“Etwas schwierige” Personen
Es geschah vor einiger Zeit....
Wie blöd kann ein Mensch eigentlich sein? Wie kann man absolut unselbstständig sein? Wie kann man nur so ein mieses Taktgefühl haben? Wie kann man am laufenden Band so offensichtlichen Schwachsinn labern und es nicht mal bemerken?
Ich war mit Freunden unterwegs, spät abends. Geburtstag einer Freundin. Nun hatte sich auch ein mir vorher nicht bekannter Junge eingeladen, nennen wir ihn mal Vin. Sie warnte uns andere vor, er könne etwas schwierig sein, doch wie wir anschließend feststellten, war das maßlos untertrieben.
Zuerst fiel uns auf, dass es ihm unmöglich war, kurze Sätze zu bilden. Er sagte etwas, mitten im Satz fiel ihm noch etwas ein, was er gleich mit einbaute, dann kam noch was dazu, immer weiter, bis er nicht mehr wusste, was er eigentlich hatte sagen wollen. Und solchen Schachtelsätzen zu folgen, wird auf dauer langweilig. Dann eröffnete er uns, er studiere Wirtschaftsinformatik. Wir waren beeindruckt, und im anschließenden Gespräch über PC-Programme erklärte er uns in brünstig, dass der Flugsimulator, der als Gag im Microsoft Excel 97 eingebaut war, in Wahrheit dazu gedacht gewesen sei, Flugrouten auf dem Flugzeug zu berechnen. Wenn auf einen Flugzeug die Bordelektronik ausfällt, so erklärte er, würde man Excel starten, dann darin diesen Flugsimulator, und dann könne man seine Flugbahn berechnen, und das hätte schon Leben gerettet. Einer erkundigte sich nochmal, ob wir vom gleichen Flugsimulator redeten, und als Vin bejahte, wechselten wir flugs das Thema.
Er erzählte ungefragt über seine Finanzen und seine Krankheiten. Beim ersten Treffen mit fremden Leuten würde ich gerade diese Themen nie so ansprechen und die Krönung war, als Vin begann, gegen das freiwillige soziale Jahr zu wettern - welches meine Freundin, deren Geburtstag es war, gerade absolvierte. Autsch.
Der absolute Wahnsinn geschah dann aber erst später. Er musste mit dem Zug heimfahren, der letzte ging um 00:30. Wir machten uns auf den Weg - alle gemeinsam - um zum Bahnhof zu laufen. Letztenendes wurde es aber doch knapp und wir kamen erst kurz vor halb an. Eine Unterführung lag noch vor uns; meine Freundin konnte nicht mehr, der Rest war hinter uns geblieben. Ich spornte Vin also an, ging voraus, zeigte ihm den Weg. Der Zug kam, ich war auf der Treppe die zum Gleis führte, er noch in der Unterführung. Ich rief ihm zu, er solle sich beeilen, er würde sonst den Zug verpassen. Die Zugtüren öffneten sich, es wurde knapp, Vin kam keuchend die Treppe zum Gleis hoch… Und ging gemächlich an den Fahrkartenschalter um sich eine Fahrkarte zu kaufen.
Ich stand erst einmal nur völlig bedröppelt da. Der Zug stand mit offenen Türen da, und er kaufte sich auf dem Gleis eine Fahrkarte für zwei Stationen, ungefähr 10 Minuten Zugfahrt, um halb eins nachts, wo die Kontrolleure eh nicht mehr auftauchen. Ich hätte das nicht gemacht. Ich wäre die beiden Stationen schwarz gefahren oder hätte im Zug ein Ticket gekauft.
Was fĂĽr ein Idiot.
Die Türen des Zugs schlossen sich, er suchte die passenden Münzen für den Automaten. Das war der letzte Zug in den nächsten Stunden. Mir war klar, wenn ich Vin loswerden wollte, musste ich den Zug aufhalten. Also öffnete ich eine Zugtür und hielt sie offen. Es dauerte nicht lange, und ich erblickte die Schaffnerin, wie sie auf mich zukam, aber da war Vin endlich fertig.
Er stieg ein, ich lieĂź die TĂĽr los, der Zug fuhr weg.















