Studie: Das finden PR-Mitarbeiter an Bloggern blöde - Verbesserungsvorschläge und #RANT
Agenturmiezen sind momentan nicht besonders gut gelitten. Jeden Tag also eine neue Studie und ein neuer Rant von irgendeiner Bloggerspezie, wo rumgeflennt wird, wie unfähig all die Mäuschen in den PR-Agenturen sind, was für unmögliche Anfragen, über Massenmails sogar, muss man sich mal vorstellen, unverschämt, man also bekommt mit bekackten Produkten die überhaupt nicht zu meinem tiptopsuper Highclass Blog passen.
Dazu kann ich nur folgendes sagen:
Denn hier die große Überraschung - auf jeden unfähigen PR-Hasen da draußen kommen leider mindestens drei höchst inkompetente Blogger-Nasen, die mir, dir, sich und allen Menschen den Tag versauen.
So you get doofe Anfragen?
Frag mich doch mal! Mein Postfach wird zugespammt von Himbeerelfen, die drei Facebook-Follower haben und mal ganz dringend ein geiles Produkt meiner Kunden testen wollen. Um das gleich mal klarzustellen: Ich bin nicht der Weihnachtsmann und ich habe nichts zu verschenken. Also muss ich die Frage stellen: Warum in Gottes Namen sollte ich dir was schicken? Mhm?
Es scheint bei einem nicht unwesentlichen Teil der “Blogosphäre”, was auch immer das sein soll, noch nicht angekommen zu sein, dass wir unseren geilen Swag nicht als Selbstzweck raushauen, sondern dafür eine Leistung brauchen. Unsere Reportings wollen gefüllt werden.
“Ich schreib da nen coolen Bericht drüber”
Aha. Du hast das Produkt also benutzt und das hat dir gefallen. Voll gut. Das in etwa ist leider nur so geil wie abblätternder Nagellack auf meinem dicken Zeh. Und hat den gleichen Informationsgehalt. Wenn dein Blogeintrag weniger Testwert hat als Einträge auf ciao.de, dann lass es. Frag mich bitte nicht an. Denn auf Bewertungsportalen kriegen wir Einträge von Leuten, die das Produkt gekauft haben. Und das hat dann im Zweifel auch mehr Reichweite.
Sprich Reichweite: Du musst nicht so viele Follower haben wie der Papst oder Caitlyn Jenner, aber mein Gott, es sollten schon ein paar sein. Wenn du eine nennenswerte Anzahl von Besuchern im Monat hast und das glaubhaft tracken kannst, dann verrate uns diese Zahl doch auch gleich. Und hab dabei im Blick - unterschiedliche Produkte haben eine unterschiedliche Wertigkeit.
Ein Mascara ist nicht so teuer wie ein Föhn ist nicht so teuer wie eine Fotokamera ist nicht so teuer wie ein Auto. Wenn du also drei Follower hast, dann geb ich dir bestimmt keine Kamera. Aber vielleicht nen Mascara. Mal gucken wie das mit uns läuft.
Denn was ich gar nicht kann - diva attitude. Sorry ihr Süßen, aber ihr seid alle keine Stars. Ein bisschen Ass kissing ist ja in Ordnung, aber manche Blogger halten sich dann wirklich auch schon für die Wiedergeburt des Dalai Lama.
Reality Check: You are not. Ich bemühe mich schließlich auch, in meinem äußerst stressigen Tag, ein paar liebe und nette Worte für dich zu finden. Wenn etwas schlecht läuft, tut es mir leid. Ich werde dir in deine Berichterstattung nicht reinpfuschen (es sei denn, etwas ist grob sachlich falsch, aber auch nur mit der Bitte, es dann zu korrigieren), ich verpacke das Produkt liebevoll. Ich brauche dann keine passiv aggressiven Sprüche über unfähige Postboten (kann ich nichts für!) oder zu lange Antwortzeiten (ich muss am Tag leider auch noch was anderes machen und springe darum nicht sofort
). Genauso nervt es mich, wenn du unbedingt ein zweites Produkt für deinen “Co-Blogger” haben willst.
Was denn für ein Co-Blogger? Weil du dich ohne deine beste Freundin nicht aufs Klo traust, soll ich für mein Event noch ne zweite Reise buchen oder mir noch ein Produkt aus meinem limitierten Kontingent schneiden?
WOFÜR???? In gefühlt 0,5 % der Fälle hat dein Blog einen tatsächlichen Co-Blogger, der sich einbringt, Texte schreibt, und sich mit meinem Produkt oder Event auseinander setzt. In 99,5% der Fälle geht es hingegen darum, einfach mehr abzugreifen. Again: Das kann ich nicht gebrauchen, da hab ich keinen Bock drauf. Vor allem sind meine Ressourcen beschränkt. Liefert mir richtige Gründe, warum Schatzi auch nen Damenrasierer (”Er testet, Sie testet - beide jetzt glatt rasiert!”) braucht, vielleicht können wir dann reden.
Aber ungeschlagene Nummer 1 der ewigen Nerv-Mails von Bloggern:
“Warum habt ihr SoundSo zu eurem mega fetten Event eingeladen und nicht mich? Warum hab ich nicht auch ein Produkt bekommen?”
Neid ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem, es ist auch ein großes Blogger-Problem und macht meine Arbeit zur Hölle.
Wenn ein anderer Blogger etwas bekommt, was du nicht bekommen hast, gibt es dafür genau 2 Gründe.
