Ich frage mich oft, wieso sie mich nicht lieben konnten. Wieso sie aus mir dieses perfekte, immerzu funktionierende Kind machen wollten, das ich niemals war. Oft frage ich mich auch, wie alles gelaufen wäre, wenn sie aufgehört hätten, mich zurecht zu biegen und mich stattdessen in den Arm genommen hätten.
Einer der Psychiater, zu denen sie mich schickten, hat mir am Ende einer Sitzung einmal zwei Euro in die Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle mir eine Tafel Schokolade davon kaufen. An diesem Tag habe ich sehr geweint und mir wurde erst Jahre später klar, wieso. Ich erinnere mich daran, dass ich mir tatsächlich eine Tafel Schokolade kaufte, weiße Schokolade mit Erdbeerstückchen. Ich erinnere mich daran, als sei es gestern gewesen. Ich dachte immer, es hätte mich so mitgenommen, weil er mir erlaubte, etwas Süßes zu essen und sich nicht daran störte, während ich zu Hause immer nur zu hören bekam, ich sei zu dick. Heute glaube ich, dass es um etwas anderes ging. Es ging darum, dass mir jemand etwas gab, ohne dass ich dafür eine Leistung erbracht hätte oder dies von mir erwartet wurde. Das war etwas, was ich nicht kannte. Nicht nur materielle Dinge, auch andere Sachen wie Zuneigung, Nähe, Freundlichkeit, ja auch Liebe bekam ich von meinen Eltern nur, wenn ich etwas erreicht hatte. Die Klassenbeste in einer Klausur, oder ein gutes Zeugnis. Als wäre ich ohne die Leistung nichts wert. Als müsste ein Kind sich die Zuneigung seiner Eltern verdienen.




















