Als ich dich kennenlernte, dachte ich, ich kenne die Schmerzen des unglücklich Verliebtseins. In der Vergangenheit vor dir war die Vorstellung davon mein romantisches Absolut. Zu leiden war notwenig, um zu schreiben. Und ich hab auch gelitten, natürlich hab ich das. Die Liebe zu einer Person hatte mit meinem Leiden allerdings gar nichts zu tun. Wie sich das anfühlt, jemanden zu lieben und zu vermissen, kenne ich erst durch dich.
Ich bin irgendwie froh, dass ich auf den Boden der Tatsachen geholt wurde. Der echte Liebeskummer ist vernichtend. Er hat meine Fähigkeit, zu existieren, für Jahre bedroht. Er hat mich fragen lassen, was es bringt, sich anzustrengen. Meine Familie wollte, dass ich Entscheidungen treffe, dass ich weiter mache, und ich wollte einfach nur, dass der Schmerz aufhört.
Die Fähigkeit zu schreiben, habe ich wiedererlangt. Die Zeit und so. Aber die Fragen haben nicht aufgehört. War ich dir zu viel oder hast du nur entschieden, dass du mich nicht mehr in deinem Leben haben willst? Gab es eine Stellschraube, die ich hätte anders drehen können? Gibt es eine realistische, alternative Realität, in der du mich in deinem Leben akzeptiert hättest? Hab ich etwas falsch gemacht?
Ich weiß, das klingt ein bisschen erbärmlich. Aus deiner Sicht sieht vielleicht alles ganz anders aus. Als hätte ich es beendet, als hätte ich genug gehabt. Ich hatte das Gefühl, du brauchst den Abstand, dass es dir besser ginge ohne mich. Mir war das Wichtigste, dass du deinen Weg gehst. Hätte ich damals Zweifel daran gehabt, dass du mich loswerden willst, hätte ich um dich gekämpft. Ich habe mir immer gesagt: "Ich will nicht wissen, ob Florian mich vermisst". Ich hab mir immer gesagt: "Er ist froh, mich los zu sein". Daran halte ich mich bis heute fest, um mich davon abzuhalten, dir zu schreiben.
Es ist nur so, dass extrem viel Zeit vergangen ist. 10 Jahre sind echt lang. Wir sind 30 und ich schreib dir jetzt trotz allem. Was mich abhielt, war wirklich nicht mein Stolz. Ich hatte Respekt vor dir und deinen Wünschen. Ich plante, sehr genau, dich in Ruhe zu lassen. Ich habe genug davon.
Ich weiß, du bist immer noch mein bester Freund. Ich weiß, wir schulden einander eine Erklärung. Ich weiß, wir können das klären. Ich will dich nicht unter Druck setzen, aber ich habe dich so lieb, dass ich es darauf ankommen lassen möchte.