1. Wir wollten dich nicht. Weil deine Blogausrichtung oder uns deine Nase nicht passt, ich deinen letzten Bericht doof fand, du mir zu kompliziert bist, die Gästeliste voll war, es nur eine begrenzte Anzahl an Produkten gibt. Unser Produkt/Event. Unsere Entscheidung. Das magst du doof finden. Damit können wir leben.
2. Wir haben dich vergessen.
Weil du dir nie sicher sein kannst, ob es nicht der zweite Grund war, frag nett nach. Im Idealfall bekommst du auch ein Produkt oder eine Einladung, im Zweifel beim nächsten Mal. Ansonsten eine ehrliche Antwort. Weil meistens ist es einfach, dass wir bestimmte Blogthemen besetzen wollen und dann kann es sein, dass du da mal nicht reinpasst. Wenn du aber gleich rumpisst, dann kommst du auf meine schwarze Liste und dann lade ich dich nicht mehr ein und es gibt auch keine Produkte. Egal für welchen meiner Kunden und auch egal, wie geil du bist und wie viele Fans du hast und what not. Und darüber darfst du dich sehr gern auf all deinen Kanälen auskotzen. Aber ich bin auch nur eine Tanja-Anja. Und ich muss mich wegen so einer Kinderkacke nicht anpflaumen lassen.
“Aber die PR-Trullas wissen ja auch nicht, wie man mit uns redet! Die verstehen uns ja gar nicht! Ihr schickt uns unpersonalisierte Anfragen!!!!1111elf1“
Frage: Kennt ihr mich? Wisst ihr, wie das bei uns so läuft? Mit den trotteligen Kunden, die ihr eigenes Briefing schneller vergessen als ich die Gewinnerin der letzten Germany’s Next Top Model Staffel? Die nicht verstanden haben, dass man für gute Bloggerplots erstmal selber ne gute Idee haben muss? Und dafür auch mal Budget locker machen muss? Oder wenn man keine gute Idee hat, flexibel sein sollte, um mit Bloggern was zu entwickeln? Die total auf Zahlen fixiert sind und nicht verstehen, dass drei wirklich gut zu den Blogs und dem Produkt passende Beiträge Millionen Mal mehr wert sind als 25 generische Beiträge? Mit Kollegen die ohne Hilfe das Internet nicht finden und Chefs, die einem noch den 6. Pitch aufdrücken? Und dann kommst du mit deiner pampigen Mail weil ich irgendwas in deinem liebevoll gepackten Bloggerpäckchen vergessen habe und dann empfinde ich nur noch Hass.
Und wegen der Massenanfragen - hat irgendeiner von euch ne Ahnung, wie viele von euch scheiß Bloggern es da draußen gibt? Jeder von denen könnte das nächste dicke Ding sein. Oder auch nicht. Personalisierte Anfragen machen extrem viel Mühe. Sollte man sich ja mal geben, oder? Joa. Wir hörten die Klagen, wir probierten aus. In 80% der Fälle bekomme ich einfach gar keine Antwort. Kein “Nein, Danke”, einfach nix. Auch wenn ich mir total Mühe gegeben habe. Interessant: Bei standardisierten Mails, die ich etwas anpasse, ist das ne ähnliche Ratio.
Frage also: Soll ich mir für jeden Blogger ne halbe Stunde nehmen, mir da ne mega schöne E-Mail zusammen klöppeln, nur damit die Mehrheit von euch sich dann doch zu fein dafür ist, darauf zu antworten? Oder “darf” ich mir nen festen Infokörper bauen und dann nur den Einleitungssatz ändern? Mhm?
Es gibt eine Menge Blogger, mit denen ich gerne zusammenarbeite. Die wissen, wie man eine Rechnung schreibt. Dass das Wort Danke ein relevantes in unserer Gesellschaft ist. Die verstehen, wenn ich ihnen mal etwas “vorenthalte”, bei denen ich umgekehrt es aber genauso respektiere, wenn sie eine Sache von uns ablehnen, weil es nicht passt. Ist doch cool! Blogger, die versuchen, von sich selbst aus mit coolen Ideen um die Ecke kommen und weniger generischen Scheiß zu machen die zu meinem Produkt passen. Da bin ich dann auch mehr als gern bereit, bei meinen Kunden Kohle aus dem Kreuz zu leiern und für die Idee zu kämpfen. Wenn ich das Gefühl habe, da respektiert jemand den Wert des Produkts und weiß auch zu schätzen, dass ich mich bemühe.
Bestimmt gilt das nicht für alle Agenturmiezen da draußen. Aber bevor ihr weiter darüber rumkotzt, wie scheiße wir doch sind - versetzt euch mal kurz in unsere Lage. Wir arbeiten in Zukunft daran, unseren Kunden diese Sache mit dem Bloggen besser zu verstehen. Daran, dass wir unsere Ideen besser zuschneiden, besser recherchieren wer zu welchem Thema passt. Schneller zu antworten. Offen zu sein für eure Ideen. Und ganz vielleicht gibt es ja auch ein paar Themen, an denen ihr arbeiten könnt. Wo ihr euch mehr Mühe geben könnt. Wo ihr mal von eurem ziemlich hohen Ross runtersteigt und euch mal kurz, ganz kurz, mit uns kleinen PR-Kittens gemein macht. Den Namen der Person mit der ihr mailt einfach mal richtig schreiben wäre zum Beispiel ein Anfang.










