurlaubes“ war meine Mutter, die mir mit dreisten Lügen den stinklangweiligen Südschwarzwald als „Alpenidylle“ verkaufte. Der eigentliche Grund ist auch ohne Psychologiestudium leicht zu erkennen. Wieder einmal hat mich meine Mutter abgeschoben, um sich besser ihrem Lieblingskind widmen zu können, das im Gegensatz zu mir tatsächlich untergewichtig war und an Essstörungen litt. (Aber natürlich nie als Verschickungskind in ein Alptraumkinderheim geschickt wurde)
Scheinbar hatte mein Vater nach meinem Martyrium wieder sonstiger Gewohnheit ein so schlechtes Gewissen, dass er noch im gleichen Jahr in den Sommerferien einen richtigen Alpenurlaub mit mir im Ötztal machte. Im Gebirgsort Vent. Wie körperlich fit ich war, beweisen die anstrengenden Bergtouren, die wir zusammen unternahmen. Höhepunkt war die Besteigung des zweithöchsten Berges Österreichs, die Wildspitze (3768m). Es ging mit Bergführer angeseilt über steile Felsen und tiefe Gletscherspalten. Mehr als ein Beweis, dass diese traumatische Verschickung nicht weiter war als eine von vielen Bosheiten, die getarnt als gute Taten mein Leben fast frühzeitig ausgelöscht hätten.
Am meisten verletzen mich Menschen, die diese ungeheuerlichen Taten verharmlosen, verdrängen, herunterspielen schönreden oder beinah nach dem Muster eines Stockholmsyndroms mir eine Mitschuld geben. Auch das meine frühe künstlerische Begabung innerfamiliär kaum gefördert wurde mutet seltsam an. Meine ersten Farbbilder malte ich im Exil bei meiner Tante in der Schwäbischen Alp. Ich habe später jede Menge Söhne und Töchter von Künstlern – zum Beispiel meine Lebenspartnerin - kennen gelernt, die ihre Kinder früh forderten, so dass diese später selbst erfolgreiche Künstler oder zumindest Kunstlehrer wurden. Warum dies nicht bei mir der Fall ist, nähert einen schlimmen Verdacht...
Ps: Wer das Thema „Verschickungskinder“ googelt, landet direkt in der Hölle. Sogar die gleichgeschalteten Staatsmedien berichten von den Tortouren, denen die Kinder in den NS-Nachfolgeeinrichtungen ausgesetzt waren.
Trauma-Thema: VERSCHICKUNGSKINDER:
Warum gerade ich? Wenn Abschiebung und Gewalt zum Hauptmerkmal der Kindererziehung werden
1964 wurde ich – angeblich „unterernährt“ - für vier oder sogar sechs Wochen in ein Kinderheim im Schwarzwald abgeschoben. Dort erlebte ich wie viele meiner Leidensgefährten die Hölle. Zwangsmittagsruhe, Schläge, Demütigungen, Ekelhaftes Essen, dass ich sogar auskotzte. Immer wieder habe ich mich später gefragt: Warum wurde ich verschickt? Ich war normal entwickelt. Hatte wie bei Kindern üblich vor der Pubertät nochmal einen Wachstumsschub gemacht. Ich hatte keine Essstörungen. War ein guter Sportler. Zweitschnellster Läufer der Klasse! Zwei Mal Sieger-Urkunde bei Bundesjugendspielen. Begeisterter Jung-Hobbygärtner. Nach der Tortour, die möglicherweise einen Teil der Schulzeit fraß, bestieg ich in den Sommerferien den zweithöchsten Berg Österreichs, die Wildspitze (3770m). Es ging sogar über Felsen und Gletscherspalten. Um so absurder erscheint die Verschickung wegen körperlicher Unterentwicklung in den stinklangweiligen hügligen Südschwarzwald, den meine Mutter mir mit dreisten Lügen als „Alpenregion“ verkauft hatte. Was war der wirkliche Grund? Warum wurde meine Schwester nicht verschickt, die viel weniger aß?
Heute 60 Jahre später habe ich die brutale Antwort: Meine Mutter hat während meiner Kindheit jede passende Gelegenheit ausgenutzt, um mich abzuschieben. Das erste Mal über zwei Monate, als ich gerade mal 5 Jahre alt war. Ein Jahr später wurde ich kurz nach einem Umzug erneut zu Verwandten geschickt, zu einem jungen Paar mit einem 4jährigen Kind, die selbst gerade ihre Wohnung eingerichtet hatten und mit meinem erzwungenen Aufenthalt komplette überfordert waren. Nach einem traumatischen Erlebnis – ich wurde eingeschlossen, konnte die Toilette nicht benutzen und urinierte mich ein – hat mich dieser Onkel wutentbrannt dann am nächsten Tag mit quietschenden Reifen zu meinen Eltern zurückgebracht. Er fuhr auf der gefährlichen kurvenreiche Bundesstraße quer durchs Rothaargebirge und Bergische Land und Siegtal mit einem VW-Bus stellenweise 120 KM/H und legte die 130 Km lange Strecke in Rekordzeit zurück. Wie jeder weiß, besaßen Autos damals in den 60ziger Jahren noch keine Sicherheitsgurte! Der VW-Bus hatte keine Knautschzone. Ich schwebte buchstäblich eineinhalbstunden in akuter Lebensgefahr. Heute müssen sogar Siebenjährige auf Spezialsitzunterlagen angeschnallt auf dem Rücksitz platz nehmen. Ich erinnere mich noch daran, dass ich mich während der Fahrt an den Haltegriffen festkrallte, um bei der wilden Fahrt nicht gegen das Armaturenbrett zu knallen.
