Diese News passen zu Snapchat
Wir haben eine Woche lang getestet, welche Nachrichten sich auf Snapchat sinnvoll darstellen lassen. Ziel war es, sowohl die Möglichkeiten und Grenzen der Plattform zu nutzen, als auch eine Erzählform zu finden, die Inhalte anschaulich vermitteln kann.
Was tun wir normalerweise? In der SWR-Redaktion der “News for Natives” erstellen wir Nachrichten für die etwa 20- bis 40-Jährigen, die im Internet “zu Hause” sind. Ausgespielt werden unsere Themen auf SWR3.de und DASDING.de sowie auf den dazugehörigen Social-Media-Plattformen. Und dann machen wir noch Radio ;-).
Für Snapchat eignen sich unserer Erfahrung nach Themen, die sich in wenigen logischen Schritten komplett erzählen lassen.
Deswegen haben wir die Nachrichten unseren Testnutzern nicht direkt geschickt, sondern in einer Story gesammelt, die 24 Stunden lang abrufbar ist.
Ihr solltet möglichst schnell eine Bild- oder Umsetzungsidee haben: Requisiten, Moderatoren, Snapchat-eigene Features.
Nachrichten mit einer Pointe eignen sich für Snapchat. Die Abfolge der Bilder kann dramaturgisch auf die Punchline hinführen.
Es gibt Themen, bei denen schnell klar ist: Das ist nichts für Snapchat. Dann sollte man auch die Finger davon lassen. Und lieber nach einem anderen, tauglichen Thema suchen.
In der Testwoche hatten wir z.B. diese Themen:
Facebook löscht in Deutschland 188 Hassposts
Schüler erfinden eine App, mit der sie das Handy beiseite lassen können
Neue Barbie zeichnet Gespräche mit dem Kind auf
BzgA-Studie zu Jugendsexualität
Jugendwort des Jahres 2015
Nicht gemacht haben wir z.B.:
Schäubles Lawinen-Äußerung zu Flüchtlingen
Babyleichen in Oberfranken
Wir fanden es sehr schwer, diese Themen in Snapchat darzustellen.
Bei Schäuble war das Ursprungs-Zitat zu komplex. Es in den maximal zehn Sekunden zu erfassen, die Snapchat anbietet, wäre nicht möglich gewesen.
Bei den Babyleichen hätten wir zwar die Fakten erzählen können. Aber zu welchen Bildern? Nur auf schwarzem Hintergrund? Hier war das Bild-Problem unserer Meinung nach zu groß, um das Thema Snapchat-gerecht unterzubringen.
2. Wie setze ich Nachrichten auf Snapchat um?
Jede Geschichte sollte in maximal fünf Snaps erzählt sein. Sonst wird es langweilig.
Eine Storyline hat uns geholfen, den Ablauf der Snaps zu entwickeln: überlegen, notieren, snappen.
Für die Snaps (Foto wie Video) haben wir uns gute Motive gesucht: Requisiten, die wir zufällig im Büro gefunden oder extra mitgebracht haben, Moderator im On, vorbereitete Papierstreifen. Wenn das nicht ging, haben wir nur mit den Features von Snapchat die Nachricht erzählt.
Ein Problem war, die Länge der einzelnen Snaps festzulegen. Das hängt auch davon ab, wie viel Information mit dem Snap transportiert werden soll. Bei Bild + Text braucht das Auge länger, um alles zu erfassen, als nur bei einem Bild oder einem Text auf neutralem Hintergrund.
Am besten ist es, komplexe Bild-Text-Inhalte vor dem Senden an Kollegen zu testen.
Wenn wir ein Video eingesetzt haben, haben wir die Nutzer vorgewarnt. Entweder mit einem Extra-Snap “Lautsprecher an!” oder mit einem großen Lautsprecher-Emoticon im Video. Dann muss aber im Video ein einleitender Satz eingeplant werden, um den Nutzern Zeit zu geben, den Lautsprecher anzuschalten - ohne dass sie wichtige Infos verpassen.
Besser fanden wir es deshalb, wenn unter dem Video der Haupt-Inhalt als Text eingeblendet wurde. Dann braucht es den Lautsprecher nicht unbedingt.
Snapchat funktioniert zweidimensional schon recht gut. Ein Hintergrund, Emoticons und Schrift - die Nachricht ist erzählt. Und es sieht nicht so schlecht aus.
Besser ist aber optische Tiefe. Die haben wir mit Video-Abschnitten in den einzelnen Geschichten erreicht oder mit Info-Karten, die wir auf das Motiv gehalten haben.
Die Snapchat-Geschichten gehen nahtlos ineinander über. Deshalb haben wir einen Trenner eingebaut - ein Logo, eingeblendet für eine Sekunde. Dann ist klar: Diese Nachricht ist vorbei, die nächste kommt.
3. Was haben wir noch gelernt?
Bei Snapchat lassen sich überraschend viele Themen schnell umsetzen. Wir haben dann gedrosselt und mehr Wert auf die originelle Umsetzung statt Masse gelegt.
Wer Snapchat mitdenkt, findet mitunter bessere Ansätze für Online-Artikel oder Postings auf anderen Social-Media-Plattformen.
Auch wenn Snapchat oft handgemacht und quick&dirty wirkt, stellt es einige Ansprüche an den Nachrichtenredakteur:
Punchline erkennen und den Weg dorthin logisch aufbauen
kreativ und humorvoll Motive finden
Moderieren vor der Kamera
Layoutkenntnisse, damit Text und Bild zusammen funktionieren
Snapchat ist nicht die App, die direkt die Menschen auf das Mutterangebot holt.
Snapchat ist ein Marktplatz, um Inhalte, die einmal ausgewählt und durchdacht sind, anders anzubieten. Die Nutzer müssen die Plattform nicht verlassen, um das Angebot zu verstehen.
Wir können mit Snapchat Menschen erreichen, die unser traditionelles Angebot nicht interessiert oder langweilt.
Und so kann das aussehen:
Wir testen Snapchat-News - so sieht das aus, leider mit Transferverlusten und nicht leider mit @jlanghei. pic.twitter.com/TW9CtdcE21
— Katharina Krueger (@newsbykatriona)
Katharina Krüger @newsbykatriona (Twitter), @katrijnmobiel (Snapchat)
Jost Langheinrich @jlanghei (Twitter, Snapchat)