Oktober 2020
DHL und warum es OK ist, wenn ein Paket nicht ankommt
Wenn der DHL-Bote anstatt zu klingeln einfach eine Karte in den Briefkasten legt und das Paket in die drei Kilometer entfernte Abholstation bringt, habe ich dafür großes Verständnis. Wenn andere Menschen mich besuchen wollen, müssen sie schließlich einen langen Weg zurücklegen.
Wenn andere Menschen mich besuchen wollen, müssen sie als erstes bei mir klingeln. Draußen stehen sieben Namen auf der Klingelplatte. Wenn die Person, die mich besuchen möchte, meinen Namen gefunden hat und klingelt, betätige ich kurze Zeit später den Türöffner über die Gegensprechanlage. Die Person muss daraufhin die Haustür öffnen, was bereits gute Reaktionsfähigkeit erfordert. Denn man hat nur ca. 5 Sekunden Zeit, um die Haustür aufzuschieben – viel größer ist das Zeitfenster nicht. Wenn man den Zeitpunkt verpasst, muss man erneut klingeln, was nicht selten zu Frustration führt auf beiden Seiten.
Unsere Haustür ist eine gewöhnliche Tür, die sich automatisch schließt und die man mit etwas Gegengewicht, sofern man welches aufbringen kann, ohne Probleme geöffnet bekommt. Dann kommt allerdings der schwierige Part: Die Person muss meine Wohnung finden. Man muss sich den Hausflur vorstellen wie einen langen Weg, der aus mehreren Hindernissen besteht in Form von Treppen. Wer schon mal in einem Haus war, weiß vielleicht, wovon ich rede.
Ich wohne in der dritten Etage – das ist ganz schön weit oben. Die meisten Menschen sind zu diesem Zeitpunkt bereits völlig entnervt und treten die Rückreise an. Andere sind fest entschlossen und gehen weiter.
Oft ist an den Klingelschildern an Häusern bereits ablesbar, in welcher Etage und auf welcher Seite sich eine Wohnung befindet. Wenn man das weiß, kann man direkt durchlaufen und muss nicht in jeder Etage erneut Klingelschilder lesen, um die Wohnung zu finden. Das spart Zeit. Man darf zwischendurch nur nicht vergessen, in welcher Etage man sich befindet. Wenn man falsch zählt, kann es passieren, dass man zu weit nach oben läuft und die Wohnung verpasst.
Dazu kommt, dass die Etagen in meinem Haus zum Verwechseln ähnlich sind. Sie unterscheiden sich äußerlich eigentlich nur durch die Fußmatten vor jeder Wohnungstür. Wenn man in Eile ist und nur schnell etwas an der Wohnungstür abgeben möchte, helfen die Fußmatten zur Orientierung nicht weiter. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn auf ihnen etwas anderes stehen würde, als “Welcome" in unterschiedlichen Schriftarten.
Hat man es bis zu meiner Wohnungstür geschafft, trotz der Strapazen und dem quasi nicht vorhandenen Wegeleitsystem, muss man irgendwann wieder den Weg nach draußen finden. Vereinfacht gesagt, geht man eigentlich nur den Weg, den man gekommen ist. Allerdings sind auch hier wieder mehrere Dinge zu beachten. Die Erklärung hierfür spare ich mir, denn es ging bei diesem Text nicht um den Rückweg.
Es dürfte jetzt hoffentlich klar geworden sein, wie schwierig es ist, meine Wohnung im dritten Stock zu erreichen. Wenn der DHL-Bote nicht klingelt und das Paket stattdessen in die drei Kilometer entfernte Abholstation bringt, ist das OK.
(Gregor Weichbrodt)












