Route de l’Art.6 - Yan Samson & Pyrène/Maler-Multimedia-Schriftstellerin, Guillaume Toen - Musiker
Samstag, 29. August
KM 2.299 von zu Hause entfernt. Heute ist ein Tag vollgestopft mit Künstlern. Mit Vadim de Greve fahre ich zu Yan Samson und seiner Frau Helene, ebenfalls Künstlerin. Am Abend treffe ich mich mit dem Musiker-Komponisten Guillaume Toen.
Ich fahre ins malerische Ortszentrum von Foix-Village um mich mit Vadim de Greve zu treffen. Als ich das Auto im Parking der Prefecture haargenau einzuparken versuche, bemerke ich, dass mein Wagen eine eigenartige Spur hinter sich zieht, die voll wie Inkontinenz aussieht. Bei näherer Betrachtung erschließt sich das Malheur in seiner vollsten Blüte. Irgendwo ist ein Leck und das Auto pieselt gerade den Parkplatz voll. So, nun muss ganz schnell ein Plan B her. Vadim ist bereits unterwegs und ich steh - Samstag mittags versteht sich - am A. der Welt in der Pyrenäen mit einem Auto das grad mal die Schnauze voll hat. Erste Idee: Ich rufe Guillaume an ... Idee Nummer 2: Ich rufe meine Schwester in Österreich an... Beides bringt mich meinem Ziel nicht wirklich näher und die Alte am Apparat der Assistance nervt mit ihrem radebrecherischen Englisch gewaltig. Naja, nachdem Plan A und B fehlgeschlagen sind, bleiben noch 24 andere Buchstaben über. Irgendeiner wird ja wohl eine brauchbare Lösung bieten.
Da haben wir’s V wie Vadim, der gerade in einem klapprigen, uralten Citroen heranscheppert. Ein bisschen weniger begeistert zeigt er sich, als ich ihn Frage ob er die 50 km Route zu Helene und Yan fahren will, aber meiner Charmeoffensive kann er nicht widerstehen und gibt sich geschlagen.
Aus dem Hotelzimmer bringe ich Decken und versuche den Beifahrersitz auf einen mitfahrergerechten Standard zu bringen. Coco ist über ihren Rücksitz voll entsetzt, starrt konsterniert nach vorne, obwohl der Traumtyp Gary neben ihr herhechelt. Klimatisiert und belüftet wird durch das Herablassen der Seitenscheiben. So federn wir gemütlich im rostigen Flaggschiff Citroen der 80er Jahre, wo das Innere farblos ausgeblichen ist und mit dunkelroten Teppichresten aus der Belle Epoque zugepickt wurde um die Kolateralschäden zu kaschieren. Oder um vom Beifahrersitz im Getriebe rumzufingern, wer weiss das schon. Patchwork Design sozusagen. Eine Stunde später: Yan wartet am Treffpunkt auf uns und geleitet uns Offroad in die tiefsten Pyrenäen.r Rechts und links wachsen Bäume ins offene Autofenster rein, es duftet herrlich nach Naturwiesen und Waldboden und der Weg schraubt sich höher und höher und wird enger und enger. Bis wir auf eine kleine Lichtung gelangen, wo ein malerisches Haupthaus mit dem Berg verwachsen ist. Es blüht soweit das Auge reicht, von Hortensien über Rosen und Hauswurz bis Kiwi und Erdbeeren ist alles hübsch im Garten arrangiert. Im Haupthaus aus Steinmauern öffnen sich blitzeblaue Fensterläden zum Tal, eine malerische Terrasse darunter, die durch einen riesigen Marktschirm vor der Sonne des Südens geschützt wird. Der gedeckte Tisch erwartet uns bereits. Helene hat einen köstlichen, frischen Sommersalat mit Fois Gras, Thunfisch, Reis und einer Vinaigrette aus Olivenöl und knackefrischen Kräutern zubereitet. Herrlich, wie das Nachhausekommen zu Freunden, zu Gleichgesinnten. Nach der allgemeinen Fütterung bin neugierig und dränge endlich in die geheiligten Hallen der Kreativität eindringen zu dürfen. Jaaaaaa, sowas. Helenes Werke reißen mich vom Hocker, Ihre Portraits sind natürlich und bestehen aus ganz wenigen, markanten Strichen, die immer ein positives Bild der Person zeigen. Genial, ich liebe ihren Stil.
Danach geht's ins ordentlichste Atelier das ich jemals gesehn habe, nämlich in das von Yan. Yan scheint künstlerische Anleihen von Hundertwasser zu haben. Seine Farbkompositionen, sein Stil, die Strichführung erinnert ganz stark an den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser und das Hundertwasserhaus in Wien. Die späte Nachmittagssonne dringt schräg durch die großen, doppelflügeligen Holzfenster und erleuchtet den Arbeitstisch auf dem fein säuberlich die Farbtiegel aufgereiht stehen. Wir schlendern nodh durch den Garten, betrachten Feigen- und Kiwibaum vollgepfropft mit Früchten und geben uns voll dem süßen Nichtstun hin. Es ist zum Sterben schön, doch es wartet schon mein nächster Termin - Guillaume - und ich drängle ein wenig um pünktlich zu sein. Wir kommen kurz vor 20 Uhr beim Hotel an. Ich bedanke mich in aller Form bei Vadim für die Umstände die er sich machte und eile unter die Dusche um danach Guillaume Toen zu treffen. Er ist superpünktlich. Ein hübscher, junger Mann mit dunklem, lockigen, halblangen Haar, hochgewachsen - eigentlich viel zu groß für einen Franzosen - und lässigem Vollbart. Wir begrüßen uns wie alte Bekannte und beschließen nebenan im Restaurant eine Kleinigkeit zu speisen. Guillaume ist Musiker, Komponist und Texter von Slammusik, unterrichtet an 2 Schulen Schlagzeug und ist zudem ausgebildeter Fotograf und Grafiker. Supermischung, gefällt mir. Er erzählt mir seine Geschichte, über sein Projekt und wie es dazu kam. Die Zeit verrauscht wie im Flug und ich durfte wieder vier fantastische Menschen kennenlernen. Todmüde falle ich ins Bett und bin gespannt, denn morgen werde ich meinen alten Freund Christian treffen.