Mein drei Jahre späterer Heimaufenthalt reiht sich also nahtlos in ähnliche traumatische Erlebnisse ein. Je älter ich werde, je klarer treten diese hässlichen Dämonen zu Tage. Immer wieder taucht dabei die Frage auf: Warum ich? Warum haben nicht meine Klassenkameraden oder Freunde in der Nachbarschaft ähnliches erlebt. Erst recht nicht meine Partnerin: Weil diese Mütter ihre Kinder geliebt haben und deshalb nicht leichtfertig in fremde Hände gaben, und schon gar nicht in ein Heim. Nicht einmal zu Verwandten. Ergo: Mit meiner Familie hat einiges nicht gestimmt. Dass man in einer solchen Familie und einem von Gewalt geprägten Alltag bereits mit 12 Jahren schwere Depressionen bekommt, unter denen man sein ganzes Leben leidet, liegt eigentlich auf der Hand.
Warum kommen diese schrecklichen Dinge erst jetzt in voller Schärfe ans Licht? Das hat zwei Gründe: Immer öfter erscheinen in der Tagespresse – allen voran in der WELT – Berichte von Verschickungskindern. Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Und in jedem dieser Berichte tauchen traumatische Erlebnisse auf, die ich eins zu eins buchstäblich am eigenen Leib erlebt hatte, einschließlich der Demütigung, wie mich eine Betreuerin als ich nackt unter der Dusche stand vor älteren, besser entwickelten und auch „bestückten“ Knaben verhöhnte. Eine Szene, die sich für immer ins Gedächtnis eingebrannt hat und zugleich die Frage aufwerfen. Was taugen eigentlich Psychotherapien, wenn solche Traumata nicht thematisiert werden? Allein, dass erst in den letzten Jahren das Trauma von Verschickungskindern zur Sprache kommt zeigt, das Psychotherapien doch eher „Täterschutz-Therapien“ sind, die solche Tabus geschickt ausklammern.
Der zweite Grund sind unsere Enkel: Ich habe durch die Enkel meiner Partnerin gelernt wie zart und zerbrechlich Kinderseelen sind. Wie sehr sie Liebe und Vertrauen brauchen. Da gibt es so wunderbare Erlebnisse im Wald, als mir zum Beispiel der Drei-jährige die Hand reicht, weil er unbedingt über eine schmale kleine Brücke aus Baumstämmen gehen wollte, die über einen Wassergraben führte. Oder wie wir zusammen einen Felsen hochgeklettert sind. Er voller Vertrauen in meine eher bescheidenen Kletterkünste, dass ich ihn notfalls auf den Arm nehme, wenn er nicht mehr weiterkommt. Ähnliches erlebte ich mit der Ältesten auf einer Radtour oder mit der Jüngsten bei der spannenden Begehung durch unseren kleinen Garten.
Bei diesen innigen Momenten stelle ich mir öfter die Frage: Wie sah meine frühkindliche Verbindung zu meinen Eltern aus? Bilder aus den 50ziger Jahren zeigen, dass ich nicht lache oder glücklich strahle. Meine Mutter hält mich wie einen Fremdkörper im Arm. Wie eine Frau, die sich nicht wirklich über ihr Kind freut. Bei meiner Schwester, die sechs Jahre später zur Welt kam, strahlt sie dagegen übers ganze Gesicht. Je älter ich werde, je mehr komme ich zu der Überzeugung, dass nicht erst mit sechs Jahren – also bei Geburt meiner Schwester - der Schalter der Lieblosigkeit umgelegt wurde, sondern schon viel früher. Vielleicht schon kurz nach der Geburt. Vielleicht spielen Kriegserlebnisse dabei eine Rolle. Nicht verarbeitete Traumata. Auch dieses Thema verfolgt mich immer mehr. Steht am Ende der eigenen Analyse die bittere Erkenntnis, dass selbst die scheinbare Zuwendung, die man erfahren hat, nur ein Rollenspiel war, aber nie von Herzen kam? Eine Heuchelei, Ein Affentheater. Mit solchen Fragen stehe ich gewiss nicht allein da. Sie betrifft einen großen Teil der Nachkriegskinder. Aber eben nicht alle. Es gab auch liebevolle Eltern. Vor allem solche, die während des Krieges noch viel schlimmere Dinge erlebt hatten.
Die Heimverschlickung ins „Folterheim“ in den 60ziger Jahren ist eines von vielen Mosaiksteinen, die das wahre Gesicht meiner Mutter zeigen, war sie doch die treibende Kraft hinter diesen medizinisch fragwürdigen Aktion. Zusammen mit den regelmäßigen Gewaltorgien meines Vaters war das der Highway to Hell in die schwere Depression. Für Menschen, die sich zu Täterschützer aufschwingen, wie das leider in der Gutmenschbranche oft vorkommt – ein Grund warum viele Heimschicksale bis heute nicht aufgearbeitet wurden – habe ich kein Verständnis. Eben so wenig wie für die Betschwestern, die vom „Verzeihen“ schwadronieren. Wie soll man verzeihen, wenn die Täter zu Lebzeiten, ja sogar noch auf dem Sterbebett nicht die geringste Spur von Reue und Unrechtbewusstsein zeigten.
Einziger schwacher Trost: Manchmal gibt es im Leben – auch in meinem - so etwas wie einen „Karmischen Ausgleich“. Da fällt das Unrecht auf die Verursacher und deren Verteidiger zurück. Aus diesem Grund finde ich die Voodoo-Religion so interessant. Im Voodoo gibt es eine große Schutzpatronin gegen häusliche Gewalt: Erzulie Dantor. Sie wird von all jenen angerufen, die bei den verlogenen bigotten Betschwestern kein Gehör finden….
Körperliche Gewalt, Demütigungen, Mastkuren: Nach Jahrzehnten kommen Erlebnisse sogenannter Verschickungskinder ans Licht. Tausende berichte
Millionen Kinder verbrachten in der Bundesrepublik bis in die 1990er-Jahre wochenlange „Kuren“ in Heimen. Betroffene schildern traumatisiere
Kindheitstraumata begleiten einen bis zum Tod
Vor acht Jahren lag ich nach einer schweren Operation eines zwar „gutartigen“ aber ziemlich großen Tumors für mehrere Wochen im Krankenhaus. Neben mir lagen ältere Männer mit bösartigem Krebs, deren Heilungschancen ziemlich begrenzt schienen. Einer dieser Männer, knapp über 80 Jahre, ehemaliger Leistungssportler, athletischer Typ, ehemaliger Fabrikarbeiter, eine Seele von Mensch, erinnerte sich plötzlich während eines Gespräches an ein Kindheitserlebnis während des Krieges. Eine Bombennacht mitten im Ruhrgebiet. Er erzählte mir wie er mit seiner Mutter in den Luftschutzkeller des Mehrfamilienhauses flüchtete und kurz darauf die Gegend von einem alliierten Bombenhagel getroffen wurde. Er schilderte mir wie der Boden und die Wände und vor allem die Decke bebte. Plötzlich fing dieser gestandene Mann wie ein kleines Kind bitterlich an zu weinen und erzählte mir unter Tränen wie er sich in Todesangst an seine Mutter klammerte…
Mich hat dieses Gespräch sehr aufgewühlt. Auch ich kämpfte mit den Tränen, weil ich mir die Situation nur allzu gut vorstellen konnte. Auch meine Familie hat ja im Krieg väterlicher wie mütterlicherseits schlimme Dinge erlebt. So er(über)lebte mein Großvater den mörderischen Kessel von Breslau mit schätzungsweise 25 000 Ziviltoten und ebenso vielen gefallenen Soldaten. Was mich jedoch am meisten erschütterte war die scheinbare Unauslöschbarkeit von Kindheitstraumata. Der alte Mann hatte nach diesen schrecklichen Bombennächten eine sehr glückliche Kindheit. Eine unbeschwerte glückliche Jugend. Hat seine Freundin aus Kinderzeiten geheiratet usw.
Wie geht es Menschen im Alter, die vom sechsten bis 12. Lebensjahr schwere körperliche Misshandlungen erlebten und anders als der alte krebskranke ehemalige Fabrikarbeiter nicht an eine starke Mutter klammern konnten, sondern eine Mutter hatten, die als Verräterin und Komplizin den Terror duldete und unterstützte oder das Kind hin und wieder zu Verwandten abschob und sogar – ohne gesundheitliche Probleme - in ein Heim verschickte? Die Aufarbeitung von sogenannten „Verschickungskinder“ wird gerade wieder diskutiert. Kommt das nicht alles immer wieder hoch?
Der andere Weg ist die Verdrängung. So als wenn jemand Dreck unter den Teppich kehrt. Der Weg der Abspaltung. Der scheint für einige der einfachere. Das Problem ist, dass manche Menschen dabei „verrückt“ werden, weil sie ständig wie ein Schauspieler nur eine Rolle spielen, die mit ihrer wahren – aber möglicherweise verletzten Seele – nichts mehr zu tun hat. Sie sind in eine andere Person geschlüpft, aus der sie nicht mehr hinausfinden.